Pinkafeld (; ; ) ist eine Stadtgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Burgenland im Bezirk Oberwart (Österreich). Namensgeber ist die Pinka, ein Nebenfluss der Raab.

Die erste urkundliche Erwähnung stammt vermutlich aus dem Jahre 860.Josef Karl Homma: Geschichte der Stadt Pinkafeld, Eigenverlag Stadtgemeinde Pinkafeld, Pinkafeld 1987, S. 18 ff. Während der folgenden 1000 Jahre war Pinkafeld die meiste Zeit beim Königreich Ungarn. Dennoch war die Bevölkerung, wie im Großteil des ehemaligen Deutsch-Westungarn (heute Burgenland), seit der Zeit Karls des Großen überwiegend deutschsprachig. Historisch gesehen ist Pinkafeld eine Stadt von Handwerkern und Bürgern. Die Stadt erwarb schon im späten Mittelalter zahlreiche Privilegien wie die Blutgerichtsbarkeit, das Markt- und Mautrecht und die Zollfreiheit. Im weiteren Verlauf der Geschichte hatten die Pinkafelder Bürger stets großes Interesse daran, diese Privilegien zu erhalten. Und tatsächlich wurden die Pinkafelder Vorrechte von vielen Kaisern, Königen und regionalen Herrschaftsinhabern immer wieder bestätigt und erweitert. Vom 17. Jahrhundert bis ins frühe 20. Jahrhundert prägte das Tuchmachergewerbe die Stadt.

Mit der Gründung der HTBLuVA Pinkafeld auf dem Gelände des ehemaligen herrschaftlichen Meierhofs machte Pinkafeld 1967 einen wichtigen Schritt in Richtung Schul- und Fachhochschul-Stadt. Als solche hat sie seither insbesondere wegen der Ausbildungsmöglichkeiten im Bereich der Technik überregionale Bedeutung und Bekanntheit erlangt. Seit 2002 ist Pinkafeld eine der 25 Klimaschutzgemeinden des Burgenlands.Homepage Klimabündnis Österreich (abgerufen am 23. Mai 2009).

Geografie Geografische Lage Pinkafeld liegt im Nordwesten des südlichen Burgenlands an der steirischen Grenze nur wenige Kilometer vom Dreiländereck Niederösterreich-Steiermark-Burgenland entfernt im Pinkatal an den Ausläufern des Wechselgebiets (Bernsteiner Bergland im Nordosten, Bucklige Welt im Nordwesten, Joglland im Westen) das hier gegen Süden nahtlos in das südburgenländische Hügelland übergeht. Das Landschaftsbild wird im Nahbereich von sanften Hügeln und großräumig vom Wechselmassiv beherrscht.Alfred Pahr: Erläuterungen zur Geologischen Karte Österreichs, Geologische Bundesanstalt, Wien 1984 Im Westen liegen das SOS-Kinderdorf und Gfangen und im Nordosten Hochart auf Erhebungen über der Stadt.

Die Entwässerung der Stadt erfolgt über die Pinka. Die Pinka ist ein Nebenfluss der Raab, der die Stadt von Nord nach Süd durchquert.

Flächennutzung Die Gesamtfläche der Stadt ist folgendermaßen aufgeteilt:Statistik Austria: in Österreichs Städten in Zahlen, Ausgabe 12/2008, Wien 2008 S9 PDF, 4,8 MB, (abgerufen am 23. Mai 2009).

Mehr als die Hälfte der Fläche Pinkafelds ist von Wald bedeckt. 31,35 % der Fläche wird landwirtschaftlich genutzt. Die verbleibenden Flächen teilen sich in 0,94 % Wasserflächen, 1,56 % Bauflächen, 5,53 % Gärten und 7,74 % sonstige Flächen auf.

Stadtgliederung mini|Übersichtskarte

Das Gemeindegebiet umfasst folgende zwei Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ): Hochart () Pinkafeld ()

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Hochart und Pinkafeld.

Ortsteile der Stadtgemeinde sind: Innere Stadt An der Pinka Klosterleiten Marktfeld Hammerfeld Hinter der Au Lampelfeld Bielfeld Antonifeld Hochart Gfangen

Hochart und Pinkafeld wurden 1970 aufgrund des burgenländischen GemeindestrukturverbesserungsgesetzesBurgenländisches Gemeindestrukturverbesserungsgesetz auf der Homepage des RIS, (abgerufen am 7. Mai 2009). zur Stadtgemeinde Pinkafeld vereinigt. Im Jahr 2001 hatte Hochart 341 Bewohner.

