Sandow, , ist ein Stadtteil der Stadt Cottbus in Brandenburg. Die ehemalige Gemeinde wurde am 1. Juli 1904 nach Cottbus eingegliedert. Ab den 1950er Jahren entstand im Stadtteil die Großwohnsiedlung Sandow, die heute den größten Teil der Bebauung des Stadtteils bildet.
Lage Sandow liegt östlich der Cottbuser Altstadt, rechts der Spree. Die Sandower Straße war eine alte Fernhandelsstraße von Cottbus nach Osten. Der Stadtteil grenzt im Norden an Saspow, im Nordosten an Merzdorf, im Osten an Dissenchen-Schlichow, im Südosten an Branitz, im Südwesten an die Spremberger Vorstadt, im Westen an die Cottbuser Altstadt (Stadtteil Mitte) und im Nordwesten an Schmellwitz.
Zu Sandow gehören die Wohnplätze Branitzer Siedlung und Heidesiedlung.
Im Süden des Stadtteils liegen der Branitzer Park und der Spreeauenpark, daher dient Sandow als wichtiger Ausgangspunkt für Fahrten mit der Cottbuser Parkeisenbahn in den Spreeauenpark und zum Tierpark Cottbus.
Geschichte Im Jahr 1451 wurde Sandow erstmals erwähnt. Das Dorf gehörte zur kurfürstlich-brandenburgischen und später preußischen Herrschaft Cottbus, die als Exklave von der böhmischen und später sächsischen Niederlausitz umgeben war. Das Gebiet um Sandow war bereits früh slawisch/sorbisch besiedelt und durch Fischerei und die Nähe zur Spree geprägt. Im Jahr 1615 brannten 55 Häuser bei einem Feuer nieder. Bis zur Industrialisierung war Sandow landwirtschaftlich geprägt, im Jahr 1809 lebten 32 Bauern, 31 Kossäten, 55 Büdner, 20 Einlieger, elf Leineweber, fünf Zimmerleute und sechs Gastwirte im Ort.Rudolf Lehmann (Hrsg.): Historisches Ortslexikon für die Niederlausitz. Band 2: Die Kreise Cottbus, Guben, Spremberg und Sorau. Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-90-7, S. 95f. Zwischen 1807 und 1815 gehörte Sandow nach dem Friede von Tilsit zum Königreich Sachsen, bevor er durch die Vereinbarungen des Wiener Kongresses wieder preußisch wurde.
Im 19. Jahrhundert entwickelte Sandow sich zu einem Industriestandort. Die Einwohnerzahl des Ortes stieg von 913 im Jahr 1818 über 2337 im Jahr 1864 auf 5013 im Jahr 1900. Seit 1893 verkehrte eine Straßenbahn nach Cottbus. Am 1. Juli 1904 wurde der größte Teil der Landgemeinde Sandow nach Cottbus eingemeindet, während aus dem anderen Teil mit ca. 150 Einwohnern der neue Gutsbezirk Cottbuser Stadtheide gebildet wurde. Dieser wurde 1910 ebenfalls nach Cottbus eingegliedert.
Im Jahr 1934 kam es zwischen der Stadt Cottbus und der Gemeinde Branitz zu einer Änderung der Gemeindegrenzen, die dazu führte, das der Branitzer Park mit dem Schloss Branitz in den Stadtteil Sandow umgegliedert wurde. Während des Zweiten Weltkrieges wurde 1944 der Cottbuser Jahrmarkt vom Schillerplatz in der Stadtmitte auf den Lindenplatz in Sandow verlegt, da der Schillerplatz durch Luftschutzgräben und Möbelwagen blockiert war.
mini|links|Eine der älteren Häuserzeilen der Großwohnsiedlung Sandow aus den 1950er Jahren In den 1950er Jahren entstand mit der Großwohnsiedlung Sandow ein großes Neubaugebiet, das den Ortsteil bis heute prägt. Wurde bisher auf Flächen zurückgegriffen, die unbebaut waren, mussten für dieses Stadtgebiet Gebäude abgerissen werden. Aufgrund des morastigen und torfigen Untergrunds in der Nähe der Spree mussten die Plattenbauten der Siedlung auf Hunderten von Betonpfählen errichtet werden. Diese wurden tief in die Erde getrieben, um ein Absinken der Häuser zu verhindern.
