Urdenbach ist ein Stadtteil der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf. Der Stadtteil hat rund 10.700 Einwohner, die über eine Fläche von 7,56 Quadratkilometern verteilt leben (Stand: Dezember 2016).
Für den Namen Urdenbach werden in alten Dokumenten folgende Schreibweisen verwendet: Vrdenbach, Vyrdenbach, Oerdenbach und bis ins 19. Jahrhundert Ordenbach.Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins, Bände 19–21, in Kommission bei A. Marcus, 1883, S. 108 Benrath historisch; In: Band 15; Schriftenreihe des Archivs der Heimatgemeinschaft Groß-Benrath; S. 18. Vor 1592 wurde der Name häufig zusätzlich mit der Präposition up, op oder of versehen. Zur Namensdeutung gibt es mehrere Varianten. Eine dieser Varianten geht von einem keltischen Namen für Sumpfland aus, das mit Urdefa bezeichnet wurde.Hans Bahlow: Deutschlands geographische Namenwelt. Etymologisches Lexikon der Fluss- und Ortsnamen alteuropäischer Herkunft. Klostermann, Frankfurt am Main 1965. Nach einer anderen Variante ist der Name von dem Bach abgeleitet, der heute noch durch Urdenbach verläuft (siehe auch: Urdenbacher Altrhein). In einer Kartenskizze von 1674 wird der südliche Mündungsarm der Itter Ordenbach genannt. Up der Ordenbach wäre damit eine Lagebezeichnung für eine Siedlung gewesen. Eine Urkunde von 1523 bestätigt diese Variante. Hierin wird für das Kirchenspiel Benrath angeführt: „Raede ader Benraide im Lande van Berge bei der Vyrdenbach gelegen“.
Geografische Lage Urdenbach liegt ganz im Süden von Düsseldorf und grenzt im Norden an den Stadtteil Benrath sowie den Schlosspark, im Osten an den Stadtteil Garath, im Westen bildet der Rhein die Grenze und im Süden das Altrheinbett mit der sich anschließenden Auenlandschaft, die als Naturschutz- und Überschwemmungsgebiet, nicht bebaut werden kann. Von Letzteren, Urdenbacher Kämpe genannt, gehört der nördliche Teil zu Urdenbach und der südliche ab etwa Höhe Haus Bürgel, zu Monheim am Rhein.
Geschichte Allgemein Urdenbach muss spätestens zu Beginn des 14. Jahrhunderts bestanden haben. In einer Gerichtserkundung von 1555 wird für das Amt Monheim 1363 unter anderem eine Ortschaft Ordenbach angeführt.Benrath historisch; In: Band 15; Schriftenreihe des Archivs der Heimatgemeinschaft Groß-Benrath; S. 17 In einem weiteren Dokument von 1385 wird für die Lage eines Hofes up der Oerdenbach angegeben.Helmut Ackermann; In: Düsseldorf-Urdenbach Geschichte der evangelischen Gemeinde und des Ortes; 1992, S. 16–18. Ein Gerichtssiegel von 1454 wird verwendet für das Landgericht Ordenbach und Hemmelgeist. Für dieses Gericht wird angeführt, dass die honschafft (Ortschaft) Ordenbach 3 Scheffen (Schöffen) und Hemmelgeist den Vogt und 4 Scheffen für die 5 honschafften: Benrod, Itter, Hemmelgeist, Wersten und Holthusen, beistellen. Im späten Mittelalter war Urdenbach somit neben Himmelgeist im Düsseldorfer Süden eine der Hauptortschaften. mini|Altes Gerichtsgebäude von 1535 In der Gerichtserkundung von 1555 werden für das Amt Monheim 5 Gerichte namentlich angegeben und zwar neben Monheim: Hittorp, Richrod, Ordenbach und Hemmelgeist. In diesem Dokument wird zusätzlich angeführt: „seindt unijrt und Hemmelgeist in Ordenbach geschlagen“. Das Gericht tagte somit in Urdenbach.Benrath historisch; In: Band 15; Schriftenreihe des Archivs der Heimatgemeinschaft Groß-Benrath; S. 19 Als Gerichtsgebäude wird das 1535 errichtete und noch heute bestehende Fachwerkhaus, Urdenbacher Dorfstraße 44/48, benutzt. Bemerkenswert ist, dass die Gerichte in Himmelgeist und Urdenbach als einzige im Amt Monheim ihre Konsultationen im Hauptgericht Kreuzberg hatten.Wisplinghoff, Erich. In: Düsseldorf Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert. In: Das ländliche Umfeld: I. Auf dem rechten Rheinufer. 1990, 2. Auflage, Schwann 1988 Patmos Verlag, Herausgeber: Hugo Weidenhaupt, S. 395. ISBN 3-491-34221-X
