Die Publizistische Einheit (PE) ist ein pressestatistischer Zählbegriff, der in Deutschland jene Tageszeitungen bezeichnet, die in ihrem Mantelteil, nicht aber im Zeitungstitel weitestgehend übereinstimmen. Das sind auch so genannte Voll- oder Kernredaktionen. Die einzelnen Zeitungen können dabei redaktionell und wirtschaftlich selbstständig sein und in jeweils abweichenden Ausgaben erscheinen. Dennoch werden sie als nur eine Publizistische Einheit gezählt. Im Titel sowie im lokalen Text- und Anzeigenteil heben sie sich unterschiedlich stark voneinander ab. Sehr viele Lokal- und Regionalzeitungen (= Redaktionelle Einheiten) übernehmen den Mantel, den überregionalen Teil, von einer Mantelredaktion. Sie produzieren lediglich noch den Lokalteil selbst. Diese vermehrte Verwendung eines extern bzw. zentral produzierten Mantelteils ist wesentliches Merkmal für den Prozess der publizistischen Konzentration.

Der Begriff wurde 1954 geprägt von Walter J. Schütz, damals am Institut für Publizistik der Universität Münster, später im Bundespresseamt in Bonn tätig und Honorarprofessor am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Er publizierte bis 2012 die Anzahl und die Entwicklung der PE alle zwei Jahre in den „Media Perspektiven“.

Entwicklungen der deutschen Tagespresse + Tagespresse: Statistik im Überblick Publizistische Einheiten Verlage als Herausgeber Ausgaben Verkaufte Auflage in Mio. Jahr 1) absolut Index absolut Index absolut Index absolut Index 1954 225 100 624 100 1500 100 13,4 100 1964 183 81 573 92 1495 100 17,3 129 1967 158 70 535 86 1416 94 18,0 134 1976 121 54 403 65 1229 82 19,5 146 1979 122 54 400 64 1240 83 20,5 153 1981 124 55 392 63 1258 84 20,4 152 1983 125 56 385 62 1255 84 21,2 158 1985 126 56 382 61 1273 85 20,9 156 1987 121 54 (375) (60) • • 20,7 154 1989 119 53 358 57 1344 90 20,3 152 1989 DDR 37 – 38 – 291 – 9,6 – 1991 158 100 410 100 1673 100 27,3 100 1993 137 87 384 94 1601 96 25,4 93 1995 135 85 381 93 1617 97 25,0 92 1997 135 85 371 90 1582 95 24,6 90 1999 135 85 355 87 1581 95 24,1 88 2001 136 86 356 87 1584 95 23,7 87 2003 134 85 349 85 1561 93 22,6 832004   133   84   347   85   1552   93   22,1 81   2005   138   87   359   88   1538   92   21,7 79   2006   137   87   353   86   1529   91   21,2 78   2007   135   85   351   86   1514   90   20,8 76   2008   135   85   354   86   1512   90   20,4 75   2009   134   85   351   86   1511   90   19,9 73   

1) 1954–1989: altes Bundesgebiet, ab 1991 inkl. neuer Bundesländer.Quelle: Basisdaten 2005

Eine Phase der publizistischen Konzentration gab es nach der Wiedervereinigung in den neuen Bundesländern. In der DDR gab es zur Wendezeit 290 Ausgaben, aufgeteilt in 37 Publizistische Einheiten; davon sind in den ersten drei Jahren nach der Wiedervereinigung 19 weggefallen. Dies lag zum einen an den vielfachen Übernahmen durch Westverlage, die die Zeitungen über die Treuhandanstalt kauften, zum anderen daran, dass die ehemaligen Staats- oder SED-Parteizeitungen, die zum Teil zu den Tageszeitungen zählten, aufgelöst wurden.

Publizistische Einheiten Erklärung Name: Haupttitel der Publizistischen Einheit Redaktionssitz: Erscheinensort des Haupttitels Ausgaben: Zahl der Ausgaben innerhalb der Einheit Mantel: Zahl der kooperierenden Verlage Verlag: Verlag des Haupttitels Auflage: verkaufte Gesamtauflage, in der Regel von Montag bis Samstag (); abweichende Angaben unter AnmerkungenDie Angaben zum dritten Quartal 2008 beziehen sich auf: In: Mediaperspektiven 09/2009 (PDF; 95 kB) Anmerkungen: Besonderheiten zur Auflage