mini|Richard Nixon, 1971 rahmenlos|rechts|klasse=skin-invert-image Richard Milhous Nixon (* 9. Januar 1913 in Yorba Linda, Kalifornien; † 22. April 1994 in New York City) war ein US-amerikanischer Politiker der Republikanischen Partei und von 1969 bis 1974 der 37. Präsident der Vereinigten Staaten. Infolge der Watergate-Affäre trat Nixon als bisher einziger US-Präsident der Geschichte von seinem Amt zurück.
Vor seiner Präsidentschaft war Nixon acht Jahre lang Vizepräsident unter Dwight D. Eisenhower gewesen. Bei der Präsidentschaftswahl 1960 unterlag er knapp John F. Kennedy. Acht Jahre später siegte er schließlich gegen Hubert H. Humphrey und 1972 gegen George McGovern. Als Nixons größter außenpolitischer Erfolg gilt sein Besuch in China und die damit verbundene Annäherung an Peking, während die durch die Pentagon-Papiere aufgedeckte massive Bombardierung von Kambodscha und Laos im Rahmen einer Geheimoperation während des Vietnamkriegs seinem Ansehen erheblich schadete.
Leben Kindheit Nixons Eltern waren Francis Anthony („Frank“) Nixon (1878–1956) und Hannah Milhous Nixon (1885–1967). Von seiner Mutter Hannah stammt Nixons Mittelname Milhous. Seine Erziehung folgte streng den Regeln des Quäkertums. Hannah Nixon erzog ihren Sohn zum evangelikalen Quäker, da sie hoffte, dass er eventuell Missionar werden würde. Die Familie lebte alkoholabstinent; Glücksspiel, Tanzen und Fluchen waren verpönt. Nixons Vater Frank war vor seiner Ehe Methodist gewesen und seiner Frau zuliebe konvertiert.
Nixons Vater betrieb einen Laden für Lebensmittel und Benzin. Nixon sprach von seinen Eltern immer mit großer Ehrfurcht. Er nannte seine Mutter „eine quäkerische Heilige“ und begann seine Memoiren mit dem Satz: „Ich wurde in einem Haus geboren, das mein Vater selbst gebaut hatte“. Neben dem originalen Haus in Yorba Linda wurde später das Museum Richard Nixon Library & Birthplace errichtet. Das Haus ist heute für Besichtigungen öffentlich zugänglich. Nixon wuchs jedoch in der Kleinstadt Whittier auf, einige Meilen vom Elternhaus entfernt. Während diese Gegend heute dicht besiedelt ist, bestand sie damals nur aus Ackerland. Nixon hatte vier Brüder: Harold, Arthur, Donald und Edward. Arthur starb schon im Alter von sieben Jahren, und Harold erlag mit 23 Jahren der Tuberkulose.
Richard Nixon zeigte bereits in seiner Jugend eine ausgeprägte musikalische Begabung und erlernte mehrere Instrumente, insbesondere das Klavier.
Studium, berufliche Anfänge und Kriegsdienst Nixon besuchte die Fullerton High School. Der Harvard-Club von Kalifornien verlieh ihm seinen Preis für die beste akademische Leistung im ganzen Bundesstaat. Nixon hatte die Fähigkeit, lange Auszüge aus lateinischen Gedichten sowie Shakespeare auswendig zu lernen und vorzutragen. Der Harvard-Preis war ein Stipendium, das alle Studiengebühren beglich. Jedoch war die Summe nicht ausreichend, denn Kost und Logis waren nicht eingeschlossen und die Krankheiten der Brüder waren für die Familie eine große finanzielle Belastung. Anstatt Harvard besuchte Nixon das quäkerische Whittier College. Dort gründete er seine eigene Studentenverbindung, die Orthogonian Society, die mit der etablierten Franklin Society konkurrierte. Nixon, der Football liebte, versuchte sich für die Universitätsmannschaft zu qualifizieren. Sein Talent für das Spiel war allerdings gering und er verbrachte fast die ganze Zeit „auf der Bank“. Bei einem Spiel verlor Nixon seine Vorderzähne und erhielt eine Brücke, die später in zahllosen Karikaturen als Überbiss und bleckendes Gebiss persifliert wurde. Nixon wurde zum Präsidenten der Studentenschaft gewählt, und seine größte Errungenschaft war die Organisation des ersten Schulballs – was bis dahin nach quäkerischer Tradition immer verboten gewesen war.
