Die Saison 1970/71 des von der FIS veranstalteten Alpinen Skiweltcups begann am 13. Dezember 1970 in Sestriere (Männer) bzw. in Bardonecchia (Frauen) und endete am 14. März 1971 in Åre. Bei den Männern wurden 24 Rennen ausgetragen (7 Abfahrten, 8 Riesenslaloms, 9 Slaloms). Bei den Frauen waren es 23 Rennen (6 Abfahrten, 8 Riesenslaloms, 9 Slaloms).

Für die Gesamtwertung des Weltcups galten die drei besten Resultate jeder Disziplin, für die Disziplinen-Wertungen auch die jeweils drei besten Ergebnisse. Diese Saison war ein Zwischenjahr ohne Weltmeisterschaften oder Olympische Winterspiele.

Weltcupwertungen Gesamt 1. 155 2. 135 3. 125 4. 107 5. 95 6. 94 7. 86 8. 66 9. 63 10. 60 11. 57 12. 56 13. 52 14. 51 15. 50 16. 46 17. 44 18. 41 19. 40 20. 34 21. 31 23. 30 24. 28 25. 25 28. 23 29. 22 30. 17 31. 14 32. 10 33. 9 34. 8 34. 8 39. 7 42. 6 43. 4 45. 3 50. 2 53. 1

1. 210 2. 177 3. 133 4. 124 5. 122 6. 112 7. 101 8. 90 9. 87 10. 76 11. 74 12. 63 13. 61 14. 59 15. 45 16. 38 17. 34 18. 33 19. 30 20. 27 21. 21 22. 17 23. 15 24. 14 26. 12 27. 9 28. 7 29. 5 30. 4 32. 3 35. 2

Abfahrt + Herren Rang Athlet Punkte 1 70 2 60 3 56 4 53 5 46 6 44 7 40 8 38 9 25 + Damen Rang Athletin Punkte 1 70 2 60 3 56 4 55 6 51 7 29 8 11 9 9

Riesenslalom + Herren Rang Athlet Punkte 1 70 3 65 4 60 5 51 6 46 7 32 8 25 + Damen Rang Athletin Punkte 1 75 2 70 3 60 4 50 5 48 6 42 8 34 9 29 10 28

Slalom + Herren Rang Athlet Punkte 1 75 2 70 3 60 4 55 5 46 6 41 7 38 8 33 9 29 10 28+ Damen Rang Athletin Punkte 1 70 3 65 5 56 6 51 7 45 8 37 10 33

Podestplatzierungen Herren Abfahrt Datum Ort 1. Platz 2. Platz 3. Platz 14.12.1970 Sestriere (ITA) 20.12.1970 Val-d’Isère (FRA) 16.01.1971 St. Moritz (SUI) 29.01.1971 Megève (FRA) 31.01.1971 Megève (FRA) 18.02.1971 Sugarloaf (USA) 19.02.1971 Sugarloaf (USA)

Riesenslalom Datum Ort 1. Platz 2. Platz 3. Platz 17.12.1970 Val-d’Isère (FRA) 05.01.1971 Berchtesgaden (FRG) 09.01.1971 Madonna di Campiglio (ITA) 18.01.1971 Adelboden (SUI) 13.02.1971 Mont Sainte-Anne (CAN) 21.02.1971 Sugarloaf (USA) 27.02.1971 Heavenly Valley (USA) 13.03.1971 Åre (SWE)

Slalom Datum Ort 1. Platz 2. Platz 3. Platz 06.01.1971 Berchtesgaden (FRG) 10.01.1971 Madonna di Campiglio (ITA) 17.01.1971 St. Moritz (SUI) 24.01.1971 Kitzbühel (AUT) 30.01.1971 Megève (FRA) 07.02.1971 Mürren (SUI) 14.02.1971 Mont Sainte-Anne (CAN) 25.02.1971 Heavenly Valley (USA) 14.03.1971 Åre (SWE)

Podestplatzierungen Damen Abfahrt Datum Ort 1. Platz 2. Platz 3. Platz 12.12.1970 Bardonecchia (ITA) 19.12.1970 Val-d’Isère (FRA) 20.01.1971 Schruns (AUT) 28.01.1971 Pra-Loup (FRA) 18.02.1971 Sugarloaf (USA) 19.02.1971 Sugarloaf (USA)

