mini|Afrika Bambaataa (2009) Afrika Bambaataa, bürgerlich Lance Taylor (* 17. April 1957 in der Bronx, New York City; † 9. April 2026 in Philadelphia)Carsen Holaday, Afrika Bambaataa death: Hip-hop pioneer and DJ dies at 68 after cancer diagnosis, 9. April 2026 auf www.independent.co.uk war ein ab den 1970er Jahren aktiver New Yorker Hip-Hop-DJ und Gründer der weltweiten Organisation Zulu Nation. Weiterhin war er Party-Organisator der späten 1970er und frühen 1980er Jahre. Er zählt zu den stilprägenden Figuren der Anfangszeiten im Hip-Hop.

Im Mai 2016 trat Afrika Bambaataa von der Führung der Zulu Nation zurück, nachdem ihm der bis in die 1970er Jahre zurückreichende sexuelle Missbrauch von Kindern vorgeworfen worden war.

Afrika Bambaataa starb Berichten zufolge am 9. April 2026 in Philadelphia an den Folgen einer Prostatakrebserkrankung.

Einfluss

Weltweites Ansehen erlangte er schon Anfang der 1980er Jahre durch verschiedene Singles, darunter 1982 den internationalen Hit und Klassiker des frühen Hip-Hop, Planet Rock, der sich an der Melodie von Kraftwerks Trans-Europe Express und dem Beat von Kraftwerks Nummern orientierte. Planet Rock begründete den Electro Funk und hatte einen sehr großen Einfluss auf House und andere Dance-Stile. Bambaataa trug den Beinamen „Master of Records“ wegen seines besonders breit gefächerten Musikgeschmacks und einer dementsprechenden Plattensammlung. Seine Interessen waren jedoch nicht nur musikalisch, er engagierte sich mit bekannten Musikern und Mitgliedern der Zulu Nation unter anderem gegen Apartheid, Kriege und Umweltverschmutzung. Durch sein Hip-Hop-internes Wirken kam er zu dem Titel .

Projekte Bambaataa arbeitete mit so unterschiedlichen Künstlern wie dem frühen Dancehall-Star Yellowman, mit UB40, Johnny Rotten von den Sex Pistols, James Brown, Leftfield, Gary Numan und dem italienischen House-Produzenten DePoint zusammen. Durch Afrika Bambaataas Erfolg wurden auch seine Bands Planet Patrol, Soulsonic Force und Cosmic Force bekannt. Er brachte unter den Namen Time Zone, Shango, Hydraulic Funk, Khayan und Sirius B (zusammen mit DJ Hardy Hard) Platten heraus. 1998 arbeitete er unter dem Namen I.F.O. (Identified Flying Objects) mit WestBam zusammen. 2004 hatte sein Projekt „The Machine“ Premiere.

Afrika Bambaataa wird zwar hauptsächlich mit Hip-Hop assoziiert, doch wie die oben genannten Namen vermuten lassen, lehnte er es ab, sich auf musikalische Genres zu beschränken. Er überraschte immer wieder auch mit Produktionen, die eher den Genres Techno, Rock, Funk oder Reggae zuzuordnen sind. Die Themen seiner Texte sind sehr vielseitig und reichen vom belanglosen Partygeschehen bis hin zu sehr deutlichen und tiefgründigen sozialkritischen und politischen Aussagen. Ebenso unterschiedlich liest sich die Liste von Tonträgerunternehmen, die er häufig wechselte, um besser musikalisch experimentieren zu können und um unabhängig zu bleiben.

Afrika Bambaataa und die Zulu Nation mini|hochkant|„Universal Zulu Nation“

Neben seinen musikalischen Aktivitäten war Bambaataa vor allem als Begründer und spiritueller Mastermind der Zulu Nation bekannt: einem international aktiven Kollektiv von B-Boys, DJs, Graffitikünstlern und Rappern, darunter verschiedenste Hip-Hop-Größen wie De La Soul, Queen Latifah, A Tribe Called Quest und die Jungle Brothers.

Die Grundidee dazu hatte Bambaataa bereits in jungen Jahren, als er den Film Zulu mit Michael Caine sah. Beeindruckt durch den Sieg der Zulu, kam ihm die Idee, seine eigene Zulu Nation zu gründen. Später gab er sich den Namen „Afrika Bambaataa“ (Bambaataa heißt laut verschiedenen Webseiten etwa so viel wie „liebevoller Anführer“). Einen großen und prägenden Einfluss hatten auf ihn die musikalischen Größen dieser Zeit, allen voran Sly & the Family Stone, George Clinton und James Brown.

