Die Senkaku-Inseln (nach Japan jap. , dt. etwa „Senkaku-Inselgruppe“) oder Diaoyu(tai)-Inseln (nach Volksrepublik China chin. , nach Republik China (Taiwan) ) sind eine unbewohnte Inselgruppe auf dem Festlandsockel im Ostchinesischen Meer. Sie liegen etwa 170 km nordöstlich von Taiwan (bzw. 140 km zum vorgelagerten Eiland Pengjia) und 150 km nördlich der japanischen Yaeyama-Inseln (Ishigaki-jima).

Seit dem 15. Mai 1972 werden sie (wieder) von Japan als Teil der Gemeinde Ishigaki verwaltet. Die Republik China (Taiwan) und die Volksrepublik China beanspruchen unabhängig voneinander seit 1970/71 diese Inseln als Teil der Stadtgemeinde Toucheng im Landkreis Yilan (Taiwan).

Namen und Lage der Einzelinseln mini|ohne|hochkant=1.5|Karte mit den Diaoyu/Senkaku-Inseln, nummeriert

# Luftbild Name Fläche [km²] Koordinaten Anmerkungen Japan Republik China Volksrepublik China JapanRep. Ch. 1 100px|Uotsuri-shima , Uotsuri-shimadt. „Angelinsel“ dt. „Angelinsel“ dt. „Angelinsel“ 3,814,3838 3,5 km Ost-West-Ausdehnung, ca. 2 km Nord-Süd-Ausdehnung,höchste Erhebung: 362 m 2 100px|Taishō-tō , Taishō-tō 0,060,0609 alter japanischer/Ryūkyū-Name: , Sekibisho 3 100px|Kuba-shima , Kuba-shima 0,910,9091 alter japanischer/Ryūkyū-Name: , Kōbisho 4 100px|Kita- und Minami-Kojima , Kita-Kojima„nördliche kleine Insel“ 0,310,3267 5 , Minami-Kojima„südliche kleine Insel“ 0,400,4592 6 100px|Oki-no-Kitaiwa , Oki-no-Kitaiwa„abgelegener nördlicher Felsen“ 0,050,0183 Felsenriff 7 100px|Oki-no-Minamiiwa , Oki-no-Minamiiwa„abgelegener südlicher Felsen“ 0,010,0048 Felsenriff 8 100px|Tobise (rechts unten) , Tobise 0,010,0008 Felsenriff

Geschichte Entwicklung bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts mini|Chinesische Provinzen Fujian und Guangdong (rot), Taiwan (gelb) und Yaeyama-Inseln (orange) in Hayashi Shiheis japanischem Kartenwerk Sangoku Tsūran Zusetsu (1786). Die Senkaku-Inseln sind mittig in Rot. Die beiden Regierungen Chinas behaupten, dass die erste schriftliche Dokumentation dieser Inselgruppe durch chinesische Seeleute zur Zeit der Ming-Dynastie im Jahr 1372 erfolgt sei. Ab 1534 wurden die Inseln wiederholt als Teil des chinesischen Kaiserreichs dargestellt, inklusive der Einbindung in das chinesische Küstenverteidigungssystem und einer Verleihung von Teilen der Inselgruppe durch die Kaiserin an einen Kräuterkundler.

Eine der frühesten Erwähnungen der Inseln von japanischer Seite findet sich in Hayashi Shiheis Kartenwerk Sangoku Tsūran Zusetsu von 1786, wo sie als Wegpunkt einer Seeroute zwischen China und Okinawa in der Farbe des chinesischen Festlandes eingezeichnet sind. Als der Gouverneur der nun zu Japan gehörenden Präfektur Okinawa 1885 eine Eingliederung der Senkaku-Inseln forderte, empfahl Außenminister Inoue Kaoru in einem Brief an das Innenministerium von diesem Schritt abzusehen, da in chinesischen Zeitungen Gerüchte zirkulierten, dass Japan dabei wäre, chinesische Inseln in der Nähe Taiwans zu besetzen. Um keinen weiteren Verdacht zu erregen, sollten die Inseln lediglich erkundet werden. Innenminister Yamagata Aritomo lehnte aus diesem Grund den Antrag auf Eingliederung ab.Lee: Territorial Disputes among Japan, China And Taiwan Concerning the Senkaku Islands. S. 10.

mini|Japanische Fischfabrik auf Uotsuri-shima, um 1910 mini|Luftbild von Uotsuri-shima (links), sowie Kita-Kojima und Minami-Kojima (rechts)

