mini|Eine neuzeitliche serbisch-orthodoxe Kirchenausstattung (Auferstehungskirche in Wien) Zur Kirchenausstattung gehören die Einrichtungsstücke einer Kirche und die beweglichen und unbeweglichen Gegenstände, die der Liturgie und den kirchlichen Riten dienen.Reinle: Die Ausstattung deutscher Kirchen im Mittelalter. 1988, S. 1. Einige Prinzipalien wie Altar, Kanzel, Taufbecken und Kreuz finden sich in den meisten Kirchen, oft auch eine Orgel. Auch Paramente und Verbrauchsgüter wie Kerzen, Lampenöl, Weihrauch, Hostien oder Messwein können als Kirchenausstattung bezeichnet werden. Besonders im süddeutsch-österreichischen Raum sind manche römisch-katholische Kirchen mit Vermögenswerten: Stiftungen, Grundbesitz, oder Ablässen ausgestattet.
Aufgrund der unterschiedlichen konfessionellen Ausprägungen unterscheiden sich die Anzahl und Funktion der Ausstattungsstücke in den verschiedenen Kirchen teils erheblich. Während die reformierten Kirchen sparsam und römisch-katholische Kirchen reich ausgestattet sind, nehmen evangelisch-lutherische und altkatholische Kirchen eine Mittelposition ein.
Altar und Altarraum mini|hochkant|Hochaltar aus der Zeit des Rokoko (1778) in der Marienkirche Rockenberg
Abgesehen von den reformierten Kirchen und den Freikirchen unterscheiden die meisten Kirchen den Altarbereich, der als liturgischer Raum dient und früher dem Klerus vorbehalten war, vom Laienbereich für die Gemeinde. Der häufig um einige Stufen erhöhte Chor ist seit dem 4. Jahrhundert zunehmend und ab dem 10. Jahrhundert überwiegend nach Osten ausgerichtet und gelegentlich durch Chorschranken vom Laienbereich abgetrennt. Der steinerne oder hölzerne Lettner, eine Form der Chorschranke, ist oft mit Statuen oder Darstellungen der Zwölf Apostel verziert.Rauhaus: Kleine Kirchenkunde. 2007, S. 36. Viele Lettner wurden im Zuge der Reformation entfernt, weitere nach dem Konzil von Trient (1563).Bühren: Kirchenbau in Renaissance und Barock. 2014, S. 94. Nach reformiertem Verständnis ist das Kirchengebäude als solches kein heiliger Ort, sondern es gilt das Priestertum aller Gläubigen, sodass eine Trennung von Altarbereich und Gemeinderaum überflüssig ist.Rauhaus: Kleine Kirchenkunde. 2007, S. 12. Ab Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Ostung beim Neubau von Kirchen vielfach aufgegeben.
Der Altar ist in den meisten Kirchen das bedeutendste Ausstattungsstück, da hier die Feier der Eucharistie stattfindet. Er ist oftmals um eine oder mehrere Stufen erhöht und wird von einer Mensaplatte bedeckt, die aus einem einzigen Stück hergestellt sein muss und auf dem Stipes ruht. An der Vorderseite ist häufig ein Antependium oder Antemensale angebracht. Der hinten aufgesetzte Aufbau, der mit Malereien oder Plastiken verziert ist, wird als Retabel bezeichnet. Das schlichte romanische Tafelretabel wurde in der Gotik vom Flügelaltar abgelöst.Reinle: Die Ausstattung deutscher Kirchen im Mittelalter. 1988, S. 19. Ein bekrönender Baldachin oder ein Ziborium kann die Bedeutung des Altars hervorheben. In römisch-katholischen Kirchen ist in den Altar häufig ein Sepulcrum, ein Stein mit einer Heiligenreliquie, eingelassen.Uni Münster: , abgerufen am 18. Juni 2017. Ist der Altar über dem Grab eines Heiligen errichtet, macht dieses das Sepulcrum überflüssig.Beispiele hierfür finden sich u. a. im Hildesheimer Dom oder im Petersdom.
Ab dem 6. Jahrhundert setzte mit der Heiligenverehrung und dem Reliquienkult eine Zunahme von Privatmessen ein, wodurch es – zunächst in Abtei- und Klosterkirchen – oftmals zu einer Vervielfachung der Altäre kam. Nebenaltäre wurden unter anderem im Kirchenschiff an den Pfeilern, in den Seitenapsiden, Seitenschiffen, an den Seitenwänden, im Chorumgang oder im Priesterchor aufgestellt.Justin E. A. Kroesen: Seitenaltäre in mittelalterlichen Kirchen. Standort – Raum – Liturgie. Schnell & Steiner, Regensburg 2010, ISBN 978-3-7954-2172-4, S. 12 und passim. Im Mittelalter konnten Altäre mit einem bestimmten Patrozinium gestiftet werden; zur Stiftung gehörte auch der Unterhalt für einen Priester.
