mini|Portrait einer Zitterspinne, Männchen

Zitterspinnen (Pholcidae) sind eine Familie der Echten Webspinnen und umfassten 2016 insgesamt 80 Gattungen mit 1506 Arten.

Zitterspinnen werden aufgrund einiger Ähnlichkeiten, vor allem wegen der im Verhältnis zum Körper sehr langen Beine, manchmal mit Weberknechten (Opiliones) verwechselt.

Verbreitung und Gattungen in Europa Zitterspinnen sind mit Ausnahme der Antarktis und einigen Inseln weltweit verbreitet,Pamela A. Zobel-Thropp, Jennifer Mullins, Charles Kristensen, Brent A. Kronmiller, Cynthia L. David, Linda A. Breci, Greta J. Binford: Not so Dangerous After All? Venom Composition and Potency of the Pholcid (Daddy Long-Leg) Spider Physocyclus mexicanus Front. Ecol. Evol., Juli 2019, doi:10.3389/fevo.2019.00256 die meisten Arten besiedeln aber die Primärwälder der tropischen und subtropischen Regionen.Tropisch-Afrikanische Zitterspinnen, Projektbeschreibung des Zoologischen Forschungsmuseums Alexander Koenig (ZFMK); abgerufen am 6. Juni 2016 Einige Vertreter finden sich zudem in Höhlen und felsigen Umgebungen.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind bislang vier Gattungen mit fünf Arten nachgewiesen; jedoch ist ihre Verbreitung unübersichtlich und benachbarte Zonobiome sind wesentlich artenreicher. Die im deutschsprachigen Raum heimischen Zitterspinnen sind aus dem östlichen Mittelmeerraum eingewandert. In küstennahen Bereichen Europas fehlen sie fast vollständig; in Belgien werden sie durch pantropische Arten ersetzt und in West- und Südeuropa von Zitterspinnen des westlichen Mittelmeerraumes abgelöst.

Die folgenden Gattungen kommen in Europa vor: Artema (Belgien) Holocnemus (Mittelmeerraum, bis nach Österreich eingewandert) Micropholcus (Belgien) Pholcus (zwei Arten in Europa, in Mitteleuropa in Häusern, Höhlen, Kellern etc.) Psilochorus (Subtropen Amerikas, in Europa in Gewächshäusern und Kellern) Spermophora (ostmediterran, eingewandert in Österreich, Schweiz) Spermophorides (drei Vertreter in Spanien und Frankreich)

Beschreibung Es handelt sich um sehr kleine bis mittelgroße Spinnen (bis ca. 10 mm) mit extrem langen und zierlichen Beinen (bis ca. 50 mm). Die Färbung besteht meist aus unauffälligen Grau- oder Gelbtönen, teilweise mit dunklen Zeichnungen und ist bis auf wenige Ausnahmen konturlos.

Zitterspinnen weben unregelmäßige und diffuse Raumnetze dreidimensionaler Ausdehnung und von beträchtlicher Größe, durch die sie sich geschickt fortbewegen und die sie in die Lage versetzen, auch wesentlich größere Tiere zu überwältigen.

Die Seide der ecribellaten Zitterspinnen ist bis auf wenige Ausnahmen trocken (leimfrei), extrem dehnbar und wollartig aufgekräuselt. Dadurch wird es Beutetieren meist unmöglich, sich zu befreien. Fluchtreaktionen führen nur zu noch stärkerer Verstrickung. Ein Netz wird ständig weitergebaut und kann sich auch mit denen von Artgenossen überschneiden, z. B. bei der Großen Zitterspinne. Sie ist in Mitteleuropa fast ausschließlich in Gebäuden anzutreffen, bevorzugt in geringer Höhe, daher vor allem in Kellern. Die anderen heimischen Vertreter der Familie bevorzugen mehr oder weniger geschützte Stellen, Baumhöhlen und Gesteinshöhlen des Freilandes. Zitterspinnen sind überwiegend nachtaktiv.

Das im deutschen Sprachraum namensgebende Verhalten der Gattung Pholcus, bei Gefahr im Netz zu zittern, zeigen nicht alle Arten, und selbst bei diesen ist es häufig nur bei Jungtieren zu beobachten. Das Zittern ist ein schnelles Hin- und Herschwingen, durch das die Konturen der Spinne verschwimmen, um einen Angreifer zu verwirren.

