mini|Hauptplatz von Rechnitz mini|Gemeindeamt Rechnitz Rechnitz (ungarisch Rohonc/Rohoncz, kroatisch Rohunac, Romani Rochonca) ist eine Marktgemeinde im Bezirk Oberwart im Burgenland in Österreich.
Geografie Geografische Lage Die Marktgemeinde Rechnitz liegt am Südhang des Günser Gebirges, das auch als Rechnitzer Schiefergebirge oder als Rechnitzer Fenster bezeichnet wird, am Fuße des 884 m hohen Geschriebensteins. Das waldreiche Mittelgebirge geht dort in Wein- und Obstgärten über, daran schließen sich die weiten Felder in den Ausläufern des pannonischen Tieflandes.
Sonniges, mildes Klima begünstigt Ackerbau, Forstwirtschaft sowie Wein- und Obstbau, wobei dem Marillenanbau hier besondere Bedeutung zukommt.
Der Ort liegt direkt an der Grenze zu Ungarn und hat seit 1991 einen Grenzübergang nach Bozsok, 22 Kilometer nordwestlich von Szombathely (Steinamanger).
Nachbargemeinden
Klima
Geschichte Die neolithische Besiedlung des Gemeindegebietes ist durch linearbandkeramische Hausbefunde und drei Kreisgrabenanlagen der Lengyel-Kultur belegt. Bereits um 500 v. Chr. war die Ebene südlich des Geschriebensteins besiedelt, was Funde aus der Keltenzeit beweisen. Bedeutende Funde wurde auch aus der Römerzeit gemacht, z. B. ein Strang der römischen Wasserleitung, die die Stadt Savaria mit Quellwasser versorgte.Péter Kiss, Réka Mladoniczki, Jörg Scheuerbrandt, Eszter Harsányi: Die Colonia Claudia Savaria von der Mitte des 1. bis zum 3. Jh. n. Chr. Colonia Claudia Savaria a Kr. u. 1. sz. közepe és a 3. sz. között. In: Im Auftrag des Adlers. A római sas szolgálatában. Publius Ferrasius Avitus. Begleitbuch zur Deutsch-ungarischen Sonderausstellung. Römermuseum, Osterburken 2012, ISBN 978-3-00-037759-4, S. 50.
Gegen Ende des 6. Jahrhunderts gründeten Slawen die Siedlung Orechovca, was so viel wie „Nusshain“ bedeutet. Dieser Name wurde später von deutschen Siedlern umgewandelt. 1260 erfolgt die erste urkundliche Erwähnung. 1348 erhielt Rechnitz das Marktrecht. Der Ort entwickelte sich unter dem Schutz von Schloss Rechnitz, das über mehrere Jahrhunderte der Familie Batthyány gehörte.https://www.batthyany.at/ Der aus den zwei Teilen Deutschmarkt und Ungarmarkt zusammengewachsene Ort war Zunftstätte zahlreicher Handwerker wie Stiefelmacher sowie vieler Mühlen. Das noch erhaltene Granarium (Schüttkasten) in der Bahnhofstraße zeugt von der landwirtschaftlichen Bedeutung des Ortes.
Der Ort gehörte, wie das gesamte Burgenland, bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Rohonc verwendet werden. Nach Ende des Ersten Weltkrieges wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).
Der Ort hatte eine jüdische Gemeinde, die sich wahrscheinlich schon im 15. Jahrhundert hier ansiedelte. Bereits im Jahr 1649 wird eine Synagoge erwähnt. 1718 wurde ein größerer Neubau für die Mitglieder der jüdischen Gemeinde errichtet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts lebten 859 Juden in Rechnitz. Heute erinnern nur noch die „Judengasse“ und der jüdische Friedhof an diese Zeit.Rechnitz auf der Website des Österreichischen Jüdischen Museums..
Nach Rechnitz benannt ist der bislang nicht entzifferte Codex Rohonczi, welcher in der ungarischen Akademie der Wissenschaften aufbewahrt wird.