mini|Zur Alten Apotheke mini|Fachwerkhaus
Von den größeren Gütern und Höfen in der Gemarkung Urdenbach sind alte Urkunden vom Braß-Gut, Buchholzer Hof, Hof Vollhausen und Haus Endt vorhanden. Das Gebiet um die Ortschaft Urdenbach bestand bis nach dem 15. Jahrhundert weitgehend aus Wäldern, die teilweise dem Neusser Frauenstift St. Quirin gehörten. Teile dieser Wälder wurden gerodet und die neuen Ländereien zur Erbpacht vergeben oder verkauft. 1430 erwirbt der bergische Kanzler Peter von Lennep den Hof Vollhausen vom Neusser Kapitel. Spätere Eigentümer des Hofes sind im 16. Jahrhundert die Familie Hammerstein und danach die Herren von Troisdorf.Benrath historisch; In: Heft 9; Schriftenreihe des Archivs der Heimatgemeinschaft Groß-Benrath; S. 35 1438 wird der Buchholzer Hof als Eigentum des Neusser Frauenstifts St. Quirin angeführt. Der Stift verpachtete den Hof an Halfmännder. Diese mussten die Hälfte des Hofertrages als Pachtgebühr an den Stift abführen. Der Hof blieb bis zur Säkularisation 1802 im Besitz des Stiftes und wurde dann Eigentum des Staates. 1830 wurde der Hof von Johann Peter Urban Leven, dem Benrather Bürgermeister, erworben. 1842 kauft der Fürst Peter von Arenberg den Hof vom Eigentümer Leven. Im 20. Jahrhundert wechselt mehrfach der Besitzer, bis er Eigentum der Stadt Düsseldorf wurde. Anfang der 1970er Jahre wird der Hof für die Bebauung von Garath abgerissen.Benrath historisch; In: Heft 9; Schriftenreihe des Archivs der Heimatgemeinschaft Groß-Benrath; S. 34+35 1664 erwirbt die reformierte Gemeinde Urdenbach die Besitzrechte am Braß-Gut. Das 1974 abgerissenen Vorderhaus Endt stammte aus dem Jahr 1659. Die Hofanlage mit Herrenhaus, Scheune und Stallungen ist aber älter. Von der Familie Kappel, bezeugt ein Peter Kappel (geb. 1586) bei den Verhandlungen des Westfälischen Friedens, dass bereits 1582 in Benrath und Urdenbach die reformierte Religion ausgeübt wurde. Der Vater von Peter Kappel, Gerhard Kappel, bewirtschafte aber bereits den Hof Endt. Als der Kurprinz Jan Wellem 1682 den Landtag einberief, weigerten sich die Stände, im damaligen Wasserschloss Benrath zu tagen. Sie eröffneten deshalb die Verhandlungen im Haus Endt. Um 1770 musste die Familie Kappel den Hof verkaufen, da sie bei dem damaligen Kurfürsten Carl Theodor in Ungnade gefallen war. Danach wechselte der Hof mehrfach den Besitzer. Der letzte Privatbesitzer, Diergardt, verkaufte 1960 den Hof an die Stadt Düsseldorf.Benrath historisch; In: Heft 9; Schriftenreihe des Archivs der Heimatgemeinschaft Groß-Benrath; S. 32+33
Mit dem Niedergang des Rheinhandels verlor der Ort ab Ende des 18. Jahrhunderts seine Bedeutung, und 1808 zur Franzosenzeit wurde Düsseldorf-Benrath zur Obergemeinde im heutigen Düsseldorfer Süden. Die ehemalige größere Bedeutung Urdenbachs ist noch heute an vielen Sehenswürdigkeiten und Fachwerkhäusern zu erkennen. Hierzu zählen unter anderem die Böke-Pomp von 1874, das Spritzenhaus von 1784, die barocke evangelisch-calvinistische Dorfkirche von 1692/1693 und die neuromanische katholische Herz-Jesu-Kirche. 1893 bis 1894 wurden von dieser Kirche Chor und zwei Längshausjoche errichtet. Der endgültige Ausbau und die Fertigstellung erfolgten 1914.
Wirtschaftliche Aktivitäten Urdenbach war nach dem Spätmittelalter ein Dorf, in dem die Bevölkerung neben der Landwirtschaft und dem Fischfang auch Handel und die Herstellung von Töpferwaren betrieb. Urdenbach war ein bedeutender Handelsort mit einem Handelshafen am Altrhein, der sich nach einem extremen Hochwasser im 14. Jahrhundert gebildet hatte. Schwerpunkt des Handels war der Vertrieb von Holz, das über Flösse nach Urdenbach gelangte.
