Das Sommerloch ist eine Bezeichnung in Bezug auf die Massenmedien, besonders der Tagespresse und der Nachrichtenagenturen, für eine nachrichtenarme Zeit, die vor allem durch die Sommerpause der politischen Institutionen und Sport-Ligen, ferner auch der kulturellen Einrichtungen bedingt ist.

Viele Politiker befinden sich im Sommerurlaub; es finden weniger politisch relevante Ereignisse und Termine statt. Sportvereine haben in dieser Zeit keine bedeutsamen Spiele oder Wettkämpfe. Der Nachrichtenumsatz der Presseagenturen geht daher spürbar zurück. In dieser in der Regel nachrichtenarmen Zeit berichten die Medien dann auch über Ereignisse und Personen, für die sonst keine Sendezeit und kein Platz in den Zeitungen wäre, oder vermelden häufiger vermeintliche Sensationsmeldungen ohne Nachrichtenwert – wie beispielsweise 2010 die über Twitter gepushte lokale Berichterstattung über einen vandalierten BlumenkübelNach Lokal-Meldung aus Münster: Blumenkübel wird Twitter-Star. In: taz, 5. August 2010: „Das Sommerloch scheint auch Twitter erreicht zu haben.“Lena Jakat: Der Blumenkübel aus Neuenkirchen: Scherben bringen Klicks. Süddeutsche Zeitung, 7. August 2010: „Das Sommerloch ist verschwunden – der Redakteur einer Münsteraner Lokalzeitung hat es mit einem zerbrochenen Blumenkübel gestopft.“ In: Netzwelt, 6. August 2010: „Der Höhepunkt des Sommerlochs ist erreicht: Ein Blumenkübel aus dem Münsterland bringt es zum Internet-Star.“ –, die sich eventuell als Zeitungsenten entpuppen. Ebenso nutzen Lobbyisten und sogenannte Hinterbänkler das Sommerloch teilweise, um sich mit eigenen Themen ins Gespräch zu bringen. In: Spiegel Online, 31. Juli 2008.

In ähnlicher Bedeutung wird der früher entstandene Ausdruck Sauregurkenzeit gebraucht.

Sommerlochtiere Sommerlochtiere ist eine humoristische Bezeichnung für Tiere, die während des nachrichtenarmen Sommerlochs zum Gegenstand der Berichterstattung in Nachrichtenmedien werden. Das langlebigste und weltweit bekannteste Sommerlochtier ist das Ungeheuer von Loch Ness. Typische Beispiele sind entlaufene oder ausgesetzte nichteinheimische Wildtiere, von denen eine potentielle Gefahr für Menschen ausgeht,Frank Patalong: Godzilla, der Sommerlochkaimankrötenbär. In: Spiegel Panorama, 11. August 2013. bisweilen auch Haustiere, die sich durch Flucht ihren Besitzern entziehen,Yvonne: Erst Kuh, dann Reh, dann Torro und zuletzt k.o. In: Augsburger Allgemeine, 2. September 2011. oder gestorbene alte Zootiere. In manchen Jahren finden diese kuriosen Geschichten über etliche Tage, mitunter auch Wochen hinweg höchste Aufmerksamkeit.

Im Sommer 1982 trieb sich beispielsweise über mehrere Wochen im Süden Dänemarks angeblich ein Puma herum. Die dänische Polizei begab sich erfolglos auf die Jagd nach dem Tier. 33 Jahre später wurde noch einmal ein vermeintlicher Puma gesichtet, den diesmal die deutsche Polizei in der Grenzstadt Flensburg beim Stadtbezirk Friedenshügel vergeblich suchte. Weitere Beispiele solcher Sommerlochtiere sind der Brillenkaiman Sammy (1994), „Killerwels“ Kuno (2001),„Problembär“ Bruno (2006), der Schwan Petra (2006 bis 2008), die Kuh Yvonne (2011), das Leistenkrokodil Max (2015), „Problemstorch“ Ronny (2016), eine Gelbe Anakonda im Latumer See (2018), die angebliche, später auf ein Wildschwein zurückgeführte Löwinnensichtung in der Gemeinde Kleinmachnow bei Berlin (2023),Polizei warnt Bürger – Löwin gesichtet. In: Focus Online, 21. Juli 2023.Germany warns of suspected lioness on the loose in Berlin. In: CNN World, 21. Juli 2023 (englisch). eine später auf eine Hauskatze zurückgeführte Pumasichtung in Braunsbedra am Geiseltalsee (2025), die Wanderung von Elch Emil (2025) sowie die Welsangriffe im Brombachsee 2025.

Siehe auch Nachrichtenforschung Medienhype

Weblinks

Was ist schon wichtig? In: Spiegel Online, 29. Juli 2005.

Rudi Carrell Sauregurkenzeit Songtext. Michael F. Feldkamp: Was ist das "politische Sommerloch"? In: LinkedIn, 5. Juli 2017.

Einzelnachweise

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