Eine Demografiestrategie ist der politische Versuch der Steuerung der demografischen Bevölkerungsentwicklung aufgrund eines wahrgenommenen Problems. Die Strategie kann zahlreiche Faktoren umfassen, wie etwa die medizinische Versorgung, Bildungs- und Betreuungseinrichtungen sowie monetäre Anreize.

Wirkungsebenen Demografiestrategie der EU Im Jahr 2006 wurden von der Europäischen Kommission fünf strategische Maßnahmen zur „Bewältigung der Herausforderungen des demografischen Wandels“ vorgeschlagen:

Unterstützung der demografischen Erneuerung durch bessere Bedingungen für Familien und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie Förderung der Beschäftigung – mehr Arbeitsplätze und ein längeres Erwerbsleben mit hoher Lebensqualität Steigerung der Produktivität und Wirtschaftsleistung durch Investitionen in Bildung und Forschung Aufnahme und Integration von Migranten in Europa Gewährleistung nachhaltiger öffentlicher Finanzen für angemessene Renten, medizinische Versorgung und Langzeitpflege

Aussagen u. a. von ‚Ökonomen aus Brüssel‘ für die EU (2008) Wegen fallender Geburten- und steigender Todesraten quer durch Europa fordern Ökonomen aus Brüssel, dass die EU-Staaten bis 2050 ganze 56 Millionen Einwanderer benötigen (Jahr 2008).Secret plot to let 50million African workers into EU; express.co.uk; 11. Oktober 2008; abgerufen am 2. Dezember 2020. U.a. wird darauf hingewiesen, dass eine ausreichende Zahl Menschen im Arbeitsalter benötigt wird, um die Wirtschaft und die Steuereinnahmen aufrechtzuerhalten: „Having sufficient people of working age is vital for the economy and for tax revenue.“. Zudem wird die EU aufgerufen, Afrikanische Regierungen bei der Arbeitsmigration in die EU zu unterstützen. Erst kürzlich (2008) wurde ein Jobcenter in Bamako (Mali) eröffnet: „job centre opened in Bamako“. Des Weiteren sagte die franz. Politikerin Françoise Castex u. a.: „... have a calm approach to immigration. To say 'yes'... we need immigration ... we must accept this.“ (Satz 9 im referenzierten Artikel).

Deutschland, Demografiestrategie (2015/2016) Die Demografiestrategie der deutschen Bundesregierung vom September 2015bmfsfj.de, 20. Juni 2016: (Weiterentwickelte) Demografiestrategie der (dt.) Bundesregierung vom 2. September 2015, BMFSFJ.de, html, abgerufen am 29. Januar 2017.demografie-portal.de: , abgerufen am 3. März 2019. nennt vier Ansatzpunkte von zentraler Bedeutung:

Wirtschaftliches Wachstum und Wohlstand langfristig zu sichern, damit auch künftige Generationen am Wohlstand teilhaben können. Den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern, denn belastbare soziale Beziehungen – in der Familie, der Nachbarschaft bis hin zu Gesellschaft und Arbeitswelt – sind unverzichtbar. Gleichwertige Lebensverhältnisse und Arbeitsbedingungen in allen Regionen zu unterstützen und eine hohe Lebensqualität in Stadt und Land zu sichern. Die Handlungsfähigkeit des Staates zu erhalten, verlässliche soziale Sicherungssysteme zu gewährleisten und den öffentlichen Dienst attraktiv zu halten.

In ihrer „weiterentwickelten Demografiestrategie“ von 2015 nennt die Bundesregierung Partner, mit denen sie vertieft in zehn Arbeitsgruppen zusammenarbeiten möchte.bundesregierung.de: Die weiterentwickelte Demografiestrategie (der dt. Bundesregierung, 2015), eine Zusammenfassung.

