Die Dansk Folkeparti (DF), , ist eine nationalkonservative Partei in Dänemark. Sie wurde am 6. Oktober 1995 gegründet und arbeitete von 2001 bis 2011 im dänischen Parlament mit einer Minderheitsregierung aus Venstre und Konservativer Volkspartei zusammen. Zwischen 2015 und 2019 stützte die DF als zweitstärkste Fraktion eine Minderheitsregierung aus Venstre, Liberaler Allianz und Konservativer Volkspartei.

Politische Positionen Die Programmatik der Dansk Folkeparti weist sowohl starke konservative wie auch sozialdemokratische Elemente auf. Die Partei vertritt eine dezidiert konservative Wertepolitik, die oftmals mit dem Slogan „Gott, König und Vaterland“ paraphrasiert wird. Die Partei wird in Meinungsumfragen mehr als alle anderen Parteien mit spezifisch „dänischen Werten“ wie hyggelighed, Geborgenheit und Bescheidenheit assoziiert. Dagegen ist die Sozialpolitik der Partei eher sozialdemokratisch geprägt (Verteilungspolitik) und auf die Erhaltung des dänischen Wohlfahrtsstaates ausgerichtet. In Dänemark wird die Partei oftmals als Bedrohung vor allem für die Sozialdemokraten gesehen. Andere sehen in der Partei jedoch eher eine Bedrohung für die Konservativen, von denen die Partei viele Stimmen gewinnen konnte.DF er de nye konservative, Artikel des Dagbladet Information vom 24. September 2008

Die Dansk Folkeparti ist globalisierungskritisch und EU-kritisch eingestellt. Unter dem Vorsitz von Morten Messerschmidt verschob die Partei ihre europapolitische Linie in den 2020er Jahren jedoch insofern, als sie einen Austritt Dänemarks aus der Europäischen Union nicht mehr anstrebte. Zudem tritt sie für strenge Integrations- und Einwanderungsgesetze ein. Unter ihrer Mitwirkung wurde die Einwanderungsgesetzgebung in Dänemark merklich verschärft. Weitere Themen und Forderungen der Partei sind ein kritischerer Umgang mit dem politischen Islam, die Förderung von bürgerlichen Freiheitsrechten, Senioren- und Familienförderung, Tierschutz, Ausbau des Gesundheitswesens und eine Verschärfung der inneren Sicherheitsgesetze. Die Partei vertritt eine dezidiert pro-israelische Politik. Die Initiative Boycott, Divestment and Sanctions wird strikt abgelehnt. Die DF selbst verkündete 2002 in einer Rede von Mogens Camre, eine „Partei des Zentrums“ zu sein. (dänisch), 5. Juni 2002

Als Mehrheitsbeschafferin einer liberal-konservativen Regierung war es der DF zwischen 2001 und 2011 gelungen, eine rigide Migrationspolitik durchzusetzen.Dänemarks Regierung verschärft ihre Ausländerpolitik Die Welt, abgerufen am 12. August 2011.Luise Steinberger: Dänemark verschärft Ausländerrecht NZZ vom 26. Juni 2011, abgerufen am 31. August 2012. Am 10. November 2010 setzte sie gemeinsam mit der liberal-konservativen Koalition strengere Regelungen für den Nachzug von Familienangehörigen bzw. frisch angetrauten Ehepartnern aus dem Ausland um. Diese Regelungen, die von der sozialdemokratischen Regierung (2011 bis 2015) teilweise wieder zurückgenommen wurden, zielten ausdrücklich auf einen „Stopp für nicht-westliche Einwanderung“ ab. Der Justizpolitische Sprecher Peter Skaarup der Dansk Folkeparti meinte: „Ich bin sicher, dass sie [die Regelungen] bald in vielen anderen Ländern kopiert werden.“ Ähnlich sah dies auch der liberale Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen, der äußerte: „Manche sollen ganz einfach nicht rein in unser Land, das ist keine Frage des Alters, sondern der gesunden Vernunft.“Kopenhagen sperrt Muslime aus Frankfurter Rundschau, abgerufen am 11. November 2014. Nach der Folketingswahl 2015 befand sich die Dansk Folkeparti wie schon zwischen 2001 und 2011 wieder in der Rolle einer Stützpartei für die liberal-konservative Venstre. Seit Sommer 2015 wurde die dänische Flüchtlingspolitik mit den Stimmen der Dansk Folkeparti erneut erheblich verschärft, wobei viele Forderungen der Partei umgesetzt wurden.

