Der Saale-Orla-Kreis ist ein Landkreis im Südosten von Thüringen. Kreisstadt ist Schleiz. Er ist nach dem Wartburgkreis und dem Landkreis Schmalkalden-Meiningen flächenmäßig der drittgrößte thüringische Landkreis. Raumordnerisch gehört er zur Planungsregion Ostthüringen, und er ist Mitglied der Planungsgemeinschaft Ostthüringen.

Geographie mini|links|Landschaft bei Wurzbach

Lage Der Landkreis liegt zum größten Teil im Thüringer Schiefergebirge bzw. in dessen Übergangsgebieten zum Thüringer Holzland und zum Vogtland. Dadurch ist das Gelände von deutlichem Mittelgebirgscharakter, über 80 % der Fläche des Landkreises liegen über 400 m Höhe. Den niedrigsten Punkt bildet das Orlatal mit einer Höhe von ca. auf dem Gebiet der Gemeinde Langenorla. Der Sieglitzberg bei Bad Lobenstein nahe der Grenze zu Bayern ist mit der höchstgelegene Punkt im Kreisgebiet. Der höchstgelegene Ort ist Rodacherbrunn auf ca. .

Nachbarkreise sind im Norden der Saale-Holzland-Kreis, im Nordosten der Landkreis Greiz, im Südosten der sächsische Vogtlandkreis, im Süden der bayerische Landkreis Hof, im Südwesten der bayerische Landkreis Kronach und im Westen der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt.

Gewässer Der namensgebende Fluss Saale schneidet sich tief ins Gelände ein und fließt auf einer Länge von ca. 90 Kilometern durch das Kreisgebiet. Die zweite Namensgeberin ist die Orla, ein rechter Nebenfluss der Saale, der die im Norden des Kreises gelegene Orlasenke durchströmt.

Mit der Bleilochtalsperre und der Talsperre Hohenwarte befinden sich im Kreisgebiet zwei der größten Talsperren Thüringens.

Naturräumliche Gliederung Die Thüringer Naturräume Oberes Saaletal, Saale-Sandsteinplatte, Orlasenke, Hohes Thüringer Schiefergebirge–Frankenwald, Ostthüringer Schiefergebirge–Vogtland, Schwarza-Sormitz-Gebiet und Plothener Teichplatte liegen ganz oder teilweise im Kreisgebiet. Weite Teile des Kreisgebietes befinden sich im Naturpark Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale.

Geschichte Bildung des Landkreises mini|Staatenzugehörigkeit des Landkreises vor 1922

Der Landkreis entstand am 1. Juli 1994 im Rahmen der Kreisreform Thüringen durch Zusammenlegung der Landkreise Lobenstein, Pößneck und Schleiz. Historische Vorgänger sind unter anderem der Neustädter Kreis (bis 1920), der Landkreis Ziegenrück (bis 1952) sowie der Landkreis Schleiz (bis 1952).

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1994 102.875 1995 92.226 1996 92.901 1997 93.551 1998 93.847 1999 93.679 2000 93.929 2001 93.404 Jahr Einwohner 2002 92.969 2003 92.311 2004 91.470 2005 90.761 2006 89.827 2007 88.935 2008 88.199 2009 87.400 Jahr Einwohner 2010 86.809 2011 86.906 2012 84.435 2013 83.654 2014 82.887 2015 82.951 2016 82.362 2017 81.501 Jahr Einwohner 2018 80.868 2019 80.312 2020 79.632 2021 79.030 2022 78.404 2023 77.859 2024 77.341 Datenquelle: ab 1994 Thüringer Landesamt für Statistik – Werte vom 31. Dezember

Politik

Kreistag Die 40 Sitze im Kreistag verteilen sich seit der Kommunalwahl am 26. Mai 2024 folgendermaßen auf die einzelnen Parteien: Partei Sitze CDU 15 (±0) AfD 13 (+4) UBV 3 (−4) LINKE 3 (−3) UM UNS/SPD 2 (−2) FDP 2 (−1) WU 1 (+1) GRÜNE 1 (−1)

Landrat

Bei der Landratswahl am 15. Januar 2012 trat der seit 2000 amtierende Landrat Frank Roßner (SPD) wieder an und erhielt mit 35,5 % die relative Mehrheit der Stimmen.Landratswahl 2012 Da keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erhielt, fand am 29. Januar 2012 eine Stichwahl zwischen Frank Roßner und Thomas Fügmann statt, die Fügmann mit 53,1 % der Stimmen gegen Roßner, der 46,9 % erreichte, für sich entscheiden konnte.

