Die Hansestadt Wipperfürth liegt im Oberbergischen Kreis im Regierungsbezirk Köln in Nordrhein-Westfalen und ist die älteste Stadt im Bergischen Land.
Geographie Wipperfürth liegt etwa 36,5 km nordöstlichLuftlinie vom Marktplatz in Wipperfürth bis zum Kölner Dom. von Köln an der Wupper, die im Oberlauf östlich der Stadt als Wipper bezeichnet wird. An die Stadt grenzen die Gemeinden und Städte Lindlar, Kürten, Wermelskirchen, Hückeswagen, Radevormwald, Halver, Kierspe und Marienheide.
Neben Wipperfürth gibt es sieben weitere Ortsteile: Agathaberg, Egen, Hämmern, Kreuzberg, Ohl, Thier und Wipperfeld sowie 226 namentlich ausgewiesene Ortschaften im 118 km² großen Gebiet der Stadt Wipperfürth.
mini|Stadtpatron Engelbert I von Köln - Denkmal vor dem Rathaus
Geschichte 1131 bis zum 14. Jahrhundert Die älteste schriftliche Erwähnung datiert von 1131. Im Siegburger Mirakelbuch wird der Ort bereits als Oppidum (= „Stadt“) bezeichnet. Schreibweise der Erstnennung: Weperevorthe. Zwischen 1217 und 1222 erhielt Wipperfürth Privilegien (Steuerbefreiungen) von Erzbischof Engelbert I. von Köln und nach 1225 die Stadtrechte von Heinrich von Limburg, Graf von Berg.Peter J. Heinrichs: Geschichte des Bergischen Landes seiner Burgen Rittersitze Abteien und geschichtlich merkwürdigen Orte. H. Theissing, Köln 1890, S. 37. Wipperfürth gilt damit als älteste Stadt im Bergischen Land. Die Verwaltung der Stadt wurde 1283 von Graf Adolf V. geregelt. Wipperfürth hatte ein eigenes Stadtgericht, Konsultationen fanden beim Stadtgericht Siegburg statt. Nach der Ämtereinteilung im Herzogtum Berg wurde Wipperfürth-Land vom Amt Steinbach verwaltet, hier war auch der Gerichtssitz für die Kirchspiele außerhalb der Stadt. Die Stadt Wipperfürth zahlte bis 1770 seine Steuern über das Amt Steinbach.
Schon 1275 gestattete König Rudolf von Habsburg dem Grafen, seine Münzstätte von Wildberg nach Wipperfürth zu verlegen. Hier wurden seitdem Pfennige nach Kölner Vorbild geprägt. Mit Privileg König Ludwigs des Bayern begann 1328 in Wipperfürth die erste Prägung von Groschen in Deutschland.
Ab dem 14. Jahrhundert – Mitgliedschaft in der Hanse mini|Kartenausschnitt Le Comte de la Marck Sanson 1692 Ab dem 14. Jahrhundert war die Stadt Mitglied der Hanse. Kaufleute der Stadt sind in Stockholm, Dorpat, Malmö, Nowgorod, Reval und Lübeck belegt. Das Stadtwappen von 1267 zeigt eine Kirche in zinnenbewehrter Mauer. Es lehnt sich an das große Stadtsiegel an, wie es zuerst auf einer Urkunde von 1267 erschien, wo es die Umschrift trägt: S(igillum):BURGENSIUM: OPIDI:IN:WIPPERVURDE.
1404 wurde Wipperfürth von den Kölnern belagert und schließlich besetzt, von der ehemaligen Krakenburg wurden die Häuser der Stadt in Brand gesetzt. An der Krakenburg begann auch die Stadtmauer, dem heutigen Klosterberg, am Klosterwall ging am Schützengraben vorbei bis zum Kölner Tor, verlief weiter bis zum Mahltor, von hier aus weiter in östlicher Richtung zwischen Obergraben und Pfarrkirche, dann wieder in Richtung Süden bis zum Attendorner Tor. Von dort zurück zur Klostermauer; diese Mauer steht auf der alten Stadtmauer. Reste dieser Stadtmauer sind am Klosterberg und an der Einmündung Untere Straße – Hochstraße (Ellers Ecke) erhalten.
Älteste Bauwerke der Stadt sind die dreischiffige romanische Pfarrkirche St. Nikolaus (um 1140) und der Marktbrunnen von 1331, der seine heutige Gestalt in der Renaissance erhielt. Die Entwicklung der Stadt wurde durch zahlreiche Stadtbrände behindert: 1333; 1352; 1368; 1383; 1404; 1412; 1465 (Siehe auch: Agathaberg); 1511; 1585; 1795.
1806–1918 mini|Katasterkarte 1832 mit Rekonstruktion der Stadtmauer mini|Der Marktplatz im Jahr 1871 Im Jahre 1806 wurde das Herzogtum Berg vom Bayerischen König Maximilian I. als Herzog von Berg auf dem Tauschweg an Napoleon abgetreten. Unter der Regentschaft seines Schwagers, Joachim Murat, entstand das Großherzogtum Berg, Wipperfürth wurde 1808 Hauptort eines Kantons im Arrondissement Elberfeld des Departements des Rheins und bildete eine Mairie (Bürgermeisterei) nach französischem Vorbild.
