Bad Tatzmannsdorf (, , ) ist eine Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Oberwart im Burgenland in Österreich. Sie ist der größte Kurort des Burgenlandes.
Geografie Die Gemeinde liegt im Südburgenland im Bezirk Oberwart im Tal des Tschabachs und am Oberlauf des Drumlingbachs. Es handelt sich dabei um die Übergangszone zwischen Bernsteiner Gebirge / Günser Gebirge und dem Südburgenländischen Hügelland.
Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst folgende drei Ortschaften bzw. gleichnamige Katastralgemeinden (in Klammern Einwohnerzahl Stand ): Bad Tatzmannsdorf () Jormannsdorf () Sulzriegel ()
Deutscher OrtsnameUngarischer OrtsnameKroatischer OrtsnameBad TatzmannsdorfTarcsaTarčaJormannsdorfGyimótfalva-SulzriegelSóshegy- Eingemeindungen 1971 wurden die Gemeinden Jormannsdorf und Sulzriegel mit Bad Tatzmannsdorf zusammengelegt.
Klima
Geschichte Bad Tatzmannsdorf ist seit langem als wichtiger Kurort anerkannt, und es gibt zahlreiche Legenden über bemerkenswerte Heilungen in Verbindung mit dem Ort. Seine Heilquellen, bestehend aus alkalischen, eisenhaltigen und sauerstoffhaltigen Mineralwässern, sind seit der Römerzeit bekannt. Eine erste Ansiedlung ist schon im 11. Jahrhundert nachweisbar.
Der frühere ungarische Name von Bad Tatzmannsdorf, Tarcsa, leitet sich von seinem historischen Besitz durch eine Adelsfamilie namens „de Tarcsa“ ab. Die Siedlung wird schon in Urbaren von 1378 erwähnt, deutsche Siedler sind im 14. und 15. Jahrhundert nachgewiesen. Die Ortschaft wurde 1529 und 1532 von den Türken verwüstet und anschließend 1572 unter der Führung von Gregor Tarrody von Kroaten besiedelt.https://atlas-burgenland.at/index.php?option=com_content&view=article&id=185
Bad Tatzmannsdorf erlangte als Heilbad in der Regensburger Geschichte von 1620 Anerkennung. Bei diesem Druck einer Predigt des evangelischen Geistlichen Johannes Mühlberger gilt als „Geburtsurkunde“ des Heilbades und enthielt die erste Abbildung desselben. Für 1650 ist die Aufnahme des Badebetriebes und die erste Anstellung eines Kurarztes nachgewiesen. Bis 1750 war der Ort im wechselnden Besitz verschiedener Kleinadelsfamilien und wurde in jenem Jahr von den Grafen Batthyány erworben, die ihn ihrer Herrschaft Bernstein anschlossen.
Unter den Batthyánys wurde der Badebetrieb großzügig ausgebaut. Bad Tatzmannsdorf wurde in der Folge ein beliebter Kurort für die ungarischen Familien des Hochadels, wie den Königsberg, Erdödy, Batthyány und Esterházy. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und darüber hinaus wurde es zudem ein beliebtes Ziel für Besucher aus Wien, wie in den Romanen von Adalbert Stifter erwähnt. 1852 weilte der Dramatiker Franz Grillparzer zur Kur. Ab 1889 wurden zudem die örtlichen Moorvorkommen bei Unterschützen für Moorbäder genutzt, so dass Tatzmannsdorf bald als „ungarisches Franzensbad“ galt.
Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Tarcsafürdő verwendet werden. 1903 erfolgte mit der Eröffnung der Lokalbahn Oberwart–Oberschützen der Anschluss an das Eisenbahnnetz. Im Ersten Weltkrieg diente das Heilbad als Lazarett zur Genesung für Angehörige der k.u.k Armee. Graf Gábor Batthyány verkauft das Bad im Jahr 1919 an eine jüdische Finanzgruppe, welche zum Betrieb eine Aktiengesellschaft gründet.
Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes) und wurde in der Zwischenkriegszeit weiter ausgebaut.
1926 wurde dem Kurort der Titel „Bad“ verliehen. Der Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich 1938, der auch im nahen Oberschützen mit dem Anschlussdenkmal begrüßt wurde, brachte die Vertreibung und Deportation der jüdischen Badegäste und Hotel-Eigentümer. Im Zweiten Weltkrieg diente Bad Tatzmannsdorf abermals als Lazarett, der öffentliche Badebetrieb wurde 1943 eingestellt. Nach schweren Zerstörungen durch Krieg und Besatzung wurde er erst 1953 wieder aufgenommen und in der Folge kontinuierlich ausgebaut.
Die Kurzone bietet heute eine Vielzahl von erstklassigen Hotels, Museen, Sportanlagen und vieles mehr.
