Weiden bei Rechnitz (, , ) ist eine zweisprachige Gemeinde im Bezirk Oberwart im Burgenland in Österreich. In der Gemeinde leben viele Angehörige der burgenlandkroatischen Minderheit. Weiden ist das Zentrum der Burgenländischen Walachei (kroatisch: (Lipa) Valahija).
Geografie Die Gemeinde liegt im Südburgenland, etwa in der Mitte von Oberwart im Westen und Rechnitz im Osten, am Südhang des Bernsteiner- und Günsergebirges. Mehr als die Hälfte des Gemeindegebietes ist bewaldet, vierzig Prozent werden landwirtschaftlich genutzt.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst folgende zehn Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):
Die Gemeinde besteht aus den neun Katastralgemeinden Allersdorf, Allersgraben, Mönchmeierhof, Podgoria, Podler, Rauhriegel, Rumpersdorf, Weiden bei Rechnitz und Zuberbach.
Deutscher Ortsname Ungarischer OrtsnameUngarische Ortsnamen Sammlung aller ungarischen Ortsnamen in ehemaligen ungarischen Gebieten. Abgerufen am 24. November 2009. Kroatischer Ortsname Sammlung aller kroatischen Ortsnamen im Burgenland. Abgerufen am 24. November 2009. Ortsname auf Romani (PDF; 806 kB); Günther Stefanits: Endonymische Minderheitennamen im Bundesland Burgenland, Österreich S. 43, abgerufen am 24. November 2009.Allersdorf im BurgenlandKulcsárfaluKljučarevci-AllersgrabenSirokányŠirokani-MönchmeierhofBarátmajorMarof-OberpodgoriaHármasfalu, FelsőpodgoriaPodgorje-ParapatitschbergParapaticsParapatićev Brig-PodlerPolányfalva, PolanicPoljanci-RauhriegelFüsthegyRorigljin-RumpersdorfRumpód, RumpótRupišćeRupischaUnterpodgoriaBosnákhegy, AlsópodgoriaBošnjakov BrigTelutno PodgoriWeiden bei RechnitzBándolBandolBandulaZuberbachSzabarSabaraSabara
Nachbargemeinden
Geschichte In den Jahren 1535 brachte Franz Batthyány aus von türkischen Gebieten bedrohte Kroaten als Siedler in die Ortschaften Rauhriegel und Podler. (abgerufen am 11. September 2010)
1650 siedelte Graf Ádám I. Batthyány in Podler 14 vorwiegend kroatische Familien an und stattete sie mit Privilegien aus. Den Namen der Familien nach zu schließen dürften auch Deutsche und Ungarn unter den Siedlern gewesen sein.Kleine Mitteilungen. Podler. Ansiedlung von Kroaten durch Adam Batthány im Jahre 1650. In: Burgenländische Heimatblätter. Hrsg. Landesarchiv und Landesmuseum Burgenland, Eisenstadt 1949, S. 189f,
Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Bándoly verwendet werden.
Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Die Gemeinde gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).
1971 wurden die Gemeinden Allersdorf im Burgenland, Mönchmeierhof, Podgoria, Podler, Rauhriegel-Allersgraben, Rumpersdorf und Zuberbach mit Weiden bei Rechnitz zusammengelegt.
Ansiedlung der Walachen Die durch die Türken ausgelöste Niederlage der Kroaten, auf dem Krbavafeld, im Jahr 1493, löste eine große Wanderbewegung aus. Nach der Niederlage sind die Kroaten den Raubzügen und Plünderungszügen der Türken ausgesetzt, dadurch wird die kroatische Auswanderung nach Westungarn und Niederösterreich ausgelöst. Die dort ansässigen Grundherren streben die Kroatenansiedlungen an, da ein großer Mangel an Arbeitskräften besteht, was die Bewirtschaftungen der Güter unmöglich macht.
Neben den Bauern machen sich auch kroatische Wanderhirten (deutsch: „Walachen“, kroatisch: „Vlahi“) auf den Weg nach Norden. Deren Ansiedlung in unserem Raum begann um das Jahr 1540, teils unter der Herrschaft „Rechnitz – Schlaining“ in Mönchmeierhof, Rauhriegel, Allersdorf, Allersgraben, Podler, Althodis, und teils unter der Herrschaft Rotenturm: Rumpersdorf, Podgoria, Unterpodgoria, Weiden bei Rechnitz, Parapatitschberg, Stefanshof, Spitzzicken. Die Walachen lebten vom spärlichen Ackerbau und von der Viehzucht. Die Walachen nahmen bei den Grundherren eine besondere Stellung ein, die sogenannten „Walachischen Freiheiten“, das heißt, weitgehende Befreiung von Abgaben an die Grundherrschaft und vom Robotdienst. Diese Sonderrechte ließen sich die Walachen von ihrer Grundherrschaft immer wieder erneut bestätigen. Es wurden ihnen aber auch Pflichten, wie Wachdienst, Polizeidienst sowie die Mithilfe bei Ausbesserungsarbeiten auf den Herrschaftssitzen auferlegt.
