mini|Bahncard 50 im grünen Design (März 2015) mini|Bahncard 100 im grünen Design (Dezember 2016)
Die Bahncard (Eigenschreibweise: BahnCard) ist eine kostenpflichtige Rabatt- bzw. Fahrkarte der Deutschen Bahn. Die BahnCard 25 und 50 gewährt dem Inhaber Rabatte und dient der Kundenbindung, die BahnCard 100 richtet sich an Vielfahrer und inkludiert alle innerdeutschen Bahnfahrten der Deutschen Bahn sowie das Deutschlandticket. Die Bahncard ist vergleichbar mit der österreichischen Vorteilscard bzw. dem Klimaticket und dem Schweizer Halbtax bzw. dem Generalabonnement.
Mehr als 5 Millionen Menschen besitzen eine Bahncard (Stand: September 2022). Bahncard-Besitzer können am Kundenbindungsprogramm BahnBonus teilnehmen und für Umsätze Punkte sammeln.
Seit 2007 werden Aktionsvarianten der Karte herausgegeben.
Geschichte mini|Bahncard 25 (Design bis März 2013) mini|Bahncard 50 (Design bis März 2013) mini|Mobility Bahncard 100 (Design bis 2009)
Vorläufer mini|hochkant|Junior-Paß, 1991
Als Vorgänger der Bahncard garantierten Taschengeld-, Junior-, Familien- und Seniorenpässe einen Rabatt von 50 % auf den Normalpreis. Bei der Deutschen Reichsbahn war die Kinderaltersgrenze ursprünglich auf 10 Jahre festgesetzt,Kursbuch 1970 Seite 4. In: eisenbahnwelt.com, abgerufen am 10. Januar 2015. von 1985 bis Oktober 1990 erhielten Kinder, Jugendliche, Oberschüler, Lehrlinge und Studenten innerhalb der DDR 50 Prozent Fahrpreisermäßigung.Großzügige Fahrpreisermäßigung für Kinder und Jugendliche bei allen Eisenbahnfahrten in der DDR. In: Neues Deutschland, 29. Juni 1985, abgerufen am 10. Januar 2015. Lehrlinge, Schüler und Studenten erhielten für Fahrten zwischen Heimatort und Ausbildungsort sogar 75 % Ermäßigung. Diese galt auch für Arbeiter zwischen Wohnort und Arbeitsstätte.
1955 führte der Bundesminister für Familienfragen Franz-Josef Wuermeling verbilligte Bahnfahrkarten für kinderreiche Familien ein. Der Berechtigungsausweis, mit dem bis April 1999 für Kinder vergünstigte Fahrkarten erworben werden konnten, wurde als „Der Wuermeling“ bekannt. Im Volksmund wurde Der Wuermeling auch als Karnickelpass bezeichnet.
1976 wurde ein Seniorenpass eingeführt, der Männern ab 65 und Frauen ab 60 Jahren sowie Frührentnern 50 Prozent Rabatt auf Fernverkehrs-Fahrpreise gewährte. Später auch der Taschengeld-, Junioren- und der Familienpass. Damit konnten Fahrausweise des Bundesbahntarifs zum halben Preis gekauft werden, zuerst ab 31 km, dann ab 51 km, später – mit zusätzlich gekaufter Wertmarke – ohne Beschränkung. Auf Fahrkarten regionaler Verkehrsverbünde und spezieller S-Bahn-Tarife gab es in der Regel keine Ermäßigung. Auch wurden Vorzugskarten angeboten, die 20 Prozent Rabatt gewährten.
Anfang der 1990er Jahre wurde für Jugendliche von 12 bis 17 Jahren für 40 DM ein Taschengeld-Paß angeboten, womit man ein Jahr zum halben Fahrpreis fahren konnte. (Bei der Deutschen Bundesbahn hatten Jugendliche ab 12 Jahren den vollen Fahrpreis zu bezahlen, bei der Deutschen Reichsbahn ab 15 Jahren). Für 18- bis 22-Jährige, Schüler und Studenten bis 26 Jahren wurde ein Junior-Paß für 110 DM angeboten, mit dem der reguläre Fahrpreis für ein Jahr halbiert werden konnte. Daneben wurde von 1978 bis 1995 für diese Gruppe das Tramper-Monats-Ticket angeboten, das binnen eines Monats zu beliebig vielen Fahrten in 2. Klasse (ohne ICE) berechtigte. Es kostete 290 DM (für Westdeutschland) bzw. 320 DM (im gesamten Bundesgebiet).
