Die Lokomotiven der Gattung T 3 der Preußischen Staatseisenbahnen waren laufachslose, dreifach gekuppelte Tenderlokomotiven. Es waren zusammen mit den zweiachsigen T 2 die ersten Dampflokomotiven, die nach den Normalien gebaut wurden. Die ersten Exemplare lieferte Henschel im Jahr 1882, die Preußische Staatsbahn beschaffte die Baureihe bis 1910. Für andere Interessenten wurden aber weiter derartige Dampfloks gebaut, die letzte wurde 1924 ausgeliefert. Insgesamt wurden von der T 3 und baugleichen Fahrzeugen über 1500 Stück gebaut. Hauptabnehmer waren neben der Preußischen Staatsbahn vor allem Klein- und Werkbahnen. In den 1920er Jahren wurde ein Großteil der Fahrzeuge durch die neugegründetete Deutsche Reichsbahn ausgemustert, dennoch waren zahlreiche Lokomotiven bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg im Einsatz. Die letzte Lok – eine Werklok in Polen – wurde 1988 abgestellt. Mindestens 29 Fahrzeuge sind erhalten geblieben.

Geschichte Beschaffung in Preußen Ursprünglich wurden für Rangierarbeiten alte, für den Streckendienst zu schwache Lokomotiven verwendet, diese waren aber für die Aufgaben oftmals ungeeignet. Zudem wuchs das Streckennetz ab den 1870er Jahren deutlich stärker als vorher und ab 1878 wurden auch Nebenbahnen gebaut. Ab 1880 verstaatliche Preußen eine vielzahl ehemals privater Bahngesellschaften, sodass es Bedarf an einer leistungsfähigen Baureihe für gemischte Züge auf Nebenbahnen sowie Rangierarbeiten fehlte. Henschel lieferte 1881/82 fünf Lokomotiven an die Bergisch-Märkische Eisenbahn-Gesellschaft, die im Wesentlichen der späteren T 3 entsprachen. Allerdings wurden zuvor auch schon ähnliche Fahrzeuge ausgeliefert.

Vermutlich entstand die Konstruktion der T 3 ohne Zutun der Staatsbahn auf bereits bewährten Konstruktionen. Die erste Maschine wurde im September 1882 geliefert, insgesamt entstanden bis 1910 alleine für die preußische Staatsbahn in verschiedenen Lieferserien 1315 Maschinen. Am Bau waren fast alle namhaften deutschen Lokomotivfabriken beteiligt:KDs Eisenbahnseiten: Wer baute die preußische T3?, abgerufen am 17. Februar 2022

Borsig Esslingen Freudenstein Grafenstaden Güstrow Hagans Hanomag Hartmann Henschel Hohenzollern Humboldt Jung Maschinenbau-Gesellschaft Karlsruhe Linke-Hofmann Orenstein & Koppel Schichau Schwartzkopff (später BMAG) Union Gießerei Königsberg Vulcan

mini|links|Eine T 3 überquert den Landwehrkanal in Berlin mit einem Personenzug (ca. 1900)

Darüber hinaus kamen auch weitere 57 Maschinen mit der Verstaatlichung von verschiedenen Bahngesellschaften zur Preußischen Staatsbahn. Da ab 1904 die maximal zulässige Geschwindigkeit auf Nebenbahnen aber auf 50 km/h erhöht wurde, wurden die Loks teilweise durch schnelle Baureihen wie die T 9.2 und T 9.3 ersetzt und von nun an vermehrt für Rangierarbeiten eingesetzt. Ebenso wurden nun die ersten Fahrzeuge als Werkloks oder andere Bahnen verkauft. Ein versuchsweiser Umbau in eine Doppellokomotive in den 1910er Jahren scheiterte, die Loks wurden 1917 wieder getrennt.

Beschaffung bei anderen Bahnen

mini|Werklok in der DDR (1952)

Auch zahlreiche andere Bahnen im In- und Ausland, von Werksbahnen bis zu Staatsbahnen, beschafften ebenfalls Lokomotiven nach dem Muster der T 3. Hier waren weitere Firmen am Bau beteiligt:

Smoschewer Wolf

Es wurden Loks unter anderem geliefert an:

Großherzoglich Mecklenburgische Friedrich-Franz-Eisenbahn (siehe Mecklenburgische T 3) Großherzoglich Oldenburgischen Staatseisenbahnen (siehe Oldenburgische T 3) Braunschweigische Landeseisenbahn (siehe BLE 17–28) Kreis Oldenburger Eisenbahn Zschipkau-Finsterwalder Eisenbahn Niederlausitzer Eisenbahn, fünf Nachbauten, Hersteller Hanomag Deutsche Eisenbahn-Betriebsgesellschaft (DEBG), ca. 20 Lokomotiven, unter anderem eine mit Überhitzer ausgerüstete Lokomotive DEBG 41. Schantung-Eisenbahn-Gesellschaft (China), vier Lokomotiven, Hersteller Humboldt Chemins de fer Prince Henri (Luxemburg), zwei Lokomotiven Società Veneta (Italien), sechs Lokomotiven, Hersteller Henschel und O & K

Die letzte Lok wurde – vermutlich aus noch vorrätigen Ersatzteilen – 1924 von Henschel gebaut.