Rechnitz in der Zeit des Nationalsozialismus und im Zweiten Weltkrieg mini|Mahnmal Kreuzstadl Rechnitz Im Zweiten Weltkrieg wurden in Rechnitz Zwangsarbeiter im „Lager Wald“ und in den Schlossanlagen untergebracht. In den letzten Tagen des Krieges wurden mit der Bahn etwa 600 Zwangsarbeiter, vor allem ungarische Juden, nach Burg transportiert, um am Südostwall zu arbeiten. Etwa 200 von ihnen, die erschöpfungs- und krankheitsbedingt nicht mehr arbeiten konnten, wurden in der Nacht vom 24. auf den 25. März 1945 nach Rechnitz zurücktransportiert. Am selben Abend feierte die im Schloss einquartierte örtliche SS im Beisein der Besitzerin, Gräfin Margit von Batthyány, ein sogenanntes Gefolgschaftsfest. Dabei entfernte sich ein Teil der Anwesenden und ermordete die geschwächten Zwangsarbeiter, die vom Bahnhof mit einem LKW zum Exekutionsort gebracht wurden. Nach diesem Massaker von Rechnitz feierte man weiter.Hanna Engelmeier Puppenhäuser der Verbrecher in Süddeutsche Zeitung vom 25. August 2021, S. 13
Am Abend des 29. März 1945 überschritt das 37. Garde-Schützenkorps der 9. sowjetischen Gardearmee die österreichische Grenze bei Rechnitz und eroberte den Ort nach mehrstündigen Gefechten gegen drei Volkssturmbataillone.Manfried Rauchensteiner: Der Krieg in Österreich 1945, Österr. Bundesverlag, Wien 1984, ISBN 3-215-01672-9. Am 1. April gelang es dem SS-Panzergrenadier Ersatz- und Ausbildungsbataillon 11, das vorwiegend aus jungen niederländischen Freiwilligen bestand, Rechnitz nach heftigen Kämpfen zurückzuerobern. Der Kommandeur, SS-Sturmbannführer Willi Schweitzer, wurde für die Rückeroberung mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet. Nach fünf Tagen musste sich der Verband aus Rechnitz zurückziehen, um nicht eingeschlossen zu werden. Der Ort wurde wieder von der Roten Armee besetzt.Friedrich Brettner: Die letzten Kämpfe des II. Weltkrieges. Pinka-Lafnitz-Hochwechsel. Bei den Kampfhandlungen wurde das Schloss Rechnitz fast völlig zerstört; später wurde es abgetragen.Walter Kalina: Die Brigittakapelle in Wien 20 (1650/51). „...in capella a nobis nuper in sylva Thaber inter pontes Danuby extructa...“, in: Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Österreichische Zeitschrift für Kunst- und Denkmalpflege. LIX, 2005, Heft 3/4, S. 252.
Rechnitz während des Ungarischen Volksaufstandes 1956 Während des ungarischen Volksaufstandes kam es am 23. November 1956 bei Rechnitz zum gefährlichsten Vorfall der Grenzüberwachung: Drei russische Soldaten drangen bei der Verfolgung ungarischer Flüchtlinge über die österreichische Staatsgrenze vor und schossen auf eine einschreitende Zollwachpatrouille. Anschließend versuchten sie ein junges Mädchen zu berauben und zu vergewaltigen,https://www.bundesheer.at/facts/50jahrebh/meilensteine/pdf/meilenstein_1956.pdf wurden jedoch von einer Gendarmeriepatrouille gestellt und zum Niederlegen der Waffen aufgefordert. Während einer der Soldaten verhaftet werden konnte, flüchteten die anderen zwei Richtung Grenze; bei einem anschließenden Schusswechsel wurde einer der Flüchtenden getötet, der andere konnte entkommen. Die Sicherheitsdirektion alarmierte daraufhin das Bundesheer, das einen verstärkten Infanteriezug des Infanteriebataillons 2 nach Rechnitz verlegte, um die Bevölkerung zu beruhigen und vor möglichen Übergriffen zu schützen. Am 26. November wurde der Leichnam des erschossenen Soldaten in Anwesenheit des russischen Verteidigungsattachés, Oberst Makowskij, mit militärischen Ehren an die Russen in Ungarn übergeben. Der gefangene russische Soldat wurde erst am 1. Dezember, nach Intervention der sowjetischen Botschaft in Wien, den Russen übergeben. Der Grenzeinsatz wurde erst am 23. April 1957 offiziell beendet.
Bevölkerungsentwicklung
2021 wurde der Bevölkerungstiefststand mit 2984 Menschen in Rechnitz erreicht. 2025 lebten da 3053 Personen.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Katholische Pfarrkirche Rechnitz mini|hochkant=0.75|Evangelische Pfarrkirche Rechnitz
Katholische Pfarrkirche Rechnitz hl. Katharina Evangelische Pfarrkirche Rechnitz Ödes Schloss (Ruine) Schloss Rechnitz: Das Schloss wurde in der Nacht vom 29. zum 30. März 1945 bei Kriegshandlungen zerstört. Terrassenmauern und ein Brunnen sind erhalten. Kreuzstadl Rechnitz: Ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter wurden am 24. und 25. März 1945 beim Massaker von Rechnitz ermordet. Schüttkasten Rechnitz Naturpark Geschriebenstein-Írottkő
Im Ort gibt es einen durch Aufstauen des Rechnitzbaches entstandenen Badestausee Rechnitz und eine Kartbahn. Der Naturpark Geschriebenstein-Írottkő ist mit seinen Wander- und Ausflugsmöglichkeiten ein beliebtes Erholungsgebiet.
