Die Geschichte der Britischen Inseln war bis vor einigen hundert Jahren die Geschichte mehrerer Staaten, die verschiedene Gebiete Großbritanniens und Irlands beherrschten. Deshalb liegen getrennte Geschichtsartikel für die einzelnen Regionen vor: Geschichte Englands Geschichte von Wales Geschichte Schottlands Geschichte Irlands Geschichte Irlands (bis 800 n. Chr.) Geschichte Irlands (800–1536) Geschichte Irlands (1536–1801) Geschichte Irlands (1801–1922) Irischer Freistaat (1922–1937) Irland (1937–1949) Irland seit 1949 Geschichte Nordirlands (seit 1920)

Andererseits sind diese Gebiete zeitweise zusammengewachsen, dann auch wieder getrennt worden, so dass zusätzlich die Geschichte des unter englischer Vorherrschaft vereinigten Königreichs vorliegt. Geschichte des Königreichs Großbritannien (1707–1800) Geschichte des Vereinigten Königreichs (seit 1800) Geschichte des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland (1800–1921) Geschichte des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland (seit 1921)

mini|Der Hadrianswall Damit aber auch ein Überblick über Entwicklungen gewonnen werden kann, die kleinere Teilräume oder auch einen größeren Zusammenhang betrafen, werden hier Verweise auf umfassendere Artikel und kurze Darstellungen zu übergreifenden Zusammenhängen angeboten: Prähistorische Zeit (bis 43 n. Chr.) Römische Zeit (44–410) Britisches Weltreich Commonwealth of Nations Verfassungsgeschichte des Vereinigten Königreichs Politisches System des Vereinigten Königreichs

Frühmittelalter Heptarchie mini|König Artus Nur wenige Angehörige der Inselvölker konnten lesen oder schreiben, so dass die Jahre zwischen 400 n. Chr. und 800 n. Chr. oft als dunkles Zeitalter bezeichnet werden. Es gibt so gut wie keine schriftlichen Aufzeichnungen aus jener Zeit. Legenden und Sagen wie etwa König Arthurs Tafelrunde haben ihren Ursprung in dieser Zeit.

Trotz der fast vierhundertjährigen Besatzung der Insel hinterließen die Römer, abgesehen von Bauten und Gegenständen, wenig Kultur. Brutaler und nachhaltiger drückten zunächst ihre Nachfolger der Insel ihren Stempel auf. Germanische Stämme, Jüten, Angeln und Sachsen, fielen plündernd und mordend in das von den Römern verlassene Gebiet ein und erstickten in weiten Bereichen das römisch geprägte Leben der Kelten. In der Folge gründeten die neuen Herren auf dem Boden des heutigen Englands und teilweise auch Schottlands sieben kleinere Königreiche, die so genannte Heptarchie.

Kent Essex Wessex Sussex Mercia East Anglia Deira und Bernicia, das spätere Northumbria

Letzteres erstreckte sich von York die Ostküste hinauf bis in das Gebiet des heutigen Edinburgh. Es wurde das größte Königreich auf dieser Vielvölkerinsel.

Während die Briten christlich geblieben waren und die Mission über den Einfluss des Hl. Patrick, der in Irland wirkte, im 6. Jahrhundert auch Schottland erreichte, blieben die Angelsachsen zunächst bei ihrem germanischen Heidentum. Mit der Bekehrung der Könige von Kent durch Augustinus 597 begann dann das christliche Zeitalter Englands, das mit dem Wirken Bedas um 700 einen ersten Höhepunkt erlebte.

Unter den sieben Königreichen zeigte sich im 7. Jahrhundert eine Dominanz Northumbrias, die im 8. Jahrhundert von der Mercias (unter Offa) abgelöst wurde, ehe im 9. Jahrhundert der Aufstieg von Wessex einsetzte.

England Beginnend mit dem Raubzug auf das Kloster Lindisfarne im Jahr 793 folgten viele weitere Raubzüge der Wikinger auf England. Zuerst gab es nur Plünderungen, später aber begannen die Wikinger auch, in England zu siedeln und Handel zu treiben. Das von den Wikingern beherrschte Gebiet wurde Danelag (engl. Danelaw) genannt und ab 884 von den anderen Königreichen anerkannt. Heute gibt es noch viele Spuren der Wikinger in England; es gibt zum Beispiel noch viele Wörter in der englischen Sprache. Die Gemeinsamkeiten der alten englischen Sprache und der alten nordischen Sprache führte zu großem Austausch. York war eine Wikingersiedlung, die damals Jórvík genannt wurde.

