Dieser Artikel behandelt tagesbezogene Nachrichten und Ereignisse im Juli 2003.
Tagesgeschehen Dienstag, 1. Juli 2003 Berlin/Deutschland: Die Unionsparteien fordern vor der Aussage des Bundeskanzlers Gerhard Schröder (SPD) vor dem „Lügenausschuss des Bundestags“ die Freigabe von Akten durch das Bundeskanzleramt. Die Union beanstandet Wahlfälschung wegen Falschaussagen der SPD über die Situation des Bundeshaushalts. Brüssel/Belgien: Die Gebühren für grenzüberschreitende Überweisungen innerhalb der Europäischen Union sinken. Überweisungen bis zu einem Betrag von Euro, die mittels IBAN und BIC abgewickelt werden, dürfen nicht mit höheren Gebühren verbunden sein als inländische Überweisungen desselben Betrags. Ecuador: An der Grenze zu Peru entdecken Forscher die Reste einer über Jahre alten Kultur. Hongkong/China: Mehrere hunderttausend Menschen kommen in der Sonderverwaltungszone am sechsten Jahrestag der Übergabe der ehemaligen britischen Kolonie an die Volksrepublik China zu einer Demonstration zusammen. In der Kritik steht ein geplantes neues Sicherheitsgesetz, das die Bürgerrechte einschränken würde, außerdem befindet sich die Wirtschaft Hongkongs im Abschwung. Israel: Ministerpräsident Ariel Scharon erlässt dem „ehemaligen Terroristen“ und Friedensnobelpreisträger des Jahres 1994 Jassir Arafat die Auflage, vor Reisen in den Gazastreifen das Einverständnis Israels einzuholen. Völlige Reisefreiheit innerhalb der Palästinensischen Autonomiegebiete erhält Arafat nicht. Rom/Italien: Italien übernimmt von Spanien den Vorsitz im Rat der Europäischen Union. Das Amt des Regierungschefs der Europäischen Gemeinschaften erhält Silvio Berlusconi, der sein Unbehagen über eine zu dominante Rolle Deutschlands in der Staatengemeinschaft mitteilt. Vereinigtes Königreich: Ingenieure weisen darauf hin, dass das Vereinigte Königreich ohne Investitionen ungefähr ab dem Jahr 2020 Probleme mit der Energieversorgung haben werde. Die technische Infrastruktur auf der Insel Großbritannien sei zur Vorhaltung einer Erdgas-Menge fähig, die schon bald dem Verbrauch binnen 48 Stunden entsprechen werde. Die Ingenieure fordern neue Konzepte für länger verfügbare Reserven.
Mittwoch, 2. Juli 2003 Berlin/Deutschland: Die Deutsche Bahn kehrt zu der alten Bahncard zurück. Die Fahrpreisermäßigung für Inhaber soll wieder 50 % betragen. Coburg/Deutschland: Beim Amoklauf eines Achtklässlers wird eine Lehrerin angeschossen. Der Täter erschießt sich anschließend selbst. Die Lehrerin ist am Ende des Tages nicht in Lebensgefahr. Prag/Tschechische Republik: Das Internationale Olympische Komitee gibt bekannt, dass Vancouver in Kanada die Olympischen Winterspiele 2010 austragen wird. Straßburg/Frankreich: Der Abgeordnete des Parlaments der Europäischen Union Martin Schulz (SPD) kritisiert Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi für negative Äußerungen aus dem Mund seines Ministers Umberto Bossi über afrikanische Migranten. Berlusconi erwidert, er werde Schulz „für den Kapo“ in einem Film über Konzentrationslager vorschlagen, der gerade in Italien in Arbeit sei. Uganda: Für die Bundeswehr startet eine Mission im Konflikt in der Republik Kongo. Von Uganda aus leistet Deutschland bis zum 1. September logistische Unterstützung für Truppen aus Mitgliedstaaten der Europäischen Union, die in der Republik Kongo operieren.
Donnerstag, 3. Juli 2003 mini|175px|Ehemals von Mönchen genutzte Höhlenwohnungen im Bamiyan-Tal, Afghanistan Bagdad/Irak: Erstmals wird der Öffentlichkeit der im Nationalmuseum gelagerte Goldschatz von Nimrud aus dem 9. Jahrhundert v. Chr. präsentiert. Liberia: Die Drohung von US-Präsident George W. Bush gegen Liberias Präsidenten Charles Taylor, er werde Elitesoldaten in das Bürgerkriegsland schicken, veranlasst Taylor zu dem Angebot, sich bis spätestens Oktober außer Landes zu begeben. Er fügt hinzu, dass dadurch die Kampfhandlungen nicht enden würden. München/Deutschland: Die französische Regisseurin Marceline Loridan-Ivens wird mit dem Bernhard-Wicki-Filmpreis für ihren autobiographischen Film Birkenau und Rosenfeld ausgezeichnet. Paris/Frankreich: Die United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization nimmt das Bamiyan-Tal in Afghanistan und die antike assyrische Hauptstadt Aššur im Irak in ihre Liste des gefährdeten Weltkulturerbes auf.
