mini|hochkant=1.3|Philipp I. von Tarent

Philipp I. von Tarent (; * 10. November 1278; † 24. Dezember 1331 in Neapel) aus dem älteren Haus Anjou war Fürst von Tarent, Albanien, Achaia, Despot von Romania, ab 1313 lateinischer Titularkaiser von Konstantinopel und Gründer der Dynastie Anjou-Tarent.

Leben Herkunft und Jugend hochkant|mini|Wappen Philipps I. von Tarent Philipp gehörte zum Haus Anjou und war der viertälteste Sohn König Karls II. von Anjou und Maria von Ungarn, einer Tochter des Königs Stephan V. von Ungarn. Seine Kindheit verbrachte er im Festlandkönigreich Sizilien, wo er von Etienne de La Forêt erzogen wurde. Am 3. November 1289 ließ Karl II. ihn in die Provence kommen, wo der König im Juni 1291 dem Fürsten von Achaia, Florenz von Hennegau und Pierre de l’Isle beauftragte die Ehe zwischen Philipp und Thamar Angelina Komnene, die Tochter von Nikephoros I. Komnenos Dukas, dem Despoten von Epirus, und seiner zweiten Ehefrau Anna Palaiologina Kantakouzini, einer Nichte des byzantinischen Kaisers Michael VIII. Palaiologos, auszuhandeln. Um die Hochzeit attraktiver zu machen, schlug Karl II. die Möglichkeit vor, dem Sohn das Fürstentum Tarent zu übertragen; Thamar dagegen hätte als Mitgift ein Drittel des Despotats Epirus erhalten.Filippo I d’Angiò, imperatore nominale di Costantinopoli

Philipps erste Ehe Nach langen und komplizierten Verhandlungen kam es Ende des Jahres 1293 zu einer Einigung. Am 16. Dezember 1293 erhielt Philipp von seinem Vater das auf seine Nachkommen übertragbare Fürstentum Tarent mit Zentrum Tarent als Lehen sowie weitere Orte, wie Matera, Laterza, Ostuni, Oria, Nardò, Torre di Mare, Ugento, Rufiano, Oratino, Motonato, Allano, Gallano, San Benedetto, Marigliano und weite Teile der Grafschaft Acerra. Am 4. Februar 1294 wurde Philipp zum Ritter geschlagenAllgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste, S. 336 und im Juli des Jahres der endgültige Ehevertrag unterzeichnet. Thamars Mitgift umfasste die Burgen von Nafpaktos, Vonitsa, Euloco, Angelocastro und Ioannina. Die eine Hälfte von Epirus sollte, falls Despot Nikephoros vor seiner Frau sterben würde, gleich an Philipp fallen, die andere Hälfte erst nach dem Tod der Despina Anna, der Mutter der Braut. Somit wurde deren Sohn Thomas aus der Erbfolge ausgeschlossen.

mini|hochkant=1.6|Das Fürstentum Achaia auf Morea und das Herzogtum Athen im Lateinischen Kaiserreich nach dem 4. Kreuzzug 1204 Als Karl II. sich mit seinem ältesten Sohn Karl Martell in die Abruzzen begeben musste, um den neuen Pontifex Coelestin V. zu treffen, wurde Philipp am 12. Juli 1294 zum Generalvikar des Königreiches ernannt. Am 13. August 1294 übertrug ihm sein Vater die Suzeränität über Achaia, Athen und Albanien, die angevinischen Rechte und Ansprüche auf ThessalienPeter Topping, S. 106 und Romania, sowie die angiovinischen Besitzungen Korfu und Buthroton gegen einen Jahreszins von ;Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste, S. 337 Karl behielt jedoch für sich selbst die oberste Herrschaftsgewalt. Damit war Philipp Lehnsherr über alle fränkischen Herrschaften in Romania und einer der mächtigsten Feudalherren des Reiches mit einer jährlichen Einnahmen von 2000 Unzen Gold. Den Titel eines Königs von Albanien nahm er hingegen nicht an, er nannte sich lediglich „Despot von Romania und Herr des Königreichs Albanien“.Peter Topping, S. 107 Die Hochzeit von Philipp und Thamar Anfang September 1294 in Neapel beendete die erste Phase des Projekts der Gründung einer vom Königreich Sizilien abhängigen Feudaldomäne auf beiden Seiten des Ionischen Meeres. Am 6. September ernannte Philipp Guido de Charpigny, Baron von Vostitsa, zu seinem Mandatar und Baili, um von der Mitgift Besitz zu ergreifen.