„Gute Partnerschaften für starke Familien“bmfsfj.de: Demografiestrategie der dt. Bundesregierung (2015), Arbeitsgruppe: „Gute Partnerschaften für starke Familien“, abgerufen am 3. März 2019. (18 Mitgliederarchive.org: Demografiestrategie der dt. Bundesregierung (2015), Mitgliederliste: „Gute Partnerschaften für starke Familien“, abgerufen am 3. März 2019.), „Jugend gestaltet Zukunft“bmfsfj.de: Demografiestrategie der dt. Bundesregierung (2015), Arbeitsgruppe: „Jugend gestaltet Zukunft“, abgerufen am 3. März 2019. (20 Mitgliederarchive.org: Demografiestrategie der dt. Bundesregierung (2015), Mitgliederliste: „Jugend gestaltet Zukunft“, abgerufen am 3. März 2019.), „Motiviert, qualifiziert und gesund arbeiten“ (20 Mitglieder), „Selbstbestimmtes Leben im Alter“Demografiestrategie der dt. Bundesregierung (2015), Arbeitsgruppe: „Selbstbestimmtes Leben im Alter“ (27 MitgliederDemografiestrategie der dt. Bundesregierung (2015), Mitgliederliste: „Selbstbestimmtes Leben im Alter“), „Allianz für Menschen mit Demenz“Demografiestrategie der dt. Bundesregierung (2015), Arbeitsgruppe: „Allianz für Menschen mit Demenz“ (23 Mitglieder,Demografiestrategie der dt. Bundesregierung (2015), Mitgliederliste: „Allianz für Menschen mit Demenz“ z. B. Bundesärztekammer), „Regionen im demografischen Wandel stärken – Lebensqualität in Stadt und Land fördern“ (11 Mitglieder), „Mobilisierung aller Potenziale zur Sicherung der Fachkräftebasis“ (11 Mitglieder), „Ausländisches Arbeitskräftepotenzial erschließen und Willkommenskultur schaffen“ (14 Mitglieder, z. B. Bundesagentur für Arbeit), „Bildungsbiografien fördern“ (11 Mitglieder, z. B. Hochschulrektorenkonferenz) und „Der öffentliche Dienst als attraktiver und moderner Arbeitgeber“ (3 Mitglieder).

Kritik: starker Fokus auf wirtschaftliches Wachstum In der Demografiestrategie der deutschen Bundesregierung von 2015 wird stark der Fokus auf wirtschaftliches Wachstum einschließlich intensiver Empfehlung zu Karriere gelegt, ohne Familie oder Kinder im jeweils unmittelbar benachbarten Text zu erwähnen.

Aussagen der Deutschen Wirtschaft Der Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB) hat mehrere DokumenteBundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands VÖB, 1. März 2006: (pdf; 731 kB; 20 Seiten), abgerufen am 9. Mai 2016.Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands, 1. August 2006: Demografieatlas Deutschland – Auswirkungen des demografischen Wandels auf Wirtschaft, Finanzen und Immobilienmarkt Zusammenfassung (html) VÖB: Demografieatlas Deutschland (pdf; 6,8 MB; 36 Seiten), archive.org, abgerufen am 3. März 2019.Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands, September 2006: , (pdf; 1,6 MB; 112 Seiten), abgerufen am 19. November 2020.Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands, März 2007: (pdf; 2,7 MB; 128 Seiten), abgerufen am 19. November 2020.Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands, 24. Juni 2009: , (pdf; 182 kB; 28 Seiten, davon 16 mit Inhalt), abgerufen am 12. Juli 2016. zur Analyse der demografischen Entwicklung in Deutschland in Form von z. B. sogenannten Positionspapieren oder bzgl. Immobilien-Analysen erstellt. Diese Dokumente enthalten für Deutschland statistische Zahlen und Grafiken unter anderem zur regionalen Verteilung ausgewählter demografischer und wirtschaftlicher Daten.

Im März 2006 wird die demographische Situation Deutschlands folgendermaßen beschrieben: „anhaltend niedrige Geburtenrate und nicht ausreichende ‚ökonomische‘ Zuwanderungsgewinne, prägen das Bild“ „Bereits heute sehen sich einige Regionen mit entsprechenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Problemen konfrontiert.“ „Kinder stehen für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft.“ „Anerkennung für die Erziehung von Kindern eine unabdingbare Voraussetzung“. Außerdem wird betont, dass die 16 Förderbanken auf Landesebene „ordnungspolitische Ergänzungsfunktionen in Bereichen, die der Markt nicht ausreichend abdeckt“, übernehmen.