Nach offizieller japanischer Darstellung erkundete Tatsushirō Koga, ein japanischer Geschäftsmann, im Jahr 1884 die Inseln. Japan beschloss am 14. Januar 1895, kurz vor der Niederlage Chinas im Ersten Japanisch-Chinesischen Krieg, auf den Inseln Gebietsmarken aufzustellen und sie zum japanischen Hoheitsgebiet zu erklären.Lee: Territorial Disputes among Japan, China And Taiwan Concerning the Senkaku Islands. S. 11. Sie wurden zunächst in den Landkreis Yaeyama eingegliedert und ab 1896 von der Stadt Ishigaki verwaltet.Lee: Territorial Disputes among Japan, China And Taiwan Concerning the Senkaku Islands. S. 4. Japan habe zuvor im Einklang mit den im Völkerrecht festgelegten Verfahren Feldstudien vor Ort durchgeführt, die bestätigt hätten, dass die Inseln nie bewohnt waren und keine Anzeichen dafür aufwiesen, dass sie unter der Kontrolle der chinesischen Qing-Dynastie gestanden hatten und somit als Terra Nullius gelten konnten. Der Friedensvertrag von Shimonoseki, der im April 1895 von China und Japan unterzeichnet wurde, legte fest, dass China „die Insel Formosa (Taiwan) zusammen mit allen Inseln, die zu der besagten Insel Formosa gehören oder dazu gehören, sowie die Penghu-Inseln“ abzutreten habe. Die acht Inseln und Felsen wurden im Vertrag nicht erwähnt. Koga pachtete ab 1896 die vier Inseln Uotsuri-shima, Kuba-shima, Kita- und Minami-Kojima und errichtete dort Fabriken zur Verarbeitung von Bonitos und Albatrosfedern. 1932 gingen sie an seinen Sohn Zenji Koga (; auch Yoshitsugu gelesen) über. Während des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges wurde der Betrieb 1940 eingestellt.

Nach der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg musste dieses im Friedensvertrag von San Francisco vom 8. September 1951 Taiwan an die Republik China abtreten, während in Artikel 3 des Vertrages alle Nansei-Inseln südlich des 29. Breitengrads, einschließlich der Ryūkyū-Inseln und Senkaku-Inseln, unter US-amerikanische Militärverwaltung gestellt wurden. Weder die Republik China noch die Volksrepublik China gehörten zu den Unterzeichnern des Vertrags.Lee: Territorial Disputes among Japan, China And Taiwan Concerning the Senkaku Islands. S. 5. Weil die Volksrepublik China nicht an den Verhandlungen beteiligt gewesen war, legte sie umgehend Protest ein. Peking führt seinen Anspruch auf die Inseln auf die Ming-Dynastie (1368–1644) zurück, in Verbindung mit der Kairoer Erklärung von 1943

sowie der Potsdamer Erklärung von 1945.Ingo Nentwig: Wenn die Fakten stören. In: junge Welt. 18. September 2012 über AG Friedensforschung. Abgerufen am 6. Dezember 2013.

Entwicklung seit dem Zweiten Weltkrieg Während der 1950er und 1960er Jahre blieb es ruhig um die Inseln. In den Jahren 1968/69 wurden mögliche größere Erdöl- und Erdgasreserven rund um die Inseln entdeckt.

Nachdem die USA 1970 ankündigten, die Diaoyu/Senkaku-Inseln gemeinsam mit den Ryūkyū-Inseln an Japan zurückgeben zu wollen, und die Inseln damit nicht als chinesische Gebiete betrachteten, meldeten sowohl Taiwan als auch die Volksrepublik China 1970/71 formell Ansprüche auf die Inseln an. Die Inseln wurden nach der Unterzeichnung des Okinawa Reversion Treaty am 17. Juni 1971 – der auch die Senkaku-Inseln umfasste – schließlich am 15. Mai 1972 von den USA an Japan zurückgegeben. Bis 1978 nutzte aber die US Navy noch die Inseln Kuba-shima und Taishō-tō für Gefechtsübungen. 1978 verstarb Zenji Koga und seine Witwe Hanako verkaufte Uotsuri-shima, Kita- und Minami-Kojima an Kunioki Kurihara () und Kuba-shima an dessen Schwester, beide aus Saitama. Japan wiederum pachtete die Inseln von Kurihara.

1990 errichtete eine Gruppe nationalistischer Studenten auf einer der Inseln einen Leuchtturm und hisste die japanische Flagge, was erneut zu einer diplomatischen Krise führte.

Ab 1995/96 begann die Volksrepublik China nahe den Inseln mit Bohrschiffen erste Tiefenbohrungen auf der Suche nach Erdöl. 1996 erklärten sowohl Japan als auch China die Inseln zu ihrer Ausschließlichen Wirtschaftszone. Am 14. Juli 1996 wurde von der ultranationalistischen (Uyoku) Nihon Seinensha auf Kita-Kojima erneut ein Leuchtturm errichtet. Dieser wurde kurze Zeit später von einem Sturm zerstört und am 9. September 1996 erneut aufgebaut. Ferner wurden mehrmals chinesische Fischerboote von der japanischen Marine beziehungsweise Küstenwache aufgebracht.Lee: Territorial Disputes among Japan, China And Taiwan Concerning the Senkaku Islands. S. 6–8.

