mini|Marsberg/Obermarsberg mini|hochkant=2.0|Marsberg

Marsberg ist eine Kleinstadt im nordöstlichsten Teil des Sauerlandes, Hochsauerlandkreis (Nordrhein-Westfalen, Deutschland). Sie entstand in der heutigen Form 1975 im Zuge der kommunalen Neugliederung Nordrhein-Westfalens aus Obermarsberg (früher, insbesondere im 17. und 18. Jahrhundert: Stadtberge, noch im Plattdeutschen gebräuchlich) und Niedermarsberg (früher Horhusen) sowie weiteren, bis dahin selbstständigen, Gemeinden.

In Obermarsberg soll mit der Irminsul auf der Eresburg das wichtigste Heiligtum der Sachsen gestanden haben. Nach deren Zerstörung durch Karl den Großen entstand an dieser Stelle eines der ältesten Klöster in Westfalen, das später an das Kloster Corvey fiel. Niedermarsberg entwickelte sich zu einem Handelsort, war aber politisch abhängig von Obermarsberg. Bedeutend war in der Gegend seit dem frühen Mittelalter der Bergbau und die Verarbeitung von Erzen.

Geografie Lage Marsberg liegt rund 29 km südlich von Paderborn und 3 km (beides Luftlinie) von der hessischen Grenze entfernt im Tal der Diemel, in die in der Kernstadt die Glinde mündet. Es befindet sich zwischen den Briloner Höhen im Westen, dem Sintfeld im Norden, dem Roten Land im Osten und Süden und dem Naturpark Diemelsee im Südwesten. Nördlich von Marsberg grenzt der Naturpark Teutoburger Wald / Eggegebirge an.

Während die Innenstadt auf etwa 250 bis mit dem Bahnhof Marsberg auf liegt, dehnt sich das Stadtgebiet zwischen im Diemeltal östlich von Westheim und Höhe am Eisenberg östlich der Staumauer des Diemelsees aus. Große Bereiche des nördlichen Stadtgebiets und verschiedene kleinere Gebiete im Rest der Stadt gehören seit 2023 zum Vogelschutzgebiet Diemel- und Hoppecketal mit angrenzenden Wäldern.

Ausdehnung des Stadtgebiets Die Stadt umfasst eine Fläche von 182 km² (Stand 2002). Von diesen 18.201,3 ha entfallen 838,4 ha auf Gebäude und Freiflächen, 42,6 ha auf Betriebsflächen, 9086 ha auf landwirtschaftliche Flächen, 7135 ha auf Wald und 166,8 ha auf Wasserflächen.Peter Kracht: Sauerland, Siegerland und Wittgensteiner Land. Münster, ISBN 3-402-05497-3, S. 14, S. 146

Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden von Marsberg sind: Bad Arolsen Bad Wünnenberg Brilon Diemelsee Diemelstadt Lichtenau Warburg

Stadtgliederung Marsberg gliedert sich in die 17 StadtbezirkeHauptsatzung der Stadt Marsberg (PDF; 29 kB) Beringhausen Borntosten Bredelar Canstein Erlinghausen Essentho Giershagen Heddinghausen Helminghausen Leitmar Meerhof Niedermarsberg Obermarsberg Oesdorf Padberg Udorf Westheim

Geologie und Erdgeschichte mini|Sekundäre Kupfererzbildung im Kilianstollen/Marsberg. mini|Wechsellagerung aus Sandsteinen und dünnen Tonsteinlagen am Mühlenberg/Rummecketal.

Marsberg liegt am Tripelpunkt zwischen Rheinischem Schiefergebirge, Hessischer Senke und Münsterländer Becken. Dadurch entsteht eine komplexe tektonische und geologische Situation. Die ältesten Gesteine im Raum Marsberg stammen aus dem Devon. Die devonischen Ablagerungen bestehen aus roten, grauen und grünen geschieferten Tonsteinen. Überlagert werden sie von unterkarbonischen, schwarzen Tonschiefern (Liegende Alaunschiefer), an die im Raum Marsberg ein großer Teil der Kupfervererzung gebunden ist. Im höheren Teil des Unterkarbons dominieren verkieselte Kalke und Tonsteine (Kulm-Kieselkalke und Kulm-Kieselschiefer). In den darauf folgenden, jüngeren Gesteinen nimmt der Grad der Verkieselung zunehmend ab und es wurden dunkelgraue, geschieferte Tonsteine (Kulm-Tonsteine) sedimentiert, die in einzelnen Lagen massenhaft Muscheln (Posidonia becheri) enthalten. Durch eine allmähliche Zunahme der Sandschüttungen sind die Gesteine des höheren Unterkarbons und Oberkarbons durch eine Wechsellagerung aus grauen Tonschiefern und hellen, feinkörnigen Sandsteinen gekennzeichnet.Jochen Farrenschon, Béatrice Oesterreich, Sven Blumenstein und Michael Holzinger: Geologische Karte von Nordrhein-Westfalen, 1:25.000, Blatt 4519 Marsberg, Krefeld 2008, S. 23–60 Die gesamte Gesteinsfolge ist im Besucherbergwerk Kilianstollen beispielhaft aufgeschlossen.