Bei der Folketingswahl 2019 verlor die DF massiv an Stimmen und wurde mit 8,7 % lediglich drittstärkste Kraft im Parlament. Bei der Folketingswahl 2022 waren es nur noch 2,6 %.

Entstehung und Struktur Die Dansk Folkeparti ging 1995 aus der von Mogens Glistrup gegründeten Fortschrittspartei hervor. Die damalige Parteichefin Pia Kjærsgaard verließ mit Kristian Thulesen Dahl, Poul Nødgaard, Ole Donner u. a. die Partei aus Protest gegen die Reaktivierung des provokativ-querulantischen Parteigründers. Die DF übernahm die kritische Haltung gegenüber Einwanderung und der Europäischen Union, ersetzte jedoch die ultraliberale, steuer- und staatsfeindliche Stoßrichtung der Fortschrittspartei durch eine sozialdemokratisch beeinflusste Sozialpolitik. Diese Verknüpfung von nationalem Fürsorgestaat und Einwanderungsfeindlichkeit fand in der Politikwissenschaft die Bezeichnung „Wohlfahrtschauvinismus“.Frank Decker: Der neue Rechtspopulismus. 2. Auflage, Leske + Budrich, Opladen 2004, S. 97. Nach dem historisch schlechten Ergebnis der Folketingswahl 2022 und dem Wechsel großer Teile der politischen und organisatorischen Führung zu den Danmarksdemokraterne leitete die DF einen organisatorischen Wiederaufbau ein. Im Zuge dieser Neuaufstellung gewann die Partei mehrere jüngere politische Kommunikationstalente aus dem Umfeld der Nye Borgerlige und profilierte sich besonders stark in den sozialen Medien. Ziel war es auch, um die Partei herum eigene Strukturen zur politischen Analyse, Agenda-Setzung und Meinungsbildung aufzubauen, wie sie andere dänische Parteien traditionell über Vorfeldorganisationen und Denkfabriken besitzen.

Die frühere Parteichefin Kjærsgaard pflegte einen hierarchischen Führungsstil und bestimmte das äußere Erscheinungsbild der Partei maßgeblich mit. Bewerber um die Listenplätze für die Folketingswahl müssen vom Parteivorstand zentral gebilligt werden. Dadurch sollen einerseits innerparteiliche Meinungsverschiedenheiten vermieden werden, andererseits sollen so rechtsextreme Elemente von der Partei ferngehalten werden. Im August 2006 fielen mehrere Ortsvorsitzende der DF einer verdeckten Recherche der Zeitung Ekstra Bladet zum Opfer, nachdem sie ihre Bereitschaft signalisiert hatten, ein vorgebliches Mitglied des rassistischen Netzwerkes Dansk Front in die Partei aufzunehmen. Mit Veröffentlichung ihrer Reaktion wurden die Kommunalpolitiker umgehend aus der Partei ausgeschlossen.DF fyrer ni lokale tillidsmænd (dän.), Danmarks Radio, 21. August 2006 Im Oktober 2006 wurden weitere neun Mitglieder ausgeschlossen, nachdem sie der Parteispitze ein unfreies Debattenklima vorgeworfen hatten. Andere Mitglieder äußerten ähnliche Kritik, ohne jedoch ausgeschlossen zu werden.Ni medlemmer smides ud af Dansk Folkeparti (dän.), Danmarks Radio, 6. Oktober 2006

Die Dansk Folkeparti verfügt wie alle Parteien im Folketing über eine Jugendorganisation (Dansk Folkepartis Ungdom).

Internationale Zusammenarbeit Die Partei pflegt relativ wenige internationale Kontakte. Insbesondere wird auf Distanz zu Parteien in anderen Ländern geachtet, die durch radikale Positionen wie Antisemitismus oder Rassismus gekennzeichnet sind. Im Jahr 2010 wurde jedoch erstmals eine Zusammenarbeit mit den Schwedendemokraten ins Auge gefasst. Die traditionell israelfreundliche Dansk Folkeparti unterhält Kontakte nach Israel unter anderem über die Organisation Friends of Israel. Im Europaparlament ist die Partei Mitglied der Fraktion Europäische Konservative und Reformer.

Die DF war von 2002 bis 2007 Mitglied der Europäischen Partei Allianz für das Europa der Nationen und der von 2011 bis 2015 existierenden Bewegung für ein Europa der Freiheit und der Demokratie (MELD). Anfang 2025 trat sie den Patriots.eu bei.

