Der Unimog 405 ist eine Baureihe des Mercedes-Benz-Unimog, die von der Daimler Truck Holding AGDer Hersteller des Unimog 405 änderte sich seit 1994 mehrere Male: Die Daimler-Benz AG wurde 1998 mit der Chrysler Corporation zur DaimlerChrysler AG fusioniert. Aus dieser wurde die Chrysler Corporation wiederum 2007 herausgelöst, sodass im Oktober 2007 eine Umbenennung in Daimler AG erfolgte. Das Nutzfahrzeug-Geschäft der Daimler AG wurde 2019 in die Daimler-Tochter Daimler Truck AG ausgelagert, die 2021 in Daimler Truck Holding AG umbenannt wurde und am 10. Dezember 2021 an die Börse ging. In diesem Artikel werden die Unternehmensnamen verwendet, die in den jeweils beschriebenen Zeiträumen gültig waren:1994–1998: Daimler-Benz AG1998–2007: DaimlerChrysler AG2007–2019: Daimler AG2019–2021: Daimler Truck AGseit 2021: Daimler Truck Holding AG hergestellt wird. Das Ende der 1990er-Jahre entwickelte Fahrzeug wird seit dem Jahr 2000 in Serie produziert. Ursprünglich lief der Unimog 405 im Mercedes-Benz-Werk Gaggenau vom Band, ehe die Produktion 2002 in das Werk Wörth umzog. Der Unimog 405 ist die Geräteträgerbaureihe des Unimog und damit Nachfolger der Baureihen 408, 418 und 427. Obgleich der Unimog 405 viele charakteristische Merkmale mit früheren Unimog teilt, weist er einige markante technische Neuerungen auf. Hierzu zählen insbesondere die nicht mehr an Schubrohren, sondern an Lenkern geführten Portalachsen und der ebene Leiterrahmen.
Ab Werk gibt es den Unimog 405 als Siebeneinhalbtonner (C1), VierzigtonnerVierzigtonner bezieht sich hier auf die maximal zulässige Gesamtmasse als Lastzug mit Anhänger bzw. als Sattelkraftfahrzeug mit Auflieger (C) oder landwirtschaftliche Zugmaschine (T). Er wird parallel zum Unimog 437.4 gebaut, der als Unimog hochgeländegängig technisch anders aufgebaut ist. Es gibt drei Varianten des Unimog 405: UGN (2000–2016), LUG (2007–2013) und UGE (seit 2013). Insgesamt sind es 22 Baumuster, von denen zwei (405.210 und 405.230) ausschließlich auf dem nordamerikanischen Markt als Freightliner Unimog U 500 verkauft wurden.
Unimog-405-Familie
In seiner mehr als zwanzigjährigen Bauzeit entwickelte sich der Unimog 405 zu einer Geräteträgerbaureihe, die sich nach Varianten, Modellen und Baumustern unterscheiden lässt. Die insgesamt drei Varianten haben sowohl technisch als auch im Erscheinungsbild einige auffällige Unterschiede. Bei der Vorstellung des Unimog 405 gab es zunächst nur die UGN-Variante („Unimog Geräteträger Neu“), die bis 2016 gebaut wurde. Seit 2013 wird als überarbeitete Version die UGE-Variante („Unimog Geräteträger Euro VI“) hergestellt. Von 2007 bis 2013 gab es parallel zum UGN den LUG („Leichter Unimog Geräteträger“) mit kürzerem Radstand und einem Frontlenkerfahrerhaus. Insgesamt wurden 13.930 Fahrzeuge der Varianten UGN und LUG gebaut. Da der UGE weiterhin in Produktion ist (Stand Juni 2023), gibt es zu dieser Variante keine abschließenden Produktionszahlen.
mini|hochkant=0.7|links|U 530, ein Modell mit hoher Nutzlast und 300 PS Motorleistung (Baumuster 405.202)
Die Modellbezeichnung aller Unimog der Baureihe 405 ist eine dreistellige Nummer, der ein U vorangestellt ist, wie etwa U 318. Die einzige Ausnahme von dieser Regel ist der LUG, der stets als Unimog U 20 verkauft wurde. In der Modellbezeichnung gibt die erste Ziffer die ungefähre Gesamtmasse an: 2: 7.5–9.3 t, 3: 7.5–10.2 t, 4: 12–12.5 t, 5: 15.5–16 t. Seit der Einführung des UGE 2013 lässt sich an der zweiten und dritten Ziffer der Modellbezeichnung ungefähr ein Zehntel der Motorleistung in PS ablesen. Der U 318 ist also ein Siebeneinhalbtonner, dessen Motor eine Leistung von 130 kW (177 PS) hat. Ausgenommen von dieser Regel ist der auf einigen Märkten als Unimog U 290 angebotene U 300.
Seit der Einführung des UGE gibt es die Modelle U 427 und U 435; beide Modellbezeichnungen können mit den Baureihenbezeichnungen der Unimog-Baureihen Unimog 427, einem Vorgänger des Unimog 405, beziehungsweise Unimog 435 verwechselt werden. Ein Zusammenhang besteht jedoch nicht.
