Die Great Smoky Mountains (kurz Smoky Mountains, umgangssprachlich Smokies) sind ein Gebirgszug entlang der Grenze zwischen Tennessee und North Carolina in den südöstlichen Vereinigten Staaten. Sie gehören zu den Appalachen und bilden einen Teil der Blue Ridge Mountains. Der Gebirgszug erlangte besondere Bekanntheit durch den Great-Smoky-Mountains-Nationalpark, der sich seit seiner Gründung im Jahr 1934 über den größten Teil des Gebirgszugs erstreckt und heute mit mehr als 11 Millionen Besuchern pro Jahr der am meisten besuchte Nationalpark der USA ist.
Die Great Smoky Mountains gehören zum Man and the Biosphere Programme der UNESCO und beheimaten einen rund 757 km² großen Primärwald, der damit der größte seiner Art östlich des Mississippi River ist. Die Mischwälder in den niedrigeren Höhenlagen zählen zu den artenreichsten Ökosystemen in Nordamerika, und der dortige Rotfichtenwald ist der größte seiner Art weltweit. Die Great Smokies verfügen zudem über die größte Populationsdichte an Schwarzbären der östlichen USA und die größte Vielfalt an Salamanderarten außerhalb der Tropen.
Der Gebirgszug ist zudem ein von der UNESCO anerkanntes Weltnaturerbe. Innerhalb des Nationalparks unterhält der National Park Service 78 Stätten, von denen neun im National Register of Historic Places (NRHP) eingetragen sind. Fünf Bereiche innerhalb des Parks sind im NRHP als Historic District eingetragen.
2016 kam es zu Waldbränden.
Name Die Bezeichnung als smoky () geht auf den natürlichen Nebel zurück, der den Gebirgszug häufig überdeckt und auch aus der Entfernung als Nebelfahne zu erkennen ist. Die Cherokee-Indianer gaben der Landschaft deswegen den Namen „Shalonage“ = „Ort des blauen Nebels“. Der Nebel wird von der Vegetation verursacht, die flüchtige organische Verbindungen ausstößt, die bei normalen Temperaturen und normalem Luftdruck als Dampf in Erscheinung treten.
Geografie Die Great Smoky Mountains erstrecken sich vom Little Tennessee River im Südwesten bis zum Pigeon River im Nordosten. Im Nordwesten läuft der Gebirgszug in den sogenannten „Foothills“ aus, zu denen der Chilhowee Mountain und der English Mountain gehören. Im Süden werden die Smokies vom Tuckasegee River und im Südosten vom Soco Creek bzw. Jonathan Creek begrenzt. Der Gebirgszug liegt in den Tennessee-Counties Blount, Sevier und Cocke sowie in den Counties Swain und Haywood von North Carolina.
In den Smoky Mountains entspringen viele Flüsse, darunter der Pigeon River, der Oconaluftee River und der Little River. Sie gehören zum Einzugsgebiet des Tennessee River und befinden sich demzufolge westlich der Östlichen Nordamerikanischen Wasserscheide. Der größte Fluss ist der Abrams Creek, der in der Cades Cove entspringt und in den Chilhowee Lake in der Nähe des Chilhowee Dam mündet. Der Little Tennessee River speist fünf Stauseen (Rückhaltebecken, impoundments) entlang der südwestlichen Grenzen: Tellico Reservoir, Chilhowee Lake, Calderwood Lake, Cheoah Lake und Fontana Lake.
Weitere Flüsse sind Hazel Creek und Eagle Creek im Südwesten, Raven Fork bei Oconaluftee, Cosby Creek bei Cosby und Roaring Fork bei Gatlinburg.
Höchste Erhebungen Die höchste Erhebung mit 2025 m ist der Clingmans Dome, der damit der höchste Berg in Tennessee und der dritthöchste in den gesamten Appalachen ist. Er verfügt zudem mit einer Schartenhöhe von 1373 m über die höchste des Gebirgszugs.