Freitag, 4. Juli 2003 Bremen/Deutschland: Die Abgeordneten der Bürgerschaft wählen Henning Scherf (SPD) erneut zum Bürgermeister des Landes Bremen und der Stadt selbst. Scherf übernahm diese Ämter 1995 von seinem Parteikollegen Klaus Wedemeier. Paris/Frankreich: Die United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization erklärt weitere 24 Kultur- und Naturstätten zum Welterbe, darunter das Tessiner Bergmassiv Monte San Giorgio. Damit gelten 754 Stätten weltweit als besonders schützenswert. Quetta/Pakistan: Bewaffnete Angreifer dringen in eine schiitische Moschee ein und töten mindestens 32 Menschen, 52 weitere werden verletzt. Sulaimaniyya/Irak: Im Norden des Irak nehmen US-Soldaten der 173. Luftlandebrigade mehrere Angehörige der Türkischen Streitkräfte fest. Sie werden mit Säcken über den Köpfen zum Verhör abgeführt.
Samstag, 5. Juli 2003 Ankara/Türkei: Bei der Explosion einer Tankstelle in der türkischen Hauptstadt werden mehr als 120 Menschen verletzt. Kuwait/Kuwait: Die Parlamentswahlen finden statt. London/Vereinigtes Königreich: Die amerikanische Titelverteidigerin Serena Williams gewinnt das Damen-Einzel-Turnier der Wimbledon Championships im Tennis gegen ihre Schwester Venus Williams. Moskau/Russland: Bei der Explosion einer Bombe im Eingangsbereich des Tuschino-Flugplatzes werden mindestens 15 Menschen getötet. Auf dem Flugplatz findet zu diesem Zeitpunkt ein Freiluftkonzert statt.
Sonntag, 6. Juli 2003 Ajaccio/Frankreich: Die Korsen stimmen in einem Referendum gegen eine begrenzte Autonomie der Insel. 51 % lehnen die von der konservativen Regierung in Paris erarbeiteten Vorschläge ab. Bochum, Düsseldorf/Deutschland: Die Koalitionskrise in Nordrhein-Westfalen endet, als SPD und Bündnis 90/Die Grünen auf Sonderparteitagen in Bochum und Düsseldorf ein Kompromisspapier bestätigen, das in den letzten Wochen ausgehandelt wurde. London/Vereinigtes Königreich: Roger Federer aus der Schweiz gewinnt das Herren-Einzel-Turnier der Wimbledon Championships im Tennis durch einen Sieg gegen Mark Philippoussis aus Argentinien in drei Sätzen. Mexiko-Stadt/Mexiko: Die Abgeordnetenhauswahlen finden statt. München/Deutschland: Der Bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) äußert sich positiv zu den Plänen der rot-grünen Bundesregierung für eine Steuerreform. Nouakchott/Mauretanien: Sghaïr Ould M'Bareck wird zum Ministerpräsidenten von Mauretanien ernannt.
Montag, 7. Juli 2003 Washington, D.C./Vereinigte Staaten: Das Weiße Haus bestätigt offiziell die weit verbreitete Vermutung, dass der Krieg gegen den Irak auch mit Falschinformationen begründet wurde. Regierungskreise sollen davon seit Monaten Kenntnis haben, US-Präsident George W. Bush trage keine Schuld.
Dienstag, 8. Juli 2003 Singapur/Singapur: Die 29-jährigen siamesischen Zwillingsschwestern Ladan und Laleh Bijani versterben einen Tag nachdem ihre Köpfe durch eine Operation getrennt werden, an Kreislaufversagen in Folge des hohen Blutverlusts während der Operation. Frankfurt am Main/Deutschland: Der Rechtsanwalt und TV-Moderator Michel Friedman akzeptiert eine Strafzahlung in Höhe von 17.000 Euro wegen des Besitzes von Kokain und legt sein Amt als Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland nieder. Hamburg/Deutschland: Die Internet-Suchmaschine Google startet ein deutschsprachiges Nachrichtenportal, dessen Inhalte automatisch aus über 700 Nachrichtenquellen generiert werden. Google möchte selektive Portale dieser Art in den Amtssprachen fast aller Staaten der Welt anbieten, ob es auch Versionen mit einem österreichischen und einem Schweizer Schwerpunkt geben wird, ist noch nicht entschieden. Sudan: Eine Boeing 737 (Sudan-Airways-Flug 139) stürzt kurz nach dem Start in Bur Sudan an der Küste des Roten Meers ab. 116 Menschen an Bord kommen ums Leben. Ein zweijähriges Kind überlebt das Unglück.