Nachbargemeinden Nördlich grenzt die Stadt beim Pinggauer Ortsteil Sinnersdorf an die Steiermark. Nach Sinnersdorf (das obwohl es zur Steiermark gehört, postalisch und kirchlich von Pinkafeld aus betreut wird) folgt das Ortsgebiet des steirischen Nachbarortes Pinggau und anschließend Friedberg. Im Süden grenzt unmittelbar die Gemeinde Riedlingsdorf an, mit der Pinkafeld bereits zusammengewachsen ist. Richtung Westen führt eine Landesstraße über den Gerichtsberg nach Grafenschachen und von dort weiter nach Loipersdorf-Kitzladen. Die östlichen und südöstlichen Nachbarn Wiesfleck und Oberschützen sind ebenfalls auf Straßen über hügelige Erhebungen zu erreichen. Für viele Nachbarn ist Pinkafeld Einkaufsort und Ziel für Lokalbesuche. Der größte Zusammenhalt mit den Nachbargemeinden ist durch die Pinkafelder Schulen gegeben, in deren Einzugsgebiet sämtliche Nachbargemeinden liegen.

Geologie Pinkafeld befindet sich im Bereich der Tertiärbucht von Friedberg–Pinkafeld, einer Randbucht des Steirischen Beckens. Richtung Osten geht die Pinkafelder Bucht in die Tertiärsenke zwischen Günser Bergland und dem Eisenberggebiet über. Das Grundgebirge ist durch starken Decken- oder Schuppenbau geprägt. Darauf lagert die tertiäre Füllung des Steirischen Beckens: Auf die kontinentalen Bildungen der Sinnersdorfer Schichten (?Karpat) im Norden legen sich Richtung Süden die jüngeren marinen Schichten des Baden, Sarmat und Pannon. Den Abschluss bilden Quartärschichten. Im Bereich der Schichten des Baden und Sarmat wurden in Pinkafeld Tiefengrundwässer durch artesische Hausbrunnen erschlossen.

Die Sinnersdorfer Schicht besteht aus Konglomeraten und Schottern. Relativ gering ist der Anteil an Sinnersdorfer Konglomeraten. Weiter verbreitet sind konglomerierte, schlecht sortierte Wildbach- und Murensedimente (siehe Sedimente) mit dezimeter- bis metergroßen, meist nur kantengerundeten Komponenten aus der Grobgneis- und Wechselserie. Die Sinnersdorfer Schicht enthält außer unbestimmbaren Pflanzenresten keine Fossilien. Die jüngeren Ablagerungen unterscheiden sich von der Sinnersdorfer Schicht mit seinen Konglomeraten und Schottern durch ihren Reichtum an Gneis und Glimmerschiefer.

Im Baden finden sich überwiegend klastische Sedimente wie Grobsand, Kies, Schotter, Schluff, Feinsand und Riffkalk, wobei Sande (häufig geröllführend) überwiegen. Das Liegendste bildet die Serie des Tauchener und Schreibersdorfer Kohlenflözes. Darüber (Hangendes) befinden sich Quarzsande mit Geröllen ohne Fossilien. Das Baden zeichnet sich durch eine Zunahme des Epidot unter den Schwermineralen aus. Die Mächtigkeit des Baden in Pinkafeld wird mit rund 200 Meter angenommen.

Das Sarmat besteht hier ausschließlich aus klastischen Sedimenten (Schluff, Feinsand, Grobsand, Kies, Schotter). Es ist eine weitere Zunahme des Epidots unter den Schwermineralen zu beobachten. Im Baden und Sarmat gibt es wenige Fossilfunde. Die Dicke des Sarmat bei Pinkafeld wird, wie die des Baden, mit rund 200 Meter vermutet.

Im Pannon sind bei Pinkafeld hauptsächlich feinklastische Sedimente (Schluff) zu finden. Nur an der Basis gibt es Konglomerate. Von Westen nach Osten ziehen helle, seltener grüne Mergel mit regelmäßiger Fossilführung, die die Pannonschichten von denen des Sarmat und Baden deutlich unterscheiden. Die Mächtigkeit des Pannon dürfte hier 50 Meter nicht überschreiten. Die tonig-schluffigen Sedimente des Pannon werden in Pinkafeld zur Ziegelherstellung verwendet.

Terrassenschotter aus dem Quartär bedeckt den Rücken westlich Pinkafelds. Er besteht aus bis zu 25 Zentimeter großen, teilweise gutgerundeten Quarz- und Quarzitbrocken in sandiger Matrix.

Klima Das Klima ist dem relativ warmen illyrischen Klimatyp zuzuordnen. Gegen atlantische Einflüsse ist das Gebiet durch die Zentralalpen abgeschirmt. Pinkafeld und Umgebung gehören zu den gewitterreichsten Zonen Österreichs. Der mittlere Jahresniederschlag beträgt etwa 800 bis 900 Millimeter. Die mittlere Anzahl der Tage mit Schneebedeckung beträgt ungefähr 70, die mittleren größten Neuschneemengen zwischen 30 und 50 Zentimeter. Die wahren Jännermittel der Temperaturen betragen zwischen −2 °C und −5 °C, die des Juli etwa 18 °C bis 20 °C.