Berg Höhe Prominenz Lage Benannt nach Kuwohi 2025 m 1373 m Zentrum Mount Guyot 2018 m 482 m Östliches Gebirge Arnold Henri Guyot (1807–1884), Landvermesser Mount Le Conte 2010 m 415 m Zentrum Joseph LeConte oder John LeConte, Wissenschaftler Mount Chapman 1960 m 176 m Östliches Gebirge David C. Chapman (1876–1944), Befürworter des Nationalparks Old Black1939 m52 m Östliches Gebirge Tannenwald am Gipfel Luftee Knob 1894 m 96 m Östliches Gebirge Oconaluftee River Mount Kephart 1895 m 200 m Zentrum Horace Kephart (1862–1931), Schriftsteller Mount Collins 1888 m 142 m Zentrum Robert Collins, Bergführer Marks Knob 1878 m ca. 76 m Östliches Gebirge Tricorner Knob 1873 m 48 m Östliches Gebirge Kreuzung zwischen der Balsam crest und der Great Smokies crest Mount Hardison 1873 m 41 m Östliches Gebirge James Archibald Hardison (1867–1930), Mitglied der North Carolina Park Commission Andrews Bald 1801 m 48 m Zentrum Wahrscheinlich Andrew Thompson, früher Siedler Mount Sterling 1781 m 202 m Östliches Gebirge Wahrscheinlich wurden Bleivorkommen am Berg irrtümlich für Silber gehalten Silers Bald 1706 m 102 m Westliches Gebirge Jesse Siler, der den Berg als Weide nutzte Thunderhead Mountain 1684 m 332 m Westliches Gebirge Der Berg ist dauerhaft mit Wolken bedeckt Gregory Bald 1508 m 337 m Westliches Gebirge Russell Gregory (1805–1863), Einwohner von Cades Cove Mount Cammerer 1502 m 2 m Östliches Gebirge Arno B. Cammerer (1883–1941), ehemaliger Direktor des National Park Service Chimney Tops 1440 m ca. 61 m Zentrum Optische Ähnlichkeit zu Schornsteinen Blanket Mountain 1404 m ca. 152 m Westliches Gebirge Am Gipfel vom Landvermesser Return Meigs als Referenzpunkt zurückgelassene Decke Shuckstack 1225 m 91 m Westliches Gebirge
Klima mini|zentriert|700px|
Aufgrund ihrer teilweise mehr als 2 km Höhe weisen die Great Smoky Mountains vergleichsweise hohe Niederschlagsmengen auf, die zwischen 130 und 200 cm pro Jahr liegen und zu Überflutungen führen können. Entsprechend intensiv – insbesondere in höheren Lagen – kann der Schneefall im Winter ausfallen. In der Umgebung des Gebirgszugs liegt der jährliche Niederschlag zwischen 100 und 130 cm.
Das Gebiet wird zudem immer wieder von Tiefdruckgebieten ehemaliger Hurrikans überquert. So verursachten die Überreste des Hurrikan Frances im Jahr 2004 starke Überflutungen, Erdrutsche und durch starke Winde verursachte Flurschäden, die durch den nachfolgenden Hurrikan Ivan noch verstärkt wurden. Auch der ehemalige Hurrikan Hugo richtete 1989 große Schäden in den Smokies an.
Geologie mini|Passage des Alum Cave Trail am Mount Le Conte
Die Great Smoky Mountains bestehen zum größten Teil aus Gesteinsschichten des späten Präkambriums in Form von schwach metamorphem Sandstein, Phyllit und Schiefer. Die ältesten Schichten stammen aus dem frühen Präkambrium und befinden sich im Raven Fork Valley sowie entlang des oberen Tuckasegee River zwischen Cherokee und Bryson City. Sie enthalten vorwiegend metamorphen Gneis, Granit und Schiefer. An den Ausläufern der Smokies sowie in einigen Tälern wie dem Cades Cove gibt es auch Sedimentgesteine aus dem Kambrium.
Vor über einer Milliarde Jahren wurden die ältesten Schichten der Smokies durch vulkanische Gesteinsablagerungen sowie durch Meeressedimente in einem Ur-Ozean gebildet. Im späten Präkambrium dehnte sich dieser Ozean aus, und erodierende Landmassen schichteten sich auf dem Schelf des Ozeans zur Ocoee Supergroup auf, zu der die Great Smoky Mountains gehören.
Am Ende des Paläozoikums befand sich auf dem Grund des Ur-Ozeans eine dicke Schicht aus Meeressedimenten, aus denen sich Kalkstein bildete. Während des Ordoviziums kollidierten die nordamerikanische und die afrikanische Kontinentalplatte miteinander, wodurch der Ozean zerstört und die Alleghenische Orogenese eingeleitet wurde, während der die Appalachen gebildet wurden. Während des Mesozoikums erodierten die weichen äußeren Schichten der neu geformten Gebirge und legten die älteren Schichten der Ocoee Supergroup frei.
Vor etwa 20.000 Jahren reichten Gletscher von der Arktis bis nach Nordamerika. Sie erreichten den Bereich der Great Smoky Mountains zwar nicht, führten aber zu klimatischen Veränderungen im Gebirgszug, indem die mittleren Temperaturen fielen und die Niederschlagsmengen anstiegen. In den höheren Lagen konnten Bäume nicht überleben und wurden durch eher tundratypische Vegetation ersetzt. Boreale Nadelwälder erstreckten sich in den Tälern und an den Hängen unterhalb von 1.500 m. Die permanenten Wechsel aus Frost und Tauwetter brachten Felsenmeere hervor, wie sie häufig am Fuß großer Berge zu finden sind.
