Die Saison 1971/72 des von der FIS veranstalteten Alpinen Skiweltcups begann am 3. Dezember 1971 in St. Moritz und endete am 19. März 1972 in Pra-Loup. Bei den Männern wurden 21 Rennen ausgetragen (je 7 Abfahrten, Riesenslaloms und Slaloms). Bei den Frauen waren es ebenfalls 21 Rennen (je 7 Abfahrten, Riesenslaloms und Slaloms).
Als große Neuerung zählten nun die besten fünf Resultate pro Disziplin für den Gesamtweltcup und auch die besten fünf für den jeweiligen Disziplinenweltcup. Erstmals ging die Nationenwertung bei den Herren an die Schweiz.
Höhepunkt der Saison waren die Olympischen Winterspiele 1972 in Sapporo.
Weltcupwertungen Gesamt 1. 154 2. 142 3. 140 4. 125 5. 114 6. 109 7. 93 8. 83 9. 63 10. 61 11. 55 12. 50 13. 49 14. 47 15. 46 17. 42 18 39 20 37 22. 35 23. 32 24. 28 25. 27 26. 26 27. 25 28. 24 29. 22 30. 21 31. 20 32. 18 33. 15 35. 12 36. 10 37. 9 38. 8 40. 6 42. 5 43. 4 45. 2 51. 1
1. 269 2. 187 3. 128 4. 120 5. 111 6. 110 7. 102 8. 96 9. 90 10. 89 11. 70 12. 64 14. 60 15. 29 16. 26 18. 24 19. 23 21. 21 22. 17 23. 15 24. 14 27. 13 28. 11 29. 10 30. 9 31. 8 34. 7 36. 6 38. 4 39. 2 40. 1
Abfahrt + Herren Rang Athlet Punkte 1 110 2 83 3 63 4 61 5 47 6 43 7 39 9 37 10 32+ Damen Rang Athletin Punkte 1 125 2 76 3 71 4 67 5 63 6 60 7 15 8 14 9 13 10 12
Riesenslalom + Herren Rang Athlet Punkte 1 84 2 78 3 55 4 50 5 49 6 38 7 30 8 28 + Damen Rang Athletin Punkte 1 115 2 76 3 52 4 50 5 44 6 37 7 32 8 28 9 27 10 26
Slalom + Herren Rang Athlet Punkte 1 101 2 81 3 75 4 66 5 62 6 50 7 28 8 25 9 24 10 20+ Damen Rang Athletin Punkte 1 76 2 70 4 66 5 62 6 57 7 37 8 31 9 29
Podestplatzierungen Herren Abfahrt Datum Ort 1. Platz 2. Platz 3. Platz 05.12.1971 St. Moritz (SUI) 12.12.1971 Val-d’Isère (FRA) 14.01.1972 Kitzbühel (AUT) 15.01.1972 Kitzbühel (AUT) 25.02.1972 Crystal Mountain (USA) 26.02.1972 Crystal Mountain (USA) 15.03.1972 Gröden (ITA)
Riesenslalom Datum Ort 1. Platz 2. Platz 3. Platz 09.12.1971 Val-d’Isère (FRA) 10.01.1972 Berchtesgaden (FRG) 24.01.1972 Adelboden (SUI) 18.02.1972 Banff (CAN) 02.03.1972 Heavenly Valley (USA) 16.03.1972 Gröden (ITA) 19.03.1972 Pra-Loup (FRA)
Slalom Datum Ort 1. Platz 2. Platz 3. Platz 19.12.1971 Sestriere (ITA) 09.01.1972 Berchtesgaden (FRG) 16.01.1972 Kitzbühel (AUT) 23.01.1972 Wengen (SUI) 19.02.1972 Banff (CAN) 17.03.1972 Madonna di Campiglio (ITA) 18.03.1972 Pra-Loup (FRA)