Afrika Bambaataa wuchs in der New Yorker Bronx der 1960er Jahre auf. Er war aktives Mitglied der damals wichtigsten Gang der Bronx, den Black Spades. Über diese Zeit sagte er selber, dass diese Organisationen gerade für die schwarze Bevölkerung eine wichtige Rolle spielten, da sie sich in dieser für sie noch schwierigen Zeit auch für gesellschaftspolitische Dinge in der Nachbarschaft interessierten und einsetzten. So berichtete er zum Beispiel auch von Versuchen, Drogendealer aus der Nachbarschaft fernzuhalten. Nach dem Todesfall eines guten Freundes stellte Bambaataa jedoch die Street Gangs in Frage. Obwohl er den Zusammenhalt und andere Ideale seiner Black Spades in positiver Erinnerung behielt, verließ er sie schließlich.

Afrika Bambaataa erinnerte sich an den Zulu-Film und setzte gemeinsam mit Black Spades-Weggefährten seine Idee von der eigenen Zulu Nation um. Wert legte Bam, wie er gerne genannt wurde, speziell auf das, was er „das fünfte Element der Hip-Hop-Kultur“ nannte: Auf das Wissen in allen möglichen Lebensbereichen, welches er ständig sammelte und weitergab, auf Weisheit, Verständnis, Umwandlung des Negativen ins Positive, den Glauben an einen (gemeinsamen) Gott, Freiheit, Gerechtigkeit, Gleichheit, Frieden, Einigkeit, Liebe, Respekt, Arbeit und nicht zuletzt auf Freude am Leben. Schließlich waren die ersten bekannten DJ-Legenden wie Kool DJ Herc oder Grandmaster Flash sowie das Aufkommen der weiteren Hip-Hop-Elemente Rap, Writing und B-Boying der letzte Auslöser für die Idee, dieses alles für die Nachwelt zu bündeln, und für seine eigene Karriere als DJ und MC. Mit seiner Zulu Nation machte er sich weltweit unermüdlich stark für die Pflege der Hip-Hop-Kultur.

Neben den Black Spades und seinen musikalischen Vorbildern zählte Afrika Bambaataa die Nation of Islam zu den Faktoren, die ihn am meisten beeinflusst haben. Der Bezug zu der oftmals kritisierten Organisation ist typisch für Afrika Bambaataa: Er informierte sich über viele Dinge, machte sich daraufhin sein eigenes Bild, übernahm nur Sinnvolles und reichte es danach entweder in seinen Texten, übers Internet oder in der Öffentlichkeit weiter. Die Bedenken einiger Leute, die ihn nicht kennen, dass er selbst die radikalsten Ideale teilen könnte, dürften schon im Hinblick auf sein gesamtes Handeln und sein Interesse am Weltfrieden und an positiver Völkerverständigung ziemlich unbegründet sein. Er befasste sich weiterhin mit Themen wie den unterschiedlichen Weltreligionen, Geschichte, Wissenschaften, Metaphysik, Politik, Kulturen wie die des frühen Ägyptens und dessen Mythologie sowie als kritischer US-Bürger auch mit unkonventionelleren Themen wie zum Beispiel Ufologie oder den verschiedenen Verschwörungstheorien.

Das Jubiläum der Zulu Nation wird jährlich um das zweite Novemberwochenende herum gefeiert. Diese Veranstaltung geht über mehrere Tage und zieht Zulu-Nation-Mitglieder der ganzen Welt an. Das Programm setzt sich abwechselnd zusammen aus Treffen, bei denen aktuelles erörtert und diskutiert wird, und danach einem musikalischen Teil, bei dem die oben bereits erwähnten Hip-Hop-Elemente gepflegt werden. Die Treffen finden aktuell in Harlem im National Black Theatre statt, das Musikprogramm im gleichen New Yorker Stadtteil im Kennedy Center. Nebenbei gibt es politische, sozialkritische und ähnliche Aktionen, bei denen Spenden gesammelt oder Infomaterialien verteilt werden. An Ständen werden aktuelle CDs und DVDs, Bücher, Kleidung, Schmuck und ähnliche Dinge aus eigener Herstellung angeboten, die oftmals ebenfalls diesen Themen gewidmet sind.

Stationen mini|Afrika Bambaataa (1998)

Bambaataa begann seine Karriere als DJ bei den Block Parties in der New Yorker Bronx, wo er mit seinem eigenen Soundsystem auftrat. Er war vor allem bekannt für seine umfangreiche Plattensammlung und seinen unkonventionellen Stil, auch gänzlich andere Musik oder Sprachsamples, beispielsweise von Malcolm X, in seine DJ-Sets mit einfließen zu lassen. In dieser Zeit bekam er den Beinamen „Master of Records“: Er erwarb ihn 1976 bei seiner ersten offiziellen DJ-Battle in der Junior High School 123 gegen Disco King Mario.