Alfred der Große trat der dänischen Bedrohung entgegen und konnte im Jahr 878 ein großes dänisches Heer bei Eddington schlagen. Er einigte sich aber mit ihnen über die Errichtung des Danelag (s. o.). Er nahm schließlich London ein und gab dem Reich damit ein Zentrum, während sich zum ersten Mal ein englisches Nationalbewusstsein (vgl. Entstehung Englands) bemerkbar machte. Alfreds Nachfolger schufen ein Verwaltungssystem, bei dem als Kronbeamte Sheriffs an der Spitze einer Grafschaft, eines Shire, standen, wobei mehrere Grafschaften zu einem Earldom zusammengefasst wurden, das einem Earl unterstand.

König Æthelstan konnte 936 die Cornwaller aus Exeter vertreiben und zog eine Linie am Außenrand seines Königreiches Wessex, am Fluss Tamar. Er nannte sich Rex totius Britanniae (König aller Briten), konnte Wales und Schottland aber nur unter eine lose Oberhoheit bringen. Dagegen eroberte er Northumbria dauerhaft. Nach 930 wurden seine Urkunden von einer einzigen Kanzlei in Winchester hergestellt, was auf eine Art Hauptstadt seines Königreiches schließen lässt.

König Æthelred führte auf Anraten des Erzbischofs Sigeric von Canterbury als erster mittelalterlicher Herrscher eine allgemeine Steuer, das Danegeld, ein. Damit zahlte er um 991 nach der verlorenen Schlacht von Maldon in Essex 10.000 Pfund (3.732 kg) Silber Tribut an die Wikinger, um ihren Abzug zu erkaufen. 1002 heiratete er die normannische Herzogstochter Emma in Erwartung normannischer Unterstützung gegen die Wikinger. Damit legte er einen Grundstein für die spätere normannische Eroberung Englands. Er floh 1013 vor Sven Gabelbart in die Normandie und starb 1016. mini|Wilhelm der Eroberer Sein Nachfolger wurde der Däne Knut der Große, der England und Dänemark in Personalunion regierte (s. Nordseereich). Er heiratete die Witwe Æthelreds und konvertierte zum Christentum. 1028 eroberte er Norwegen. Dessen Christianisierung begann mit angelsächsischen Priestern.

Mit Eduard dem Bekenner (1042–1066) übernahm dann wieder ein Angelsachse den englischen Thron. Doch hatte er bis zu seinem 38. Lebensjahr in der Normandie gelebt und bevorzugte normannische Adlige an seinem Hof. In manchen Bereichen bereitete er die Herrschaftsorganisation vor, die die normannischen Könige dann durchsetzen sollten, insbesondere die direkte königliche Einsetzung von Klerikern auf Verwaltungsposten und Bischofsstühle nach dem Vorbild des ottonischen Reichskirchensystems.

Harold Godwinson erreichte, dass Eduard ihn zu seinem Nachfolger bestimmte. Bei der Schlacht von Stamford Bridge konnte er eine norwegische Invasionsarmee unter Harald III. zurückschlagen. Doch nur gerade drei Wochen später, am 14. Oktober 1066, unterlagen die geschwächten britischen Truppen in der Schlacht bei Hastings der Invasionsarmee unter Führung Wilhelms von der Normandie (auch Wilhelm I. von England oder Wilhelm der Eroberer genannt). Die Normannen führten deren effektives Lehnssystem ein. Wilhelm befahl die Erstellung des Domesday-Buches, welches die Erfassung von Steuern der gesamten Bevölkerung, ihrer Ländereien und Besitztümer regelte. Außerdem enteignete er die angelsächsischen Adligen und setzte normannische an ihre Stelle.

