Riedlingsdorf () ist eine Marktgemeinde im Bezirk Oberwart im Burgenland in Österreich, die im oberen Pinkatal liegt und Einwohnern (Stand ) hat. Der 1331 erstmals urkundlich erwähnte Ort wurde als Waldhufendorf innerhalb des ungarischen Grenzschutzsystems Gyepű gegründet. Anfangs Teil der Herrschaft Bernstein gehörte Riedlingsdorf jahrhundertelang zur Herrschaft Pinkafeld in Westungarn. Militärische Auseinandersetzungen wie der Erste Österreichische Türkenkrieg und die Kuruzenaufstände führten wiederholt zu Zerstörungen.

Die Ortschaft kam im Zuge der Landnahme des Burgenlandes 1921 zu Österreich. Am Ende des 20. Jahrhunderts änderte sich das Erscheinungsbild der Ortschaft grundlegend, als die bäuerlichen Strukturen verschwanden, weil viele Einheimische als Wochenpendler vor allem nach Wien pendeln. Aufgrund des EU-geförderten regionalen Wirtschaftsaufschwungs des Burgenlandes der letzten Jahrzehnte bildet Riedlingsdorf mittlerweile eine Wohngemeinde für junge Familien.

Geografie Lage Die Gemeinde liegt im Nordwesten des südlichen Burgenlands im oberen Pinkatal an den Ausläufern des Wechselgebiets (Bernsteiner Bergland im Nordosten, Bucklige Welt im Nordwesten, Joglland im Westen), das hier gegen Süden nahtlos in das südburgenländische Hügelland übergeht. Das Landschaftsbild wird im Nahbereich von sanften Hügeln und großräumig vom Wechselmassiv geprägt. Nach Süden hin öffnet sich das Tal der Pinka, die begrenzenden Erhebungen erreichen nicht mehr die Höhe wie jene im Norden der Ortschaft.

Gemeindegliederung Die Gemeinde gliedert sich sechs Ortsteile, von denen Untertrum (südöstlich), Mitteltrum (zentral), Obertrum (nördlich) und Neudörfl (nordöstlich) östlich der Pinka liegen, während sich Unteranger im Süden und Oberanger im Norden westlich der Pinka befinden.

Nachbargemeinden Zu den beiden Nachbarstädten Pinkafeld und Oberwart gibt es mit der Steinamangerer Straße eine direkte Straßenverbindung, wobei man nach Pinkafeld üblicherweise über die L264 (Riedlingsdorfer Straße) fährt. Nach Buchschachen, einem Ortsteil der Nachbargemeinde Markt Allhau, führt mit der L360 (Buchschachener Straße) ebenfalls eine direkte Straße. Der Nachbarort Oberschützen ist über einen asphaltierten Güterweg zu erreichen, der nach zwei Kilometern in die von Pinkafeld nach Oberschützen führende L235 (Pinkafelder Straße) mündet. Zum Nachbarort Loipersdorf-Kitzladen gibt es keine direkte Straßenverbindung.

Flora und Fauna Flora mini|hochkant|Im Süden von Riedlingsdorf ist der stark gefährdete Langblättrige Ehrenpreis anzutreffen. mini|hochkant|Auf dem ehemaligen Abbauareal des Ziegelwerks befindet sich eine seltene Bienenfresser-Kolonie.

Die Grundzusammenlegung in den 1980er-Jahren führte um maschinengerechte Grundstücksstrukturen zu erhalten zu einem massiven Eingriff in die Kulturlandschaft des Ortes und somit auch zu einer Veränderung des Lebensraumes von Tieren und Pflanzen. Neben diesen für die Landwirtschaft optimierten Flächen gibt es aber nach wie vor Bereiche, in denen ein großer Artenreichtum erhalten geblieben ist. So befindet sich einen Kilometer südlich der Ortschaft eine rund einen Hektar große Pfeifengraswiese, die durch extensive Grünlandbewirtschaftung entstanden ist und die für die Region seltene Pflanzenarten wie Sumpf-Schafgarbe, Glanz-Wiesenraute oder Sibirische Schwertlilie beherbergt.Josef Weinzettl: Naturräumliche Gegebenheiten in und um Riedlingsdorf in 680 Jahre Marktgemeinde Riedlingsdorf, Herausgeber Marktgemeinde Riedlingsdorf, Eigenverlag, Riedlingsdorf 2011, S. 66–68 Während südlich der Ortschaft gefährdete Raritäten wie Echter Baldrian, Ufer-Wolfstrapp, Grau-Katzdistel, Langblättriger Ehrenpreis und Sumpf-Weidenröschen wachsen, entwickeln sich entlang der Pinka große Neophyten-Flure, bestehend aus Schlitzblättrigem Sonnenhut, Kanadischer Goldrute und Drüsigem Springkraut.Josef Weinzettl: Naturräumliche Gegebenheiten in und um Riedlingsdorf. Riedlingsdorf 2011, S. 70–71 Östlich des Friedhofes, befinden sich Streuobstwiesen lokaler Obstsorten und gefährdete Wiesenpflanzen wie Heide-Nelke und Großblütige Braunelle.Josef Weinzettl: Naturräumliche Gegebenheiten in und um Riedlingsdorf. Riedlingsdorf 2011, S. 74–75 In den Wäldern dominieren Fichten.Von der »Kleinen Eiszeit« zur »Großen Heißzeit« (PDF), Webseite www.lwf.bayern.de, abgerufen am 26. April 2018. Klimatische Veränderungen der letzten Jahrzehnte und massiver Borkenkäferbefall setzen diese unter Druck,Fichten von Hitze und Borkenkäfern bedroht, Webseite burgenland.orf.at, abgerufen am 26. April 2018. auch Orkanereignisse, zuletzt 2017, führen zu großen Schäden.Orkan verwüstet Teile des Burgenlandes, Webseite burgenland.orf.at, abgerufen am 26. April 2018. Da auch die Förderrichtlinien der Burgenländischen Landesregierung eine Förderung der Aufforstung von Fichtenwälder ausschließen,, Webseite www.burgenland.at, abgerufen am 26. April 2018. sind die Wälder einem umfassenden Wandel unterworfen, weil die Waldbesitzer für die Wiederaufforstung der geschädigten Waldflächen überwiegend Laubbäume verwenden.