Wirtschaft und Infrastruktur Gesundheit Apotheke: Im Zentrum der Gemeinde Rechnitz befindet sich eine Apotheke. Ärzte: Für die Betreuung der Bevölkerung stehen Praktische Ärzte und ein Zahnarzt zur Verfügung. Pflege: Die Caritas Burgenland betreibt das Altenwohn- und Pflegezentrum Haus Elisabeth. Ein zweites Pflegeheim wird durch die Burgenländische Pflegeheim-Betriebsgesellschaft betrieben.
Bildung Kindergarten: Die Caritas Burgenland betreibt in Rechnitz eine Kinderkrippe und einen Kindergarten, Schulen: In Rechnitz gibt es eine Volksschule, eine Mittelschule und eine Musikschule.
Sport Durch Rechnitz verlaufen der Burgenland Weitwanderweg sowie der Ostösterreichische Grenzlandweg 07.
Politik Gemeinderat
Der Gemeinderat umfasst aufgrund der Anzahl der Wahlberechtigten insgesamt 23 Mitglieder. + Ergebnisse der Gemeinderatswahlen seit 1997 Partei 2022 2017Land Burgenland: Wahlergebnis Rechnitz 2017 (abgerufen am 13. Jänner 2018) 2012Land Burgenland: Wahlergebnis Rechnitz 2012 (abgerufen am 13. Jänner 2018) 2007Land Burgenland: Wahlergebnis Rechnitz 2007 (abgerufen am 13. Jänner 2018) 2002Land Burgenland: Wahlergebnis Rechnitz 2002 (abgerufen am 13. Jänner 2018) 1997Sti.%M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. SPÖ114366.6516 976 57,96 14 1071 62,74 15 1066 58,28 14 1051 53,98 13 847 45,66 10 ÖVP38522.455 470 27,91 6 636 37,26 8 698 38,16 9 693 35,59 8 620 33,42 8 FPÖ17810.382 238 14,13 3 nicht kandidiert nicht kandidiert 203 10,43 2 388 20,92 5KLART90.520nicht kandidiertnicht kandidiertnicht kandidiertnicht kandidiertnicht kandidiert FBLnicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert 65 3,55 0 nicht kandidiert nicht kandidiert Wahlberechtigte2750 2563 2640 2682 2685 2627 Wahlbeteiligung68,73 % 76,32 % 76,74 % 76,64 % 81,45 % 91,92 %
Bürgermeister und Gemeindevorstand Bürgermeister ist Martin Kramelhofer (SPÖ). Nachdem Engelbert Kenyeri (SPÖ), der seit 2007 der Gemeinde vorstand, mit 31. Dezember 2016 seinen Rücktritt als Bürgermeister bekanntgab,Marktgemeinde Rechnitz: (abgerufen am 14. Jänner 2018) wurde das vormalige Mitglied des Gemeindevorstands Martin Kramelhofer am 20. Jänner 2017 vom Gemeinderat zum neuen Bürgermeister gewählt.Marktgemeinde Rechnitz: (abgerufen am 14. Jänner 2018) Bei der Bürgermeisterdirektwahl am 1. Oktober 2017 gewann Kramelhofer im ersten Wahlgang mit 59,87 %. Seine beiden Mitbewerber Klaus Adelmann (ÖVP) und Thomas Karacsony (FPÖ) erreichten 26,59 % bzw. 13,54 %. Bei der Wahl 2022 wurde Martin Kramelhofer mit 66,56 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt. Vizebürgermeister seit der letzten Wahl ist Daniel Karacsonyi.
Leiterin des Gemeindeamtes ist Evelyn Knopf.
Liste der Bürgermeister von Rechnitz
1946–1962 Alois Hofer (SPÖ) 1962–1973 Josef Szerencsi (SPÖ) 1973–1989 Alois Gossi (SPÖ) 1989–1992 Heribert Oswald (ÖVP) 1991 – 26. Jänner 2007 Josef Saly (SPÖ)ORF Burgenland vom 6. Oktober 2006: In Rechnitz tritt Josef Saly (SPÖ) nach 17-jähriger Tätigkeit als Bürgermeister zurück (abgerufen am 14. Jänner 2018) 26. Jänner 2007 – 31. Dezember 2016: Engelbert Kenyeri (SPÖ) seit 20. Jänner 2017 Martin Kramelhofer (SPÖ)
Städtepartnerschaften Alzey in Rheinland-Pfalz, Deutschland (seit 1981) Lábatlan, Ungarn (seit 2003)
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Gemeinde Karl Josef Batthyány (1697–1772), General und Feldmarschall Anton Széchenyi (1714–1767), kaiserlich österreichischer Feldmarschall-Lieutenant Theodor I. Batthyány (1729–1812), ungarischer Magnat und Grundherr Gustav Pick (1832–1921), Musiker und Komponist von Wienerliedern Adalbert Winkler (1857–1938), Ordensgeistlicher und Denkmal-Konservator Franz Binder (1881–1944), Polizeibeamter und Politiker Alois Hofer (1892–1976), Maurer und Politiker Franz Stampf (1899–1981), Kaufmann und Politiker