Im höheren Oberkarbon wurde das gesamte Gebiet des heutigen Rheinischen Schiefergebirges während der Variszischen Orogenese herausgehoben und aufgefaltet.

Nach der Heraushebung des Variszischen Gebirges begann im Rotliegenden unter ariden Klimabedingungen die Einebnung. Im Zechstein wurde das Gebiet um Marsberg randlich von einem aus Norden vordringenden Meer überflutet und es wurden flachmarine Kalksteine abgelagert. Infolge der ariden Klimabedingungen trockneten die Randbereiche des Zechsteinmeeres mehrfach zunehmend aus. Sulfatgesteine (Gips und Anhydrit) sowie feinkörnige, terrestrische Ablagerungen zeigen die sich verändernden Sedimentationsbedingungen an. Im Zechstein sind mindestens 4 Meeresvorstöße in den Raum Marsberg bekannt. In der darauf folgenden Buntsandstein-Zeit wurden bei zunehmend feuchterem Klima, klastische Sedimente (Sandsteine und Tonsteine) abgelagert. Diese sind heute im Bereich der Hessischen Senke östlich von Marsberg weit verbreitet.Jochen Farrenschon, Béatrice Oesterreich, Sven Blumenstein und Michael Holzinger: Geologische Karte von Nordrhein-Westfalen, 1:25.000, Blatt 4519 Marsberg, Krefeld 2008, S. 62–98

Bis zu Beginn der Oberkreide war das Gebiet um Marsberg Festland. Das Kreide-Meer stieß vor etwa 100 Millionen Jahren aus Richtung Nordsee bis an den Rand des Rheinischen Schiefergebirges vor. Dabei wurden vorwiegend flachmarine Karbonatgesteine (Mergel und Kalksteine) abgelagert, die heute nördlich der Linie Essentho-Wünnenberg zu finden sind. In der höchsten Oberkreide setzten in diesem Raum erneut tektonische Bewegungen ein, die zu einer Verstellung der Gesteinsschichten geführt hat. Seit dieser Zeit begann sich das Rheinische Schiefergebirge erneut zu heben, die Flusstäler schnitten sich in den Gebirgsrumpf ein. Während des Tertiärs wurden die Gesteine unter dem Einfluss eines feucht-warmen Klimas tiefgründig verwittert. Besonders die Kalksteine wurden zum Teil stark verkarstet – es kam zur Anlage von zahlreichen Bachschwinden, zum Beispiel die so genannten Entenhöhlen bei Essentho. Bei der Entkalkung der Kalk- und Mergelsteine entstanden sogenannte Hottensteine.

Während des Quartärs erreichen die Eismassen aus Skandinavien den Marsberger Raum nicht. Das Gebiet lag vor der Gletscherfront, die sich im Münsterländer Becken befand. Die Flüsse schnitten sich besonders während der Warmzeiten tiefer in das Gebirge ein und bildeten während der Kaltzeiten ausgeprägte Schotterterrassen.

Bis in die heutige Zeit setzen sich bodenbildende Prozesse, Erosion und Sedimentumlagerung fort. Jüngste Ablagerungen sind im Marsberger Raum die holozänen Quellkalke, zum Beispiel an der Paulinenquelle, Niedermoore in der Diemelaue und die vom Menschen geschaffenen Bergbauhalden, besonders des Kupferschieferbergbaus bei Marsberg.

Geschichte

Frühgeschichte Das Gebiet des heutigen Obermarsberg liegt auf einem leicht zu verteidigenden Bergplateau. Ein leichter Zugang ist nur über einen südlichen Sattel möglich. Erste Hinweise auf menschliche Anwesenheit lassen sich auf die Zeit um 14.000 v. Chr. datieren. Aus dem 4./3. Jahrtausend vor Christus stammen Keramikfunde der Michelsberger Kultur. Damals hat auf dem Berg wohl bereits eine jungsteinzeitliche Siedlung bestanden. Weitere Funde stammen von Verteidigungsanlagen aus der vorrömischen Eisenzeit.Hermann Runte: Zur Geschichte Marsbergs. In: Sauerland 2/2010, S. 60.

