mini|Teilrekonstruktion des Pergamonaltars
Ein Altar (von spätlateinisch altar[e], zu lateinisch altaria „[Aufsatz auf dem] Opfertisch, Brandaltar“Eintrag Altar auf duden.de. von alta ara „hoher Altar“, „Feuer-Aufsatz“Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Aufl., hrsg. von Walther Mitzka, De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 17.) ist eine Opferstätte oder ein Opfertisch als Verehrungsstätte für Gottheiten.
Auf Altären können Opfergaben dargebracht werden. Doch auch die Errichtung des Altars an sich und seine unter Umständen reiche Verzierung gelten bereits als Akte der Verehrung.
Vorgeschichte Der älteste Altar ist der Plattenaltar: eine relativ ebene, im Umriss unregelmäßige Steinplatte, die im Heiligtum auf dem Boden lag oder wie in Lepenski Vir in den Bodenestrich eingelassen war. In der Folge entwickelten sich Bankaltäre, die in einem Gebäude oder einer artifiziellen Höhle umlaufen (Wandaltäre) oder wie bei maltesischen Tempeln Teil der Exedra sind. Mitunter sind sie, sofern auch Flüssigkeiten geopfert wurden, mit Bothroi (Opferlöchern) versehen. Aus dem südosteuropäischen Altneolithikum (Starčevo-Körös, Karanowo) sind kleine Tonaltäre bekannt, die meist vier Füße aufweisen. In den neolithischen Tempeln auf Malta wurden ab 3800 v. Chr. monolithische Tischaltäre errichtet. Die Formen vorgeschichtlicher Altäre variieren (gehörnter Altar von Be’er Scheva. Website bibleplaces.com (engl., mit Abbildung einer Rekonstruktion). Abgerufen am 7. Dezember 2014.) und ihre genauen Bestimmungen führten später, von Religion zu Religion, zu immer anderen Mustern. So gibt es Brand- und Feueraltäre oder Altarberge (Megiddo, Monte d’Accoddi).
Allerdings beruht die Deutung vieler vorgeschichtlicher Altäre auf Analogieschlüssen.
Geschichte Griechen und Römer (Etrusker) Die Größe mancher antiker Altäre (beispielsweise 198 × 23 m in Syrakus) wurde später kaum mehr erreicht. Von christlichen Altären unterscheidet sie auch die Aufstellung im Freien, die die Durchführung größerer Brandopfer ermöglichte. Bekannt ist der reliefgeschmückte Pergamonaltar (2. Jh. v. Chr.), dessen Grundfläche ca. 36 × 34 m maß. Die Teilrekonstruktion des Altars befindet sich im Pergamonmuseum in Berlin. Andererseits gab es auch sehr kleine Altäre, selbst wenn sie für Feueropfer genutzt wurden. Entsprechende Darstellungen, auf denen ein Gott, der Kaiser oder ein anderes Mitglied der kaiserlichen Familie opfernd an einem kleinen Altar dargestellt werden, finden sich gelegentlich auf den Rückseiten römischer Münzen.
In der späten römischen Kaiserzeit wird dieses Motiv abgelöst durch einen Globus über einem Altar mit zumeist rechteckigem Grundriss.Als ein Beispiel für viele: Ursula Kampmann: Die Münzen der römischen Kaiserzeit. Gietl u. a., Regenstauf 2004, Nr. 136.120 (Bronzemünze Konstantins). mini|Jupiter opfert an kleinem Feueraltar, Rückseite eines Denars unter Kaiser Titus
Im etruskisch-römischen Totenbrauchtum wurden den Verstorbenen bzw. ihren Manen (persönliche Totengötter) Gedenkaltäre (cippi) errichtet, meist mit einer ehrenden Inschrift, von denen viele Tausende erhalten geblieben sind. In der Umgebung bedeutenderer Städte des römischen Reichs säumten Grabmäler und -altäre die Ausfallstraßen.
Judentum der Antike Das Stadtheiligtum von Jerusalem war ursprünglich der salomonische Tempel. Der ausladende Bau war ein prägnanter Bau mit etwa 50 auf 25 Meter, der auf die Menschheit der damaligen Zeit einen großen Eindruck gemacht haben muss. Wichtiger Bestandteil waren einige Kultgeräte, aus Metall wie das „eherne Meer“ und „die zehn Kesselwaagen“ oder der Räucher- und der Brandopferaltar. Die genaue Bedeutung aller Kultgeräte ist nicht überliefert. Der Räucheraltar und der Brandopferaltar waren die wichtigsten Opferstätten. Auf dem Räucheraltar wurden Weihrauch und andere Spezereien gelegt. Am Brandopferaltar wurden in den Zeiten der zunehmenden Wirtschaftlichen Blüte ganze oder zerlegte Opfertiere verbrannt. Bei einem Schlachtopfer wurden sie gekocht und anschließend verzehrt. Das Fett wurde verbrannt. Dazu wurden Gebete zu Ehren des Gottes JHWH verrichtet und Psalmen gesungen. Es erklang auch Kultmusik auf Zimbeln, Saitenmusik auf Leier und Harfe und das Schofar- oder Widderhorn.Wolfgang Zwickel: Die Welt des Alten und Neuen Testaments. Calwer, Stuttgart 1997, ISBN 3-7668-3412-6, S. 73ff.