Fauna Eine Besonderheit stellt die in Riedlingsdorf ansässige Bienenfresser-Kolonie im aufgelassenen Abbauarela des örtlichen Ziegelwerkes dar. Der Mitte der 2000er-Jahre eingestellte Tonabbau hinterließ eine stufenförmige Abbaugrube mit großen Steilwänden, in denen die Bienenfresser ihre Nesthöhlen bauen. Neben der Riedlingsdorfer Brutkolonie gibt es im ganzen Südburgenland nur noch eine weitere in einer Sandgrube nördlich von Pinkafeld.Josef Weinzettl: Naturräumliche Gegebenheiten in und um Riedlingsdorf. Riedlingsdorf 2011, S. 76 bis 77

Die Wiesen südlich der Ortschaft werden von zum Teil seltenen Schmetterlingsarten wie Blauäugiger Waldportier, Braunfleckiger Perlmuttfalter, Kurzschwänziger Bläuling oder Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling bevölkert. An Heuschrecken sind neben Arten wie Bunter Grashüpfer, Feldgrashüpfer oder Kleine Goldschrecke auch die seltene Große Goldschrecke oder die Große Schiefkopfschrecke auf diesen Wiesen anzutreffen. Als seltene Tierart ist auf diesen Flächen außerdem die Gerandete Jagdspinne anzutreffen.Josef Weinzettl: Naturräumliche Gegebenheiten in und um Riedlingsdorf. Riedlingsdorf 2011, S. 71 und 72

Die Wiesen und Wälder der Gemeinde stellen außerdem den Lebensraum von für das Südburgenland typischen Tierarten wie Rothirsch, Rehwild, Wildschwein, Fasan, Rebhuhn, Fuchs und Dachs dar, welche von der Jagdgesellschaft Riedlingsdorf bejagt werden.Wilfried Salber: Jagdgesellschaft Riedlingsdorf Riedlingsdorf 2011, S. 89

Klima Die Gemeinde befindet sich in der gemäßigten Klimazone. Durch seine Lage südöstlich der Alpen ist Riedlingsdorf von den vorherrschenden Westwinden, die Wetterfronten vom Nordatlantik nach Nordwest- und Mitteleuropa bringen, weitgehend abgeschirmt.

Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt minimal 6,6 und maximal 14,5 °C und die mittlere jährliche Niederschlagsmenge 719 Millimeter. Der meiste Niederschlag fällt im Monat Juni mit 99 Millimeter im Durchschnitt, der wenigste im Januar mit 24 Millimeter im Mittel.

Geschichte Vor- und Frühgeschichte mini|Ausgrabung 2002: Hüttenfundament Lampelfeld, Alter ca. 6000 Jahre

Dass die Gegend rund um Riedlingsdorf von jungsteinzeitlichen Jägern und Sammlern durchstreift wurde, bewiesen einerseits der Fund eines Tongefäßes in Oberwart, das der Lengyel-Kultur zugerechnet werden konnte,Historischer Atlas Burgenland, Eisenstadt 2011, S. 25. und andererseits die Entdeckung des Fundamentes einer Hütte auf dem Ortsried Lampelfeld, der im Norden von Riedlingsdorf an Pinkafeld grenzt. Dieser Fund wurde 2002 im Zuge einer Ausgrabung gemacht, die vom Landesmuseum Burgenland durchgeführt wurde. Bei der Entdeckung des Hüttenfundamentes konnten die Archäologen auf dem Boden der Hütte auch einen Steinlöffel bergen, der von den Ausgräbern auf ein Alter von rund 6000 Jahren geschätzt wurde.Fotos von der Ausgrabung auf dem Lampelfeld aus dem Jahre 2002, abgerufen am 3. August 2013. Dieses Artefakt ist heute im Stadtmuseum Pinkafeld ausgestellt.Webseite des Stadtmuseums Pinkafeld, abgerufen am 26. April 2018.