Der Hauptaltar rückte im Laufe der Zeit näher an die Apsis heran (und damit weiter von der Gemeinde weg) und entwickelte sich zum Hochaltar, der zunehmend aufwändig gestaltet wurde. Vor dem Lettner stand ein Volksaltar als Zelebrationsaltar, an dem die Messen für die Laien zelebriert wurden; häufig war er dem Kreuz Christi geweiht und wurde Kreuzaltar genannt.Rauhaus: Kleine Kirchenkunde. 2007, S. 37. Infolge einer theologischen Neuorientierung durch die Liturgische Bewegung ab etwa 1920 und der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils kam es in der römisch-katholischen Kirche verbreitet zu einer Änderung der Zelebrationsrichtung: Der Priester steht bei der Eucharistiefeier in der Regel jetzt hinter dem Altar, der Gottesdienstgemeinde zugewandt. Dadurch wurden viele Altarräume architektonisch umgestaltet. Der Hauptaltar einer katholischen Kirche soll heute freistehend sein, damit er leicht umschritten werden kann, und soll so aufgestellt werden, „dass er wahrhaft den Mittelpunkt bildet“. Bei Kirchenneubauten soll nur noch ein Altar errichtet werden, „der in der Versammlung der Gläubigen den einen Christus und die eine Eucharistie der Kirche bezeichnet“.Grundordnung des Römischen Messbuchs. Vorabpublikation zum Deutschen Messbuch. Institutio Generalis Missalis Romani. Herausgegeben vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz. 3. Aufl. Bonn 2007, 303 (PDF-Datei; 532 kB).
Mit Einführung der Reformation wurde in den lutherischen Kirchen nur der Hauptaltar beibehalten. Da das Abendmahl bei den reformierten Kirchen und Freikirchen nur Erinnerungsmahl ist, findet sich hier lediglich ein Abendmahlstisch. In den norddeutschen Kirchen calvinistischer Tradition trat zudem der Schriftaltar mit zentralen biblischen oder liturgischen Texten wie den Zehn Geboten, den Einsetzungsworten oder dem Apostolikum an die Stelle des Altarretabels.Dietrich Diederichs-Gottschalk: Die protestantischen Schriftaltäre des 16. und 17. Jahrhunderts in Nordwestdeutschland. Verlag Schnell + Steiner GmbH, Regensburg 2005, ISBN 3-7954-1762-7. Seltener sind tragbare Altäre (Portatile), die bei Prozessionen, im Heerzug oder für Reisen, auf öffentlichen Plätzen oder Friedhöfen eingesetzt wurden.Reinle: Die Ausstattung deutscher Kirchen im Mittelalter. 1988, S. 6. Seit frühester Zeit gehören zum Altar metallene oder hölzerne Leuchter und Altarkerzen.Reinle: Die Ausstattung deutscher Kirchen im Mittelalter. 1988, S. 112.
Sakramentshaus und Tabernakel
Entsprechend der besonderen Bedeutung der geweihten Hostien in der römisch-katholischen Kirche gibt es zu deren Aufbewahrung separate Behältnisse. Während in der Romanik die Hostien in einer vergitterten und oft aufwendig verzierten Wandnische im Chor verwahrt wurden, entstand am Ende des 14. Jahrhunderts das freistehende, turmähnliche Sakramentshaus, das meist auf der Evangelienseite (an der Nordseite) aufgestellt wurde.Bühren: Kirchenbau in Renaissance und Barock. 2014, S. 100. Sakramentshäuser mit verschließbaren Gittertüren sind aus weichem Stein kunstvoll und oft mehrere Meter hoch gestaltet, seltener aus Holz oder Metall.Reinle: Die Ausstattung deutscher Kirchen im Mittelalter. 1988, S. 27. In nachgotischer Zeit wurden sie durch das Tabernakel abgelöst, das zentral im Retabel des Hauptaltars seinen Platz fand, so besonders im Zeitalter des Barock.Bühren: Kirchenbau in Renaissance und Barock. 2014, S. 103. Auch können die Reliqua sacramenti in einer eigenen Seitenkapelle oder in einem kunstvollen Tabernakel auf einer Stele aufbewahrt werden.