1934 beendete Nixon das College als Zweiter seiner Abschlussklasse und begann ein Jurastudium an der Duke University, die ihm ein Stipendium verlieh. Eine der Bedingungen dieses Stipendiums war ein bestimmter Notendurchschnitt. Obwohl Nixon eigentlich keine Mühe hatte, gute Noten zu erzielen, stand er unter großem psychischem Druck. Im zweiten Jahr des Studiums führte dieser Druck dazu, dass er einen Freund überzeugte, ihm beim Einbruch ins Büro des Dekans zu helfen, um Einsicht in die Akten zu nehmen. Nixon wurde dafür nicht bestraft. Viele Jahre bezeichnete die Presse diesen Jugendstreich als „Nixons ersten Einbruch“. Nixon bestand sein Examen als Jahrgangsdritter. Im von der Weltwirtschaftskrise geprägten Umfeld scheiterten jedoch seine Bemühungen, in einer der bekannten New Yorker Anwaltskanzleien unterzukommen, da die Duke University noch nicht zu den Elite-Universitäten zählte. Nixon legte das kalifornische Anwaltsexamen (Bar Exam) ab und arbeitete in einer kleinen Kanzlei.
mini|links|Nixon, 1945 Zu dieser Zeit lernte er Patricia Ryan kennen, die er 1940 im Mission Inn in Riverside heiratete. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor: Patricia „Tricia“ Nixon (* 21. Februar 1946 in Whittier), seit 1971 verheiratet mit Edward F. Cox, und Julie Nixon (* 25. Juli 1948 in Washington D.C.), die 1968 David Eisenhower, den Enkel von Dwight D. Eisenhower, heiratete.
Im Zweiten Weltkrieg diente Nixon bei der US-Navy. Wegen seiner Geburt als Quäker hätte er das Recht gehabt, den Militärdienst ohne Nachteile zu verweigern. Trotzdem entschloss er sich, in die Marine einzutreten. In seinen Memoiren gab Nixon später an, er habe Hitler gehasst und der Angriff auf Pearl Harbor habe ihn schockiert. Während des Krieges war Nixon Nachschuboffizier im Pazifikkrieg, wo er auf Vella Lavella, Bougainville und Nissan stationiert war. Seine Vorgesetzten hielten ihn für einen ausgezeichneten Offizier und Anführer und beförderten ihn bis zum Rang eines Lieutenant Commander. Bei der Marine lernte er auch seinen zukünftigen Außenminister William P. Rogers kennen.
Politischer Aufstieg mini|Ein Wahlkampfzettel für die Senatswahlen 1950 1946 wurde Nixon für die Republikaner in den Kongress gewählt. Sein Gegner war der liberale Politiker Jerry Voorhis. Nixons Wahlkampagne war aggressiv.Vgl. dazu Brian Robertson: The Forgotten Man: Richard Nixon, Masculinity, and the Path to Power in Southern California. In: California History. Vol. 94, No. 2, Sommer 2017, , S. 22–40. Dem Political Action Committee des Congress of Industrial Organizations, das Voorhis unterstützte, warf Nixons Wahlkampfteam vor, „kommunistisch“ und mit „riesigen Schmiergeldern“ finanziert zu sein.Joachim Joesten, Irene Schmitz: Präsident Nixon. Sein Leben, seine Politik. Wilhelm Heyne Verlag, München 1969 Als Abgeordneter engagierte sich Nixon im Ausschuss für unamerikanische Umtriebe (House Un-American Activities Committee, HUAC), einem der parlamentarischen Foren der antikommunistischen Panik, die zu Beginn des Kalten Krieges in den Vereinigten Staaten meinungsbeherrschend wurde. Besondere Prominenz erlangte Nixon dabei in der Affäre um den ehemaligen Mitarbeiter des State Department, Alger Hiss, dem er vorwarf, in den 1930er Jahren für die Sowjetunion spioniert zu haben. Indem er am 15. Dezember 1948 persönlich vor einer Grand Jury erschien, setzte Nixon durch, dass der einzige Belastungszeuge Whittaker Chambers trotz widersprüchlicher Aussagen, die er vor dem HUAC unter Eid gemacht hatte, nicht wegen Meineids belangt wurde, und trug so entscheidend dazu bei, dass Hiss später zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Ob Hiss tatsächlich schuldig war, ist bis heute umstritten.Jeff Kisseloff: Hiss, Alger. In: Peter Knight (Hrsg.): Conspiracy Theories in American History. An Encyclopedia. ABC Clio, Santa Barbara, Denver und London 2003, Bd. 1, S. 314 f. Dieser Erfolg und Nixons weiteres antikommunistisches Engagement im HUAC wurden schließlich entscheidend für seinen weiteren politischen Aufstieg. 1951 wurde er US-Senator für Kalifornien. Während dieses Wahlkampfs setzte er sich gegen die Herausforderin Helen Gahagan Douglas durch.Vgl. dazu Ingrid Winther Scobie: Helen Gahagan Douglas and Her 1950 Senate Race with Richard M. Nixon. In: Southern California Quarterly. Vol. 58, No. 1, Frühjahr 1976, , S. 113–126. Nixon diffamierte sie im hysterisch-antikommunistischen Klima der McCarthy-Ära als Sympathisantin der Kommunisten. Die Zeitung Independent Review gab ihm daraufhin den Spitznamen „Tricky Dick“, den er nie wieder loswurde.