Fügmann durfte aus Altersgründen nicht für eine weitere Amtszeit antreten. Als Nachfolger kandidierten vier Bewerber. Im ersten Wahlgang am 14. Januar 2024 erzielte Uwe Thrum (AfD) mit 45,7 % die meisten Stimmen vor Christian Herrgott (CDU) mit 33,3 %. Die parteilose SPD-Bewerberin Regina Butz erhielt 14,2 %, der Linke-Kandidat Ralf Kalich 6,9 %. Die Wahlbeteiligung lag bei 65,5 %. Da kein Kandidat die absolute Mehrheit erreichte, kam es am 28. Januar 2024 zur Stichwahl zwischen Thrum und Herrgott. Diese gewann Herrgott mit einem Stimmenanteil von 52,4 % bei einer Wahlbeteiligung von 68,6 %. Er trat sein Amt am 9. Februar 2024 an.

Bundespolitik Der Saale-Orla-Kreis bildet zusammen mit dem Landkreis Saalfeld-Rudolstadt und dem Saale-Holzland-Kreis den Bundestagswahlkreis Saalfeld-Rudolstadt – Saale-Holzland-Kreis – Saale-Orla-Kreis mit der Wahlkreisnummer 195. Bei der Bundestagswahl 2021 gewann der AfD-Politiker Michael Kaufmann das Direktmandat in diesem Wahlkreis, der sich gegen den bisherigen Mandatsinhaber Albert Weiler von der CDU durchsetzen konnte. Der Wahlkreis 195 ist somit einer von vier durch die AfD gewonnenen Wahlkreisen in Thüringen.

Wappen

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Unter allen Kreisen/kreisfreien Städten hatte 2019 der Saale-Orla-Kreis gemeinsam mit dem Altenburger Land die niedrigsten mittleren Bruttolöhne (jeweils 2.420 Euro) in ganz Deutschland (bundesweit: 3.401 Euro).

Straßenverkehr Der Kreis wird in Nord-Süd-Richtung von der Bundesautobahn 9 Berlin–Nürnberg und der weitgehend parallel dazu verlaufenden Bundesstraße 2 durchzogen. Wichtige Verbindungen in West-Ost-Richtung sind die Bundesstraße 281, die von Saalfeld kommend bei Triptis an die B 2 anbindet, sowie die Bundesstraße 90, die von Saalfeld kommend durch den Süden des Kreisgebietes über Bad Lobenstein zur B 2 bei Gefell führt. Die Bundesstraße 94 verbindet die Kreisstadt Schleiz mit Zeulenroda-Triebes.

Schienenverkehr Die älteste und wichtigste Bahnstrecke Gera – Saalfeld wurde 1871 von der Thüringischen Eisenbahn-Gesellschaft eingerichtet und berührt die Städte Triptis, Neustadt an der Orla und Pößneck.

Der Bahnhof Oppurg wurde 1892 Ausgangspunkt der Orlabahn, einer Querverbindung der Saal-Eisenbahn-Gesellschaft nach Orlamünde an ihrer Hauptstrecke Jena – Saalfeld. Die Strecke war ab Pößneck unterer Bahnhof schon seit 1889 in Betrieb.

Von Triptis führt seit 1894–1897 die von der Preußischen Staatsbahn erschlossene Bahnstrecke Triptis–Marxgrün quer durchs Gebirge über Ziegenrück – Lobenstein nach Blankenstein und ab 1901 weiter nach Marxgrün in Oberfranken. Auf sie trifft in Unterlemnitz die 1907/08 eröffnete Sormitztalbahn von Saalfeld über Wurzbach.