Einsatz nach 1918 bei der DR

Nach dem Ersten Weltkrieg verblieben vier Maschinen bei den Saareisenbahnen, mindestens 26 Maschinen in Polen und zwei Exemplare in der Freien Stadt Danzig. Die PKP führten die T 3 unter der Baureihenbezeichnung TKh1. Im Gegensatz zu den meisten Lokomotivübergaben des Deutschen Reichs an die Sieger des Krieges handelte es sich bei den T 3 um Maschinen, die sich in den an abgegebenen Gebieten befanden, denn die Entente hatte wenig Interesse an der relativ alten Konstruktion.

Die Deutsche Reichsbahn übernahm 1925 als Baureihe 89.70–75 noch 511 preußische T 3. Die 473 Lokomotiven der älteren Bauarten erhielten die Nummern 89 7001–7456, 7473–7476 und 7499–7511. Die 38 Lokomotiven der verstärkten Bauart erhielten die Nummern 89 7457–7472 und 89 7477–7498.

Bei der Eingliederung der Lokomotiven von bis 1945 übernommenen Privatbahnen war die DR nicht sehr konsequent. So kam es, dass in der direkt im Anschluss an die preußischen T 3 eingenummerten Lokomotiven der Baureihe 89.75 verschiedene Baureihen wie die Typen „Pudel“ und „Bismarck“ gemischt wurden, zum Teil mit direkt aufeinanderfolgenden Nummern.

Obwohl die Baureihe für eine zeitnahe Ausmusterung vorgesehen war und die neuen Loknummern zunächst nur mit Ölfarbe angemalt wurden, waren von den 509 Loks im Jahr 1926 fünf Jahre später immer noch 243 Lokomotiven im Bestand. Teilweise wurden die Maschinen auch vermietet oder nach Ausmusterung weiterverkauft. Im Jahr 1936 waren noch 138 Loks eingereiht. Durch Verstaatlichung weiterer Bahnen und Angliederungen ehemalig polnischer Loks im Zweiten Weltkrieg stieg die Anzahl trotz weiterer Ausmusterungen bis 1943 wieder auf 156 Stück.

89 7250 wurde 1940/41 zur Wiederaufnahme des Erzabbaues in Narvik eingesetzt. 1943 folgte 89 7533 zum Einsatz in Kirkenes, der bis 1952 dauerte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg Deutsche Reichsbahn Nach dem Zweiten Weltkrieg waren circa 40 Lokomotiven der Baureihe 89.70 auf dem Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone verblieben, darunter auch zahlreiche defacto schrottreife Schadloks. Am 1. April 1949 übernahm die Deutsche Reichsbahn circa 105 weitere T 3 von Werk- und Privatbahnen als 89 953, 5901–5903, 6001–6016, 6018, 6101–6132, 6134–6159, 6161, 6163, 6164, 6204–6211, 6215, 6216, 6218, 6220, 6221, 6228–6232, 6235, 6306, 7566–7568, 7571–7573 und 7578. Darunter waren auch mehrere „echte“ preußische T 3. Die Nummerierung richtete sich nach der Achsfahrmasse, die ersten beiden Ziffern gaben diese an: 59xx bedeutete 9 t Achsfahrmasse, 60xx 10 t, 63xx dann 13 t. Insbesondere auf den ehemalig nicht staatlichen Bahnstrecken kam die Baureihe weiterhin im Streckendienst zum Einsatz.

Bis Anfang der 1960er Jahre standen so zahlreiche Loks im Planeinsatz, als dann mit der Baureihe V 15 ein geeigneter Ersatz vorhanden war sowie die unrentabelsten Bahnstrecken stillgelegt wurden, wurden zahlreiche Loks ausgemustert. Bereits vorher wurden wiederum Loks an die Industrie vermietet und auch verkauft. Als letzte Lok wurde die 89 6122 im Februar 1969 aus dem Bestand gestrichen.

mini|89 6009 als Museumslok 1987

Fünf Exemplare, die von der Oderbruchbahn stammten, wurden von der DR Ende in den 1950er Jahren umgebaut und mit Schlepptendern ausgestattet. Diese Loks erhielten die Nummern 89 6009 sowie 6222–6225. Ein Exemplar erhielt zunächst einen zweiachsigen Tender, die drei anderen einen der Bauart 3 T 12. Dieser ersetzte später auch den zweiachsigen bei der Betriebsnummer 89 6222. Die Loks kamen zuletzt von 1950 an auf der Bahnstrecke Fürstenwalde–Beeskow zum Einsatz. Sie wurden 1969 ausgemustert.

