Neumünster ( und Neemünster) ist eine kreisfreie Stadt und ein Oberzentrum in der Mitte Schleswig-Holsteins. Mit Einwohnern () ist Neumünster nach Kiel, Lübeck, Flensburg und Norderstedt die fünftgrößte Stadt im nördlichsten deutschen Bundesland. Die Holstenhallen und die Stadthalle machen die Stadt zu einem bedeutenden Messestandort Schleswig-Holsteins.

Urkundlich zum ersten Mal 1127 als Augustiner-Stift „Wippenthorp im Gau Faldera“ erwähnt, war Neumünster lange ein Zentrum der deutschen Tuch- und Lederindustrie und ist seit alters her ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Ab 1870 im Besitz der Stadtrechte, gehört die große Mittelstadt an Schwale und Stör seit Mai 2012 zur Metropolregion Hamburg.

Geographie Geographische Lage Das Stadtgebiet von Neumünster erstreckt sich am östlichen Rand der naturräumlichen Haupteinheit der Holsteinischen Vorgeest (Nr. 698) in Nähe des Übergangs zu dem sich in nordöstlicher Richtung fortsetzenden nordwestlichen Teilbereichs des Holsteinischen Hügel- und Seenlandes (Nr. 702) des Schleswig-Holsteinischen Hügellandes am oberen Flusslauf der Stör und der im Stadtgebiet von rechts einmündenden Schwale.

Stadtgliederung Neumünster ist in folgende Stadtteile gegliedert: Böcklersiedlung-Bugenhagen, Brachenfeld-Ruthenberg, Einfeld, Faldera, Gadeland, Gartenstadt, Stadtmitte, Tungendorf und Wittorf.Stadt Neumünster: Hauptsatzung (PDF)

Böcklersiedlung-Bugenhagen

Mit Mitteln aus dem European Recovery Program wurde am 5. März 1950 von Hans Böckler der Grundstein für die Böcklersiedlung gelegt. Auf einem Teil des Flugplatzes wurden auf 70 von der Bundesvermögensverwaltung zur Verfügung gestellten Hektar Grund 800 Wohnungen gebaut. Zahlreiche Bewohner kamen aus den Nissenhütten am Ehndorfer Platz. Der Kantplatz wurde als Kommunikationszentrum und Ladenzeile errichtet. Bald wurden Banken, Geschäfte, Kirche, Kindergarten und Schule errichtet. Die Straßennamen wurden in Anlehnung an die deutschen Ostgebiete gewählt, aus denen viele der Bewohner stammten. Nach 50 Jahren wurden die eher einfachen Wohnungen saniert, es wurden unter anderem kleine Wohnungen zu größeren zusammengelegt und Balkone angebaut.Marianne Dwars, Klaus Fahrner, Bärbel Nagar (Hrsg.): Neumünster Lexikon. Wachholtz, Neumünster 2003, ISBN 3-529-01711-6, S. 21. 2007 lebten in dem Stadtteil 6626 Menschen. Die Böcklersiedlung besitzt vier Schulen: Die Hans-Böckler-Schule, die Walther-Lehmkuhl-Schule, die Immanuel-Kant-Schule und die Wilhelm-Tanck-Schule.

Brachenfeld-Ruthenberg Das ehemalige Bauerndorf Brachenfeld östlich des Stadtzentrums wurde 1938 nach Neumünster eingemeindet. Dort befinden sich einige Villen, die im Zusammenhang mit der Papier- und Tuchindustrie erbaut wurden. Eine von ihnen, die Villa Wachholtz, beherbergt heute den Skulpturenpark der Herbert Gerisch-Stiftung, welcher auch Schauplatz von Konzerten des Schleswig-Holstein Musik Festivals ist. (Siehe Liste der Kulturdenkmale in Neumünster/Bauliche Anlage, Gründenkmale und Teile von baulichen Anlagen#Stadtmitte) Der Brachenfelder Bürgerverein existiert seit 1904. 1966 begann die Planung für die Siedlung Ruthenberg, die Anfang der 1980er Jahre mit dem B-Plan 88 erschlossen und bebaut wurde.Marianne Dwars, Klaus Fahrner, Bärbel Nagar (Hrsg.): Neumünster Lexikon. Wachholtz, Neumünster 2003, ISBN 3-529-01711-6, S. 22. 2007 lebten im Stadtteil Brachenfeld-Ruthenberg 10.573 Einwohner.

Einfeld

Einfeld ist der nördlichste Stadtteil Neumünsters. Im Stadtteil liegt der Einfelder See. Im 9. Jahrhundert entstand dort eine Wallburg. 1970 wurde Einfeld eingemeindet. 2007 hatte Einfeld 6117 Einwohner.