Entwicklung seit dem Jahr 2000 Am 7. September 2010 rammte ein Fischerboot der Volksrepublik China zwei Schiffe der japanischen Küstenwache jeweils einmal, davon mindestens einmal absichtlich. Der Kapitän des Fischerbootes wurde daraufhin von der Küstenwache verhaftet. Als sich Japan weigerte, den chinesischen Seemann in die Heimat zu entlassen, brach China die bilateralen Kontakte auf Zentral- und Provinzregierungsebene mit Japan ab. Zudem stoppte China den Export wichtiger Metalle für den High-Tech-Sektor für zwei Monate, wies seine heimischen Reiseunternehmen an, nicht mehr für Reisen nach Japan zu werben oder diese zu fördern und nahm vier japanische Personen in einem Sperrgebiet fest.

Die Festnahmen wurden von japanischer Seite als Racheakt aufgefasst. Wegen dieses Vorfalls hatte US-Außenministerin Hillary Clinton dem japanischen Außenminister Seiji Maehara am 23. September 2010 versichert, dass die Inseln unter den amerikanisch-japanischen Sicherheitspakt fallen. Auch Robert Gates (US-Verteidigungsminister von Dezember 2006 bis Juli 2011) sagte, Washington werde seine „Bündnisverpflichtungen erfüllen“; im Falle eines militärischen Konfliktes mit China würden die USA Japan zu Hilfe kommen. Am 25. September 2010 ließ die japanische Staatsanwaltschaft den chinesischen Kapitän frei. Am 30. September wurden die ersten drei, am 8. Oktober der vierte Japaner auf Kaution freigelassen.

Im April 2012 verkündete der nationalistische Gouverneur von Tokio, Shintarō Ishihara, dass die Präfektur drei Inseln von Kunioki Kurihara käuflich erwerben wolle, um so den Ankauf der Besitztitel durch Staatsangehörige eines der beiden Chinas oder durch einen der beiden Staaten selbst zu verhindern.Tokio will Senkaku-Inseln kaufen. In: FAZ vom 18. April 2012, S. 5. Am 11. Juli 2012 warf die japanische Regierung China vor, mit Patrouillenbooten in japanische Gewässer vorgedrungen zu sein.Japan wirft China Eindringen in japanische Gewässer vor, ORF, 11. Juli 2012. Am 15. August 2012 nahm die japanische Küstenwache mehrere Aktivisten aus Hongkong fest, die eine der Inseln betreten hatten,Japan nimmt chinesische Insel-Besetzer fest. Spiegel Online, 15. August 2012. und ließ sie nach 7 Tagen wieder frei.Diaoyu-Aktivisten zurück in Hongkong. CRI (China Radio International) online, 22. August 2012. Am 19. August 2012 steuerten rund 150 nationalistische japanische Aktivisten (u. a. der Gruppe Gambare Nippon) und auch Eiji Kosaka, ein Abgeordneter im Kommunalparlament von Arakawa, mit 20 Booten von der südjapanischen Insel Ishigaki aus die Senkaku-Inseln an, errichteten auf Uotsuri einen kleinen Leuchtturm und hissten die japanische Flagge. Als Ziel nannten sie, den territorialen Anspruch Japans auf die unbewohnte Inselgruppe bekräftigen zu wollen. Die japanische Küstenwache schritt nicht ein und sah von Verhaftungen ab.Japaner landeten auf umstrittenen Senkaku-Inseln, derStandard.at, 19. August 2012.

Am 11. September 2012 gab die japanische Regierung bekannt, dass sie mit den privaten Besitzern über einen Kauf der bisher gepachteten Inseln für 2 Milliarden Yen (19,6 Millionen Euro) einig geworden sei. Man wolle die Inseln baldmöglichst übernehmen und „auf eine friedliche und stabile Weise“, die man durch einen Kauf durch die Tokioter Präfekturregierung nicht gewährleistet sah, kontrollieren. Die chinesische Regierung reagierte darauf mit scharfen Protesten; so bezeichnete das chinesische Außenministerium diesen Schritt Japans als „ernst zu nehmende Verletzung der chinesischen Souveränität“.Reuters: Japan kauft umstrittene Inseln. In: Frankfurter Rundschau. 11. September 2012, S. 9. In der Volksrepublik China kam es zu gewaltsamen Protesten, weshalb mehrere japanische Unternehmen ihre Werke und Niederlassungen dort zeitweise schlossen, darunter Canon, Panasonic, Honda, Mazda, Nissan, Fast Retailing, Seven & I Holdings und Æon.