Der Wiener Kongress beschloss 1815 die Angliederung des Rheinlandes an Preußen. Aus der bergischen Mairie Wipperfürth wurde die preußische Bürgermeisterei Wipperfürth. Seit 1816 gehörte Wipperfürth als Kreisstadt des Kreises Wipperfürth zum Regierungsbezirk Köln und von 1822 an zur Rheinprovinz. Landräte des neuen Kreises waren Friedrich Wilhelm Schumacher (1816–1845), Julius Wiethaus (1845–1852) und Clemens Mersmann (1852–1855). Es folgte ein Streit der Gemeinde Lindlar mit der Stadt Wipperfürth, wo der Sitz des neuen Kreises angesiedelt werden solle. Erst 1896 wurde dieser Streit vom Minister endgültig beigelegt.
Am 22. November 1876 bekam Wipperfürth seinen ersten Bahnanschluss, von Remscheid-Lennep über Hückeswagen führte die Wippertalbahn nach Wipperfürth. 1902 wurde diese Bahn bis Marienheide weitergeführt.
Eine erste Postbusverbindung in Wipperfürth wurde 1899 nach Lindlar eingerichtet. 1908 kam es wieder zu Auseinandersetzungen mit der Gemeinde Lindlar um die Einrichtung einer Winterschule. Der Rat der Gemeinde Lindlar vertrat die Meinung, dass Wipperfürth nicht als Ort in Frage käme da „Wipperfürth am äußersten Ende des Kreises liegt“. 1909 versuchte ein Wipperfürther Landrat die Winterschule per Verfügung in Wipperfürth zu bauen, aus Protest legen sämtliche Gemeinderäte in Lindlar ihr Amt nieder. Die Schule wurde schließlich in Lindlar gebaut.
Am 30. Juni 1910 wurde eine Eisenbahnverbindung zur Wuppertal-Bahn nach Anschlag eröffnet. Damit bestand ein Anschluss in die märkische Region zur Volmetalbahn. Ursprünglich sollte diese Linie zum Rhein hin nach Bergisch Gladbach weitergeführt werden, die Planung wurde aber nie umgesetzt. Vor dem Ersten Weltkrieg war alternativ eine Weiterführung der Bahnstrecke Köln-Mülheim–Lindlar nach Wipperfürth geplant. Wegen des Krieges wurde auch diese Bahn nicht gebaut.
1919–1945 Am 5. März 1923 wurde Wipperfürth von französischen Dragonern besetzt. Landräte im Kreis Wipperfürth waren Eduard Wessel (1919–1924) und Leo Huttrop (1924–1932). Am 1. Oktober 1932 wurden der Kreis Wipperfürth und der Kreis Mülheim am Rhein als „Bergischer“ und schließlich als „Rheinisch-Bergischer Kreis“ mit Sitz in Köln-Mülheim vereinigt. Erster Landrat (1932–1933) war Matthias Eberhard.
1927 wurden die Pläne der Eisenbahnstrecke Wipperfürth–Lindlar zugunsten der Strecke Wipperfürth–Bergisch Gladbach fallen gelassen.
Ende des Zweiten Weltkrieges Ab Oktober 1944 wurden angesichts der näherrückenden Truppen der Alliierten so genannte „Volkssturmkompanien“ aufgestellt. Vom 16. Februar 1945 bis zum 26. März 1945 war auch Wipperfürth Ziel von Luftangriffen, wovon ein Ereignis besonders markant war: Am 22. März 1945 zerstört eine Fliegerbombe das Rathaus am Marktplatz und ein angrenzendes Hotel.
Im April 1945 zerstörten deutsche Truppen die Ohler Brücke, um den Vormarsch der Alliierten aufzuhalten. NSDAP-Kreisleiter Aldingen aus Bergisch Gladbach erteilte dem Wipperfürther Bürgermeister und NSDAP-Ortsgruppenleiter Hankow den Befehl, sämtliche Talsperren um Wipperfürth herum zu sprengen. Der Befehl wurde aber nicht ausgeführt.
Am 13. April 1945 rückten die US-Amerikaner von Egerpohl und Dohrgaul kommend in Wipperfürth ein. Am 7. Mai 1945 wurde der von den Nationalsozialisten 1933 aus dem Amt entfernte Bürgermeister Carl Graf wieder eingesetzt.Wipperfürther Vierteljahresblätter. Nr. 96. Hrsg.: HGV-Wipperfürth e. V.
