Die Wupper ist ein Fluss in Nordrhein-Westfalen (Deutschland), der als Wipper bei der Marienheider Ortschaft Börlinghausen an der Grenze zu Meinerzhagen im Oberbergischen Kreis entspringt und in der Stadt Leverkusen zwischen den Stadtteilen Wiesdorf und Rheindorf nach 117 Kilometern Flussstrecke und gut 400 Höhenmetern (mittleres Gefälle liegt bei 0,4 %) in den Rhein mündet. Dort beträgt der mittlere Abfluss gut 17 m³/s. Die Wupper ist der längste Fluss der Region Bergisches Land.
Etymologie Wupper Der Name Wipper/Wupper leitet sich nach einer geläufigen – wenngleich nicht unumstrittenen – Deutung vom Wippen des Wassers über die Steine im Bach bzw. Flussbett her, bedeutet also sich schnell bewegendes Wasser, was auf den sehr schnellen Mittelgebirgsfluss zutrifft. Diese Deutung wird hergeleitet aus der germanischen Wortwurzel für „schwingen“, „drehen“, „schwanken“, „hin und herbewegen“, „hüpfen“, „springen“, „wogen“. Dazu das altdeutsche Wort „uipparaha“, was so viel wie „singender, springender Fluss“ heißt.
Elfriede Ulbricht sah hier eine Herkunft aus dem mittelniederdeutschen, niederländischen bzw. mittelenglischen Wippen. Demnach ist der Flussname in Deutschland 15-mal belegt, auch in Abwandlungen wie Wipfer. Das Grundwort war ursprünglich aha (eine Variante des -au). Dieses wurde im späten 10. Jahrhundert der Schwächung auf -a und im frühen 11. Jahrhundert auf -e unterworfen und verschwand danach völlig bei der Wipper. Bei anderen Flüssen dieses Namens erhielt sich das -a oder -e. Der Name würde sich also aus drehen, drehende, schwingende Bewegung und Wasser (im Sinne von Fließgewässer) zusammensetzen.
Nach einer ebenfalls umstrittenen Theorie von Hans Krahe stammt der Name aus noch älterer Zeit. Wip bezeichnet demnach im Kelto-Ligurischen ein Sumpfgelände. Die Endung -ara steht dabei für eine weibliche Bezeichnung für einen Fluss, wie sie unter anderem bei Visara/Wisera (Weser) und eben hier mit Wipra/Wippera (Fluss, der aus einem Sumpf kommt) zu Grunde liegen soll.
Eine der geläufigen Bedeutung entsprechende Bezeichnung nahmen Felix Solmsen und Ernst Fraenkel an, sahen die Wurzel des Namens aber mit indogermanischen Ursprung und übersetzen den Flussnamen als die Hüpfende.
Laut Wilhelm Sturmfels könnte Wipper ein Wort für Fluss sein, was seiner Ansicht nach durch das Vorkommen von zahlreichen weiteren Fließgewässern mit dem Namen Wipper (unter anderem Wipper (Unstrut), Wipper (Saale), Wieprza), aber auch in verschliffener Form Iper in Belgien oder spanische Iber-us (Ebro) im mitteleuropäischen Raum belegt würde.
Wipper In der heutigen Zeit wird der Name Wipper noch für den oberen Teil der Wupper verwendet, wobei zwei unterschiedliche Stellen, an denen der Name wechselt, genutzt werden. Im Gewässerverzeichnis NRW werden dazu keine Angaben gemacht. Übersichtskarten zeigen häufig den Beginn der Bezeichnung Wupper ab der Kerspemündung bei Ohl, wie es der Wupperverband bestimmt hat. Auf anderen Karten wird der Begriff Wipper noch bis Leiersmühle, also dort, wo die der Stadt Wipperfürth namensgebende Furt über die Wupper ist, genutzt. Nach Einschätzung des örtlichen Heimatvereins ist dies auch die richtige Stelle.
Geographie Verlauf Das Quellgebiet mit den 37 Quellen der Wupper befindet sich in einem Feuchthochmoor bei Marienheide-Börlinghausen nahe der Stadtgrenze zu Meinerzhagen. Es wurde 1968 zur Erhaltung, Wiederherstellung und Entwicklung eines wertvollen Quellmoores und zur Bewahrung und Entwicklung von Lebensstätten bedrohter Tier- und Pflanzenarten in dem 3,48 ha großen Naturschutzgebiet Quellgebiet der Wupper (Kennung: GM-004, CDDA-Code: 82351) unter Naturschutz gestellt. Zahlreiche weitere Flussabschnitte bis zur Mündung sind ebenfalls naturgeschützt.
Die umfasste „offizielle Quelle“ in Börlinghausen mit dem dort aufgestellten Gedenkstein wird dagegen hauptsächlich von einem künstlich angelegten Seitenkanal des Bachs hinter dem Zusammenfluss der 37 eigentlichen Quellen gespeist und fließt anschließend aus dem „Quelltopf“ wieder dem Fluss zu.