Vesperkriege (1282–1302) mini|hochkant=1.1|Das Königreich Sizilien um 1154 mini|hochkant=1.9|9 – Terra d’Otranto, 8 – Terra di Bari, 7 – Capitanata In den Jahren 1294 und 1295 bekleidete Philipp in Abwesenheit seines Vaters das Amt des Vikars des Königreiches. Erst im Jahr 1299, als die Sizilianischen Vesperkriege ihren Höhepunkt erreicht hatten, erhielt Philipp die Möglichkeit, auf politischer und militärischer Ebene autonom zu handeln. Im Zusammenhang mit dem Streit zwischen den spanischen Aragoniern und den französischen Anjou um den sizilianischen Thron, erhielt Philipp im Juni 1299 den Befehl, sich mit einer Flotte von 40 Galeeren nach Catania zu begeben, das kurz zuvor von vereinten angevinisch-aragonesischen Truppen (Robert von Anjou und Friedrich III. von Aragón gegen dessen Bruder Jakob II.von Aragón) erobert worden war, um dem Anführer der Anjou, seinem älteren Bruder Robert von Anjou, Verstärkung zu bringen. Mit den vereinten Truppen sollten die Brüder gegen den König von Sizilien, Friedrich III., ziehen, der sich mit seiner Armee in der Nähe von Enna befand (Schlacht von Capo d’Orlando vom 4. Juli 1299).

Die Entscheidung Karls II., Philipp nach Sizilien zu schicken, erregte die Proteste von Papst Bonifatius VIII. und der Kardinäle Gerardo di Parma und Matteo Rosso Orsini. Trotz aller Warnungen begab sich Philipp im Herbst 1299 nach Sizilien. Auf hoher See änderte er jedoch die Pläne, indem er beschloss, in Trapani zu landen. Der Fehler, die angevinischen Truppen zu teilen, erlaubte Friedrich III. zum Gegenangriff überzugehen, indem er die beiden Armeen getrennt angriff. Der aragonesische Herrscher führte seine Truppen nach Trapani, wo er mit Philipps Kontingent in der Ebene Falconara (dem heutigen Birgi) zusammenstieß (Schlacht von Falconara). Durch die zahlenmäßige Überlegenheit der Aragonesen und einige taktische Fehler Philipps siegte Friedrich III. am 1. Dezember 1299 über die Anjou-Truppen. Philipp und viele Anjou Würdenträger wurden gefangen genommen und in Cefalù und später in Butera in der Nähe von Casteltermini inhaftiert. Mit dem Friedensvertrag von Caltabellotta vom 31. August 1302 wurde Philipp frei gelassen und kehrte am 16. Oktober nach Neapel zurück.

Unmittelbar nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft erhielt Philipp das Fürstentum Tarent zurück, das Karl II. in der Zwischenzeit von einem Vikar verwalten ließ. Mit der zweiten Investitur von 1304 erhielt Philipp das Fürstentum Tarent erweitert. Zum Fürstentum gehörten Terra d’Otranto, Terra di Bari und Capitanata.Luigi Giuseppe De Simone, S. 10 Außerdem erhielt Philipp die hohe Strafgerichtsbarkeit seines Lehens.

Balkanexpeditionen In den folgenden Jahren ging Philipp wieder offensiv gegen Byzanz vor und eroberte 1304 das 1292L’Albania: notizie geografiche, etnografiche e storiche, S. 119 an die Serben verlorene Durazzo zurück. Auch versuchte er seine Position in Achaia und Epirus zu stärken, wo der Despot Nikephoros I. bereits zwischen 1296 und 1298 verstorben war.

Im April 1304 forderten angevinische Gesandte von der Witwe Nikephoros, Anna Palaiologina Kantakouzini, die Hälfte des Despotates, wie es im Ehevertrag vom Juli 1294 vorgesehen war. Anna akzeptierte diese Forderung allerdings nicht, weil sie ihrem Sohn Thomas die Herrschaft über Epirus zusichern wollte. Darüber hinaus hatte die angiovinische katholische Religionspolitik Unmut unter den Epiroten erregt, denn entgegen den Vereinbarungen, die den Griechen Religionsfreiheit garantierte, tolerierten Philipps Beauftragte in den zum Fürsten gehörenden Gebieten die orthodoxe Religion nicht. Karl II. antwortete mit Krieg.