Im Dokument VÖB-Positionen zu 10 Kernthemen zur Bundestagswahl 2009 wird prognostiziert: „Bevölkerungsrückgang und Alterung werden … zu sehr ungleichen Entwicklungen in den Regionen führen. Da der demografische Wandel bereits unumkehrbar ist, wird eine langfristige und effektive Förderstrategie benötigt, die die demographisch bedingten Entwicklungen abfedern, ausgleichen und steuern kann.“ Eine weitere Analyse des Zusammenhanges zwischen Wirtschaft und Demografie wurde von ‚Deutsche Bank Research‘ 2013 in Form der Ausarbeitung „Mittelstand und Demografie“Deutsche Bank Research, 25. März 2013: (Archiv) Mittelstand und Demografie – Der Handlungsdruck steigt (pdf; 481 kB; 24 Seiten), abgerufen am 17. Juni 2016. erstellt. Hier wird das Risiko des Nachwuchsmangels genannt: „Krise im Eurogebiet und Demografie trüben Perspektiven auf europäischen Absatzmärkten“ (Seite 8). Als mögliches Lösungsszenario wird dort der Zuzug von Fachkräften nach Deutschland vorgeschlagen: Beispielsweise „… bietet sich Talentsuche im Ausland an. So suchen derzeit viele junge Menschen aus den südeuropäischen Ländern eine Beschäftigung in Deutschland. Das hat zu verstärkter Zuwanderung aus diesen Ländern geführt.“

Im Dezember 2015 gab der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, David Folkerts-Landau, die demografische Prognose im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise ab,Eine Million Flüchtlinge in Deutschland ist das Beste, was 2015 passiert ist, focus.de, 14. Dezember 2016, abgerufen am 13. Juli 2016. dass er „ohne Zuwanderung ‚keine Lösung‘ für die Überalterung der deutschen Gesellschaft sehe.“.Flüchtlinge sind gut für Deutschland. auf: focus.de, 9. Dezember 2016, abgerufen am 13. Juli 2016.

Regional Südtirol (2017), Italien Die Autonome Provinz Bozen – Südtirol trägt den Namen „Culla d'Italia“, die Wiege Italiens, laut QuelleMarc Zollinger: Im Norden wissen sie, wie das Kindermachen geht. In: Neue Zürcher Zeitung. 25. August 2017, S. 52. ein Lebenszeichen in Zeiten des Niedergangs. Ein Bündel von familienpolitischen Maßnahmen sind im ‚Modell Bozen‘ vereint. Für familienpolitische Maßnahmen in Betrieben wurde ein Bonussystem für Firmen eingeführt, z. B. für ‚eine freiwillige Erhöhung des staatlich vorgeschriebenen Mutterschaftsbeitrages‘, oder bzgl. Anwendung von Teilzeitarbeit. Des Weiteren wählt der besonders aktive ‚Verein für Kinderspielplätze und Erholung (VKE)‘ die kinderfreundlichste Gemeinde in der Region Südtirol. U.a. wurden für die Stadt Bozen mit rund 100000 Einwohnern Flächen in der Größe von 60 Fußballfeldern als Kinderspielplätze zur Verfügung gestellt. Die Südtiroler Familienministerin Waltraud Deeg fasst dies so zusammen: „Alles beginnt von unten“, „Erst so kann die Politik ihren Teil beitragen.“

Sachsen (2018), Deutschland Wegen der ‚stark gesunkenen Geburtenrate‘ wünscht sich Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer ‚eine stärkere Zuwanderung von Osteuropäern in sein Bundesland‘. Der Freistaat Sachsen benötige „sehr dringend“ mehr Einwanderer.Sachsens Ministerpräsident will mehr Zuwanderer aus Osteuropa., welt.de, 2. Juni 2018, abgerufen am 3. Juni 2018. Weiterhin führt er aus: ‚Ohne Zuwanderung können wir den wirtschaftlichen Boom kaum aufrechterhalten.‘Claus Christian Malzahn, Thomas Vitzthum: Einwanderung: Kretschmer will Polen anwerben. In: Welt am Sonntag. Nr. 22, 3. Juni 2018. Kurzzusammenfassung auf Titelseite links unten, sowie ganzseitiger Artikel auf S. 4, u. a. bzgl. Zuwanderung, S. 4 rechts unten.

Lokal Kommunale Demografiestrategie Bielefelds