Podestplatzierungen Damen Abfahrt Datum Ort 1. Platz 2. Platz 3. Platz 03.12.1971 St. Moritz (SUI) 11.12.1971 Val-d’Isère (FRA) 17.12.1971 Sestriere (ITA) 12.01.1972 Bad Gastein (AUT) 18.01.1972 Grindelwald (SUI) 25.02.1972 Crystal Mountain (USA) 26.02.1972 Crystal Mountain (USA)
Riesenslalom Datum Ort 1. Platz 2. Platz 3. Platz 03.01.1972 Oberstaufen (FRG) 07.01.1972 Maribor (YUG) 22.01.1972 Saint-Gervais-les-Bains (FRA) 19.02.1972 Banff (CAN) 01.03.1972 Heavenly Valley (USA) 18.03.1972 Pra-Loup (FRA) 18.03.1972 Pra-Loup (FRA)
Slalom Datum Ort 1. Platz 2. Platz 3. Platz 18.12.1971 Sestriere (ITA) 04.01.1972 Oberstaufen (FRG) 13.01.1972 Bad Gastein (AUT) 19.01.1972 Grindelwald (SUI) 18.02.1972 Banff (CAN) 03.03.1972 Heavenly Valley (USA) 17.03.1972 Pra-Loup (FRA)
Nationencup + Gesamtwertung Rang Land Punkte 1 1146 2 842 3 660 4 333 5 327 6 308 7 109 8 66 9 58 10 20 11 9 12 6 13 1+ Herren Rang Land Punkte 1 534 2 375 3 307 4 297 5 152 6 125 7 109 8 52 9 9 10 6 11 2+ Damen Rang Land Punkte 1 771 2 545 3 208 4 175 5 126 6 64 7 14 8 6 10 1
Statistik der Podestplätze Angegeben werden die Anzahl Podestplätze je Land und Disziplin sowie die Gesamtanzahl.
Damen + Gesamt Land 1. 2. 3. Total 1 12 5 8 25 2 9 10 5 24 3 – 4 1 5 4 – 2 3 5 5 – 1 3 4+ Abfahrt Land 1. 2. 3. 1 6 4 – 2 1 2 5 3 – 2 1+ Riesenslalom Land 1. 2. 3. 1 4 1 1 2 3 5 3 3 – 1 – 4 – – 2 5 1 – 1+ Slalom Land 1. 2. 3. 1 7 2 2 2 – 3 1 3 – 1 2 – 1 2
Herren + Gesamt Land 1. 2. 3. Total 1 6 4 7 17 2 4 7 2 13 3 3 4 4 11 4 3 3 3 9 5 2 – – 2 6 1 1 2 4 7 1 – 3 4 8 1 2 – 3+ Abfahrt Land 1. 2. 3. 1 3 2 5 2 3 2 1 3 1 – – 4 – 2 – 5 – 1 1+ Riesenslalom Land 1. 2. 3. 1 3 1 1 2 2 – – 3 1 2 3 4 1 2 2 5 – 1 1 6 – 1 –+ Slalom Land 1. 2. 3. 1 3 3 – 2 2 2 1 3 1 – 3 4 1 – 1 5 – 1 1 6 – 1 – 7 – – 1
Saisonverlauf Neue Regelung für Rennen mit zwei Durchgängen In dieser Saison kam es zur Einführung der so genannten „Bibbo-Regel“, benannt nach seinem schwedischen „Erfinder“ Bibbo Nordenskjöld. Sie wurde auf Vorschlag der Franzosen erstmals beim Riesenslalom von Val-d’Isère am 9. Dezember angewendet und sie bewährte sich. Demnach gab es in den Bewerben mit zwei Durchgängen (Herren-Riesenslalom) eine faire Abwicklung, wonach im zweiten Lauf zwar vorerst die Läufer mit den Startnummern 1 bis 15 in gestürzter Reihenfolge starteten, danach jene mit dem Rang, der ihnen nach diesen 15 Fahrern der ersten Gruppe aufgrund des Klassements des ersten Laufes zukam. Erster tatsächlicher Nutznießer war Erik Håker, der mit Startnummer 20 (im Übrigen die bislang höchste