Konzeption und Einführung (1991/92) + Verbreitung von Bahncard 50 und Bahncard 25 Zeitpunkt BC50-Inhaber BC25-Inhaber BC-Inhaber Quelle Mitte November 1992 440.000 – 440.000 Jahresende 1992 650.000 – 650.000 20. Januar 1993 1.000.000 – 1.000.000 Mitte 2002 3.000.000 – 3.000.000 Juni 2003 1.200.000 Ende 2003 2.700.000 Herbst 2004 1.400.000 Ende 2004 2.900.000 Ende März 2005 3.100.000 Ende 2005 3.200.000 Ende 2006 3.500.000 Ende 2007 1.780.000 2.230.000 4.010.000 Ende 2008 2.219.000 Ende 2009 2.338.000 September 2011 4.400.000 Das macht die Deutsche Bahn für Sie – jeden Tag!. In: mobil. September 2011, S. 38 f. September 2012 1.600.000 3.100.000 4.700.000 DB Mobility Logistics AG (Hrsg.), Presseinformation vom 27. September 2012. Ende 2012 4.900.000 September 2014 1.500.000 3.500.000 5.000.000 Deutsche Bahn begrüßt fünfmillionsten BahnCard-Kunden. DB Mobility Logistics AG (Hrsg.), Presseinformation 051/2014 vom 29. September 2014. Ende 2014 1.386.000 3.662.000 5.091.000 DB Mobility Logistics AG Ende 2015 1.311.000 3.559.000 4.915.000 DB Mobility Logistics AG September 2016 ? ? 4,6 Mio. Ende 2016 1.310.000 3.617.000 4.974.000 Deutsche Bahn AG (Hrsg.)Ende 20191.516.0003.722.0005.292.000 Anfang der 1990er Jahre verfolgte der Vorstand der Deutschen Bundesbahn das Ziel, das Preissystem im Personenverkehr zu vereinfachen. Ein Projekt unter Führung des Wirtschaftswissenschaftlers Georg Tacke, der über nichtlineare Preisbildung promovierte, leitete ein Team zur vollständigen Neuordnung des DB-Preissystems. Einer der ersten Maßnahmen war 1991 die Einführung des pauschalen ICE-Sparpreises.
mini|links|Bahncard 50 von 1996 Die Bahncard wurde zum 1. Oktober 1992 eingeführt.Volker Albus, Achim Heine: Die Bahn. Positionen der Markenkultur. Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin 2002, ISBN 3-87584-055-0, S. 168. Zuerst wurde die Karte der 2. Klasse angeboten, gefolgt von der Bahncard First für die erste Klasse. Bis zum Jahresende wurde sie 650.000-mal verkauft. Ein Grund für die Einführung der Bahncard lag in der Kundenbindung, nachdem mit der Einführung des ICE im Vorjahr der Personenfernverkehr eine größere Akzeptanz erworben hatte. Die Karte wurde unter dem Motto Ein Jahr zum halben Preis vermarktet. Die TV-Werbekampagne wurde mehrfach prämiert.Jahresrückblick 1992: Personenverkehr. In: Die Deutsche Bahn. Nr. 1, 1993, S. 32–40. Ein anderer Grund sei die Vergünstigung von Fernreisen gewesen.„Das alte System hat kein Mensch mehr verstanden“. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 194, 2002, S. 18. Nach Angaben der Deutschen Bahn bedeutete die Einführung der Bahncard, neben der Einführung des ICE, den bedeutendsten Attraktivitätsschub für das Verkehrsmittel seit dem Zweiten Weltkrieg.Sie läuft und läuft und läuft… In: mobil. Oktober 2012, S. 46–49.
Der Preis zur Einführung der Karte im Oktober 1992 lag bei 220 DM, für Senioren und Junioren 110 DM. Der Erwerb reduzierte den Preis normaler Fahrkarten der 2. Klasse um 50 %. Bei Fahrkarten für die erste Wagenklasse betrug die Reduktion 50 % des Preises der 2. Klasse plus vollen Differenzbetrag, so dass sich eine Reduktion von 33 % für die 1. Wagenklasse ergab. Die Gültigkeit der Bahncard betrug ein Jahr. Sie war personengebunden und nicht übertragbar.
Der Rabatt von 50 Prozent und der Preis von 220 DM geht auf eine Befragung von etwa 10.000 Fahrgästen zurück.
Der Verkauf der Bahncard First, für zunächst 440 DM, begann am 16. November 1992, der erste Gültigkeitstag war der 1. Dezember 1992.Bahnfahren wird noch teurer. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 263, 1992, S. 14. Mit ihr gab es auch in der 1. Klasse eine Ermäßigung von 50 %.
Als erster Verkehrsverbund erkannte der Rhein-Main-Verkehrsverbund ab 1995 die Bahncard an. Bahncard-Besitzer konnten dabei im RMV eine Verbundfahrkarte zum Tarif für Jugendliche lösen, mit einem Rabatt von 40 Prozent. Im Gegenzug konnten RMV-Kunden den Interregio zuschlagsfrei nutzen, Pendler- und Zeitkarten des RMV wurden gegen Aufpreis im IC, EC und ICE anerkannt.Erstmals im Verbund anerkannt. In: ZUG, Nr. 4, 1995, ohne ISSN, S. 10.
Zum 1. April 1999 wurde die Gültigkeitsdauer der Bahncard im Abonnement von 12 auf 13 Monate angehoben – inklusive vier kostenlose Sitzplatzreservierungen. Diese Angebote wurden später beendet.
Mitte 2002 wurde die Zahl der Bahncard-Kunden mit drei Millionen angegeben, wobei diese Zahl vor 2002 über mehrere Jahre stabil gewesen sei.