Faldera mini|Bau von Wohnhäusern in Faldera 1951

Faldera war eine der ersten Bezeichnungen für die Siedlung Neumünster. Zeitweise war die Bezeichnung Exer von Exerzierplatz für das Gebiet des heutigen Faldera gebräuchlich. Nach dem Zweiten Weltkrieg bestanden hier Nissenhütten für Flüchtlinge. In Eigenhilfe und Zusammenarbeit mit Wohnungsbaugesellschaften wurden ganze Straßenzüge bebaut. Der Stadtteil Faldera wurde für vorbildliche Kleinsiedlungen ausgezeichnet.Marianne Dwars, Klaus Fahrner, Bärbel Nagar (Hrsg.): Neumünster Lexikon. Wachholtz, Neumünster 2003, ISBN 3-529-01711-6, S. 37. 8734 Menschen bewohnten im Jahr 2007 Faldera.

Gadeland

Gadeland liegt im Südosten Neumünsters. Die Stör fließt durch Gadeland. 1141 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt, 1938 und 1970 wurde er nach Neumünster eingemeindet. 2007 hatte Gadeland 5718 Einwohner.

Gartenstadt Zum Stadtteil gehören unter anderem das Industriegebiet am Stover und die Holstenhallen. Die Geschichte der Gartenstadtsiedlung begann am 4. Juli 1910 mit der Gründung der Gartenstadtgesellschaft. Stadtbaurat Wilhelm Junglöw und Regierungsrat Ludwig Rintelen waren auf die garden cities in den Vororten von London aufmerksam geworden und übernahmen die Gartenstadt-Idee. Außerhalb der Industriestadt Neumünster wurden auf großen Grundstücken 46 Häuser errichtet. Im Zuge des Ersten Weltkriegs und der Inflation endete das Bauvorhaben und die Gartenstadtidee wurde in Neumünster nicht weiter angewendet.

1968 entstanden unter dem Titel Neue Gartenstadt zum Teil mit Eigenleistung 37 Einfamilienhäuser. Zudem wurden Hochhäuser errichtet.Marianne Dwars, Klaus Fahrner, Bärbel Nagar (Hrsg.): Neumünster Lexikon. Wachholtz, Neumünster 2003, ISBN 3-529-01711-6, S. 49–50. 2007 betrug die Einwohnerzahl des Stadtteils Gartenstadt 5321.

Stadtmitte alternativtext=Fürsthof Neumünster|mini|hochkant|Der Fürsthof in der Stadtmitte beherbergt unter anderem das älteste Haus Neumünsters

Heute wird das Gebiet zwischen Sedanstraße im Nordwesten, Dithmarscher Straße im Süden, Hebbelstraße im Osten und Ascheberger Bahn im Norden als Stadtmitte bezeichnet. Hierzu gehört unter anderem das Alte Rathaus. In der Stadtmitte finden sich viele Geschäfte und kulturelle Einrichtungen. Der historische Stadtkern Neumünsters gehört ebenfalls zu diesem Stadtteil. Im Zuge der Industrialisierung verlor dieser Bereich seinen dörflichen Charakter. Zwischen Kieler Straße und Christianstraße befindet sich in diesem Stadtteil ein Vicelinviertel genanntes Gebiet, das häufig als sozialer Brennpunkt betrachtet wird. Dort besteht ein Quartiersmanagement. Der Austausch von Menschen mit Migrationshintergrund und Deutschstämmigen soll gefördert werden. In der Stadtmitte lebten 2003 19.849 Einwohner, davon 3.029 Ausländer.Marianne Dwars, Klaus Fahrner, Bärbel Nagar (Hrsg.): Neumünster Lexikon. Wachholtz, Neumünster 2003, ISBN 3-529-01711-6, S. 115. Vier Jahre später lebten dort 18.875 Menschen.

Tungendorf

Tungendorf liegt im Nordosten Neumünsters, südlich des Stadtteils Einfeld. Es besteht aus den Teilen Tungendorf-Dorf und Tungendorf Siedlung, die 1970 bzw. 1938 nach Neumünster eingemeindet wurden. 2007 hatte der Stadtteil 9882 Einwohner.

Wittorf

Wittorf liegt im Südwesten Neumünsters. Die Schwale mündet hier in die Stör. 1938 wurde Wittorf eingemeindet. 2007 lebten dort 5809 Menschen.

Nachbargemeinden Das Stadtgebiet von Neumünster ist umgeben von den folgenden Gemarkungen:

Geologie mini|Das Dosenmoor ist ein Überbleibsel der letzten Eiszeit

Das Gemeindegebiet von Neumünster lagert geologisch auf einem flach reliefierten Sander im holsteinischen Bereich des schleswig-holsteinischen Geestrückens. Dieser Teil, die sogenannte Neumünstersche Schmelzwasserebene, entstand durch Schmelzwasserablagerungen des sich während der Weichseleiszeit bis in diesen Bereich sich ausdehnenden fennoskandischen Eisschild und die darin befindlichen Sande. Der Austritt der Schmelzwasser erfolgte beim Abschmelzen durch drei weiträumig angeordnete Gletschertore (gelegen (im Norden) bei Timmaspe und Einfeld sowie etwas weiter entfernt im Osten bei Bornhöved).