Siegernummer in einem Herren-Riesenslalom) nach dem ersten Lauf geführt hatte und nun im zweiten Lauf als frühestens 16. (und nicht – wie in seinem Fall – schlechtestenfalls als 26.) starten durfte. Eine weitere hohe Nummer nach dem ersten Lauf hatte mit Nr. 27 Walter Tresch (SUI) auf Rang 7. In späterer Folge wurde diese Regelung aber dahingehend geändert, dass bereits von Beginn weg der 2. Lauf sich nach dem Klassement des ersten Durchgangs richtete, damit starteten die im Klassement von 1 bis 15 aufscheinenden Läuferinnen/Läufer in gestürzter Reihenfolge (damit der Führende als Letzter) und danach folgten, auch laut Klassement, die Läuferinnen/Läufer ab Rang 16. Bei den olympischen Rennen 1972 wurde diese Regelung allerdings nicht angewendet.„Erster Lauf: Haker (No) die grosse Ueberraschung“ in «Sport Zürich» Nr. 144 vom 10. Dezember 1971, Seite 13„Nervenschlacht vor dem Start: Stunde im Lift“ in «Kurier Wien» vom 10. Dezember 1971
Beschlüsse beim FIS-Kongress Nebst diversen Festlegungen zum Amateurparagraphen (siehe bitte separaten Artikel) wurde beim Kongress in Opatija (26. bis 29. Mai 1971) die Einführung des Europacups anstatt des Weltcup-B-Bewerbs beschlossen. Für den Weltcup wurde weiters die so genannte «Gastgeberregel» (das doppelte Kontingent, maximal 20 Starter) darauf eingeschränkt, dass dies nur bei zwei Rennen am selben Ort erlaubt ist (bei mehr als zwei Rennen gibt es keine Zusatzerlaubnis). Die Teilnahmeberechtigung pro Nation wurde pro Läufer von 50 auf 40 FIS-Punkte und bei Läuferinnen von 70 auf 60 FIS-Punkte reduziert; nur kleinere Länder dürfen ohne Rücksicht auf die FIS-Punkte je 2 Fahrer stellen. Ein Antrag, Damen-Riesentorläufe nun auch in zwei Durchgängen auszutragen, wurde abgelehnt (es sollen nur, allerdings nicht im Weltcup, Versuche gefahren werden; ein Beschluss könne beim nächsten Kongress 1973 gefasst werden).„Die Schirennen 1971 in Bad Kleinkirchheim zählen zum Europacup“ in „Kärntner Tageszeitung“ Nr. 123 vom 3. Juni 1971, Seite 16, Spalte 1
Amateurparagraph Die Saison war nicht nur wegen der anstehenden Olympischen Winterspiele – wie es allgemein jede Saison ist, in welcher solche Großereignisse stattfinden – angespannt, sondern es entwickelte sich auf Grund der Fragen um den Amateurparagraphen und jegliche Werbetätigkeiten eine noch gesteigerte Brisanz. (Allerdings waren auch die folgenden zwei Saisons von diesen Kontroversitäten über den Professionalismus geprägt.)