Ideologie Eigendarstellung Laut eigener Aussage sei der DF keine bestimmte Ideologie zu eigen, vielmehr vertrete die Partei bestimmte Haltungen ausgehend von der Frage, was Dänemark und den Dänen nutze. Gleichwohl fänden sich in der Programmatik und der praktischen Politik der Partei bestimmte konservative, liberale und sozialdemokratische Elemente.

Einordnung durch Dritte Foged/Molgaard Nielsen/Roslyng-Jensen ordnen die DF als sozialliberal ein. Die Partei nehme eine Position zwischen Sozialdemokratie auf der einen Seite und Venstre/Konservativen auf der anderen Seite ein.Ebbe Foged, Kim Molgaard Nielsen, Palie Roslyng-Jensen: Samfundsstudier. Grundbog til Samfundsfag, Verlag Gyldendal Uddannelse, ISBN 87-02-07882-1, S. 154.

Andere Parteienforscher ordnen die DF als rechtskonservative Partei ein.Bundeszentrale für politische Bildung: Wahlen in Dänemark, vom 16. September 2011Sven Jochem: Die Politischen Systeme Skandinaviens. Springer VS (2012), S. 110 Der Politikwissenschaftler Thomas Schubert beschreibt die Position der DF als „weichen“, sein Kollege Richard Stöss beschreibt sie als „gemäßigten“ Rechtsextremismus. Die Partei vermeide jede Verbindung zum Neonazismus und pflege keine internationalen Kontakte zu Rechtsextremen. Die Partei sei durch ethnisch-nationalistische Fremdenfeindlichkeit, Anti-Establishment-Populismus, Wohlfahrtsstaatschauvinismus und Nativismus geprägt. Diese Zuordnung ist allerdings in der Politikwissenschaft nicht unumstritten, da sie „ein relativ weit gefaßtes Verständnis von Extremismus“ voraussetzt. Der Dresdner Politikwissenschaftler Steffen Kailitz schreibt hierzu:

Aus Sicht des dänischen Historikers und Holocaust-Experten Therkel Stræde von der Universität von Süddänemark begründet jedoch der in den islamfeindlichen Gesetzesvorschlägen der DF von 2007 (siehe unten) zu Tage tretende „extrem fremdenfeindliche Nationalismus“ sogar eine Verwandtschaft zwischen DF und dem Nazismus, auch wenn er ausdrücklich feststellt, dass die DF keine Nazis seien.Dansk Folkeparti spiller igen udlændingekortet (dän.), Information, 26. Oktober 2007

Die dänische Feuilletonistin Eva Smith kritisierte in der dänischen Tageszeitung Politiken den DF-Abgeordneten Martin Henriksen wegen seines Skeptizismus gegenüber der Anerkennung von Menschen anderer Herkunft als dänische Staatsbürger.

Eine Studie aus dem Jahr 2019, die das Abstimmungsverhalten von Parteien zu klimapolitischen Fragen im EU-Parlament betrachtete, bewertet die Dansk Folkeparti als „Dinosaurier“ in Bezug zu einer klimafreundlichen Politik.

Grundsatzprogramm Das aktuelle Grundsatzprogramm wurde im Oktober 2002 angenommen. Zentrale Aussagen lauten: Stärkung der nationalen Souveränität, Bewahrung von Demokratie, Rechtsstaat und Monarchie Bewahrung der Sonderstellung der Dänischen Volkskirche; Garantie der Glaubens- und Bekenntnisfreiheit Schutz des Rechts auf freie Meinungsäußerung in Dänemark und weltweit Ablehnung der Europäischen Union Effektive Strafverfolgung und zügige Rechtsprechung Stärkung des Dänentums im In- und Ausland Leistungsfähiges Sozial- und Gesundheitswesen Schutz der Familie als Kernzelle der Gesellschaft Fleiß und Tüchtigkeit müssen sich wieder lohnen Umweltverträgliche Nutzung der natürlichen Rohstoffe

Wahlen Folketing Bei der Folketingswahl 1998 trat die Partei erstmals an und erzielte mit 7,4 % der Wählerstimmen 13 Abgeordnetensitze. 2001 konnte sie sich auf 22 Mandate steigern und spielte seitdem eine Schlüsselrolle im dänischen Parlament, während die Fortschrittspartei sämtliche Mandate einbüßte. Bei der Folketingswahl 2005 stieg die DF mit 13,3 % zur drittstärksten Partei Dänemarks auf, bei der Folketingswahl 2015 wurde die DF mit 21,1 % die zweitstärkste Partei nach den Sozialdemokraten mit 26,3 %.