Die Wupper verläuft mit einem nach Norden ausholenden Bogen, Wupperviereck genannt, von Ost nach West. Sie durchfließt die Städte und Gemeinden Marienheide, Wipperfürth, Hückeswagen, Radevormwald, Wuppertal, Remscheid, Solingen und Leichlingen, bis sie in Leverkusen in den Rhein mündet. Für Kierspe, Ennepetal und Schwelm bildet der Fluss auf kurzer Strecke die Stadtgrenze. Die Wupper wird von fast 200 Brücken überquert, von denen 90 in Wuppertal liegen.
Einzugsgebiet und Zuflüsse mini|links|Einzugsgebiet der Wupper Das Einzugsgebiet der Wupper umfasst 813 km² mit rund 2300 Kilometer Fließgewässern. Hier leben rund 900.000 Menschen. Die Wupper entwässert vor allem den nördlichen Teil des Bergischen Landes. Im Nordwesten grenzt es an die Einzugsgebiete der Itter und der Düssel, im Norden und Nordosten an das Einzugsgebiet der Ruhr, und im Süden an das der Sieg. Alle benachbarten Einzugsgebiete gehören ebenfalls zum Flusssystem des Rheins.
Längster Nebenfluss der Wupper ist die Dhünn, die in Leverkusen unterhalb des Pegels Opladen linksseitig in die Wupper mündet. Nach alten Karten gab es früher offenbar einen zweiten Arm der Dhünn, der in den Rhein mündete. Der Arm zur Wupper wurde im 19. Jahrhundert um wenige Meter umgelegt. Seitdem existiert der Zufluss zum Rhein nicht mehr.
Für eine schematische Darstellung siehe auch: Wupper/Fließdiagramm
Naturräumliche Gliederung Die naturräumliche Feingliederung des ehemaligen Instituts für Landeskunde teilte den Lauf der Wupper wie folgt auf:Verschiedene Autoren: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten in Einzelblättern 1:200.000. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1952–1994. → Online-Karten
Blatt 108/109: Düsseldorf/Erkelenz (Karlheinz Paffen, Adolf Schüttler, Heinrich Müller-Miny 1963; 55 S.) → Online-Karte (PDF; 7,3 MB) Blatt 110: Arnsberg (Martin Bürgener 1969; 80 S.) → Online-Karte (PDF; 7,1 MB) 338.3 Wipperquellgebiet Das Wipperquellgebiet umfasst das Quellgebiet und den Oberlauf der Wipper mit ihrem Einzugsgebiet bis Wipperfürth-Ohl. Auch die Brucher Talsperre und die Lingesetalsperre liegen im Naturraum. 338.12 Wippermulde Die Wippermulde umfasst das kastenförmige Tal der Wupper zwischen Wipperfürth-Ohl und Hückeswagen (Ortszentrum). 338.11 Östliches Wupperengtal Das östliche Wupperengtal umfasst das mäandernde Engtal der Wupper zwischen Hückeswagen und Wuppertal-Oberbarmen. Mit der Wuppertalsperre, der Stauanlage Dahlhausen und dem Beyenburger Stausee befinden sich drei Aufstaue der Wupper im Naturraum. 337133 Barmer Kalksenke innerhalb der Wuppertaler Senke (33713) In der Barmer Kalksenke befindet sich das Zentrum des Wuppertaler Ortsteils Barmen. 337134 Hardtschieferrücken innerhalb der Wuppertaler Senke Der Hardtschieferrücken trennt die Barmer Kalksenke von der Elberfelder Kalksenke. 337135 Elberfelder Kalksenke innerhalb der Wuppertaler Senke In der Elberfelder Kalksenke befindet sich das Zentrum des Wuppertaler Ortsteils Elberfeld. 337136 Nützenberger Querriegel innerhalb der Wuppertaler Senke Der Nützenberger Querriegel, ein Durchbruch der Wupper, trennt die Elberfelder Kalksenke von dem Sonnborner Kalkgebiet (337137). 338.03 Westliches Wupperengtal Das westliche Wupperengtal umfasst das mäandernde Engtal der Wupper zwischen Wuppertal-Sonnborn und Solingen-Burg an der Wupper. 338.05 Unteres Wuppertal Das untere Wuppertal umfasst das V-förmige Tal der Wupper zwischen Solingen-Burg an der Wupper und Leichlingen-Balken. 550.11 Wuppertalmündung Die Wuppertalmündung bezeichnet den Austritt der Wupper aus dem Rheinischen Schiefergebirge in die Rheinebene bei Leverkusen-Opladen. 551.21 Dormagener Rheinaue Die Mündung der Wupper in den Rhein.
Stauseen Zuständig für die Stau- und Fließgewässer sowie das Abwassermanagement im Einzugsbereich der Wupper ist der Wupperverband.
