Stadt.Wand.Kunst ist ein vom Kulturzentrum Alte Feuerwache in Mannheim ins Leben gerufenes Projekt zur Bemalung von Häusern in der Stadt mit großflächigen Wandgemälden (sog. Murals) durch nationale und internationale Künstler aus der Streetart-Szene. Dieses wurde im Jahr 2013 begonnen und soll letztlich in eine Art öffentliche Galerie im urbanen Raum münden.

Idee und Geschichte Stadt.Wand.Kunst basiert auf einer Kooperation der Alten Feuerwache Mannheim mit der städtischen GBG – Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft, dem Kulturamt der Stadt Mannheim und dem Heidelberger Sprühfarbenhersteller Montana-Cans, gefördert durch den Innovationsfonds des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg. Die Idee besteht darin, jährlich im Sommer nationale und internationale Streetart-Künstler einzuladen, die großflächige freie Hausfassaden in zentralen Stadtteilen Mannheims gestalten. Somit entsteht für die breite Öffentlichkeit bei freiem Eintritt an prominenten Örtlichkeiten zeitgenössische Kunst, deren Entstehen ebenfalls frei mitverfolgt werden kann. Daneben sollen auch regionale Nachwuchskünstler die Chance bekommen, Erfahrungen mit Großformaten zunächst an Wänden von Abrisshäusern zu sammeln.

Werke Zwischen 2013 und 2024 sind in Mannheim insgesamt 51 Wandbilder des Projekts Stadt.Wand.Kunst entstanden, die zum Nachdenken anregen und Geschichten erzählen sowie Kunstwerke, die teilweise knallbunt gegen das Grau der Stadt ankämpfen. Fast alle Hauswände dafür stellt bislang die GBG. Fünf der Murals existieren bereits nicht mehr, da die betreffenden Gebäude mittlerweile planmäßig abgerissen wurden. Vergänglichkeit ist auch ein Teil von Streetart. So sind aktuell 46 Wandbilder erhalten. Das Projekt soll fortgesetzt werden.

2013, 2014 My Superhero Power is Forgiveness – Herakut (2013) Das erste Werk im Rahmen des Projekts befindet sich über sechs Etagen auf der Hauswand eines Wohnblocks in F 6, 1–5 in Mannheim-Innenstadt. Das Mural mit der als „Lily“ bezeichneten Mädchenfigur des Künstlerduos Herakut, Hera (Jasmin Siddiqui, Frankfurt) und Akut (Falk Lehmann, Schmalkalden), bildet eine Seite für deren Buchprojekt „Giant Storybook Project“, dessen Einzelteile auf Häuserfassaden in der ganzen Welt zu finden sind. Sie haben als Herakut schon in Großstädten wie Los Angeles, Toronto, Kathmandu, San Francisco, Melbourne gearbeitet. Das Wandbild ist durch ein textliches Motiv dreisprachig (deutsch, türkisch, englisch) ergänzt: „Meine Super-Heldenkraft ist das Verzeihen“, „Benim süper kahraman gücüm affedebilmemdir“, „My Superhero Power is Forgiveness“.

The Modern Thinker – Aske (2014) Das aus einzelnen, farbintensiven Flächen zusammensetzte Werk des international als Graffiti-Künstler, Grafiker und Illustrator für comicartige Motive bekannten Künstlers Dmitri Aske aus Moskau befindet sich an der Stirnseite eines Wohnblocks, in F 6, 8 , Mannheim-Innenstadt. Die Figur des orientiert sich an der Plastik „Der Denker“ des französischen Bildhauers Auguste Rodin (1840–1917).

2015 Rhythm – Stohead Der Berliner Künstler Christoph Hässler alias STOHEAD verarbeitet Schlagworte und Textpassagen mittels abstrahierter kalligraphischer Schriftzeichen in sich wiederholende Buchstabenmuster. Das Wandbild in S 5, 12-17 , Mannheim-Innenstadt, wurde über fünf Etagen in Acryl und Sprühfarben auf Fassade realisiert.

Motion – Sobekcis Das erste Werk des Projekts außerhalb der Quadrate der Mannheimer Innenstadt wurde in der Zeppelinstraße 20–24 , Mannheim-Neckarstadt, mit „Motion“ des aus Belgrad stammenden Künstlerduos Sobekcis realisiert. Mit Acryl und Sprühfarben auf Fassade wurde ein buntes, abstraktes Wirrwar aus grafischen, geometrischen Körpern und Mustern sowie in leuchtenden Farben gefüllter umrandeter Flächen auf mehreren Ebenen geschaffen.