Preissystem-Änderungen (2002) Mit dem für Ende 2002 geplanten neuen Preissystem wurde der Rabatt der Bahncard von 50 auf 25 Prozent gesenkt. Vorgesehen war, die „alte“ Bahncard noch für eine einjährige Übergangsphase im Sortiment zu belassen.Sparen in der Ferne. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 145, 2001, S. 1. Nach Bahnangaben lag damals der Anteil der Bahncard-Kunden, die ihre Karte nur im Nahverkehr einsetzten, denen das neue Rabattsystem nicht nutzte, bei zwei Prozent.
Die neu konzipierte Bahncard halbierte die Rabatthöhe auf 25 %, gewährte den Rabatt aber auf alle Fahrkartenangebote. Eltern konnten für eigene Kinder ab 6 Jahren eine eigene Bahncard für fünf Euro erwerben. Die Abschaffung der 50-Prozent-Bahncard stieß auf vielfältige Kritik. Pro Bahn übergab Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe 10.000 Unterschriften für den Erhalt der bisherigen Bahncard.Kritik an neuen Bahntarifen. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 285, 2002, S. 18. Im ersten Halbjahr 2003 sank die Zahl der Bahncard-Inhaber von rund 3 auf etwa 2,5 Millionen.Klaus Ott: Bahncard 50 ist ein Erfolg. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 202, 2003, S. 6. Dieser Entwicklung versuchte die Deutsche Bahn mit einer Werbeaktion zu begegnen, bei der man 150.000 Zwei-Monats-Bahncards der 1. Klasse an ehemalige Bahncard-Besitzer verschenkte.Werbekampagne für Bahncard-Verkäufe. In: Eisenbahn-Kurier, Nr. 370, Juli 2003, S. 5. Zudem strebten die Deutsche Bahn und das Bundesumweltministerium an, den 25-Prozent-Rabatt auf Verkehrsverbünde auszudehnen.Bahn-Card soll zukünftig auch beim MVV gelten. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 82, 2003, S. 41. Fahrgastverbände und Verkehrspolitiker forderten die Wiedereinführung der 50-Prozent-Bahncard. Bei der Vorlage der Jahresbilanz 2002, am 21. Mai 2003, lehnte der Bahnvorstand dies ab.Bahn mit deutlich höherem Quartalsverlust. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 117, 2003, S. 19.
Auch der ab 2002 übliche Bahncardverkauf im Abonnement wurde Gegenstand von KritikBahncard-Abo kann leicht zur bösen Falle werden. Welt Online, 3. Februar 2010; abgerufen am 6. November 2013. und von Gerichtsentscheidungen.AG Gengenbach, 31. Juli 2013 – 2 C 80/13. (PDF; 186 kB) Kanzlei-hollweck.de; abgerufen am 6. November 2013.
Preissystem-Reform (2003) Daher führte die Deutsche Bahn Anfang Juli 2003 wieder die 50-Prozent-Bahncard zum 1. August 2003 ein.Kurswechsel bei der Bahn im Umgang mit Kunden. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 148, 2003, S. 17. Die Bahncard 50 konnte nicht mit Frühbucherrabatten kombiniert werden, doch erhielten bis zu vier auf dem Fahrschein eines Bahncard-50-Inhabers Mitreisende einen 50 % Mitfahrerrabatt.Bahn verkaufte zu teure Tickets. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 177, 2003, S. 20. Ihr Preis stieg, gegenüber der bis Dezember 2002 vermarkteten Bahncard von 140 auf 200 Euro (2. Klasse) bzw. von 280 auf 400 Euro (1. Klasse). Zugleich sank der Preis der Bahncard 25 von 60 auf 50 Euro (2. Klasse). Inhaber der Bahncard 25 konnten nach Zahlung des Differenzbetrages die Bahncard 50 erwerben.Neue Bahncard als Auslaufmodell. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 150, 2003, S. 18. Darüber hinaus wurde die Bahncard 100 als Nachfolger der Netzkarte eingeführt.Bahn korrigiert Preise und Rabatte. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 150, 2003, S. 1. Die Möglichkeit, die Bahncard 25 mit Frühbucherrabatten zu kombinieren, war zunächst befristet worden bis zum 30. September 2004, wurde 2004 jedoch ohne Grenze verlängert.Bahncard 25 weiterhin mit Sparpreisen kombinierbar. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 10/2004, S. 426.
An den ersten drei Verkaufstagen wurden 50.000 Bahncard 50 verkauft (ein Teil als Umtausch der Bahncard 25) sowie 400 Exemplare der Bahncard 100. In den ersten zehn Tagen wurden 150.000 Bahncards verkauft, davon rund 80 Prozent Bahncard 50 der 2. Klasse.Drei Millionen Bahncard-Kunden. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 183, 2003, S. 17. Im ersten Monat wurden 270.000 Bahncard 50 verkauft. Im gleichen Zeitraum wurden 86.000 Bahncard 25 abgesetzt.
Weitere Entwicklung