Im Juni 1304 fiel Philipp von Savoyen, seit 1301 Fürst von Achaia (ital. Acaia), in Epirus ein. Nach einem anfänglichen Erfolg überzeugte ihn Anna Palaiologina Kantakouzini durch Bestechung, sich nach Achaia zurückzuziehen. Als der Verrat Philipps von Savoyen (Mann von Isabelle de Villehardouin, der Tochter von Wilhelm II. von Villehardouin; siehe: Abkommen von Viterbo) in Neapel am 6. Oktober bekannt wurde, gewährte Karl seinem Sohn die direkte Herrschaft über Achaia. 1306 wurden Philipp und Isabelle nach Neapel gerufen, wo Philipp angeklagt wurde, sich nicht ausreichend an dem Feldzug Karls gegen das Despotat Epirus beteiligt zu haben; seiner Frau Isabelle de Villehardouin wiederum wurde vorgeworfen, für ihre dritte Ehe nicht die erforderliche Zustimmung Karls eingeholt zu haben, wie es im Abkommen von Viterbo festgelegt worden war. Am 5. Juni 1306 wurde das Paar, die Fürsten von Achaia, offiziell von Karl II. abgesetzt.

Philipp I. von Tarent hatte zu Beginn der Ereignisse von 1304 nicht persönlich teilgenommen, da er sich in Katalonien befand. Ab dem Herbst 1304 leitete er persönlich die Vorbereitungen für die Epiruskampagne. Sein Vater versprach ihm eine Finanzierung von 6000 Unzen und am 7. Oktober ernannte er ihn zum Kapitän-General der Provinzen Capitanata, Terra di Bari und Terra d’Otranto, damit er über die Ressourcen ganz Apuliens verfügen konnte. Doch die finanziellen Schwierigkeiten erwiesen sich als unüberwindlich, sodass Philipp am 8. Juni 1305 mit den Botschaftern der Despina eine Vereinbarung traf, in der dem Haus Epirus unter anderem die Hälfte des Despotats versprochen wurde, die ursprünglich – nach dem Ehevertrag vom Juli 1294 – an Philipp fallen sollten. Der Vertrag trat nie in Kraft, weil Philipp und Karl II. zur Eroberung von Epirus am 18. Oktober 1305 eine Allianz mit Giovanni II. Orsini, Pfalzgraf von Kefalonia, schlossen.

Zu Beginn des Jahres 1306 wurden zur Finanzierung des Unternehmens Vorbereitungen getroffen. Filippo verpfändete die Jahreseinnahmen von Nafpaktos für 31000 Hyperpyron und verkaufte mit Zustimmung seines Vaters einen Teil seiner Lehen für 16000 Unzen. Anfang Juni 1306 lief Philipp mit einer Flotte von 24 Galeeren, 4000 Rittern und 6000 Infanteristen von Apulien aus. Philipp wollte mit dieser Expedition auf der einen Seite seine Herrschaft über Achaia stärken, auf die Philipp von Savoyen trotz der Absetzung immer noch Anspruch erhob und auf der anderen Seite plante Philipp mit seiner Armee, der Unterstützung des französischen Adels von Morea und den Truppen Giovanni Orsinis, Epirus anzugreifen. In Achaia fand Philipp eine allgemeine Anerkennung. Nach einem kurzen Feldzug in byzantinischem Gebiet mit der Eroberung der Burg von Tripotamo fiel er in Epirus ein. Die Expedition endete jedoch mit einem totalen Misserfolg, da die angevinischen Truppen durch eine Ruhrepidemie dezimiert wurden. Somit war Philipp gezwungen mit der Despina einen Friedensvertrag zu schließen; konnte aber die Burgen von Nafpaktos und Anaktorio und den albanischen Hafen Butrint, der inzwischen von epirotischen Truppen besetzt war, zurückerhalten.

Der Tod Karls II. am 5. Mai 1309 machte den Plan Philipps zunichte, erneut Krieg gegen Epirus zu führen. Als der neue König Robert von Anjou sich in die Kurie von Avignon begeben musste, ernannte dieser seinen Bruder, Philipp I. von Tarent, am 6. Juni 1309 zum Kapitän-General des Königreiches, so dass Philipp gezwungen war, den Feldzug von Romania bis zur Rückkehr des Königs zu verschieben. Ein weiteres Ereignis stieß die Pläne Philipps um. Kurz nach der Rückkehr Roberts ins Königreich wurden die Truppen des Herzogs von Athen, Walter V. von Brienne, in der Schlacht am Kephissos in Boiotien am 15. März 1311 vernichtend von der Katalanischen Kompanie geschlagen. König Robert berücksichtigte die neue Situation und schlug dem aragonesischen König von Sizilien, Friedrich III., vor, ihm die Insel Sizilien als Gegenleistung für die Herrschaft über das Fürstentum Achaia und die Überreste des Königreichs Albanien zu übergeben. Dieser akzeptierte jedoch die Vorschläge Robertos nicht.

Philipps zweite Ehe mini|Porträt von Catherine de Valois-Courtenay; Kapelle der Madonna di Montevergine in Mercogliano