Kruzifix und Kreuz mini|hochkant|Triumphkreuz im Lübecker Dom von 1477 Einige mittelalterliche Kirchen haben im Triumphbogen zwischen dem kultischen Raum und dem Laienraum ein hölzernes, monumentales Triumphkreuz mit der Darstellung der teils lebensgroßen Kreuzigungsgruppe.Manuela Beer: Triumphkreuze des Mittelalters. Ein Beitrag zu Typus und Genese im 12. und 13. Jahrhundert. Mit einem Katalog der erhaltenen Denkmäler. Schnell & Steiner, Regensburg 2005, ISBN 3-7954-1755-4. Als Assistenzfiguren konnten aber auch Apostel, Engel und Stifter in Erscheinung treten; manchmal wurde der Gekreuzigte auch allein dargestellt.
Mit dem Rückgang der Triumphkreuze kamen die kleineren Altarkreuze auf, die sich aus dem Vortragekreuz entwickelt hatten. Das an einer Stange befestigte Kreuz wird beim feierlichen Einzug zur Heiligen Messe, bei Prozessionen und anderen feierlichen Anlässen getragen und in Altarnähe aufgestellt. In modernen Kirchen sind zuweilen schwebende Kreuze über dem Altar aufgehängt.
In katholischen Kirchen ist zur Feier der heiligen Messe ein Kruzifix mit dem Bildnis Christi auf dem Altar oder in seiner Nähe vorgeschrieben.Allgemeine Einführung in das Römische Messbuch Nr. 308 . Weitere Kreuze sind an den Wänden angebracht, in evangelischen Kirchen oftmals zentral an der Altarseite, in reformierten Kirchen grundsätzlich ohne Korpus, wenn nicht ganz auf ein Kreuz verzichtet wird.Rauhaus: Kleine Kirchenkunde. 2007, S. 118. An den Innenwänden römisch-katholischer und altkatholischer Kirchen finden sich zwölf Apostelleuchter mit Weihekreuzen an den Stellen, an denen das Kirchengebäude bei der Kirchweihe vom Bischof rituell gesalbt wurde.
Liturgisches Gerät und Paramente
Das liturgische Gerät (Vasa sacra) wird bei der Eucharistie eingesetzt und ist deshalb in der Regel aus Edelmetall – meistens vergoldetes Silber, seltener bloßes Silber – gefertigt. Die Geräte können auf der Kredenz (Gabentisch) bereitgestellt werden. Der Kelch dient bei der Heiligen Messe zur Aufnahme des zu konsekrierenden Weins, in der evangelischen Abendmahlsfeier zur Darreichung von Wein oder Traubensaft. Der dreiteilige Pokal besteht in der Regel aus einem runden oder vielpassigen Fuß, einem polygonalen Knauf (Nodus) und einer Kuppa.Reinle: Die Ausstattung deutscher Kirchen im Mittelalter. 1988, S. 71. Die Patene ist eine flache runde Schale oder ein Teller, auf der die Hostie bzw. das Brot liegt.
Die übrig gebliebenen konsekrierten Hostien werden in römisch-katholischen und altkatholischen Kirchen in einem kunstvoll gestalteten Ziborium aufbewahrt, das mit einem Deckel verschlossen wird und sich an der Kelchform orientiert. Die vergoldete Pyxis wird für die Krankenkommunion eingesetzt. Mit dem Kelchlöffel wird in der Messe dem Wein etwas Wasser zugeführt. In evangelischen Kirchen dient er dazu, Verunreinigungen aus dem Kelch zu entfernen, in orthodoxen Kirchen dazu, den Kommunikanten die vermischten Gaben von Brot und Wein zu reichen. In evangelischen und altkatholischen Kirchen können die Abendmahlsgeräte auch aus Holz, Glas oder Zinn gefertigt sein. Die Monstranz ist ein liturgisches Schaugefäß aus Metall, das meist strahlenförmig gestaltet ist.Rudolf Huber: Kirchengeräte, Kreuze und Reliquiare der christlichen Kirchen. 1991, S. 82–179. In gotischer Zeit waren turmförmige Sakramentsmonstranzen die Regel.Reinle: Die Ausstattung deutscher Kirchen im Mittelalter. 1988, S. 81.
Zur Spendung der Taufe dienen in den meisten Konfessionen Taufkanne und Taufschale.
Gewöhnlich wird auf dem Altar auch die Altarbibel (eine aufwändig gestaltete große Bibel zum liturgischen Gebrauch) ausgelegt.