Der am 26. Mai in Opatija eröffnete 28. FIS-Kongress hatte verschärfte Richtlinien für die Qualifikationen als „Amateur-Skirennläufer“ festgelegt. Schon vor Beginn der Arbeitssitzungen am 28. Mai war das Bewusstsein herauszulesen gewesen, dass die FIS Neuland zu betreten und im gewissen Sinne Pionierarbeit für andere große Sportverbände mit ähnlichen Problemen zu leisten hatte. Gerade hinsichtlich der Meinungsauffassung des IOC-Präsidenten Avery Brundage hatten die Kongressmitglieder nichts riskieren wollen. Den Läufern wurden nur Entschädigungen für Lohnausfall für Vorbereitungen in einer 60 Tage nicht überschreitenden Periode und für Reisen nach Trainings- und Wettkampforten, die volle Vergütung für den Unterhalt während des Trainings und der Wettkämpfe sowie sozialen Schutz einschließlich voller Versicherung zuerkannt. Inserate für Ski, Ausrüstung oder Waren durften keine Namen, Fotos oder Titel von individuellen Wettkämpfern enthalten, Erfolgszitate durften sich nur auf Mannschaftsgruppen beziehen und bei Inserierungen verwendete Wettkampfrekorde durften nicht auf identifizierbare Personen Bezug nehmen. Bei den Schriftgrößen auf den Skiern durfte kein Buchstabe 25 mm Höhe und 35 mm Breite überschreiten, auf den Schuhen (Skistiefeln) war das Maß auf 15 mm und bei Skistöcken auf 10 mm in jeder Dimension beschränkt. Keine sichtbare kommerzielle Identifikation durfte am Äußeren von Kleidern, Uniformen, Helmen, Handschuhen oder Brillen vorkommen.„Hält die Einheitsfront der FIS?“. In »Sport Zürich« Nr. 61 vom 27. Mai 1971, Seite 10„Die neuen Qualifikations-Bestimmungen“. In »Sport Zürich« Nr. 62 vom 1. Juni 1971, Seite 31
Hinsichtlich des befürchteten Bannstrahls durch IOC-Präsident Avery Brundage, der sich hauptsächlich gegen die Herren richtete, gab es vorbeugende Maßnahmen. So überklebten die Fahrer in den Trainings zum Saisonauftakt in St. Moritz ihre Startnummern, weil dort der Brundage-Besuch angekündigt war. Offensichtlich reagierte der DSV scharf gegen diverse Verstöße, sprich z. B. verkappte Werbung in Zeitungsinseraten, und sperrte einige Läufer. Probleme gab es auch um die Zulassung der Firmenbetreuer, die sogar einen Streik androhten, falls sie den Läufern nicht zur Verfügung stehen dürften.
Die Amateurangelegenheit führte auch zu einer Krise im französischen Olympischen Komitee, in welchem dessen Präsident Jean de Beaumont wegen Unsicherheiten über die Qualifikationsberechtigungen der französischen Skielite am 10. Dezember zurücktrat. Auch die Damen waren wegen der Startnummernwerbung betroffen, u. zw. bei den Kandaharrennen in Sestriere, wobei eine Konfliktsituation entstand, nachdem auf die Reklamation des US-Coaches Schäffler, wonach es US-Sportlern auf Anordnung des Nationalen Olympischen Komitees der USA das Tragen von Startnummern mit Werbeaufschriften verboten sei, und FIS-Präsident Marc Hodler daraufhin ein Überkleben empfahl. Denn nun meldeten sich das Arlberg-Kandahar-Komitee und die Jury mit einem Hinweis auf die Wettkampfordnung der FIS, die eine Änderung der Startnummer mit der Disqualifikation ahndet. So starteten die amerikanischen Läuferinnen dann doch mit diesen "Werbe-Startnummern".
Eine am 6. Januar veröffentlichte Meldung besagte, dass Brundage die alpinen und nordischen Skibewerbe in Sapporo nur als FIS-Weltmeisterschaften gestatten würde. Weiterhin waren auch die Reklame-Lettern auf den Startnummern Anlass für die Brundage-Informanten; so wurde in Sestriere für einen Wermuth, in Maribor für Büstenhalter geworben.
Eine neuerliche Nachricht kam Anfang Januar 1972, wonach für Brundage alle Weltcup-Läufer deshalb für Sapporo nicht qualifiziert seien, weil sie mit Startnummern mit der Aufschrift »Coupe de Monde Fis – Evian« für eine Mineralwasserfirma geworben haben und es unbedeutend sei, dass die Läufer die Regeln der FIS befolgt hätten. Laut dem Nationalen Olympischen Komitee von Deutschland gehöre der Amateurparagraph zukünftig abgeschafft. Das NOK leitete auch Untersuchungen dahingehend ein, weil deutsche Skirennläufer in einer Illustrierten für Fruchtsaft geworben haben. Zur ersten Abfahrt in Kitzbühel (14. Januar) traten, mit Ausnahme der Läufer aus Polen und den USA, alle mit den bekannten FIS-Startnummern an. Fast täglich kamen Meldungen zu all den Querelen. Und dann hieß es auch, dass Brundages Äußerungen nur Schreckschüsse seien.