Mittwoch, 9. Juli 2003 Bagdad/Irak: Das US-Militär verhaftet den ehemaligen Funktionär der Baath-Partei Misban Chudr Hadi. Berlin/Deutschland: Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sagt seinen Italienurlaub aufgrund einer Äußerung des italienischen Tourismus-Staatssekretärs Stefano Stefani ab. Stefani bezeichnete Deutsche als „lärmenden und rülpsenden Pöbel, besoffen vor arroganter Selbstsicherheit“. Beobachter werten die Aussagen als Versuch, das italienische Volk über Populismus stärker an die Person Berlusconi zu binden. Dhaka/Bangladesch: Die überladene Fähre MV Nasrin-1 mit mehr als 750 Personen an Bord sinkt. Nur 150 Menschen gelingt die Rettung. Japan: 800.000 Behördenrechner werden auf das Open-Source-Betriebssystem Linux umgestellt. Recklinghausen/Deutschland: Die Umstände des tödlichen Fallschirmsprungs des ehemaligen deutschen Vizekanzlers Jürgen Möllemann (FDP) bleiben unklar. Ob es sich um einen Freitod oder um ein Unglück handelte, bleibe „völlig offen“, so der zuständige Oberstaatsanwalt Wolfgang Reinicke. Ausgeschlossen sei allein Fremdverschulden.
Donnerstag, 10. Juli 2003 Brüssel/Belgien: Hochrangige Politiker der Europäischen Union unterzeichnen den Textentwurf für die Verfassung der Staatengemeinschaft. Hongkong/China: Bei einem Busunglück kommen 22 Menschen ums Leben. Moskau/Russland: Bei einem Selbstmordattentat wird vor einem Restaurant ein Geheimdienstmitarbeiter getötet. Wolfsburg/Deutschland: Der Kfz-Hersteller Volkswagen AG gibt die Einstellung der Produktion des VW Käfers bekannt. Das Modell wird zurzeit im mexikanischen Puebla hergestellt und findet immer weniger Interessenten.
Freitag, 11. Juli 2003 Berlin/Deutschland: Die Mitglieder des Bundesrats stimmen den Verträgen zur sogenannten „Ost-Erweiterung“ der Europäischen Union zu. Berlin/Deutschland: Der Bundesrat verabschiedet das an die neue Informations- und Kommunikationstechnik angepasste Urheberrechtsgesetz. Es verbietet u. a. das Kopieren von offensichtlich illegal erstellten oder angebotenen Medien. Zudem stimmt der Bundesrat einem Gesetz zu, nach dem telefonische Verbindungen zu Service-Rufnummern ein Kostenlimit von 2 Euro pro Minute erhalten und nach maximal einer Stunde getrennt werden müssen. Irak: Die Non-Profit-Organisation Greenpeace stellt fest, dass die Region um die kerntechnische Anlage Tuwaitha radioaktiv verseucht ist. Rom/Italien: Der Tourismus-Staatssekretär Stefano Stefani tritt zurück. Seine umstrittenen Äußerungen über deutsche Touristen („rülpsender Pöbel“) führten zu heftiger Kritik. Vereinigte Arabische Emirate: Der ehemalige Informationsminister des Irak Muhammad as-Sahhaf verlässt sein Heimatland und sieht seine Zukunft in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Samstag, 12. Juli 2003 Berlin/Deutschland: Im 15. Jahr des Techno-Raves Loveparade sinkt die Zahl der Teilnehmer auf 550.000. Maputo/Mosambik: Die Mitgliedstaaten der Afrikanischen Union gründen eine militärische Eingreiftruppe, die ein schnelles Ende bewaffneter Konflikte auf dem Kontinent erzwingen soll, und befürworten außerdem die Idee eines afrikanischen Friedens- und Sicherheitsrats nach Vorbild der Vereinten Nationen. Palma de Mallorca/Spanien: Die Regierung der Autonomen Gemeinschaft Balearische Inseln legt einen Gesetzesentwurf zur Abschaffung der Umweltschutzabgabe auf den Inseln vor. Das Regionalparlament soll im Herbst darüber abstimmen. Vereinigte Staaten: CIA-Chef George Tenet übernimmt die Verantwortung für die Weitergabe einer Falschinformation an US-Präsident George W. Bush, der vor dem Irakkrieg angebliche Uranlieferungen aus dem Niger in den Irak als Beweis für irakische Kernwaffenpläne darstellte und so die öffentliche Meinung über die Notwendigkeit eines Kriegs stark beeinflusste.