Riesenslalom Datum Ort 1. Platz 2. Platz 3. Platz 05.01.1971 Maribor (YUG) 08.01.1971 Oberstaufen (FRG) 12.02.1971 Mont Sainte-Anne (CAN) 20.02.1971 Sugarloaf (USA) 26.02.1971 Heavenly Valley (USA) 10.03.1971 Abetone (ITA) 11.03.1971 Abetone (ITA) 14.03.1971 Åre (SWE)

Slalom Datum Ort 1. Platz 2. Platz 3. Platz 16.12.1970 Val-d’Isère (FRA) 04.01.1971 Maribor (YUG) 09.01.1971 Oberstaufen (FRG) 14.01.1971 Grindelwald (SUI) 21.01.1971 Schruns (AUT) 29.01.1971 Saint-Gervais-les-Bains (FRA) 04.02.1971 Mürren (SUI) 13.02.1971 Mont Sainte-Anne (CAN) 24.02.1971 Heavenly Valley (USA)

Nationencup + Gesamtwertung Rang Land Punkte 1 1333 2 892 3 396 4 373 5 241 6 226 7 99 8 42 9 41 10 22 11 4 12 4+ Herren Rang Land Punkte 1 505 2 388 3 361 4 223 5 171 6 128 7 41 8 15 9 7 10 4 11 2+ Damen Rang Land Punkte 1 828 2 531 3 245 4 97 5 70 6 27 7 22 8 8 9 3

Statistik Diese Statistik umfasst die Podiumsplatzierungen nach Nationen in den jeweiligen Disziplinen.

Männer Disziplin Rang 1 Rang 2 Rang 3 Abfahrt7 Rennen 4 × 1 × 1 × 1 × 4 × 1 × 1 × 1 × 3 × 2 × 2 × Slalom9 Rennen 6 × 2 × 1 × 3 × 2 × 2 × 1 × 1 × 3 × 2 × 1 × 1 × 1 × 1 × Riesenslalom8 Rennen 3 × 2 × 2 × 1 × 4 × 2 × 1 × 1 × 3 × 2 × 2 × 1 × Gesamt24 Rennen 10 × 6 × 5 × 2 × 1 × 10 × 4 × 3 × 3 × 3 × 1 × 6 × 5 × 5 × 4 × 3 × 1 ×

Übersicht Podestplätze Land Rang 1 Rang 2 Rang 3 Gesamt 10 10 6 26 6 3 4 13 5 4 5 14 2 3 5 10 1 1 1 3 – 3 2 6

Frauen Disziplin Rang 1 Rang 2 Rang 3 Abfahrt6 Rennen 3 × 3 × 3 × 3 × 5 × 1 × Slalom9 Rennen 3 × 2 × 2 × 2 × 4 × 2 × 2 × 1 × 4 × 3 × 1 × 1 × Riesenslalom8 Rennen 4 × 3 × 1 × 4 × 2 × 2 × 4 × 3 × 1 × Gesamt23 Rennen 10 × 8 × 3 × 2 × 11 × 7 × 4 × 1 × 12 × 8 × 2 × 1 ×

Übersicht Podestplätze Land Rang 1 Rang 2 Rang 3 Gesamt 10 11 12 33 8 7 8 23 3 4 1 8 2 1 – 3 – – 2 2

Saisonverlauf Vor der Saison Bei der Damenmannschaft des ÖSV, die im Bundessportheim Kitzsteinhorn untergebracht war, war seit 12. Oktober Gertrud Gabl, deren Akklimatisierungsphase nach ihrem Australien-Aufenthalt beendet war, wieder dabei, doch verletzte sie sich gleich beim Slalomtraining und musste die Heimreise antreten. Die ÖSV-Herren weilten in Kaprun. Am Kitzsteinhorn trainierten auch noch Teams aus Deutschland, Kanada und Jugoslawien.„Gertrud Gabl nahm das Training auf“ in »Salzburger Nachrichten« vom 13. Oktober 1970, Seite 9; Spalten 2 und 3, unten„Gabl hat sich beim Slalomtraining verletzt“ in »Salzburger Nachrichten« vom 14. Oktober 1970, Seite 9; Spalten 3 und 4, Mitte