Insomnia – Satone Das Wandbild „Insomnia“ in der Kleestraße 6 , Mannheim-Neckarstadt, stammt von dem in Venezuela geborenen und in München aufgewachsenen Künstler Rafael Gerlach alias SatOne. Der gelernte Grafikdesigner verwendet geometrische Abstraktionen und futuristisch anmutende Formen mit kräftigen Farben.

2016 Baseball Sketch – Sainer Der Künstler Sainer schuf in der Waldhofstraße 59 , Mannheim-Neckarstadt, eine comic-ähnliche, unbunte und skizzenhafte Darstellung einer Baseballszene, die auch an die Vergangenheit Mannheims mit zahlreichen US-amerikanischen Einwohnern erinnert. Sainer ist mit Bezt (siehe unten) als Künstlerduo unter dem Pseudonym ETAM CRU in der polnischen und internationalen Graffiti- und Kunstszene bekannt.

Europe – Bezt Der polnische Künstler Bezt schuf in E 7, 22 , Mannheim-Innenstadt, ein mystisch, fast trist anmutendes Bild in Blaugrau und weiteren dunklen Farbtönen, das den Betrachter nachdenklich stimmt. Üblicherweise arbeitet er mit Sainer (siehe oben) zusammen als Künstlerduo unter dem Pseudonym ETAM CRU.

Véra – Hendrik ECB Beikirch Das bislang größte Bild für Stadt.Wand.Kunst belegt die komplette, zur B 38 zeigende Frontfassade des Wohnblocks mit 13 Stockwerken in der Brandenburger Straße 44 in Mannheim-Vogelstang. Das von Hendrik ECB Beikirch (Koblenz) geschaffene Véra-Porträt erstreckt sich mit 43 Metern Höhe und 37 Metern Breite über rund 1300 Quadratmeter. Das Porträt dieser Frau aus Sibirien ist Teil der „Sibirien“-Serie von Hendrik Beikirch.

2017 Untitled – Alexey Luka Alexey Luka aus Moskau gilt als einer der talentiertesten, jungen Künstler der russischen, zeitgenössischen Kunstszene. Sein Beitrag zu Stadt.Wand.Kunst schmückt die Klinkerfassade des Jugendkulturzentrums FORUM an der Neckarpromenade 46 in Mannheim-Neckarstadt, wo seine abstrakten, flächigen Farbelemente mit der umgebenden Architektur harmonieren.

The inevitability of leaving things behind – Yazan Halwani Das Werk des Künstlers Yazan Halwani (Beirut) in F 6, 12 , Mannheim-Innenstadt, über sechs Stockwerke beruht auf einer Mischung aus klassischem Graffiti-Writing, arabischer Kalligrafie und figürlicher Malerei, wobei das Motiv mit der Schrift verschwimmt. Das Bild passt zur dortigen Wohnumgebung mit multikultureller Bevölkerung aus unterschiedlichen Ländern. Ein Mann, der einen Koffer packt, thematisiert das Wegziehen und die damit verbundene Unvermeidbarkeit, Dinge zurückzulassen.

Propagating machine – Nevercrew Die Schweizer Streetart-Künstler Pablo Togni (Bellinzona) und Christian Rebecchi (Lugano), Absolventen der Brera’s Art Academy in Mailand, gestalteten als Duo „Nevercrew“ das über 100 Quadratmeter große Wandbild am Wohnblock Ulmenweg 40 , Mannheim-Neckarstadt. Das Bild zeigt im unteren Bereich schablonenhaft zweidimensionale Pinguine, von einer Maschine produziert. Darüber schwebt ein heller Kristall, in dem sich die Pinguine teilweise spiegeln, der aber einen Schatten auf die Pinguine wirft. Die Künstler wollen damit den Einfluss von Natur und Zivilisation auf unsere globale Welt sowie deren gegenseitige Beeinflussung symbolisieren.

New Wave – Low Bros Das Wandbild „New Wave“ am Wohnblock F 5, 12 , Mannheim-Innenstadt, ist ein Werk des Künstlerduos „Low Bros“, der Brüder Christoph und Florin Schmidt aus Berlin. Das Hintergrundraster aus Rauten auf der Hauswand mit vertikalem Farbverlauf soll sich auf die Quadratestadt beziehen und an die Vergangenheit mit strukturiertem Lebensstil erinnern. Das darauf schwebende digitale Fenster soll zu einem bunten Stadtbild der Gegenwart ergänzen.

2018 Ohne Titel – 1010 Der in Hamburg wohnende und international aktive Künstler 1010 (TenTen) schuf über die komplette Fassade des vierstöckigen Wohnhauses in der Mittelstraße 9 , Mannheim-Neckarstadt, ein modernes Bild mit abstrakten Löchern aus abgestuften bunten Farben und Schattierungen, die einen dreidimensionalen Eindruck erwecken.