Die insgesamt 22 Baumuster des Unimog 405 geben Aufschluss über Rahmenlänge (und damit den Radstand), die Motorenbaureihe und die maximal zulässige Achslast. Alle Baumuster haben eine sechsstellige Nummer, die mit 405 beginnt und bei der die letzten drei Ziffern mit einem Punkt abgetrennt sind. Im Vergleich zu früheren Unimog-Baureihen gibt es verschiedene Einteilungen nach Achslasten, was sich insbesondere in der vierten und fünften Ziffer des Baumusters widerspiegelt; Fahrzeuge mit der höchsten Achslast (U 5xx) haben so stets ein Baumuster nach dem Schema 405.2xx, wohingegen alle anderen Fahrzeuge ein Baumuster nach dem Schema 405.1xx haben. Ferner sind die Baumuster von UGN, LUG und UGE verschieden. Der in der Infobox abgebildete Unimog U 318 (3000 mm Radstand, Dieselmotor OM 934 LA, Achsen mit geringer Nutzlast, UGE) hat beispielsweise das Baumuster 405.104.
Übersicht über Baumuster, Modelle und Varianten
BaumusterModellVarianteMotorenbaureiheRadstandMotorleistungIn der Spalte kann es unter Umständen Abweichungen geben, da auch Sonderwünsche erfasst werden.Produktionszahlen (2000–2016)Anmerkungen405.050U 20LUGOM 904 LA2700 mm110 kW, 115 kW, 130 kW1123Produktion eingestellt405.090U 216, U 218, U 219UGEOM 934 LA2800 mm115 kW, 130 kW, 140 kW405.100U 300UGNOM 904 LA3080 mm110 kW, 130 kW, 170 kW1593Produktion eingestellt405.101U 290, U 300110 kW, 115 kW, 130 kW1487405.102U 400OM 906 LA130 kW, 170 kW, 205 kW2531405.103OM 904 LA130 kW, 175 kW, 210 kW2495405.104U 318, U 319UGEOM 934 LA3000 mm130 kW, 140 kW405.105U 323170 kW405.110U 327, U 427, U 429, U 430, U 435OM 936 LA3150 mm200 kW, 210 kW, 220 kW, 260 kW405.120U 300UGNOM 904 LA3600 mm110 kW, 130 kW, 170 kW294Produktion eingestellt405.121110 kW, 115 kW, 130 kW135405.122U 400OM 906 LA125 kW, 130 kW, 170 kW, 205 kW1147405.123OM 904 LA130 kW, 175 kW, 210 kW707405.125U 327, U 423, U 427, U 429, U 430, U 435UGEOM 934 LA170 kW, 200 kW, 210 kW, 220 kW, 260 kW405.200U 500UGNOM 906 LA3350 mm170 kW, 205 kW457Produktion eingestellt405.201175 kW, 210 kW740405.202U 527, U 529, U 530, U 535UGEOM 936 LA200 kW, 210 kW, 220 kW, 260 kW405.210U 500UGNOM 906 LA3080 mm194 kW29Produktion eingestellt; verkauft als Freightliner Unimog U 500 (2002–2007)405.2203900 mm170 kW, 205 kW468Produktion eingestellt405.221175 kW, 210 kW570405.222U 527, U 529, U 530, U 535UGEOM 936 LA200 kW, 210 kW, 220 kW, 260 kW405.230U 500UGNOM 906 LA194 kW154Produktion eingestellt; verkauft als Freightliner Unimog U 500, 2002–2007
Angaben von Unimog-405-Entwickler Achim Vogt
Brabus Unimog U 500 Black Edition mini|Brabus Unimog U 500 Black Edition
Im Dezember 2005 stellte Mercedes-Benz den Brabus Unimog U 500 Black Edition auf der Dubai Motor Show vor. Das Fahrzeug ist eine von Brabus modifizierte Luxusausführung des Unimog. Es hat Chromstoßfänger, verchromte Auspuffrohre, ein komplett in Schwarz gehaltenes äußeres Erscheinungsbild, speziell gestaltete Karosserieanbauteile und einen großen Überrollbügel. Im Innenraum wurden kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff, Alcantara, Leder und hochwertige Stoffe verwendet; die Scheiben sind getönt. Mehrere Komponenten stammen aus dem Mercedes-Benz W 220, der damals aktuellen Mercedes-Benz S-Klasse, wie zum Beispiel das Lenkrad und das Infotainmentsystem mitsamt Musikanlage. Obwohl technisch auf dem U 500 basierend, hat der Brabus Unimog U 500 Black Edition die maximal zulässige Nutzlast des U 400 von 11.900 kg. Der Motor ist die seinerzeit leistungsfähigste Variante des OM 906 mit 205 kW (279 PS) Leistung. Angeflanscht ist das Getriebe mit automatischer Schaltung; die Höchstgeschwindigkeit beträgt 120 km/h. Ende 2005 kündigte Mercedes-Benz an, dass der Brabus-Unimog U 500 Black Edition in Serie gebaut werden würde, sofern ein Bedarf bestünde. Im folgenden Jahr schrieb Thomas Geiger in der Welt, dass sechs Fahrzeuge verkauft worden seien und drei weitere sich in Produktion befänden. Die Gesamtzahl der produzierten Fahrzeuge soll nicht größer als zehn sein.