Der DSV trainierte nach französischem Vorbild mit einem wesentlich verkleinerten Nationalkader, der nach Einfahrkursen am Stilfser Joch nach Tignes übersiedelte, jedoch gab es laut einer Mitteilung im „Münchner Merkur“ einen Materialaufstand. Der Verband hatte die Läufer gezwungen, mit heimischem Material zu fahren, doch wurde von diesen entgegnet, dass dieses nicht den Anforderungen entspreche. Dazu konterte Sportwart Heinz Krecek, dass „die Burschen nur deshalb ausländische Skier fahren wollten, weil sie sich mehr Geld erhoffen“.„Die alpine Skisaison wirft ihre Schatten voraus“ in »Salzburger Nachrichten« vom 15. Oktober 1970, Seite 9

Entscheidungen im Weltcup Es schienen als Aufwertung sowohl bei den Damen als auch Herren erstmals sieben Abfahrten im Rennprogramm auf, was von der FIS bei einer Tagung in Genf Anfang September beschlossen worden war. Der Entschluss war lt. Präsident Marc Hodler deshalb gefasst worden, weil bisher die Slalomspezialisten eindeutig bevorzugt gewesen waren. Demgegenüber ist bei der genannten Tagung ein österreichischer Antrag, sämtliche Dezember-Rennen aus dem Weltcupprogramm zu streichen, abgelehnt worden. Dass bei den Damen trotzdem «nur» 6 Abfahrten ausgetragen wurden, lag an der «Grindelwald-Absage» (siehe BITTE unter «Absagen/Verschiebungen»). Auch hinsichtlich der Damenslaloms gab es eine Reduktion, denn es waren zehn vorgesehen – und das Saisonende war am 21. März für Pra-Loup programmiert.

Herren: In der Entwicklung der Saison schien bei den Herren Gustav Thöni nach dem Berchtesgaden-Slalom mit bislang 15 Punkten nicht in den ersten Zehn auf (es führte Jean-Noël Augert mit 68 Punkten, auf Rang 10 war Max Rieger mit 19). Nach den Adelboden-Rennen war Gustav Thöni erstmals Weltcup-Führender, er profitierte auch davon, dass der damalige Konkurrent Patrick Russel wegen der Streichresultate kaum mehr punkten konnte. Doch schon nach dem Kitzbühel-Slalom (auch hier entfiel die Abfahrt; es wurde am 23. Januar ein nicht zum Weltcup zählender Slalom ausgetragen, der ebenfalls von Jean-Noël Augert gewonnen wurde), bei dem Thöni punktelos blieb, setzte sich wieder Augert (102 Punkte) vor Henri Duvillard (95) und Thöni (90) an die Spitze der Weltcup-Wertung. Wiederum einen Führungswechsel gab es nach dem Herrenslalom in Mont St. Anne: Nun war Russel mit 125 zu 115 gegenüber Thöni in Front.

Danach erarbeitete sich der Südtiroler zwar dank seines dritten Platzes am 19. Februar in der Abfahrt von Sugarloaf einen Vorsprung, hätte aber noch bis zum vorletzten Rennen, dem Riesenslalom am 13. März in Åre, theoretisch überholt werden können. Mit dem Sieg im Riesenslalom (27. Februar) rückte Thöni seinem ersten Gesamtsieg im Weltcup ein großes Stück näher; nur mehr Duvillard hätte ihn gefährden können, doch hätte der Franzose in den beiden Schlussrennen (bei gleichzeitiger Punktelosigkeit des Südtirolers) zumindest einen Sieg und einen zweiten Platz benötigt, hätte nie Dritter werden dürfen. Der ausgewiesene Zwischenstand 155/135/125 war letztlich auch der Endstand der Saison, weil niemandem mehr (auch bedingt durch den »Streichmodus«) Punktzuwächse gelangen. Am vorgenannten 13. März war es für Thöni tatsächlich so weit: Er sicherte sich mit Rang 5 seinen ersten von drei Gesamtsiegen im Weltcup (sein Hauptkonkurrent Duvillard blieb wegen einer Disqualifikation punktelos; er hatte im ersten Durchgang des Riesenslaloms durch einen „Anhänger“ bei einem Tor 2,77 s auf die von Zwilling erreichte Bestzeit verloren, ging danach aufs Ganze, realisierte auch die Bestzeit – um 0,38 s schneller als Zwilling –, doch hatte er ein Tor ausgelassen).„Herren-Weltcup für Thöni/RTL für Zwilling“. In »Salzburger Volksblatt« Nr. 61 vom 15. März 1971, letzte Seite In der Riesenslalom-Disziplinenwertung wurde Thöni zusammen mit Patrick Russel Sieger. Im ohnehin für Duvillard bedeutungslos gewordenen Slalom belegte er den 12. Rang.„Riesenslalom: Endlich Zwilling“. In «Sport Zürich» Nr. 31 vom 15. März 1971, Seite 13, POS. Spalte 2, erster Titel