Das Schleizer Oberland wurde mit der Bahnstrecke Schönberg–Schleiz von dem im sächsischen Vogtlandkreis gelegenen Bahnhof Schönberg aus erschlossen, welche im Jahre 1887 als Staatsbahn des Fürstentums Reuß j.L. entstand und die erst 1930 durch die Schleizer Kleinbahn AG bis nach Saalburg an der Saale weitergeführt wurde. Diese neue Bahn ist samt einer Abzweigung nach Gräfenwarth-Sperrmauer lange Zeit elektrisch betrieben worden. Seit 2006 ist der Personenverkehr eingestellt.

Die Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen eröffneten 1892 die Bahnstrecke Schönberg–Hirschberg von Schönberg über Tanna und Gefell nach Hirschberg an der Saale, das unmittelbar an der bayerischen Grenze liegt.

Das Schienennetz im heutigen Kreisgebiet von maximal 158 km Länge wurde vor in den 1990er Jahren so stark gekürzt, dass heute weniger als die Hälfte von Personenzügen befahren wird, nämlich nur 77 km. Folgende Strecken wurden stillgelegt:

1939: Gräfenwarth – Sperrmauer: 3 km 1945: Blankenstein/Saale – Lichtenberg – Marxgrün: 1 km 1946: Pößneck unt.Bf – Oppurg: 3 km 1994: Schönberg – Unterkoskau – Hirschberg: 17 km 1996: Schleiz West – Saalburg: 14 km 1998: Triptis – Ziegenrück – Unterlemnitz: 43 km

Im Fahrplanjahr 2022 bedienen die folgenden Bahnlinien den Saale-Orla-Kreis: Linie Linienverlauf Betreiberin TaktRE 12 Leipzig Hbf – Zeitz – Gera Hbf – Weida – Triptis – Neustadt (Orla) – Pößneck ob Bf – Saalfeld (Saale) Erfurter Bahn 120 minRB 22 Leipzig Hbf – Zeitz – Gera Hbf – Weida – Triptis – Neustadt (Orla) – Neunhofen – Oppurg – Pößneck ob Bf –Krölpa-Ranis – Saalfeld (Saale) Erfurter Bahn 120 minRB 28 Jena Saalbf – Jena-Göschwitz – Kahla (Thür) – Orlamünde – Langenorla West – Langenorla Ost – Pößneck unt Bf Erfurter Bahn 120 minRB 32 Saalfeld (Saale) – Leutenberg – Wurzbach (Thür) – Unterlemnitz – Bad Lobenstein – Harra Nord – Harra –Blankenstein (Saale) Erfurter Bahn 120 min

Die Bahnstrecke Schönberg–Schleiz zwischen dem sächsischen Schönberg und der Kreisstadt Schleiz ist ohne Personenverkehr. Der Förderverein Wisentatalbahn e. V. nutzt sie mehrmals jährlich für Sonderfahrten. Die Bahnstrecke Leipzig–Hof quert zwischen den in Sachsen liegenden Bahnhöfen Schönberg (Vogtl) und Grobau dreimal ohne Halt das Kreisgebiet des Saale-Orla-Kreises.

Öffentlicher Nahverkehr Für den Busverkehr zuständig ist, wie im benachbarten Landkreis Saalfeld-Rudolstadt, die KomBus GmbH. Knotenpunkte des Netzes im Saale-Orla-Kreis befinden sich in Pößneck, Neustadt an der Orla, Schleiz und Bad Lobenstein. In diesen Städten wird auch ein Stadtverkehr angeboten. Weiterhin gibt es einige überregionale Buslinien, die unter anderem nach Saalfeld (Saale), Jena, Gera, Zeulenroda und Hof (Saale) verkehren. Abgesehen von einem kurzen Abschnitt der Linie 40 der PRG im Nordosten des Landkreises und einer Kooperation der KomBus mit den Verkehrsbetrieben Bachstein auf der überregionalen Buslinie 155 wird der Saale-Orla-Kreis durch keinen weiteren Verkehrsbetrieb angefahren.