Deutsche Bundesbahn Bei der späteren Deutschen Bundesbahn verblieben etwa 60 Loks der Baureihe 89.70. Am 1. Juli 1950 gehörten noch 48 Lokomotiven zum Erhaltungsbestand. Die Anzahl reduzierte sich aber sehr schnell, so waren 1954 nur noch 15 Fahrzeuge vorhanden. Die letzte Lok wurde 1964 ausgemustet. Allerdings kam die T 3 später nochmals kurzzeitig in den Bestand der DB. Es handelte sich hierbei um die Werklokomotiven 2 und 3 des Ausbesserungswerkes Schwerte, die 1968 als 089 002 und 089 003 in den offiziellen Fahrzeugbestand der DB eingereiht wurden. Letztere wurde am 21. Juni 1968 als endgültig letzte T 3 der DB ausgemustert.

Polen mini|Tkh1 19 als Denkmallok in Toruń Auch in Polen befand sich die Baureihe immer noch im Dienst. Die wieder unter der Baureihenbezeichnung TKh1 zusammengefassten Maschinen wurden ohne Rücksicht auf Vorkriegsnummern von TKh1-1 bis TKh1-23 neu durchnummeriert. Wenige Exemplare fanden sich auch in der Baureihe TKh-100 wieder, in der 65 Dreikuppler der unterschiedlichsten Bauarten zusammengefasst waren. Bei den PKP schied die letzte T3 im Jahre 1967 aus. In Industriebetrieben war die Lokomotivtype aber noch längere Zeit unentbehrlich. Als letztes Fahrzeug wurde die Werklok einer Zuckerfabrik 1988 abgestellt. In Polen sind drei Maschinen erhalten, von denen allerdings nur eine Staatsbahnvergangenheit hat.

Einsatz bei Werk-, Privat- und Kleinbahnen mini|Werklok der Zuckerfabrik Warburg (1975)

Neben den fabrikneuen Maschinen erwarben viele Bahnen außerdem noch günstig gebrauchte Lokomotiven von der Preußischen Staatsbahn bzw. der DRG. Neben Deutschland kamen die Loks auch in Bulgarien, China, Dänemark, Frankreich, Finnland, Griechenland, Italien, Jugoslawien, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Polen, Rumänien, Schweden, der Sowjetunion, der Tschechoslowakei und Ungarn zum Einsatz. Bis auf den längerfristigen Einsatz zahlreicher Fahrzeuge in Polen und Italien blieb es aber überwiegend bei Kurzeinsätzen – oftmals während der beiden Weltkriege – oder bei einzelnen Exemplaren. Während der Betriebszeit wurden zahlreiche Lokomotiven teilweise stark umgebaut, so wurden geräumigere Führerhauser, seitliche Wasserkästen oder Rahmenverlängerungen für zusätzliche Kohleverräte durchgeführt. Auch die Kessellage wurde vereinzelt angepasst.

In der BRD wurden die meisten Loks bereits in den 1950er Jahren abgestellt, in der DDR dann in den 1960er Jahren. Eine der letzten in aktivem Dienst stehende T 3 war bis 1979 die Werklok der Zuckerfabrik Warburg, die Loks des Hafen Savona waren noch bis 1980 vorhanden.

Technik mini|T 3 in der ersten Bausausführung mini|Führerstand der T 3 im DB-Museum Koblenz. Die Bezeichnung T 3 wurde 1906 für laufachslose dreifach gekuppelte Tenderlokomotiven eingeführt. So gab es bauartbedingte Unterschiede. Gemeinsam war, dass die T 3 ein Nassdampf-Triebwerk mit zwei Zylindern hatten, die auf die mittlere Kuppelachse wirkten. Die Flachschieber wurden von einer außenliegenden Allan-Steuerung bewegt. Der Wasservorrat war in einem Rahmenwasserkasten unter dem Kessel untergebracht; die Kohlenkästen befanden sich links und rechts der Feuerbüchse vor dem Führerhaus. Davor befand sich jeweils ein Einfüllstutzen für den Wassertank.

Die Federn der beiden vorderen Radsätze waren mit Ausgleichshebeln oberhalb des Umlaufs verbunden.

Die frühen T 3 hatten noch keinen Dampfdom, sondern nur einen Regleraufsatz, von dem aus die Einströmrohre außerhalb des Kessels direkt zu den Zylindern führten. Die Achslast dieser Lokomotiven lag bei etwa 10 t. Spätere Lieferungen (ab 1887) hatten einen Dampfdom, und die Einströmrohre wurden durch die Rauchkammer verlegt. Bedingt durch den Dampfdom wurde auch die Anordnung des Sandkastens und der Sandstreuer geändert. Außerdem wurde die Menge der mitgeführten Wasser- und Kohlenvorräte erhöht. Die Rückwand des Führerhauses war jetzt eben und nicht mehr im unteren Teil abgeschrägt. Die Länge über Puffer vergrößerte sich von 8300 auf 8591 mm, die Achslast stieg auf 11 t.

Ab 1903 wurden die Vorräte noch einmal vergrößert, und die T 3 konnten jetzt 5 m³ Wasser und 1,9 t Kohle mitführen. Die Achslast dieser „verstärkten Normalbauart“ oder „Normalbauart (6 t)“ genannten Ausführung lag bei 12 t.