Bevölkerungsentwicklung
Bedingt durch die im 19. Jahrhundert einsetzende Industrialisierung und den damit verbundenen Zuzug von Arbeitern aus anderen Regionen ging der Anteil an Sorben an der Bevölkerung im Vergleich zu den umliegenden Dörfern bereits früh zurück. Der sorbische Sprachforscher Arnošt Muka ermittelte Mitte der 1880er Jahre für seine Statistik über die Sorben der Lausitz in der Gemeinde Sandow 3195 Einwohner, von denen nur noch rund 200 Sorben waren. Damit lag der Anteil der sorbischsprachigen Bevölkerung zu der Zeit bei nur noch etwa 6,3 %, während mit Ausnahme der Stadt Cottbus fast alle umliegenden Gemeinden noch rein sorbischsprachig waren.Arnošt Muka: Statistik der Lausitzer Sorben. Deutsch von Robert Lorenz. Domowina-Verlag, Bautzen 2019, ISBN 978-3-7420-2587-6, S. 146.
Infrastruktur mini|Haltepunkt Cottbus-Sandow Die zentralen Erschließungsstraßen des Stadtteils Sandow sind die Franz-Mehring-Straße in West-Ost-Richtung und die Willy-Brandt-Straße in Nord-Süd-Richtung. Im Süden und Osten wird der Stadtteil von der Bundesstraße 168 umschlossen, die an dieser Stelle zweistreifig mit zwei getrennten Fahrbahnen ausgebaut und Teil des Cottbuser Stadtrings ist. Sandow wird von der Straßenbahnlinie 3 der Cottbusverkehr GmbH erschlossen. Im Süden des Stadtteils liegt der Haltepunkt Cottbus-Sandow an den Bahnstrecken Cottbus–Guben und Cottbus–Forst.
Im südlichen Teil von Sandow, der überwiegend aus Parkanlagen besteht, befindet sich das LEAG Energie Stadion (Stadion der Freundschaft), in dem der Fußballverein Energie Cottbus seine Heimspiele austrägt. Auf der gegenüberliegenden Seite südlich des Stadtrings liegt die Messe Cottbus.
mini|links|Theodor-Fontane-Schule Der Stadtteil hat zwei Grundschulen (Carl-Blechen-Grundschule und Christoph-Kolumbus-Schule), eine Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe (Theodor-Fontane-Schule) sowie eine allgemeinbildende Schule (Spreeschule).
mini|Heizkraftwerk Cottbus Im Nordosten von Sandow liegt ein großflächiges Industrie- und Gewerbegebiet. Dort wurde 1968 das Heizkraftwerk Cottbus in Betrieb genommen. Nach der Fertigstellung eines Neubaus im Jahr 1999 wurde das alte Heizkraftwerk stillgelegt. Bis 2019 wurde das Kraftwerk mit Braunkohle befeuert, seit 2022 ist es als Blockheizkraftwerk mit Energieerzeugung mittels Erdgas und Heizöl in Betrieb.
Sehenswürdigkeiten mini|links|Schloss Branitz Durch eine Gebietsänderung im Jahr 1934 liegt der Branitzer Park mit dem Schloss Branitz innerhalb der Gemarkung von Sandow. Das Schloss wurde 1770 und 1771 für August Heinrich Graf von Pückler errichtet. Der Park wurde ab 1846 unter Hermann von Pückler-Muskau angelegt.
mini|Raumflugplanetarium „Juri Gagarin“ Die in den 1950er Jahren errichteten Gebäude der Großwohnsiedlung Sandow stehen heute unter Denkmalschutz. Am 26. April 1974 wurde am Lindenplatz das Raumflugplanetarium „Juri Gagarin“ eröffnet. Ein weiteres Baudenkmal ist das Kleine Spreewehr im Norden von Sandow, wo die Spree die Grenze zum Stadtteil Saspow bildet.
Der Spreeauenpark südlich des Stadtrings wurde anlässlich der Bundesgartenschau 1995 angelegt. Südlich der Parkanlage liegt der Tierpark Cottbus. Der südliche Teil Sandows zwischen dem Sandower Dreieck und dem Branitzer Park wird von der Cottbuser Parkeisenbahn erschlossen.
Persönlichkeiten Elisabeth Wolf (1873–1964), Malerin, in Sandow geboren und wohnhaft Hermann Garbe (1874–20. Jahrhundert), Politiker Albert Förster (1888–1958), Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus Willi Budich (1890–1938), Politiker (KPD), in Sandow geboren
Die Rockband Sandow wurde 1982 im Stadtteil gegründet und hat sich nach diesem benannt.
Literatur Rudolf Lehmann (Hrsg.): Historisches Ortslexikon für die Niederlausitz. Band 2: Die Kreise Cottbus, Guben, Spremberg und Sorau. Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-90-7, S. 95f.
Weblinks
Sandow: Von der Platte ins Weltall. DER TAG in Berlin und Brandenburg, Rundfunk Berlin-Brandenburg, 13. März 2025, abgerufen am 10. Juli 2026.
Anmerkungen
Kategorie:Ort in der Niederlausitz Kategorie:Ort in der kreisfreien Stadt Cottbus Kategorie:Ort an der Spree Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Cottbus) Kategorie:Ersterwähnung 1451 Kategorie:Gemeindeauflösung 1904