Klima Durch seine Lage in Mitteleuropa hat Neumünster ein humides kühlgemäßigtes Übergangsklima, das weder sehr kontinental noch sehr maritim ist. Die Temperatur liegt im Jahresmittel bei 8,1 °C, es fallen 775 Millimeter Niederschlag pro Jahr. Trockenster Monat ist der Februar mit 47 Millimetern Niederschlagsmenge, niederschlagsreichster Monat ist der August mit 84 Millimetern. Kältester Monat ist Januar mit durchschnittlich 0,1 °C, wärmster Monat ist der Juli mit durchschnittlich 16,6 °C.Klima: Neumünster, climate-data.org, abgerufen am 10. Januar 2016

Geschichte Mittelalter Im Jahre 1111 war Adolf von Schauenburg vom sächsischen Herzog Lothar von Supplinburg mit der Grafschaft Holstein belehnt worden. Der Gau Faldera war ein holsteinischer Grenzgau, der nördlich an Gebiete der Dänen und östlich an Gebiete der slawischen Abodriten grenzte. Im Gau Faldera befand sich ein als Wippenthorp im Gau Faldera urkundlich erwähnter Ort. Hier errichtete der Missionar Vizelin 1127 ein Augustiner-Stift. Der heutige Name Neumünster ist auf das von Vizelin erbaute Kloster (das „Neue Münster“) zurückzuführen, dessen Name erstmals 1136 urkundlich erwähnt ist.Wolfgang Laur: Historisches Ortsnamenlexikon von Schleswig-Holstein. 2. Aufl., Neumünster 1992, S. 478. Vizelin wurde von Erzbischof Adalbert von Bremen das Recht zur Mission im Slawenland bis zur Peene verliehen. Vizelin erhielt auch die zur Kirche in Wippendorf gehörigen Einkünfte übertragen. Das Kloster der Augustiner siedelte um 1330 nach Bordesholm um. Neumünster kam 1261 zur (Teil-)Grafschaft Holstein-Itzehoe und von 1291 bis 1459 zu Holstein-Rendsburg.

Mitte des 15. Jahrhunderts tritt mit Tideken Wittorpe der erste Vertreter der herrschaftlichen Familie Wittorf auf, die bis zum Ende des 16. Jahrhunderts viele Amtmänner und Vögte für Amt und Kirchspiel Neumünster stellt.

Nach dem Niedergang der Holsteiner Linien der Schauenburger wurde 1460 der dänische König Christian I. von der holsteinischen Ritterschaft zum neuen Grafen von Holstein gewählt. Christian I. erreichte 1474, dass das sächsische Lehen (Grafschaft Holstein) zum reichsunmittelbaren Herzogtum Holstein erhoben wurde.

1498 gründeten Augustiner-Nonnen ein Kloster auf der so genannten Klosterinsel, einer ehemaligen Flussinsel der Schwale, die heute im Stadtzentrum liegt. Dieses Kloster wurde 1566 nach der Reformation aufgelöst.

Neumünster lag am östlichen Ast des Ochsenwegs, der die Kimbrische Halbinsel in Nord-Süd-Richtung durchzog. Ferner durchquerte der Handelsweg Lübsche Trade in Ost-West-Richtung das Gebiet Neumünsters. mini|Das Caspar-von-Saldern-Haus wurde 1745 errichtet.

Frühe Neuzeit Für die Fischzucht und den Betrieb von Mühlen wurde etwa 1503 durch Mönche erstmals die Schwale angestaut. Dabei entstand der Mühlenteich in der heutigen Innenstadt. Ein Jahr darauf brannte der Flecken, heute Kleinflecken, ab.

Bei der Aufteilung der Herzogtümer Schleswig und Holstein unter Christian III. von Dänemark und Norwegen kam das Amt Neumünster 1544 zusammen mit den Ämtern Kiel und Bordesholm an das Teilherzogtum Schleswig-Holstein-Gottorf.

1637 brannte ein Großteil der Häuser aus unbekannter Ursache ab; darunter auch das Haus der Familie von Wittorp am Großflecken. Im Jahr darauf verkaufen die Wittorp allen Grundbesitz und alle herrschaftlichen Rechte an den Landesherrn und starben noch vor Ende des 17. Jahrhunderts aus.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts verkehrte eine in etwa wöchentlich laufende Frachtpost von Neumünster über Fehmarn nach Kopenhagen. 1709 wurde der Kleinflecken, der verwaltungsmäßig auch nach Umzug des Klosters noch zum Amt Bordesholm gehörte, dem Amt Neumünster zugeschlagen.

Nachdem bereits der Vater von Caspar von Saldern 1720–1722 Amtsvorsteher in Neumünster war, nahm Caspar diese Funktion selbst von 1737 bis 1748 ein. 1745 baute er – teilweise selbst finanziert – das heutige Caspar-von-Saldern-Haus. Mit Wirksamwerden des Vertrags von Zarskoje Selo 1773 wurde Neumünster wie alle anderen Teile von Holstein-Gottorf Bestandteil des Dänischen Gesamtstaats.