Bevölkerungsentwicklung
2025 und 2026 gab es einen Bevölkerungshöchststand mit 1658 Menschen in Bad Tatzmannsdorf.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Röm.-kath. Pfarrkirche mini|REDUCE Hotel Thermal mini|Weihnachtshaus im Ortsteil Sulzriegel
Schloss Jormannsdorf Katholische Pfarrkirche Bad Tatzmannsdorf hl. Johannes dem Täufer: Die Kirche wurde in den Jahren 1967/68 neben der Stelle einer älteren Kirche aus dem Jahr 1896 errichtet. Katholische Filialkirche Jormannsdorf hl. Anna Evangelische Friedenskirche Bad Tatzmannsdorf: Die Friedenskirche der evangelischen Pfarrgemeinde A.B. wurde im Jahre 1968 nach den Plänen der Architekten Charlotte und Karl Pfeiler erbaut. Das Freilichtmuseum Bad Tatzmannsdorf mit südburgenländischen Gebäuden aus dem 18. und 19. Jahrhundert wurde 1972 eröffnet. Das Kurmuseum gibt einen Überblick über die Entwicklung des Kurwesens in Bad Tatzmannsdorf, dem größten Kurort des Burgenlandes, von 1620 bis in die Gegenwart. Es wurde 1990 eröffnet. Kurpark mit Finnenbahn und diversen Quellen Seit 2022 führt der Bahntrassen Radweg durch die Gemeinde. Auf 42 Kilometern verbindet er auf der Trasse der Pinkatalbahn Oberschützen mit Rechnitz. Das Weihnachtshaus der Familie Gollnhuber im Ortsteil Sulzriegel wird in der Weihnachtszeit von zahlreichen Menschen besucht. Der dabei erzielte Erlös wird karitativen Organisationen zur Verfügung gestellt.Weihnachtshaus Bad Tatzmannsdorf, abgerufen am 18. Dezember 2021
Wirtschaft und Infrastruktur mini|Therme „AVITA Resort“ mini|Reha der PVA Therme „AVITA Resort“ Die Therme wurde am 26. Oktober 1995 eröffnet, wobei die Bezeichnung noch „Burgenlandtherme“ war. Erweiterungen erfolgten unter anderem durch die Eröffnung des „AVITA Hotels“ im Jahr 2003. Seit 2011 firmiert die Therme mit dem Markennamen „AVITA Resort“.25 JAHRE AVITA Therme; eingesehen am 9. September 2021 Rehabilitationszentrum der Pensionsversicherungsanstalt Das Reha wurde 1962 gebaut, ab 2012 erfolgte eine Adaptierung des Bestandes und ein Teilneubau (Errichtung eines 3-geschoßigen Hauptkörpers mit Eingangshalle, Cafeteria, Verwaltungsräume, Speisesaal und Küche, Nass- und Trockentherapie sowie einen Wirtschaftstrakt und eine neue EnergiezentraleKCE Kühn Consulting Engineering: RZ Sonderkrankenanstalt Bad Tatzmannsdorf; eingesehen am 9. September 2021). Nach Abschluss der Arbeiten wurde im Jahr 2015 eine der modernsten Reha-Kliniken Österreichs in Betrieb genommen, die auf kardiologische Rehabilitation spezialisiert ist. Die Klinik verfügt über eine Nettogeschoßfläche von rund 22.000 Quadratmetern mit 150 Einzelzimmern.Sonderkrankenanstalt Rehabilitationszentrum (SKA-RZ) der PVA in Bad Tatzmannsdorf feierlich eröffnet; eingesehen am 9. September 2021
Straße: Die wichtigste Straßenverbindung ist die Burgenland Straße B50, die im Süden nach Oberwart führt und eine Anbindung zur Süd Autobahn A2 herstellt. Nach Norden verbindet sie Bad Tatzmannsdorf mit Oberpullendorf und dem nördlichen Burgenland.