Frühes Mittelalter mini|hochkant|Turm der Propstei-/Stiftskirche Die schriftliche Überlieferung zur Geschichte des Ortes reicht zurück bis in die sächsische Zeit. Die fränkischen Reichsannalen bezeichneten den Ort als Eresburg. Diese Anlage war eine der wichtigsten Wallburgen der Sachsen und soll laut Thietmar von Merseburg mit der Irminsul das bedeutendste (vorchristliche) Heiligtum dieses Stammes beherbergt haben, wofür es aber bisher noch keinen archäologischen Nachweis gibt. Die Irminsul war wohl auch der Grund, warum dieser Ort eines der ersten Ziele während der Sachsenkriege Karls des Großens war. Im Jahr 772 wurde die Anlage erobert und die Säule zerstört. Danach von den Sachsen zurückerobert, blieb die Burg erst 776 nach einer dritten Eroberung in der Hand der Franken. Im Jahr 785 ließ Karl die Burg, wahrscheinlich verkleinert, erneuern. Im Nordosten des Burgbezirks wurde mit der St. Peterkirche eine der ersten Kirchen und mit dem Kloster Obermarsberg eines der ersten Klöster in Westfalen überhaupt gebaut. Von diesem Kloster aus wurde die Umgebung christianisiert. Nach einer zeitnahen Überlieferung wurde die Kirche von Papst Leo III. im Zusammenhang mit dessen Reise zum Reichstag in Paderborn geweiht. Zeitweise war die Eresburg auch eine kaiserliche Pfalz. Karl lebte mit seiner Familie dort 785 für mehrere Monate.Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Nordrhein-Westfalen. Stuttgart 1970, S. 495.

Ludwig der Fromme übereignete das Kloster und die zugehörigen Besitzungen dem Kloster Corvey. Anstelle des eigenständigen Klosters trat eine Propstei. Unterhalb der Burg entwickelte sich die Siedlung Obermarsberg. Der Propst war später zugleich Pfarrer von Obermarsberg.

Wohl vor 915 war die Burg im Besitz von Herzog Heinrich von Sachsen. In dieser Zeit besiegten die Sachsen, die ihren Stützpunkt wohl auf der Burg hatten, in der unmittelbaren Nähe Eberhard von Franken. In der Marsberger Stiftskirche endete 938 der Streit des Königs Otto I. mit seinem Halbbruder Thankmar dadurch, dass Letzterer durch einen durch ein Seitenfenster der Kirche geworfenen Speer am Altar getötet wurde.

Seit 1036 wurde der abgesetzte Herzog Adalbero von Kärnten auf der Burg für drei Jahre gefangen gehalten.

Von Bedeutung war die Gegend wegen ihrer Erzvorkommen und der sich in der Nähe kreuzenden Fernhandelswege, der „via Regia“ und des „Römerwegs“. An dieser Stelle entwickelte sich eine Siedlung namens Horhusen (heute Niedermarsberg). Ludwig das Kind verlieh Corvey im Jahr 900 das Recht, in Horhusen einen Markt abzuhalten und Zölle zu erheben, sowie das Münzrecht. Eine angeblich im Jahr 962 durch Otto I. ausgestellte Urkunde sicherte dem Ort Dortmunder Kaufmannsrecht und Corvey den alleinigen Besitz zu. Tatsächlich dürfte es sich dabei um eine Fälschung des 11. Jahrhunderts handeln.Hermann Runte: Zur Geschichte Marsbergs. In: Sauerland 2/2010, S. 60. Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Nordrhein-Westfalen. Stuttgart 1970, S. 496.

Hoch- und Spätmittelalter mini|Historisches Rathaus in Obermarsberg Die Burg Marsberg muss wohl in den Besitz eines Adelsgeschlechts übergegangen sein. Jedenfalls kam es in den Wirren nach dem Ende der Grafen von Padberg 1113 auf Ersuchen des Abts von Corvey zur Zerstörung durch Graf Friedrich von Arnsberg. Nach 1144 ließ der Abt von Corvey die Burg wieder aufbauen. Die Bewohner Obermarsbergs erhoben sich gegen den Abt und riefen den Grafen von Arnsberg zur Hilfe. Die Corveyer behaupteten mit Hilfe der Grafen von Schwalenberg allerdings ihre Stellung. Der Besitz wurde Corvey durch eine königliche Urkunde 1150 bestätigt. Allerdings war die Burg 1145 von den Arnsbergern zerstört worden.