Jump through time – Waone Interesni Kazki In der Itzsteinstraße 1–3 , Mannheim-Neckarstadt, erstreckt sich das Wandbild des Künstlers WAONE Interesni Kazki, mit bürgerlichem Namen Vladimir Manzhos, aus Kiew (Ukraine), mit surrealistischen Ansätzen auf acht Metern Höhe und 12 Metern Breite über die drei Etagen der Rückseite eines Wohnblocks. Laut Künstler ist das Motiv eine Metapher einer Zeitreise. Die Bäume der Umgebung wurden erst kurzfristig vor Ort in das Bild mit einbezogen.

900 dogs by a chocolate factory – The London Police „The London Police“, Chaz Barrisson und Bob Gibson, Engländer mit Wahlheimat Amsterdam, gestalteten in K 6, 1 in Mannheim-Innenstadt eine Wand der Turnhalle der benachbarten Johannes-Kepler-Schule mit einer comicartigen Illustration aus drei Hunden vor einem Stadthorizont. Als Pioniere der globalen Street-Art-Bewegung haben sie weltweit bereits in über 35 Ländern figurative Arbeiten geschaffen. Mit dem Titel des Wandbilds spielen sie auf eine nahe Schokoladenfabrik im Stadtteil Jungbusch an, deren Geruch zeitweise am Ort des Kunstwerks wahrnehmbar ist.

Abschied und Neubeginn – Sourati Nachdem das Gebäude mit dem Mural „Freiheitstesterin“ (2016) abgerissen war (siehe unten), erhielt das Duo SOURATI (Mehrdad Zaeri und Christina Laube) aus Mannheim in H 5, 3 , Mannheim-Innenstadt, die Gelegenheit für ein neues Wandbild „Abschied und Neubeginn“: Eine Frau in Stiefeln und Mantel mit Tasche in der Hand und Katze auf dem Kopf trägt einen Rucksack, aus dem ein Baum ragt, dessen Blütenblätter herabfallen. Es thematisiert Verlassen und Ankommen allgemein, wie auch autobiografische Aspekte der Künstler.

Aeskulap – Frau Isa Das Wandbild „Aeskulap“ der Künstlerin und Illustratorin Isa Toman, alias Frau Isa, aus Wien (Österreich) erstreckt sich über etwa fünf Etagen des BGB-Wohnblocks in der Cheliusstraße 1–3, Mannheim-Neckarstadt (Wohlgelegen-Ost) in unmittelbarer Nähe des Universitätsklinikums Mannheim. So ergibt sich auch die Verbindung zum medizinischen Thema des Wandbilds.

2019 Ohne Namen – PEETA Künstler Manuel Di Rita, alias PEETA, aus Venedig, schuf mit Pinseln und Rollen ein überraschendes Wandbild auf der Fassade eines Privathauses in der Zehntstr. 1, Mannheim-Neckarstadt. Es erscheint als Trompe-l’œil in optischer Täuschung dreidimensional als überdimensionale Skulptur. Teile scheinen sich surreal zu wölben und aus der Wand herauszubrechen, andere erscheinen wie herausgeschnitten.

Multicultural Balance – ZOONCHEZ Der Spanier Ruben Sanchez alias ZOONCHEZ nimmt mit seinem Wandbild „Intercultural Balance“ Bezug auf die Stadt Mannheim und deren Bewohner. Das Bild auf der Fassade eines Mehrfamilienhauses in der Heustraße 13-17, Mannheim-Neckarstadt, besteht aus abstrakten Formen, die bei genauerer Betrachtung ein Fahrrad sowie drei Personen mit Blumenvase bzw. Gitarre und Trompete darstellen.

Unterwegs - Jens Richter Auf 26 Metern der Wand zur Unterführung des Hauptbahnhofs Mannheim bei Gleis 1 malte der Mannheimer Künstler Jens Richter einen Hecht, ruhig im Wasser zwischen Stämmen von Bäumen stehend, deren Rinde an Birken erinnert. Das Tier erscheint comichaft, seitlich in grünen Tönen gefleckt, mit in Blau gehaltenem Rücken und grauem Bauch. Dazu kommen orange und weinrote Flossen. Der Titel „Unterwegs“ assoziiert mit dem Bahnhof, bedeutet aber auch, nicht zuhause zu sein, seine Komfortzone zu verlassen.

PIED PIPER - CASE MA’CLAIM Der in Frankfurt lebende Künstler Andreas von Chrzanowski, alias CASE, erstellte in fotorealistischer Malerei ein Wandbild auf der zur Friedrich-Ebert-Straße, Mannheim-Neckarstadt, zeigenden Wand der Turnhalle des Ludwig-Frank-Gymnasiums. Es thematisiert Bewegungen, Richtungen, Vorangehen und Nachlaufen.

SQUARE - QUINTESSENZ