Politik Gemeinderat
Der Gemeinderat umfasst aufgrund der Anzahl der Wahlberechtigten insgesamt 19 Mitglieder. + Ergebnisse der Gemeinderatswahlen seit 1997 Partei2022 2017Land Burgenland: Wahlergebnis Bad Tatzmannsdorf 2017 (abgerufen am 5. Jänner 2018) 2012Land Burgenland: Wahlergebnis Bad Tatzmannsdorf 2012 (abgerufen am 5. Jänner 2018) 2007Land Burgenland: Wahlergebnis Bad Tatzmannsdorf 2007 (abgerufen am 5. Jänner 2018) 2002Land Burgenland: Wahlergebnis Bad Tatzmannsdorf 2002 (abgerufen am 5. Jänner 2018) 1997Sti.%M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. SPÖ42442,748 382 37,75 7 338 33,43 7 318 34,57 6 340 37,95 7 344 41,10 8 ÖVP44044,359 341 33,70 7 412 40,75 8 459 49,89 10 365 40,74 8 312 37,28 7PFFPÖ12812,902nicht kandidiertnicht kandidiertnicht kandidiertnicht kandidiertnicht kandidiert FPÖnicht kandidiert 176 17,39 3 117 11,57 2 143 15,54 3 191 21,32 4 181 21,62 4 JETZTnicht kandidiert 113 11,17 2 144 14,24 2 nicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert Wahlberechtigte1474 1330 1239 1159 1106 1029 Wahlbeteiligung72,46 % 82,63 % 87,09 % 84,99 % 87,61 % 88,14 %
Gemeindevorstand Seit der Wahl 2022 ist der Bürgermeister Stefan Laimer (ÖVP). Vizebürgermeisterin ist Christine Kotschar (SPÖ). Gemeindevorstände neben Bürgermeister und Vizebürgermeisterin sind Alfred Neubauer (ÖVP), Christian Neubauer (ÖVP) und Markus Rehling (SPÖ).
Bürgermeister 1971–1991 Wilhelm Simon (ÖVP) 1991–1996 Sepp Rehlin (ÖVP) 1996–1997 Helmu Bieler (SPÖ) 1997–2002 Otto Graf (ÖVP) 2002–2017 Ernst Karner (ÖVP) 2017–2022 Gert Polster (SPÖ) seit 2022 Stefan Laimer (ÖVP)
Wappen 60px Das Gemeindewappen wurde am 6. Oktober 1992 von der burgenländischen Landesregierung verliehen. Blasonierung: „In blauem Schild silbern unter einem allseits anstoßenden profilierten Brunnenbogen ein geflügelter doppelschwänziger Tritonknabe, ein wasserspeiendes Horn blasend.“ Das Wappen nimmt in seiner Symbolik auf alle drei Ortsteile von Bad Tatzmannsdorf Bezug.Gemeinde Bad Tatzmannsdorf: (abgerufen am 5. Jänner 2017)
Persönlichkeiten Arnold Röhrling (1893–1974), Komponist Thomas von Trattner (1719–1798), Buchdrucker, Buchhändler und Verleger Ludwig Papai (1920–1945), geboren in Sulzriegel, umgekommen im KZ Mittelbau-Dorahttp://totenbuch.dora.de/names/details/letter/p/lang/de/page/3/person/7029/ref/names Erwin Schranz (* 1950), Politiker Werner Matt (1942–2022), Koch, Küchenmeister, Chef de Cuisine Martina Parker (* 20. Jahrhundert), Schriftstellerin und Journalistin Bernd Wiesberger (* 20. Jahrhundert), Profi-Golfspieler
Ehrenbürger Quelle: Gemeinde Bad TatzmannsdorfGemeinde Bad Tatzmannsdorf: (abgerufen am 5. Jänner 2017) Ignaz Neiser (1892–1972), Verleihung 1972 Rudolf Grohotolsky (1922–2013), Landeshauptmann-Stellvertreter, Verleihung 1979 Theodor Kery (1918–2010), Landeshauptmann, Verleihung 1979 Wilhelm Simon (1932–1991), Bürgermeister, Verleihung: 1991 Walter Rehling (1932–2014), Verleihung 2001 Emmerich Zeichmeister (* 1934), Pfarrer Monsignore, Verleihung 2001 Rudolf Luipersbeck (* 1949), Verleihung 2015
Ehrenringträger Quelle: Gemeinde Bad Tatzmannsdorf Emmerich Zeichmeister (* 1934), Verleihung 1986 Richard Jobst (1934–2000), Verleihung 1996 Josef Klein (1912–2008), Verleihung 1996 Rudolf Luipersbeck (* 1949), Verleihung 1996 Helmut Sillner (* 1931), Verleihung 1996 Hans Rehling (* 1945), Gemeinderat, Verleihung 2010
Literatur Michael Ferd. Bothar: Ein kurzer Beitrag zur Entstehungsgeschichte von Bad Tatzmannsdorf. In: Burgenländische Heimatblätter. Nr. 11, Eisenstadt 1949, S. 170–174 (). Silvia Jungel: Bad Tatzmannsdorf. Die Entwicklung vom traditionellen Kurort zum Wellnesstourismus. Diplomarbeit, Universität Wien, 2002. Christine Käfer: Bad Tatzmannsdorf. Ein Kurort gestern und heute. Diplomarbeit, Universität Wien, 1998.
Historischer Bilderbogen
Weblinks
Gästeinformation Bad Tatzmannsdorf
Einzelnachweise
Kategorie:Katastralgemeinde im Bezirk Oberwart Kategorie:Thermalbad in Österreich Kategorie:Kurort im Burgenland