Der Fluss wird an vier Stellen großflächig aufgestaut: Die seit den 1950er Jahren geplante, ab 1982 gebaute und 1989 in Betrieb genommene Wuppertalsperre befindet sich genau im Städtedreieck Remscheid/Hückeswagen/Radevormwald und dient dem Hochwasserschutz und der Niedrigwassererhöhung. Sie umfasst einen Speicherraum von 25,9 Millionen Kubikmeter.
Die gleiche Funktion erfüllt der kleinere Beyenburger Stausee, eine Aufstauung der Wupper in Wuppertal-Beyenburg. Der Stromgewinnung dient die Staustufe Radevormwald-Dahlhausen. Ein historisches Modell einer alten Stauklappe wird an zentraler Stelle des Ortes mit einer Informationstafel erläutert. Der Ausgleichweiher Leiersmühle ist die kleinste der vier Wupper-Talsperren und dient heute als Biotop hauptsächlich dem Naturschutz. Aufgelassen wurde der Ausgleichweiher Buchenhofen.
Neben den vier größeren Stauseen befinden sich zahlreiche weitere aktiv genutzte und historische Stauwehre im Flusslauf, die vor allem der umfangreichen historischen wie derzeitigen Wasserkraftnutzung dienten.
Im Einzugsgebiet der Wupper befinden sich 15 weitere Talsperren, die direkt oder indirekt den Fluss speisen. Diese Dichte an Talsperren ist für einen Fluss dieser Länge ungewöhnlich.
Flusshistorie Die Existenz der Wupper lässt sich etwa 30 Mio. Jahre zurückverfolgen. Damals floss sie noch ins Meer, der Rhein existierte noch nicht. Seit etwa 800.000 Jahren zeigt sie ihren heutigen Verlauf.
Nach einer Sage traf vor langer Zeit ein Hunger leidender Zwergenkönig im Wald auf eine Frau, die für ihre Kinder Walderdbeeren sammelte. Die Frau zeigte Mitleid für den Zwerg und gab ihm von ihrer Erdbeerernte zu essen. Als Dank dafür steckte der Zwergenkönig seinen Zauberstab in die Erde, worauf eine Quelle entstand, die zum Ursprung der Wupper wurde.
Alte Urkunden aus dem Leichlinger Raum legen nahe, dass im Hochmittelalter der ganze Flusslauf Wipper genannt wurde. Im Laufe der Zeit finden sich mehrere Schreibweisen für den Flussnamen, so zum Beispiel Wipper, Wypper, Wepper, Wuepper oder Wopper, die ab dem 17. Jahrhundert sich zunehmend von Wipper in Richtung des abgetönten Namens „Wupper“ verfestigten.
Als Wipper gab der Fluss der Stadt Wipperfürth (als Wuepervurde erstmals erwähnt) ihren Namen. Dort befand sich an der Ortschaft Leiersmühle, als es noch keine Brücken gab, eine Furt zum Durchqueren des Flusses. Sie gehörte zu der Altstraße Köln–Wipperfürth–Soest, auch als Heerweg bezeichnet (vergl. die Ortschaft Dievesherweg nördlich von Leiersmühle).Herbert Nicke: Vergessene Wege: das historische Fernwegenetz zwischen Rhein, Weser, Hellweg und Westerwald, seine Schutzanlagen und Knotenpunkte.
Für die Wipperfürther Ortsteile Wipperfeld und Wipperhof, ebenso die flussaufwärts gelegenen Ortschaften Nieder-, Bös-, Klas-, Schmitz- und Holzwipper war die Wipper namengebend. Trotzdem wird der Fluss (heute) bereits ab der Einmündung der Kerspe Wupper genannt. Als solche verlieh das Gewässer ursprünglich nur zwei Siedlungen den Namen, nämlich dem Leichlinger Ortsteil Wupperhof und dem Barmer Stadtteil Wupperfeld. 1930 wurde die erst 1929 entstandene Stadt Barmen-Elberfeld in Wuppertal umbenannt. Die Form Wipper gab vermutlich auch den Ortschaften Wippe, Wipperaue und Wipperkotten (alle Solingen) ihren Namen, jedoch hat dies laut der unbelegten Meinung von Fritz Hinrichs nichts mit der Wupper zu tun, sondern mit dem ebenfalls „wippenden“ Nebenfluss Weinsberger Bach, der am Wipperkotten in die Wupper mündet.
Aufgrund der felsigen und steilen Wupperufer in einem teilweise recht engen Flussbett, das tief in die Hochebene des Bergischen Landes eingeschnitten ist, sowie der eher schlechten Böden und des regenreichen Klimas kam es erst ab dem Frühmittelalter zu einer nennenswerten Besiedlung des Wupperraumes. Im Mittelalter spielte der Fluss vor allem als Fischereigewässer eine wichtige Rolle für die Anwohner.