mini|Vizepräsident Nixon und Präsident Eisenhower bei der Unterzeichnung der Aufnahme Alaskas in die Vereinigten Staaten, 1959 Unter Dwight D. Eisenhower war Nixon von 1953 bis 1961 acht Jahre lang Vizepräsident der Vereinigten Staaten.Vgl. dazu Richard J. Ellis: Presidential Lightning Rods: The Politics of Blame Avoidance. University Press of Kansas, Lawrence 2021, ISBN 978-0-7006-3089-9, S. 55–72 (= 4 The Vice President as Lightning Rod: Richard Nixon and Hubert Humphrey). Seine Kandidatur war umstritten. Gegen die Vorwürfe der Korruption wehrte er sich erfolgreich durch einen spektakulären Fernsehauftritt, die sogenannte Checkers-Rede, in der er erklärte, das einzige Geschenk, das er je angenommen habe, sei sein Cockerspaniel Checkers gewesen, und auch diesen habe er nur behalten, um seiner kleinen Tochter Patricia nicht „das Herz zu brechen“. Diese Ansprache sahen an die 60 Millionen Menschen, womit sie damals zur Sendung mit dem größten Fernsehpublikum der Geschichte wurde. Während seiner Zeit als Vizepräsident vertrat er – nach einem Herzanfall Eisenhowers – zweimal den Präsidenten. Weltweites Aufsehen erregte Vizepräsident Nixons Küchendebatte mit Nikita Chruschtschow sowie der Umstand, dass er sich während einer Südamerikareise in Lima und Caracas wütenden Protesten ausgesetzt sah. In der peruanischen Hauptstadt wurde er mit Steinen beworfen und angespien, in Caracas flogen Eier, Tomaten, Konservendosen und Steine gegen seine Limousine. Anwesende Polizisten griffen dabei nicht ein. Hintergrund der Proteste waren Vorwürfe gegen die US-Regierung, Diktaturen in Lateinamerika zu unterstützen.
Bei der Präsidentschaftswahl 1960 unterlag er mit sehr knapper Stimmenzahl John F. Kennedy. 1962 schien Nixons politische Laufbahn ihr Ende gefunden zu haben, als er nach einer erneuten Niederlage bei den Gouverneurswahlen in Kalifornien auf einer von ihm selbst so bezeichneten „letzten“ Pressekonferenz die Journalisten beschimpfte und seinen Abschied von der Politik bekanntgab. Diese Entscheidung revidierte er jedoch schon bald.
Nachdem er bei den Primarys die parteiinternen Konkurrenten George W. Romney, Nelson Rockefeller und Ronald Reagan hinter sich lassen konnte, setzte sich Nixon bei der Präsidentschaftswahl 1968 mit Spiro Agnew als Running Mate gegen Hubert H. Humphrey durch und wurde zum 37. Präsidenten der USA gewählt. Dabei profitierte er auch von den internen Streitigkeiten und Machtkämpfen der Demokraten, die zudem durch den Mord an ihrem chancenreichen Präsidentschaftskandidaten Robert F. Kennedy geschwächt waren. Wahlentscheidend war, dass er kurz vor der Präsidentschaftswahl dafür gesorgt hatte, dass Lyndon B. Johnsons Friedensverhandlungen in Paris zur Beilegung des Vietnamkriegs scheiterten. Um einen damals möglichen Verhandlungserfolg der Demokraten zu verhindern, hatte Nixon über Anna Chennault Südvietnams Präsidenten Thiệu kontaktiert und ihn dazu gedrängt, die Pariser Gespräche zu boykottieren. Da die CIA eine Wanze in Thiệus Büro und das FBI eine weitere in der südvietnamesischen Botschaft in Washington installiert hatte, erfuhr Johnson noch vor der Wahl von diesen Machenschaften, die Landesverrat darstellten, verzichtete aber darauf, sie publik zu machen. Bei der Wahl am 5. November 1968 sicherte sich Nixon mit 43,4 Prozent der Wählerstimmen 301 Wahlmännerstimmen. Sein demokratischer Konkurrent Humphrey schnitt nach Wählerstimmen (42,7 Prozent) kaum schlechter ab, konnte sich aber nur 191https://uselectionatlas.org/RESULTS/national.php?year=1968&f=0&off=0&elect=0 Wahlmännerstimmen sichern.