Christentum Funktion und Symbolik mini|hochkant|links|Altar von Santa Cecilia in Trastevere mit Altarziborium mini|Gabenbereitung auf dem Altar mini|Altarstein mit Reliquiengrab („sepulchrum“) mini|Ikonostase, die den Altar verbirgt, in der orthodoxen Kathedrale von Curtea Arges mini|hochkant|Akanthusaltar in Reuth Im Christentum wird der Altar in Anlehnung an das letzte Abendmahl, das Jesus Christus am Abend vor seinem Leiden mit seinen Jüngern beging, auch als mensa domini (Tisch des Herrn) bezeichnet. Das lateinische mensa domini entspricht der griechischen Bezeichnung für den Tisch des Herrn, τράπεζα κυρίου trápeza kyríou , wie er in der alten Kirche für die Feier der Eucharistie im christlichen Gottesdienst Verwendung fand.
Der christliche Altar dient der Feier der Eucharistie. Hierbei werden die Gaben dargebracht: Brot und Wein, die der Gemeinde in der Kommunion bzw. im Abendmahl gereicht werden.
Bis ins 4. Jahrhundert hinein war es in Rom üblich, diesen Tischaltar erst vor dem Gottesdienst bzw. zu Beginn der eigentlichen Eucharistiefeier von den Diakonen hereintragen und aufstellen zu lassen. Der tragbare Altar wurde an einem erhöhten Ort, in Basiliken am Vorderrand der Apsis oder auch mitten im Kirchenschiff aufgestellt.
Die Errichtung feststehender Altäre im 4. und 5. Jahrhundert brachte deren Fertigung aus Stein mit sich. Zunächst blieb die Form eines Tisches erhalten, im 7. und 8. Jahrhundert glich der Altar hingegen immer mehr einem Kubus oder Block, in Anlehnung an den Felsen, auf den Christus seine Kirche erbaut hat bzw. den Eckstein, zu dem Christus selbst geworden ist .
Die im 2. bis 3. Jahrhundert einsetzende Verehrung der Märtyrer nahm ebenfalls Einfluss auf die Altargestaltung. Zunächst wurde es üblich, über dem Grab eines Märtyrers oder in dessen unmittelbarer Nähe die Eucharistie zu feiern. Später begann man, über diesen Gräbern Gedächtniskirchen – sogenannte Martyrien – und Altäre zu errichten. Da es nicht überall Märtyrergräber gab, ging man dazu über, Reliquien unter dem Sockel des Altares bzw. der Altarplatte beizusetzen, in Anlehnung an . Ambrosius von Mailand deutete dies so: „Auf diese Weise folgen die Opfer im Triumph dorthin, wo Christus die Opfergabe ist: Er, der für uns alle gelitten hat, liegt auf dem Altar; sie, die durch sein Leiden erkauft wurden, ruhen unter dem Altar.“Epistula 22,13 (PL 16, 1023). Dieser Brauch führte schließlich zu der Vorschrift, in die Altarplatte (Mensa) eine (Teil-)Reliquie einzumauern. In der Renaissance hatten daher Altäre auch die Form eines Sarkophages.
Noch vor der Errichtung steinerner Altäre wurde der Ort des Altars, der Altarraum, mancherorts durch Schranken vom Kirchenschiff abgegrenzt. Meist schloss dieser Altarraum auch den Platz des Kantors, die Kathedra des Bischofs und die Sedilien (Sitze der Priester und Presbyter) ein. Aus den Chorschranken, die in der alten Kirche aus Holz bzw. Steinsäulen bestanden, an denen Bilder oder bebilderte Stoffbehänge befestigt werden konnten, entwickelte sich in der Ostkirche die Ikonostase, in der Lateinischen Kirche der Lettner, aus diesem wiederum im Barock die Kommunionbank.