Schutzgebiete Im Landkreis befinden sich 15 ausgewiesene Naturschutzgebiete (Stand Januar 2017).Naturschutzgebiete im Landkreis Saale-Orla, Naturparkzentrum Obere Saale-Sormitz e. V., Leutenberg, 2015

NSG Nr. Name des Gebietes Naturraum Fläche (ha) 163 Dreba-Plothener Teichgebiet Plothener Teichplatte 1094,7 167 Kulm Hohes Thüringer Schiefergebirge–Frankenwald 14,1 168 Ziegenholz Schwarza-Sormitz-Gebiet 10,3 169 Heinrichstein Oberes Saaletal 19,6 170 Alpensteig Oberes Saaletal 16,4 171 Bleiberg Oberes Saaletal 12,8 176 Uhlstädter Heide Saale-Sandsteinplatte 1153,5 178 Pinsenberg Orlasenke 11,6 181 Kobersfelsen Oberes Saaletal 6 275 Buchenberg bei Krölpa Orlasenke 20,1 276 Weißacker Saale-Sandsteinplatte 229,9 283 Jägersruh-Gemäßgrund-Mulschwitzen Hohes Thüringer Schiefergebirge–Frankenwald 1303,4 288 Wettera Ostthüringer Schiefergebirge–Vogtland 93,9 292 Mittelgrund Ostthüringer Schiefergebirge–Vogtland 263 345 Frießnitzer See – Struth Saale-Sandsteinplatte 355

Gemeinden

Bad Lobenstein, Pößneck und Schleiz sind als Mittelzentren ausgewiesen.

Grundzentren sind die Städte Gefell/Hirschberg/Tanna (funktionsteilig), Neustadt an der Orla, Saalburg-Ebersdorf, Triptis.

(Einwohner am )

Gemeinschaftsfreie Gemeinden Bad Lobenstein, Stadt () Gefell, Stadt () Hirschberg, Stadt () Pößneck, Stadt () Remptendorf () Rosenthal am Rennsteig () Saalburg-Ebersdorf, Stadt () Schleiz, Stadt () Tanna, Stadt () Wurzbach, Stadt ()Erfüllende Gemeinden Neustadt an der Orla, Stadt (), erfüllende Gemeinde auch für Kospoda ()

Verwaltungsgemeinschaften * Verwaltungssitz 1. Verwaltungsgemeinschaft Oppurg () Bodelwitz () Döbritz () Gertewitz () Grobengereuth () Langenorla () Lausnitz bei Neustadt an der Orla () Nimritz () Oberoppurg () Oppurg * () Quaschwitz () Solkwitz () Weira () Wernburg () 2. Verwaltungsgemeinschaft Ranis-Ziegenrück () Eßbach () Gössitz () Keila () Krölpa () Moxa () Paska () Peuschen () Ranis, Stadt * () Schmorda () Schöndorf () Seisla () Wilhelmsdorf () Ziegenrück, Stadt () 3. Verwaltungsgemeinschaft Seenplatte () Dittersdorf () Görkwitz () Göschitz () Kirschkau () Löhma () Moßbach () Neundorf (bei Schleiz) () Oettersdorf * () Plothen () Pörmitz () Tegau () Volkmannsdorf () 4. Verwaltungsgemeinschaft Triptis () Dreitzsch () Geroda () Lemnitz () Miesitz () Mittelpöllnitz () Rosendorf () Schmieritz () Tömmelsdorf () Triptis, Stadt * ()

Zu den Begriffen „Verwaltungsgemeinschaft“ bzw. „erfüllende Gemeinde“ siehe Verwaltungsgemeinschaft und erfüllende Gemeinde (Thüringen).

Gebietsveränderungen Gemeinden Auflösung der Gemeinde Gleima – Eingliederung in die Gemeinde Gahma (2. September 1995)