Als prägende Veröffentlichung für die Frühzeit ist Planet Rock von 1982 zu nennen, entstanden durch eine Zusammenarbeit mit der Soulsonic Force, Tom Silverman, Arthur Baker und John Robie. Sie verwendeten neben einem Mix aus verschiedenen anderen Klängen die Melodie von Kraftwerks Trans-Europa-Express, einem Stück, das zuvor in den Clubs der Schwarzen für Aufsehen gesorgt hatte. Planet Rock wurde ein Klassiker des Hip-Hop und des Techno, da Wegbereiter wie WestBam oder die Technolegenden aus Detroit dadurch zum eigenen Schaffen angeregt wurden. Zunächst kam es zum Rechtsstreit mit Kraftwerk, bis die Aufteilung der Einnahmen geklärt war. Bambaataa wurde nach Kraftwerk ebenfalls kopiert, etliche Samples aus Planet Rock tauchten in Tracks anderer DJs und Interpreten auf.Afrika Bambaataas Planet Rock auf WhoSampled.com. Die Kombination aus Kraftwerk-Elementen und Rap beeinflusste oder begründete Technolectro, Miami Bass und Electro. Zum Beginn des neuen Jahrtausends brachten verschiedene Popmusiker Songs mit diesen Elementen heraus. Das Video bekam Kultstatus durch seine Dokumentation von Old School Partys, Liveauftritten der Band und Einspielungen von Weltraumaufnahmen.

Die folgenden Platten Looking for the Perfect Beat und Renegades of Funk waren Planet-Rock-ähnlich. Aus dieser Verkleidungs- und Electro-Phase stammen auch die Filme A Street History und Beat Street sowie das zusammenfassende Planet Rock – The Album.

Bedeutende Momente fanden für Afrika Bambaataa 1984 statt, als er sein Vorbild James Brown für den gemeinsamen Song Unity gewinnen konnte. Dieser klingt typisch nach James Brown. Mit John Lydon von den Sex Pistols brachte Afrika Bambaataa das Stück World Destruction heraus. Es ist eine explosive Mischung aus Hip-Hop, Punk und Rock und richtet sich vor allem gegen Kriege.

Einen neuen Weg schlug Bambaataa 1986 mit Beware The Funk Is Everywhere ein. Dieses Album fiel bis auf Bambaataas Theme weniger elektronisch, dafür Hip-Hop-lastiger aus als Planet Rock. Um zu zeigen, wo der Funk noch sein kann, brachte er auch 80er-Rock- und Popsongs auf die Platte.

The Light von 1988 hatte wieder ein anderes Konzept. Afrika Bambaataa produzierte das Album mit Künstlern unterschiedlicher Musikstile, wie Bootsy Collins, George Clinton, Boy George, Yellowman und UB40. Zu dieser Phase gehörten auch die Sho Nuff Funky. Die Musik reicht vom Reggae über Funk bis hin zu klassischen Klängen. Das Stück Reckless mit UB40 hatte den größten Erfolg.

Ende der 1980er Jahre arbeitete Afrika Bambaataa am weltweiten Naturschutz-Projekt One World One Voice mit. Neben ihm trugen dutzende Musiker wie Bob Geldof, Clannad oder die Gipsy Kings je ein kurzes Stück zu einem Gesamtmix bei und setzten in dem weltweit ausgestrahlten Dokumentarfilm ein Zeichen für die Situation und Rettung der Erde. Mit dem gleichen Ziel beteiligte er sich ebenfalls mit vielen Künstlern am Video Earth Rise. Ähnlich engagierte er sich gegen das Thema Apartheid und wirkte an einer Veranstaltung anlässlich der Befreiung Nelson Mandelas mit.

1991 begann Afrika Bambaataa damit, House- und Technoklänge in sein Schaffen zu integrieren. Die Alben Decade of Darkness, 12 Mixes und Jazzing sowie die dazugehörenden Singles entstanden in Zusammenarbeit mit De-Point und lassen sich am ehesten im Bereich des Eurodance einordnen.

Mit Time Zone und der Soulsonic Force veröffentlichte Bam nebenbei wieder Electro- und Hip-Hop-Platten, Warlocks and Witches, Computer Chips, Micro Chips and You, Lost Generation und ihre Auskopplungen genießen unter seinen Fans ein besseres Ansehen als ihre Vorgänger.

Der Soundtrack für ein Computerspiel wurde We Funk This Party Out von 1996, an dem auch Melle Mel und Kurtis Blow mitwirkten.