Geschichte

Urgeschichte, Antike und Mittelalter mini|links|Hügelgräber aus der Römerzeit im Stadtpark mini|Ausschnitt aus der Urkunde König Ludwigs des Deutschen aus dem Jahr 860: „item ad Peinicahu“. mini|hochkant=0.5|Pinkafelder Pranger: Symbol der hohen Gerichtsbarkeit

Die ältesten Fundstücke stammen aus der Jungsteinzeit und sind 6000 Jahre alt. Zur Zeit der Kelten bestand eine Siedlung im Bereich des heutigen Bahnhofs Pinkafeld. Zur Römerzeit war das Gebiet des heutigen Burgenlands Teil der Provinz Pannonien.

Vom 6. bis ins 8. Jahrhundert war das Gebiet von den Awaren beherrscht. Nach den Feldzügen Karls des Großen gegen die Awaren zwischen 791 und 803 wurde Pinkafeld Teil des Fränkischen Reichs und gehörte nach dem Vertrag von Verdun von 843 zum Ostfränkischen Reich. Zu dieser Zeit des Baierischen Ostlandes erfolgte eine intensive deutsche Besiedlung.August Ernst: Geschichte des Burgenlandes, Oldenbourg, München 1991, ISBN 3-486-54072-6. In einer Urkunde des Jahres 860 wurde die Stadt vermutlich erstmals erwähnt. Die Urkunde bezeugt eine Schenkung des Gutes „ad Peinicahu“ des Karolingerkönigs Ludwigs des Deutschen an den Salzburger Erzbischof Adalwin (Adaluuinus). Es ist nicht erwiesen, dass es sich bei dem erwähnten Gut um ein Gebiet im heutigen Pinkafeld handelt.

Um 900 nahmen die Magyaren das Gebiet in Besitz. Das Gebiet des heutigen Pinkafeld lag zu dieser Zeit im Niemandsland (Gyepűelve) zwischen Ungarn und der steirischen Grenze. Danach gehörte Pinkafeld für über tausend Jahre überwiegend zum Königreich Ungarn. In der Schlacht auf dem Lechfeld (955) wurden die Ungarn besiegt, die sich daraufhin hinter die Lafnitz zurückzogen. Pinkafeld blieb ungarisch.

Ab dem 13. Jahrhundert gehörte die Siedlung zum Besitz der Güssinger Grafen. Im Zuge der Güssinger Fehde (1289/90) fiel Pinkafeld an die Habsburger. Nachdem die Siedlung während der Güssinger Fehde 1289 zerstört worden war, wurde sie ab 1291 Teil der Herrschaft Bernstein. 1327 kam es zur Schlacht bei Güns zwischen König Robert von Anjou und den Güssinger Grafen. Pinkafeld gelangte darauf wieder unter die Verwaltung der ungarischen Krone. Durch König Ludwig den Großen von Ungarn gefördert, erreichte die Stadt in wichtigen Bereichen die Unabhängigkeit von Bernstein (zum Beispiel eine unabhängige hohe und niedere Gerichtsbarkeit).Homma, Prickler, Fleischer: 1100 Jahre Pinkafeld, Eigenverlag Stadtgemeinde Pinkafeld, Pinkafeld 1960

Die Zeit im Haus Österreich 1463–1644 Kaiser Friedrich III. von Habsburg erhielt 1445 die Ortschaft Pinkafeld als Pfand. Der Kaiser bestätigte und erweiterte die Privilegien der Stadt. 1459 überfielen Truppen des ungarischen Königs Matthias Corvinus den Habsburgerkaiser am Lamplfeld im Süden der heutigen Stadt und zwangen ihn damit zum Rückzug aus Pinkafeld. 1463 gehörte der Ort wieder den Habsburgern und blieb nunmehr für beinahe 200 Jahre beim Haus Österreich. 1517 erhielten die Königsberger die Herrschaft Pinkafeld. Beim Rückzug von der ersten Wiener Türkenbelagerung überfielen türkische Streifscharen die Siedlung. Nach der Belagerung von Güns im Jahr 1532 zerstörten die Truppen Sultan Süleymans I. Pinkafeld vollkommen.

Die Zeit im Königreich Ungarn 1644–1918 mini|links|Über 250 Jahre Herrschaft in Pinkafeld: Wappen der Familie Batthyány an der Mariensäule

Gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges kam die Ortschaft wieder zu Ungarn. Ádám Batthyány erwarb 1644 Bernstein von den Königsbergern. 1669 wurde die Herrschaft Bernstein in die Herrschaften Bernstein (Christoph II. Batthyány) und Pinkafeld unter Paul I. Batthyány aufgeteilt. Das Batthyány-Schloss wurde zum Mittelpunkt der Herrschaft. Ab 1674 wurde Pinkafeld von Graf Ladislaus Csáky verwaltet. Nach Csáky ging die Verwaltung der Herrschaft Pinkafeld an Christoph Batthyány über.

1664 versuchten türkische Streifscharen die Ortschaft zu plündern. Es kam zu einem Gemetzel mit Pinkafelder Truppen. Die türkischen Angreifer konnten in die Flucht geschlagen werden. Nach der Zweiten Wiener Türkenbelagerung überfielen steirische Truppen die Stadt als Rache an den Batthyány, die aus taktischen Überlegungen den Türken gehuldigt hatten.