Die Bedeutung des Hafens im Mittelalter ist erkennbar bei der Belagerung der Stadt Neuss durch Karl den Kühnen von Burgund 1475. Das Ersatzkorps für Neuss, das die Stadt Köln stellte, wählte als Standort für das Nachschublager Urdenbach. Der Nachschub wurde mit Rheinschiffen über den Hafen angeliefert.In: Heft 7; Schriftenreihe des Archivs der Heimatgemeinschaft Groß-Benrath; S. 45
Der bedeutende Holzhandel ist 1580 urkundlich nachweisbar.Aloys Hermanns, in: Geschichte Benraths und Umgebung, 1889, S. 44. Weiterhin wird in diversen Ausgaben der „Gülich bergischen wöchentlichen Nachrichten“ Mitte des 18. Jahrhunderts über die häufigere Ankunft von Holzhändlern in Urdenbach berichtet.In.: Ausgaben von 1769 bis 1701, Beispiel: 1769, Nr. 3, S. -. Onlinefassung
mini|hochkant|Mühlendenkmal in Urdenbach
Eine Mühle in der Nähe des Altrheines bestand bis zum 20. Jahrhundert. Sie gehörte ursprünglich zum Benrather Schloss und wurde verpachtet. Diese Mühle musste im 14. Jahrhundert erneuert werden und dabei wurde der Standort direkt vom Ufer etwas nach Osten verlegt. 1774 hatte sich der damalige Pächter im Pachtvertrag verpflichtet, eine neue Mühle im Bereich von Haus Endt an einem dortigen Teich zu errichten. Dieser weitere Standortwechsel für die Mühle wurde jedoch nicht ausgeführt und sie verblieb am zweiten Standort bis zu ihrem späteren Abriss.In: Heft 5; Schriftenreihe des Archivs der Heimatgemeinschaft Groß-Benrath; S. 38 Aktuell erinnert ein Denkmal am Ende der Urdenbacher Dorfstraße an diese Mühle.
Neben Benrath war in Urdenbach das Töpferhandwerk bis zum 19. Jahrhundert verbreitet. Die erzeugten Töpferwaren hatten weit über das Herzogtum Jülich-Berg hinaus einen sehr guten Ruf. In einem Schreiben von Kurfürst Karl Philipp vom 28. Oktober 1717 an die Düsseldorfer Hofkammer wies er diese an, die jungen Russen, die Peter der Große nach Berg zur Erlernung des Töpferhandwerkes schicken würde, entsprechend an die Töpfereien zu vermitteln.In: Heft 5; Schriftenreihe des Archivs der Heimatgemeinschaft Groß-Benrath; S. 33. Aktuell weist nur noch die Töpferstraße im Ort auf dieses ehemalig betriebene Handwerk hin.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde begonnen, den Rhein auszubauen und durch zusätzlichen Deichbau und die Anlegung von Kribben die Strömungsgeschwindigkeit zu erhöhen. Hierdurch wurde die Bildung von Sandbänken im Hauptstrombereich unterdrückt und dadurch die Schifffahrt erleichtert.Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf, in: Rheinbau 1839 bis 1842, Bereich Urdenbach / Angerort, 1845, S. 154. Onlinefassung Trotzdem war um Mitte dieses Jahrhunderts der Einsatz von Flusslotsen, die die örtlichen Gegebenheiten im näheren Flussbereich genauer kannten, noch üblich. 1845 wurden 4 Urdenbacher Lotsen für die Bereiche Rheinaufwärts „Urdenbach bis Piwipp“ und Rheinabwärts „Urdenbach bis Stürzelberg“ von der preußischen Bezirksregierung bestätigt.In: Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf, 1845, S. 154. Onlinefassung
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war der Hafen bereits verlandet und der Handel über den Rhein weitgehend eingestellt. Neben der Landwirtschaft wurden Woll- und Seidenweben, die Herstellung von Lehmziegeln und der Lachsfang im Ort betrieben.Köpping, in: 50 Ausflüge in die nächste Umgebung von Düsseldorf / Näheres zu den .. Orten, 1886, S. 35. Onlinefassung
Religion mini|hochkant|Urdenbacher Dorfkirche
In Urdenbach und dem benachbarten Benrath entstand schon in den letzten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts eine reformierte Kirchengemeinde, die ab 1609 die Benrather St.-Cäcilia-Kirche zur Nutzung erhielt. Nach dem Übertritt von Herzog Wolfgang Wilhelm zum Katholizismus wurde die Kirche 1616 wieder den Katholiken übergeben. Die Gemeinde, die nun ihren Schwerpunkt in Urdenbach hatte, existierte aber unter Führung ihres Predigers Thomas Kohlhagen als geheime Gemeinde fort. Sie konnte sogar ein Predigthaus errichten, dass allerdings 1639 zeitweise wieder geschlossen wurde und sich später als zu klein erwies. Nachdem 1684 der Beschluss zum Bau einer Kirche gefasst war, fand am 16. Juli 1688 die Grundsteinlegung der Kirche statt.