Der Standort des Priesters am Altar war zunächst vor dem (freistehenden) Altar in gleicher Blickrichtung wie die anwesenden Gläubigen. Dieser Standort ergab sich aus der Gebetsostung, die bereits 200 n. Chr. als feste Regel galt. Die Position „versus populum“, also zu den Märtyrerreliquien hin, hatte der Priester allein in Rom, weil die Reliquien dort über eine Confessio unter dem Altar zur Verehrung zugänglich gemacht wurden. Der Zelebrant stand dann ausnahmsweise sowohl in Richtung Märtyrerreliquien als auch in Richtung Osten, weil diese Kirchen eingangsgeostet waren. Die Eingangsostung wurde in Nordafrika adaptiert.
In der Folge verlagerte sich der Standort des Hauptaltares immer weiter an die Wand der Apsis, der Altar wurde zum Hochaltar, zuweilen auch als Choraltar bezeichnet. Der Altar stand nun nicht mehr frei im Raum und wurde an der Rückseite vielfach mit Aufbauten, Retabeln genannt (Reliefs oder Altarbildern), versehen. So entstanden die künstlerisch gestalteten Retabel- und Flügelaltäre der Gotik und des Barock. An der Vorderseite des Altares konnte eine Schmucktafel, das Antependium, angebracht sein.
Da der Hauptaltar nun weiter vom Platz der mitfeiernden Gläubigen entfernt war, gab es öfters einen weiteren Altar zwischen Hauptschiff und Chor, der dem heiligen Kreuz geweiht war und der als Kreuzaltar, Laienaltar, Messaltar, Volks- oder Gemeindealtar bezeichnet.P. W. Hartmann: In: Das große Kunstlexikon von P. W. Hartmann. Abgerufen am 29. Mai 2010.
Hauptaltar und Seitenaltar mini|St. Burkard in Würzburg: Volksaltar mit Kreuz, Hochaltar und Seitenaltäre mit Retabeln Insbesondere mittelalterliche Kirchen weisen neben dem Hauptaltar eine mehr oder größere Anzahl von Neben- oder Seitenaltären auf, abhängig von Größe, Bedeutung und Reichtum der Kirche.Justin E. A. Kroesen: Seitenaltäre in mittelalterlichen Kirchen. Standort – Raum – Liturgie. Schnell & Steiner, Regensburg 2010, ISBN 978-3-7954-2172-4. Berühmte Reliquien machten die Bedeutung einer Ortskirche aus. Die Menge der Reliquien wurde zunehmend in mehreren Altären geborgen, die räumlich voneinander abgegrenzt waren und als eigenständiges Heiligtum galten, welches durch eine Messfeier geehrt werden musste. Dadurch vervielfachte sich die Zahl der Messfeiern in einer Kirche, die durch Mönchspriester oder Altaristen zelebriert wurden. So konnte täglich an mehreren Altären zur gleichen Zeit die heilige Messe in Form einer Privatmesse (das heißt nur mit einem Messdiener als Assistenz) gehalten werden. Die Entwicklung der Messstipendien im Mittelalter war ein weiterer Faktor zur häufigen Zelebration in einer Kirche.Karl Rahner, Angelus Häußling: Die vielen Messen und das eine Opfer. (Quaestiones disputatae 31). 2. Auflage. Freiburg / Basel / Wien 1966, S. 119–120, Anm. 14.
Der Chor großer Kirchen kann für die Nebenaltäre mit einem Kapellenkranz ausgestattet sein. Noch in der Neuzeit verfügten auch kleinere Kirchen in der Regel neben dem Hauptaltar im Chor über zwei geweihte Nebenaltäre, in der Regel am vorderen Abschluss der Seitenschiffe.
Scheinaltar mini|150x150 px|Kredenzaltar in der Stadtpfarrkirche von Voitsberg Manche Kirchen sind auch mit als Scheinaltäre bezeichneten ungeweihten Seitenaltären ausgestattet, die nicht zur Messfeier genutzt werden können und nur der prachtvollen Ausstattung einer Kirche dienen oder eine architektonische Symmetrie herstellen.
Zu den Scheinaltären gehören auch die Kredenzaltäre, bei denen eine Kredenz aus den genannten Gründen altarähnliche Aufbauten erhält.
Formen Man unterscheidet am Altar als Hauptbestandteile die Mensa (Altarplatte) und den Stipes (Unterbau). Folgende Altartypen sind verbreitet:Josef Braun: Altar. In: Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte. Band 1, Stuttgart 1934, Sp. 515 ff. 1. der Tischaltar als Platte mit Stützen; 2. der Kastenaltar als Hohlkörper mit Öffnungen zum inneren Hohlraum; 3. der Blockaltar als allseitig geschlossene Form, oft mit auskragender Mensa. Diese drei Typen waren im Mittelalter üblich.
In der Renaissance entstand 4. der Sarkophagaltar. Mit seiner Form weist er auf das Reliquiengrab im Altar hin. Er ist der Haupttypus des barocken Altars.