Zwischen 16.500 und 12.500 Jahren vor unserer Zeitrechnung zogen sich die Gletscher zurück und ermöglichten den Wiederanstieg der mittleren Durchschnittstemperaturen. Die Tundrapflanzen verschwanden, während die Nadelwälder nur noch in den höchsten Lagen erhalten blieben und in den anderen Bereichen durch Laubhölzer ersetzt wurden. Vor rund 6000 Jahren begannen die bis dahin ansteigenden Temperaturen wieder kühler zu werden.
Flora Großflächige Rodungen im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert zerstörten den Großteil der Wälder der Smokies. Der National Park Service ging 2008 davon aus, dass in der Region schätzungsweise noch 757 km² Primärwald existieren, womit die Great Smoky Mountains heute den größten Primärwaldbestand in den östlichen USA aufweisen. Von den rund 1600 Bedecktsamer-Arten in den Smokies sind mehr als 100 Busch- und Baumarten als indigen anzusehen. In der Region gedeihen auch mehr als 2000 Pilzarten sowie 450 Arten von nicht-vaskulären Pflanzen.
Die Wälder der Smokies werden üblicherweise in die drei Zonen Mischwälder in Tallagen, Mischwälder in Hanglagen und boreale Nadelwälder an den höchsten Stellen unterteilt.
In mittleren Höhenlagen finden sich einige Stellen mit nur geringem oder völlig fehlendem Baumbestand, so genannte „Appalachian balds“, die nicht auf den menschlichen Holzeinschlag zurückzuführen sind. Der Boden ist in diesen Bereichen sehr dicht entweder mit Gras oder einer Mischung aus Rhododendren und Berglorbeer bewachsen. Speziell an den nach Süden zeigenden Hängen auf dem Gebiet von North Carolina finden sich auch gemischte Eichen- und Kiefernwälder. Entlang von Flüssen sowie in Hanglagen über 1000 m finden sich auch einige Bestände mit Kanadischen Hemlocktannen.
Mischwälder in Tallagen mini|Laubwald am Cosby Creek
Die Mischwälder (Cove Hardwood Forests) der südlichen Appalachen zählen zu den artenreichsten in Nordamerika. Im Bereich der Great Smoky Mountains handelt es sich vorwiegend um Sekundärwald, wenngleich rund 290 km² noch aus Primärwald bestehen. Einige der ältesten und höchsten Bäume des Gebirgszugs stehen in der Albright Grove am Maddron Bald Trail zwischen Gatlinburg und Cosby.
In den Smokies gibt es mehr als 130 verschiedene Arten von Bäumen. Am häufigsten anzutreffen sind Gelb-Birken, Amerikanische Linden, Gelbe Rosskastanien, Tulpenbäume, Storaxbäume (Halesia carolina), Zucker-Ahorne, Gurken-Magnolien, Hickory (Carya ovata), Carolina-Hemlocktannen und Kanadische Hemlocktannen. Die zuvor ebenfalls verbreitet vorkommende Amerikanische Kastanie wurde durch den in den 1920er Jahren eingeschleppten Kastanienrindenkrebs vollständig vernichtet.
Im Unterholz finden sich dutzende Arten von Sträuchern und Kletterpflanzen, insbesondere Kanadische Judasbäume (Cercis canadensis), Blüten-Hartriegel, Catawba-Rhododendron (Rhododendron catawbiense), Berglorbeer und Wald-Hortensien.
Mischwälder in Hanglagen mini|Herbstlicher Laubwald am Newfound Gap in direkter Nachbarschaft zum dunkelgrünen Nadelwald. mini|Wald des Great Smoky Mountains Nationalpark im Herbst (Indian Summer) Die mittleren Jahrestemperaturen in den höheren Lagen der Smokies sind tief genug, um Wälder zu ermöglichen, die ansonsten eher in den nördlichen USA vorkommen, die so genannten „Northern Hardwood Forests“. An den Hängen der Great Smoky Mountains befindet sich der am höchsten gelegene Laubwald der östlichen Vereinigten Staaten. Rund 113 km² davon sind Primärwald.
In den Hanglagen dominieren Bäume wie Gelb-Birken und Amerikanische Buchen, es gibt aber auch Bestände mit Amerikanischen Linden (tilia heterophylla), Vermont-Ahorn, Streifen-Ahorn und Gelben Rosskastanien. Im Unterholz gedeihen diverse Korbblütler, Goldruten, Kanadische Blutwurz, Hortensien sowie verschiedene Arten von Gräsern und Farnen.