mini|Verbreitungsgebiet in Mexiko

Brachypelma smithi (Syn.: Brachypelma annitha) ist eine mexikanische Vogelspinnenart aus der Gattung Brachypelma. In der Terraristik wird sie (teils zusammen mit Brachypelma hamorii) als „Mexikanische Rotknie-Vogelspinne“ bezeichnet; viele ältere Angaben zu „B. smithi“ beziehen sich tatsächlich auf B. hamorii oder unterscheiden beide Arten nicht zuverlässig.J. Mendoza, O. Francke: Systematic revision of Brachypelma red-kneed tarantulas (Araneae: Theraphosidae), and the use of DNA barcodes to assist in the identification and conservation of CITES-listed species. In: Invertebrate Systematics. Band 31, Nr. 2, 2017, S. 157–179. doi:10.1071/IS16023.

Verbreitung und Lebensraum Nach aktueller Abgrenzung ist Brachypelma smithi von der Pazifikküste Mexikos bekannt und kommt vor allem im Bundesstaat Guerrero vor. Als Lebensraum werden trockene, saisonal laubwerfende Wälder und Trockenbusch-/Trockenwald-Formationen beschrieben.A. Locht, M. Yáñez, I. Vázquez: Distribution and natural history of Mexican species of Brachypelma and Brachypelmides (Theraphosidae, Theraphosinae) with morphological evidence for their synonymy. In: The Journal of Arachnology. Band 27, 1999, S. 196–200. Die Tiere legen Wohnröhren an bzw. nutzen und erweitern Spalten und Hohlräume unter größeren Steinen oder Wurzeln; Röhren können verzweigt sein. Die heutige Verbreitungsabgrenzung deutet darauf hin, dass das Becken des Río Balsas als geographische Barriere zwischen B. smithi (südlich) und B. hamorii (nördlich) wirken kann.

Aussehen Brachypelma smithi ist eine große, bodenbewohnende Vogelspinne mit deutlich abgesetzter rot-orangefarbener Zeichnung an Teilen der Beine. Weibchen können am Carapax eine variabel ausgeprägte sternförmige Zeichnung („Sternburst“) aufweisen. Auf dem Hinterleib besitzt die Art Brennhaare (urtizierende Haare).

Verwechslung mit Brachypelma hamorii Die Art wurde über lange Zeit mit der sehr ähnlichen Brachypelma hamorii verwechselt; ältere Literatur und Haltungsangaben zu „B. smithi“ können daher B. hamorii betreffen. Diagnostische Unterschiede werden anhand feiner morphologischer Merkmale (u. a. an den Geschlechtsorganen) beschrieben und durch DNA-Barcodes ergänzt. Brachypelma annitha wurde 1997 beschrieben, wird heute aber als zu B. smithi gehörig (Synonym) aufgefasst.

Verhalten mini|Exuvie einer Brachypelma smithi Bei Bedrohung kann die Spinne Brennhaare abstreifen und dem Angreifer entgegenschleudern; außerdem sind Drohhaltung und Bisse als Abwehrreaktionen beschrieben. Die Art lebt bodennah und nutzt Wohnröhren als Rückzugsort und Ausgangspunkt für die Beutejagd. Allgemeine Angaben zur Röhrenstruktur und Lebensweise in der Natur finden sich auch in älteren Quellen, die B. smithi und B. hamorii noch nicht getrennt behandelten.

Fortpflanzung Für die Rotknie-Arten werden Paarungszeiten am Ende der Regenzeit bzw. zu Beginn der Trockenzeit beschrieben; Eikokons werden in der Trockenzeit angelegt, und Jungtiere treten häufig vor Beginn der frühen Sommerregen auf.

Wissenschaftliche Beschreibung Die Erstbeschreibung erfolgte 1897 durch F. O. Pickard-Cambridge als Eurypelma smithi.F. O. Pickard-Cambridge: Arachnida – Araneida and Opiliones. vol. 2. In: Biologia Centrali-Americana. London 1897, Beitrag: Eurypelma smithi. S. 20. Den heutigen Gattungsnamen Brachypelma erhielt die Art 1903 durch Reginald Innes Pocock. Fehlinterpretationen zum Typusmaterial sowie spätere Fehlzuordnungen trugen zur langjährigen Verwechslung von B. smithi und B. hamorii bei.

Gefährdung und Schutz Brachypelma smithi zählt zu den im Heimtierhandel besonders nachgefragten Vogelspinnen; Fehlbestimmungen erschweren dabei Vollzug und Schutzmaßnahmen. Für Guerrero werden als Bedrohungen unter anderem Lebensraumverlust und menschliche Aktivitäten im Zuge der Urbanisierung (u. a. Entwaldung, Bautätigkeit sowie Bekämpfungsmaßnahmen wie „fumigación“) genannt.M. Ruiz-Ortega, E. C. García y González, J. L. Ponce-Covarrubias: La tarántula mexicana rodillas rojas (Brachypelma smithi): percepción social y amenazas asociadas a la urbanización en Guerrero, México. In: Revista Colombiana de Ciencia Animal – RECIA. Band 14, Nr. 1, 2022, S. e909. doi:10.24188/recia.v14.n1.2022.909.

Brachypelma smithi wurde (damals noch ohne Trennung von B. hamorii) in CITES Anhang II aufgenommen; seit 1994 sind alle Brachypelma-Arten dort gelistet. Zusätzliche Dokumente zur CITES-Listung sind über Species+ abrufbar. Die Art wird außerdem in der IUCN-Roten Liste geführt.C. Fukushima, J. Mendoza, R. West, S. Longhorn, E. Rivera Téllez, E. W. T. Cooper, S. Henriques, P. Cardoso: Brachypelma smithi. In: The IUCN Red List of Threatened Species. 2019. doi:10.2305/IUCN.UK.2019-2.RLTS.T8152A148728332.en.

Literatur F. O. Pickard-Cambridge: Arachnida – Araneida and Opiliones. vol. 2. In: Biologia Centrali-Americana. London 1897–1905. (Erstbeschreibung) P. Klaas: Vogelspinnen: Herkunft, Pflege, Arten. Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart 2003, ISBN 3-8001-3696-1. B. Striffler, A. Graminske: Brachypelma – die bunten Vogelspinnen Mexikos. In: DRACO. Band 4, Nr. 16, 2003, S. 52–61. B. Striffler: Die Rotknievogelspinne. Natur und Tier-Verlag, Münster 2004, ISBN 3-937285-10-5. R. C. West: Die Brachypelma-Arten aus Mexiko. In: ARACHNE. Band 11, Nr. 1, 2006, S. 4–17.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Brachypelma (Gattung)