Ein gutes Unterscheidungsmerkmal der Zitterspinnen von anderen Familien ist der Aufbau ihrer Cheliceren, bei denen ventral ein winziger Stachel ausgebildet ist und dem Apparat eine pinzettenartige Funktion erleichtert. Neben den Zitterspinnen findet sich diese Form der Kieferklaue nur noch bei den Sechsäugigen Sandspinnen (Sicariidae) und den Eigentlichen Falltürspinnen (Ctenizidae) sowie in ähnlicher Form bei Pseudoskorpionen und Walzenspinnen. Innerhalb der Zitterspinnen ist die Augenstellung ein Bestimmungsmerkmal bis zur Gattung.

Systematik Der World Spider Catalog listet für die Zitterspinnen aktuell 80 Gattungen und 1506 Arten. (Stand: Juni 2016) Aetana , 2005 Anansus , 2007 Anopsicus , 1938 Artema , 1837 Aucana , 2000 Aymaria , 2000 Belisana , 1898 Blancoa , 2000 Buitinga , 2003 Calapnita , 1892 Canaima , 2000 Carapoia , 1998 Cenemus , 2001 Chibchea , 2000 Chichiriviche , 2011 Chichiriviche costanero , 2011 Chisosa , 2000 Ciboneya , 2001 Codazziella , 2005 Codazziella pilosa , 2005 Coryssocnemis , 1893 Crossopriza , 1893 Enetea , 2000 Enetea apatellata , 2000 Galapa , 2000 Gertschiola , 1981 Guaranita , 2000 Hantu , 2016 Holocneminus , 1942 Holocnemus , 1873 Holocnemus pluchei , 1763) Hoplopholcus , 1908 Ibotyporanga , 1944 Ixchela , 2000 Kambiwa , 2000 Khorata , 2005 Leptopholcus , 1893 Litoporus , 1893 Mecolaesthus , 1893 Mesabolivar , 1998 Metagonia , 1893 Micromerys , 1877 Micropholcus , 1987 Modisimus , 1893 Nerudia , 2000 Nerudia atacama , 2000 Ninetis , 1890 Nita , 2007 Nita elsaff , 2007 Nyikoa , 2007 Nyikoa limbe , 2007 Ossinissa , 2005 Ossinissa justoi , 1992) Otavaloa , 2000 Panjange , 1983 Papiamenta , 2000 Paramicromerys , 1946 Pehrforsskalia , 2001 Pholcophora , 1896 Pholcus , 1805 Physocyclus , 1893 Physocyclus globosus , 1874) Pisaboa , 2000 Platnicknia , 2009 Pomboa , 2000 Priscula , 1893 Psilochorus , 1893 Quamtana , 2003 Queliceria , 2003 Queliceria discrepantis , 2003 Savarna , 2005 Sihala , 2011 Smeringopina , 1957 Smeringopus , 1890 Spermophora , 1841 Spermophorides , 1992 Stenosfemuraia , 1998 Stygopholcus , 1932 Systenita , 1893 Systenita prasina , 1893 Tainonia , 2000 Teuia , 2000 Teuia beckeri , 2000 Tibetia , 2006 Tibetia everesti , 1987) Tolteca , 2000 Trichocyclus , 1908 Tupigea , 2000 Uthina , 1893 Wanniyala , 2005 Waunana , 2000 Wugigarra , 2001 Zatavua , 2003

Galerie

Literatur Stefan Heimer, Wolfgang Nentwig: Spinnen Mitteleuropas. Paul Parey, Berlin 1991, ISBN 3-489-53534-0. Rainer F. Foelix: Biologie der Spinnen. Thieme, Stuttgart 1979, ISBN 3-13-575801-X. Dick Jones: Der Kosmos-Spinnenführer. Franckh’sche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1980, ISBN 3-440-06141-8.

Weblinks

Pholcidae im Wiki der Arachnologischen Gesellschaft

Einzelnachweise Gertsch, Willis J. 1979: American Spiders, 2nd edition. Van Nostrand Reinhold, New York. ISBN 0-442-22649-7. Auf: mpiz-koeln.mpg.de vom 21. Juli 1999.

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