Kandergrund ist eine Einwohnergemeinde im Schweizer Kanton Bern in der Schweiz. Sie liegt im Berner Oberland und gehört zum Verwaltungskreis Frutigen-Niedersimmental.
Geographie Kandergrund liegt im Kandertal. Es ist eine langgezogene Streusiedlung mit den Bäuerten Innerkandergrund, Reckental, Ausser- und Inner-Rüteni sowie Blausee-Mitholz.
Geschichte Kandergrund liegt im Talgrund der Kander. Der Name Kander stammt nach Albrecht Greule und Johann Ulrich Hubschmied vom keltischen Wort *kandarā «die Weisse».Ortsnamenbuch des Kantons Bern. Band I/2: G – K/CH. Francke, Bern 1987, S. 411 f.
Das Dorf ist seit 1850 eine eigenständige Einwohnergemeinde und seit 1860 eine selbständige Kirchgemeinde.
Politische Entwicklung Kandergrund gehörte bis 1850 zur Gemeinde Frutigen. 1908 kam es zur Trennung der Gemeinde Kandergrund in Kandergrund und Kandersteg. Das ursprüngliche Gemeindegebiet von 16'665 ha fiel zu 3207 ha an Kandergrund und zu 13'458 ha an Kandersteg.
Kohlebergwerke Während des Zweiten Weltkrieges wurden in Kandergrund drei Kohlebergwerke betrieben. Die Grube «Lindi» der Kander-Kohle AG, die Grube «Horn» der Bergbaugesellschaft Kandergrund AG und die Grube «Schlafegg» der Bergwerk Schlafegg AG.
In der Grube «Schlafegg» arbeiteten bis zu 100 Mann, die Monatsproduktion betrug bis zu 700 t und wurde beim Bahnhof Kandergrund (an der Lötschberg-Bergstrecke) in Bahnwagen verladen. Die Kohle wurde nach Basel transportiert, für die Chemiefabrik Ciba AG, und nach Aarberg für die dortige Zuckerfabrik. 1949 machte die Konkurrenz der Ruhrkohle den Abbau in Kandergrund nicht mehr rentabel. Als letzte Grube wurde «Horn» am 15. November 1949 stillgelegt.
Explosion eines Munitionsmagazins
Am 19. Dezember 1947 um 23:34 Uhr explodierte in Mitholz ein eidgenössisches Munitionsmagazin. Neun Menschen starben und viele Gebäude wurden zerstört, unter anderem der BLS-Bahnhof. Die Schadenssumme betrug 100 Millionen Franken. Einige Hausinschriften, die auf die Explosion hinweisen, sind noch heute an Gebäuden zu lesen.Valentin Giterman: Zu den Explosionen von Dailly und Blausee-Mitholz. In: Rote Revue. 27. Jg., Nr. 1, Januar 1948 (doi:10.5169/seals-335975).. Website der Gemeinde Kandergrund (PDF; 18 kB).
Am 25. Februar 2020 wurde bekannt, dass die rund 170 Bewohner von Mitholz ihre Heimat für mindestens 10 Jahre verlassen müssen, damit die immer noch im Berg lagernde Munition geräumt werden kann. Die eigentliche Räumung soll 2031 beginnen.Munitionslager Mitholz. Das ganze Dorf muss für 10 Jahre umziehen. In: SRF News. 25. Februar 2020.Wegen verschütteter Munition: Die Bevölkerung von Mitholz soll für zehn Jahre wegziehen In: Neue Zürcher Zeitung vom 25. Februar 2020 Im März 2022 gab das VBS bekannt, dass nun doch nicht die ganze Bevölkerung evakuiert werden muss.
Politik Bei den Nationalratswahlen 2023 betrugen die Wähleranteile in Kandergrund (in Klammern die Veränderung im Vergleich zu den Wahlen 2019 in Prozentpunkten): SVP 72,63 % (+4,35), SP 6,74 % (+1,03), Mitte 4,39 % (−3,11), glp 4,07 % (−1,23), EDU 3,90 % (+2,72), EVP 2,86 % (−1,18), Grüne 2,31 % (−1,63), FDP 1,31 % (−0,38), SD 0,23 % (+0,09).
Sehenswürdigkeiten
Südlich von Kandergrund liegt der Blausee, ein beliebtes Ausflugsziel.
Persönlichkeiten Lilli Haller (* 1874 in Kandergrund; † 1935 in Zollikon), Schriftstellerin
Literatur
Weblinks
Offizielle Website der Gemeinde Kandergrund
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Kanton Bern Kategorie:Schweizer Gemeinde