Weiden bei Rechnitz ist das Zentrum der politischen Gemeinde. Die Gründung erfolgte durch die Walachenansiedlung zwischen 1517 und 1547. Die den Weidner Walachen verliehenen Sonderrechte werden in einer Urkunde von 1549 von Peter II. Erdöly bestätigt.
Bevölkerungsentwicklung
1910 bis 2025 sank die Bevölkerung in Weiden bei Rechnitz. 2025 lebten da nur 786 Menschen. 2026 waren es immerhin 799.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Filialkirche hll. Petrus und Paulus in Rumpersdorf mini|Filialkirche hl. Theresia in Allersdorf mini|Filialkapelle Mariae Namen in Mönchmeierhof
Katholische Pfarrkirche Weiden bei Rechnitz hl. Johannes Nepomuk Katholische Filialkirche Mönchmeierhof Mariä Namen Katholische Filialkirche Podler hl. Antonius Katholische Filialkirche Rumpersdorf Hll. Peter und Paul
Politik Gemeinderat
Der Gemeinderat umfasst aufgrund der Anzahl der Wahlberechtigten insgesamt 15 Mitglieder. + Ergebnisse der Gemeinderatswahlen seit 1997 Partei 2022 2017Land Burgenland: Wahlergebnis Weiden bei Rechnitz 2017 (abgerufen am 17. Jänner 2018) 2012Land Burgenland: Wahlergebnis Weiden bei Rechnitz 2012 (abgerufen am 17. Jänner 2018) 2007Land Burgenland: Wahlergebnis Weiden bei Rechnitz 2007 (abgerufen am 17. Jänner 2018) 2002Land Burgenland: Wahlergebnis Weiden bei Rechnitz 2002 (abgerufen am 17. Jänner 2018) 1997Sti.%M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. ÖVP44860,4610 464 64,27 10 409 56,65 9 476 63,64 10 519 65,70 10 457 62,69 10 SPÖ24933,605 175 24,24 4 183 25,35 4 272 36,36 5 271 34,30 5 272 37,31 5 GRÜNE233,100nicht kandidiertnicht kandidiertnicht kandidiertnicht kandidiertnicht kandidiert FPÖ212,830 31 4,29 0 nicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert BLWnicht kandidiert 52 7,20 1 130 18,01 2 nicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert Wahlberechtigte867 847 858 904 934 870 Wahlbeteiligung88,00 % 88,43 % 88,34 % 86,62 % 87,37 % 89,66 %
Gemeindevorstand Neben Bürgermeister Anton Szmolyan und Vizebürgermeister Nico Ott gehören weiters die geschäftsführenden Gemeinderäte Jürgen Rudolics, Sascha Fritz und Adolf Horvath dem Gemeindevorstand an.
Bürgermeister Bürgermeister ist Anton Szmolyan (ÖVP).
Vor den Wahlen am 7. Oktober 2012 trat der damals 71-jährige Richard Omasits (ÖVP), der seit 1992 der Gemeinde vorstand, als Bürgermeister zurück. Bei der Bürgermeisterdirektwahl setzte sich Wilhelm Müller (ÖVP) im ersten Wahlgang mit 59,95 % durch. Johann Decker (SPÖ) blieb mit 20,70 % hinter dem Parteiergebnis zurück, der zweite Bürgermeister Josef Tkauz, um den sich nach einem ÖVP-internen Streit eine neue Liste, die Bürgerliste Weiden, gebildet hatte,ORF Burgenland vom 25. September 2012: Neue Gesichter in Weiden bei Rechnitz (abgerufen am 17. Jänner 2018) kam auf 19,35 %.
Bei der Wahl am 1. Oktober 2017 gewann Müller im ersten Wahlgang mit 73,27 % gegen Decker (SPÖ, 20,91 %) und Herold Schutti für die FPÖ (5,82 %).
Bei der Wahl 2022 erhielt Anton Szmolyan im ersten Wahldurchgang 57,24 Prozent der Stimmen und ist seither Bürgermeister.
Leiter des Gemeindeamts ist Michael Höfler.
Persönlichkeiten Ehrenbürger der Gemeinde 2012: Richard Omasits (* 1941), Bürgermeister der Gemeinde Weiden bei Rechnitz 1992–2012 Söhne und Töchter der Gemeinde
Karl Zlatarits (1877–1970), Bergarbeiter und Politiker Christian Keglevits (* 1961), Fußballspieler
Weblinks
Homepage der Gemeinde Lipa Vlahija - Die schöne Walachei, ORF-Dokumentation, 2016
Einzelnachweise
Kategorie:Kroatischsprachige Gemeinde im Burgenland Kategorie:Katastralgemeinde im Bezirk Oberwart