Baumuster 405.110 auf Basis des Unimog 404
In den 1950er- und 1960er-Jahren entwarf die damalige Daimler-Benz AG auf Basis der Unimog-Baureihe 404 mehrere Panzerwagen als Baumuster 405.110. Die als Unimog Unimog SH und Unimog T bezeichneten Fahrzeuge wurden nicht in Serie produziert. Neun dieser Fahrzeuge wurden in bewaffneten Konflikten ab 1962 im Kongo eingesetzt. Sie gehören nicht in die in diesem Wikipediaartikel beschriebene Baureihe 405.Carl-Heinz Vogler: Typenatlas Unimog. Alle Unimog-Klassiker seit 1946 bis 1993. GeraMond, München 2015, ISBN 978-3-86245-026-8, S. 57
Geschichte mini|Unimog 405 als Zweiwege-Fahrzeug mini|Vorstellung des Unimog U 20 auf der IAA 2006 mini|Unimog U 430 (UGE)
1994–2000: Entwicklungsphase Die Planungen am Projekt Unimog 405 wurden 1994 aufgenommen. Nach Angaben des Daimler-Benz-Ingenieurs und Unimog-Historikers Carl-Heinz Vogler führte die Daimler-Benz AG eine Marktanalyse durch, die zeigte, dass Unimog-Kunden ein Fahrzeug mit deutlich besseren Geräteträgereigenschaften wünschten. Daimler-Benz entschied daraufhin, einen Frontlenker zu konstruieren, der zugunsten besserer Nutzung von Anbaugeräten weniger geländegängig ist. Anders als beim Unimog 406 mit gekröpftem Rahmen und schubrohrgeführten Achsen wurde eine Konstruktion mit lenkergeführten Achsen und ebenem Leiterrahmen vorgeschlagen, was eine Abkehr vom Bekannten in der Geschichte des Unimog bedeutet. Vorgesehen waren vier Anbauräume für Arbeitsgeräte: vorn, hinten, auf der Ladefläche und zwischen den Achsen. Das Hydrauliksystem musste dafür als im Vergleich zu Vorgängerbaureihen wesentlich leistungsfähigeres Einkreis- beziehungsweise Zweikreishydrauliksystem ausgelegt werden. Der Betriebsrat und der Vorstand der Daimler-Benz AG einigten sich 1996 auf eine Produktion im Mercedes-Benz-Werk Gaggenau. Die damalige DaimlerChrysler AG entwickelte zusammen mit ausgesuchten Unimog-Kunden und Anbaugeräteherstellern ein Lastenheft. Zu den Hauptentwicklungszielen zählten unter anderem verbesserte Ergonomie und Bedienung, Einmannbetrieb, erhöhte Nutzlast, Zugmaschinenbetrieb, Zweiwegebetrieb, Kompatibilität mit vorhandenen Anbaugeräten und erhöhte Wirtschaftlichkeit. In der Entwicklung wurden erstmals in der Unimog-Entwicklung von Grund auf computergestützte Entwicklungswerkzeuge wie rechnergestützte Konstruktion (CAD), Finite-Elemente-Methode (FEM) und Fahrdynamiksimulation für Gelände- und Straßenfahrten eingesetzt. Bei der Entwicklung früherer Unimog-Baureihen wie des Unimog 406 arbeiteten die Daimler-Benz-Ingenieure noch hauptsächlich am Reißbrett. Die Entwicklung dauerte insgesamt 39 Monate und war 2000 abgeschlossen. Der fertige Unimog 405 wurde letztlich ein Kurzhauber; die Frontlenkervariante folgte erst 2006.
2000–2007: Markteinführung des UGN
Im März 2000 wurde die Baureihe 405 offiziell als neuer Unimog-Geräteträger (UGN) vorgestellt. Die Serienproduktion der Modelle Unimog U 300 und Unimog U 400 wurde im April 2000 aufgenommen; der Unimog U 500 folgte im Februar 2001. 2002 folgte die Markteinführung in Nordamerika als Freightliner Unimog U 500 zum Modelljahr 2003. Im Sommer 2002 zog die Produktion von Gaggenau in das Mercedes-Benz-Werk Wörth um. Am 26. August 2002 lief in Wörth der erste Unimog 405 (ein U 400) vom Band.
DaimlerChrysler entwickelte die Baumuster 405.210 mit kurzem Radstand und 405.230 mit langem Radstand speziell für den nordamerikanischen Markt. Verglichen mit dem deutschen Unimog U 500 sind rund 500 Bauteile anders, was insbesondere den Dieselmotor OM 906 LA betrifft, der den nordamerikanischen Abgasvorschriften entsprechen musste. Bereits 2007 wurde der Unimog in Nordamerika vom Markt genommen, es wurden 183 Freightliner Unimog gebaut.
2006–2014: Änderungen am UGN und kurzlebiger LUG