Bei der 2002 im Lampelfeld durchgeführten Grabung durch die Archäologen des Landesmuseums Burgenland konnten zahlreiche Überreste ehemaliger Rennöfen aus der Latènezeit lokalisiert werden. Mit diesen Öfen wurde von den Kelten im Pinkatal ein Teil des im Römischen Reich sehr begehrten Ferrum Noricum, das norische Eisen, produziert. Den dazu notwendigen Rohstoff, Limonit, bauten die keltischen Erzschürfer auf dem Gebiet des heutigen Ortes Riedlingsdorf mittels Duckelbau-Verfahren an einem in der Nähe liegenden Hügel, dem sogenannten Kalvarienberg, ab. Die für den Schmelzvorgang notwendige Holzkohle gewannen sie aus den Wäldern der Umgebung.Wilfried Salber: Eisenproduktion auf dem Gebiet von Riedlingsdorf in 680 Jahre Marktgemeinde Riedlingsdorf, Herausgeber Marktgemeinde Riedlingsdorf, Eigenverlag, Riedlingsdorf 2011, S. 14.

Die Rennöfen-Überreste, genauer gesagt die vom Verbrennungsvorgang übriggebliebene Schlacken, findet man heute im Gemeindegebiet in Form von kleinen Schlackenklumpen auf den Feldern auf der Westseite der Pinka verstreut. Ein rund 80 Kilogramm schwerer Abstichkuchen wurde zufällig, während die Archäologen im Norden von Riedlingsdorf ihre Grabungskampagne durchführten, bei Baggerarbeiten im Süden der Ortschaft gefunden.Wilfried Salber: Eisenproduktion auf dem Gebiet von Riedlingsdorf. Riedlingsdorf 2011, S. 15. Die daraufhin vorgenommene Notgrabung förderte nicht nur einen sechslagigen Abstichkuchen, sondern auch Reste eines darüberliegenden Pfostenbaues zutage. Aufgrund der vorgefundenen Graphittonkeramik und Düsenziegelfragmente konnten die Archäologen den Fund auf die späte Eisenzeit datieren.Susanne Sievers, Otto Helmut Urban, Peter C. Ramsl: Lexikon zur Keltischen Archäologie. A–K; L-Z. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2012, ISBN 978-3-7001-6765-5, S. 1586. (mit Bild eines vorgefundenen Abstichkuchens).

Auf dem Gemeindegebiet von Riedlingsdorf finden sich, wie auch in den Nachbargemeinden, zahlreiche Gruppen von Hügelgräbern. Die Entfernung zwischen diesen Gräbergruppen lässt auf mehrere römische oder keltische Siedlungen schließen, wobei es bis heute, auch aufgrund der dichten Bewaldung, nicht gelungen ist, derartige Besiedlungsspuren nachzuweisen.Wilfried Salber: Eisenproduktion auf dem Gebiet von Riedlingsdorf. Riedlingsdorf 2011, S. 16. Die große Anzahl der Gräber im Gemeindegebiet lässt auch vermuten, dass eine Straße durch das Gebiet des heutigen Riedlingsdorf führte. Historisch bewiesen ist eine Straße von Hartberg nach Szombathely (Savaria) sowie eine Straße von Hartberg nach Aspang-Markt. Bei der vermuteten Straße durch Riedlingsdorf könnte es sich um eine Verbindungsstraße zwischen den oben genannten Verkehrswegen gehandelt haben.Riedlingsdorf 1331–1991, Festschrift zum 660-Jahr-Jubiläum, herausgegeben von der Gemeinde Riedlingsdorf 1991.

In den Jahren 1901 bis 1910 führte der Ortslehrer Johann Posch zusammen mit anderen interessierten Personen diverse Ausgrabungen an insgesamt acht Grabhügeln aus fünf verschiedenen Gräbergruppen durch, an denen sich in weiterer Folge auch die Archäologen F. Hautmann und A. von Rottauscher beteiligten. So wurde in einer mit Feldsteinen gemauerten Kammer, die einen Durchmesser von 1,5 Meter aufwies, Asche mit Knochenresten gefunden. Weiters fanden die Ausgräber Reste von Waffen, Fibeln und Münzen. Die Münzen stammten aus den ersten vier Jahrhunderten nach Christi Geburt und tragen die Bildnisse der römischen Kaiser Augustus, Tiberius, Nerva, Trajan, Caracalla, Antoninus Pius, Constantius I. und Constantius II.