Das englische Mittelalter war von vielen Bürgerkriegen, internationalen Kriegen, gelegentlichem Aufruhr und umfassenden politischen Intrigen in der Aristokratie und der königlichen Oberschicht gekennzeichnet. Heinrich I., auch bekannt als Heinrich Beauclerc, arbeitete hart für Reformen, stabilisierte das Land und glättete die Wogen zwischen der angelsächsischen und normannischen Gesellschaftsschicht. Der Verlust seines Sohnes Wilhelm 1120 sollte seine Reformen untergraben. mini|Thomas Becket – Fenster der Kathedrale in Canterbury Der Herrschaft von Stephan (1135–1154) folgte ein größerer Wechsel des Gleichgewichts der Mächte in Richtung der feudalen Barone und England versank in Bürgerkrieg und Gesetzlosigkeit. Die Zeit des Aufstands und Bürgerkriegs dauerte bis 1148. Stephan konnte bis zu seinem Tod 1154 ungehindert weiterregieren. 1153 traf er eine Übereinkunft mit Heinrich von Anjou (dem späteren König Heinrich II. von England), die Frieden zwischen ihnen unter der Bedingung garantierte, dass die Krone in den Besitz von Heinrich übergehen sollte. Heinrich II. aus dem Haus Plantagenet begründete das Angevinische Reich. Unter seiner Herrschaft erstarkte das Königtum wieder, auch im Verhältnis zur Kirche. Die Konstitutionen von Clarendon 1164 führten zwar zum Widerstand des Kanzlers Thomas Becket, Erzbischof von Canterbury, doch wurde dieser 1170 ermordet. 1171 begann die Eroberung Irlands. Richard Löwenherz kämpfte erfolgreich im 3. Kreuzzug, doch geriet er bei seiner Rückkehr auf dem Landweg in die Gefangenschaft des österreichischen Herzogs Leopold V. und Heinrichs VI. Nachdem für seine Freilassung 1194 ein hohes Lösegeld gezahlt worden und er in sein Reich zurückgekehrt war, kämpfte er erfolgreich gegen Philipp II. August von Frankreich, doch gelang es ihm nicht, alle Gebiete zurückzuerobern, die in der Zeit seiner Abwesenheit verloren gegangen waren. So begann ein Schrumpfungsprozess des Angevinischen Reiches. In den folgenden Jahren konzentrierte Richard sich auf die Auseinandersetzung mit dem aufständischen Adel in Aquitanien. Bei der Belagerung der Burg Chalus wurde er von einem Armbrustbolzen getroffen und starb am 6. April 1199. Die Herrschaft übernahm sein Bruder Johann Ohneland. Als dieser in der Schlacht bei Bouvines (1214) einen noch weit größeren Teil seiner Festlandsbesitzungen verlor, trotzte ihm der Adel eine Reihe von Zugeständnissen ab, die in der Magna Carta von 1215 festgelegt sind. Auf die Regierungspraxis wirkte sich diese Carta freilich erst unter Heinrich III. stärker aus, weil dieser nach der Eroberung Londons durch die Franzosen entscheidende Unterstützung durch den Adel erhalten hatte und diesen daher stärker in seine Regierungsentscheidungen einbezog.

Wales Wales war im Frühmittelalter in eine Vielzahl kleiner Gebiete aufgeteilt und nur selten konnte ein Herrscher das gesamte Gebiet einen, wie es Rhodri Mawr während des 9. Jahrhunderts gelang. Rhodris Enkel Hywel Dda konnte ein gemeinsames Recht schaffen, doch nach seinem Tod wurde das Land erneut geteilt. Ein Rechtsbrauch, der aus keltischer Zeit übernommen worden war, führte zu ständigen Fehden, nämlich das Erbrecht aller Söhne, auch der illegitimen.

Schottland Lange wurde angenommen, die Pikten seien von den eindringenden Mächten der Skoten, Britonen, Angeln und Wikinger vernichtet worden. Inzwischen sprechen viele Anzeichen gegen diese Annahme. In nachrömischer Zeit bestanden im schottischen Raum mehrere piktische Königreiche. Im 6. Jahrhundert siedelten sich dann gälischsprachige Iren im heutigen Argyll im Westen an und gründeten dort das Königreich Dalriada (Dal Riata). Im siebten Jahrhundert widersetzten sich die Pikten aber mehr und mehr dem Vordringen der gälischen Dalriadianer.

Kenneth MacAlpin, der skotische König von Dalriada, ließ sich um 843 schließlich auch zum König der Pikten ernennen. Erstmals wurden damit die zwei Völker vereint und über den größten Teil des heutigen Schottlands regierte ein allein herrschender König. Diese Region wurde zunächst Alba genannt, und Kenneth wie auch die nachfolgenden Könige wurden in den folgenden 60 Jahren immer noch als 'Könige der Pikten' bezeichnet.

mini|300px|Dudelsackspieler in den Highlands In den darauf folgenden knapp zweihundert Jahren wurde Alba von einer ganzen Reihe von Königen regiert. Die Nachfolge wurde durch die Tradition der Tanistry entschieden, das heißt, ein Mitglied der königlichen Familie wurde vorab zu diesem Amt des neuen Königs bestimmt. (vgl. Designation)