Ab 1945 Mit der Errichtung von fünf hölzernen Baracken am Wipperfürther Rangierbahnhof wurde nach dem Zweiten Weltkrieg ein Durchgangslager für Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten eingerichtet. Im Jahr 1946 trafen täglich etwa 1000 bis 1800 Flüchtlinge ein. Die Planungen der Behörden sahen einen Aufenthalt von maximal 24 Stunden je Person vor, und deshalb hatte man in Bezug auf Heizung, sanitären Anlagen und Beleuchtung nur eine einfache Ausstattung vorgesehen. Durch den immensen Ansturm von Flüchtlingen kam es jedoch zu monatelangen Aufenthaltszeiten. In den Jahren 1951 und 1952 wurde das Lager erneuert, die Strohsackbetten ausgetauscht und angemessene sanitäre Einrichtungen gebaut. 1960 endete die Nutzung der Baracken als Durchgangslager.Frank Berger, Erich Kahl, Klaus Rieger: Wipperfürther Vierteljahresblätter des Jahres 2008. Nr. 107, Nr. 108, Nr. 109. Hrsg.: Heimat- und Geschichtsverein Wipperfürth e. V.
1955 wurde erneut geplant, die Landwirtschaftsschule, die 1910 in Lindlar errichtet worden war, nach Wipperfürth zu verlegen. Doch auch das scheiterte zunächst; erst 1971 wurde die Schule nach Wipperfürth verlegt. 1962 wurde in Wipperfürth eine Handelsschule errichtet. Der Berufsschulverband mit der Stadt Wipperfürth, den Ämtern Engelskirchen und Kürten sowie den Gemeinden Lindlar und Klüppelberg wurde 1975 aufgelöst. Die Berufsschule wurde von dem im Rahmen der Gebietsreform damals neu errichteten „Oberbergischen Kreis“ übernommen.
Im Zuge der kommunalen Neugliederung, die am 1. Januar 1975 in Kraft trat, wurden die bisherige Stadt Wipperfürth mit wesentlichen Teilen der Gemeinden Klüppelberg und Wipperfeld zur neuen Stadt Wipperfürth vereinigt (§ 12 Abs. 1 Köln-Gesetz) und dem neu gegliederten Oberbergischen Kreis zugeschlagen (§ 25 Abs. 1 und 2 Köln-Gesetz).
Seit dem 19. März 2012 darf Wipperfürth den offiziellen Zusatz Hansestadt führen. Pressemitteilung des Ministeriums für Inneres und Kommunales. 19. März 2012.
Bevölkerung mini|Luftaufnahme der Stadt Wipperfürth von Osten Wipperfürth hatte am 30. Juni 2006 24.062 Einwohner. Davon waren etwa 1800 ausländische Einwohner (etwa 7,6 %). Die größten Gruppen bilden dabei türkische (etwa 600) und italienische Staatsbürger (etwa 400). Von den etwa 7000 versicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmern waren 45,7 % im Dienstleistungssektor, 53,6 % im produzierenden Gewerbe und 0,7 % in der Landwirtschaft beschäftigt. Die Arbeitslosenquote lag im Bereich der Arbeitsagentur Wipperfürth (Wipperfürth, Hückeswagen und Radevormwald) im März 2006 bei 10,5 %.
Einwohnerentwicklung (jeweils zum 31. Dezember) Jahr Einwohner 1950 17.594 1961 20.239 1970 21.138 1987 20.373 1999 22.918 2000 23.095200624.062201721.202202020.875202120.879
Religionen mini|Marktplatz und evangelische Kirche Laut Institutionsschematismus 2008 des Erzbistums Köln leben in Wipperfürth 12.937 Katholiken. Dies entspricht einem Bevölkerungsanteil von etwa 55 Prozent.
Eine erste evangelische Gemeinde bestand ab Beginn des 17. Jahrhunderts. Im Jahre 1610 erhielt sie einen Gottesdienstraum im Rathaus. Nach der Einnahme der Stadt durch die Spanier 1622 wurde den Protestanten die Ausübung des Gottesdienstes untersagt. Sie wichen daher nach Klaswipper und Rönsahl aus. Erst 1788 erhielten die Lutheraner Wipperfürths von der Regierung die Befugnis zur Religionsausübung. Es folgte die Gründung einer von Klaswipper eigenständigen Kirchengemeinde. 1793 wurde eine eigene Kirche am Marktplatz eingeweiht, die allerdings 1795 durch den großen Stadtbrand vernichtet wurde. Es folgte ein erneutes Ausweichen nach Klaswipper, wo 1837 die dortige im klassizistischen Stil errichtete Kirche eingeweiht wurde. Erst 1877 konnte im Hauptort die heutige Kirche am Markt eingeweiht werden. 1891 wurde die Wipperfürther Gemeinde von der Gemeinde in Klaswipper selbständig. Heute zählt die Evangelische Kirchengemeinde in Wipperfürth etwa 3200 Mitglieder. Daneben besteht weiterhin eine eigenständige Kirchengemeinde in Klaswipper.
In Wipperfürth befindet sich mit dem Daiseion-ji einer von drei Tempeln der Nichiren-shū in Europa.
Politik Stadtrat Die Kommunalwahlen seit 2004 führten zu folgenden Verteilungen der Sitze im Stadtrat auf die Parteien und Listen:
Partei CDU SPD UWG GRÜNE FDP LINKE GesamtSitze 2020178472–38 Sitze 2014Wipperfürther Kommunalwahlen 2014. 17 8 4 3 1 1 34 Sitze 2009 17 8 5 3 3 –36Sitze 2004 19 8 4 2 1 –34
mini|Rathaus Bürgermeister