Bereits nach den Rennen in Megève waren die letzten Chancen für den Vorjahrs-Gesamtsieger Karl Schranz, der sich zudem leicht verletzt hatte, vorbei. Die Krise um ihn bestätigte sich auch darin, dass sein Skihersteller Franz Kneissl eine Veränderung im Betreuerteam des ÖSV forderte. In weiterer Folge war Schranz (gemeinsam mit anderen Kollegen) für den Mürren-Slalom beurlaubt worden.

In der Abfahrtswertung führte nach den beiden Rennen in Megève zwar Bernard Orcel mit 60 Punkten vor Russi (56) und Cordin (42), doch konnte der Franzose nur mehr ein Maximum von 70 Punkten erreichen, während außer Russi und Cordin auch Tresch, Duvillard und Dätwyler noch die theoretische Chance auf das Maximum hatten. Orcel vergab die Chance in der zweiten Sugarloaf-Abfahrt, zumindest ex aequo mit Russi die Wertung zu gewinnen, mit lediglich Rang 24. Titelverteidiger Cordin kam erst dank seines zweiten Ranges bei der zweiten Sugarloaf-Abfahrt auf Endrang 3. Er war gleich zum Saisonauftakt in Sestriere im Waldstück nach dreifachem Salto gestürzt„Stilist und trotzdem verwegen – Abfahrtssieger Henri Duvillard . Die Franzosen heuer psychisch und physisch besonders stark . Platz 3 für Weltpokalverteidiger Karl Schranz nach drei Fehlern“. In »Tiroler Tageszeitung« Nr. 287 vom 14. Dezember 1970, Seite 9, in der zweiten Megève-Abfahrt stürzte er ebenso, hatte in diesem Rennen aber bereits ca. 2 Sekunden Rückstand.„Duvillard – der ‚Hahnenkammsieger‘ von Megève – Zweite Abfahrt vom Rochebrune am Sonntag bestätigte Niederlage vom Freitag“. In »Tiroler Tageszeitung« Nr. 25 vom 1. Februar 1971, Seite 9„Ergebnisse der beiden Abfahrten von Sugarloaf“. In »Sport Zürich« Nr. 22 vom 22. Februar 1971, Seite 2

Damen:Nach dem Maribor-Wochenende mit Sieg und Rang 3 übernahm Annemarie Pröll erstmals die Weltcupführung, doch in den weiteren Rennen erwies sich Titelverteidigerin Michèle Jacot stärker und holte sich vorerst einen klaren Vorsprung. Am 12. Februar überholte Pröll dank Rang 4 (damit 11 Punkte) beim Riesenslalom in Mont Sainte-Anne Jacot, die nur Rang 10 belegte, um einen Punkt. Auch im Slalom wurde Pröll Vierte, während Jacot als Führende nach dem 1. Lauf stürzte. Sie gab danach die Führung nicht mehr aus der Hand.„Triumph und Niederlage der Französinnen“. In »Sport Zürich« Nr. 19 vom 15. Februar 1971, Seite 3 Die nächsten Vorentscheidungen standen in Heavenly Valley an: Im Damen-Riesenslalom (26. Februar) hätte Pröll mit Rang 3 endgültig den Weltcup für sich entscheiden können, doch sie (aber auch Jacot) schied(en) aus.