Stoob (, ) ist eine Marktgemeinde im Bezirk Oberpullendorf im Burgenland in Österreich.

Geografie Die Gemeinde liegt im Mittelburgenland im Stooberbachtal. Stoob ist der einzige Ort in der Gemeinde. Zu Stoob zählt auch der Ortsteil Stoob-Süd, der an Oberpullendorf angebaut ist. Nachbargemeinden:

Geschichte

Vor Christi Geburt war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg.

Später unter den Römern lag das heutige Stoob dann in der Provinz Pannonia.

Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Csáva verwendet werden. Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes). Die Keramikfachschule wurde 1956 gegründet. Marktgemeinde ist Stoob seit 1. Mai 1979.Bgld LGBl 36/1979

2023 wurde die bauliche Erneuerung der Fachschule für Fliesen, Keramik und Ofenbau, Ceramico Campus begonnen. Nach Internat und Werkstätte soll im Oktober 2026 auch das Schulgebäude in Betrieb gehen. Abbruchmaterial wurde wiederverwertet, Holz verbaut und die Abwärme der Brennöfen wird mittels elektrischer Wärmepumpen genutzt.

Bevölkerungsentwicklung

Kultur und Sehenswürdigkeiten

mini|Bergkirche mini|Stoober Biri – Hügel Noplerberg, Landschaftsschutzgebiet mini|alternativtext=Turm der ehemaligen Tonwarenfabrik in Stoob|Schlot und Kollergang der ehemaligen Tonwarenfabrik mini|alternativtext=Gipfelpunkt Noplerberg: Höchster Punkt in Stoob|Gipfelpunkt Noplerberg: Höchster Punkt (364 m, etwa 100 m über dem Ortszentrum) in Stoob mini|alternativtext=Rosaliakapelle, auch Pest- oder Rochuskapelle|Rosaliakapelle, auch Pest- oder Rochuskapelle

Bergkirche hl. Johannes der Täufer (ehemalige kath. Pfarrkirche aus dem 13. Jahrhundert) Römisch-katholische Pfarrkirche Johannes der Täufer (aus 1959) Evangelische Pfarrkirche A.B. (Christus-Kirche) (aus 1962) Evangelisches Pfarrhaus (aus 1786 bzw. 1830), aktuell (2012) befindet sich darin das Evangelische Diözesanmuseum.Infonet Austria; abgerufen am 3. Sep. 2012. Friedhof mit Kalvarienbergstationen (aus 1889) Töpfermuseum Stoob Naherholungsgebiet Biri am NoplerbergStreuobstgebiet Biri Stoob; abgerufen am 25. Juni 2024. (mit rund 100 Hektar (1 km²) das größte zusammenhängende Streuobstwiesengebiet im Burgenland und seit 2013 LandschaftsschutzgebietRIS Verordnung Noplerberg vom 12.04.2023; abgerufen am 27. Juni 2024.) Keramikbrunnen von Erich Weissberg (aus 1978) oder Töpferbrunnen Pestkapelle (aus 1737), auch Rosaliakapelle oder Rochuskapelle.Rosalienkult im Burgenland; abgerufen am 25. Juni 2024. Alte TonwarenfabrikBest of Burgenland; abgerufen am 27. Juni 2024. (aus 1895) mit ortsbildprägendem Industrieschlot

Wirtschaft und Infrastruktur

Stoob ist seit dem 17. Jahrhundert bekannt für sein Hafnerhandwerk. In einem Grundbuch des Feudalherrn Lippay de Zombor ist 1676 ein Thoma Paur als Hafner in Stoob verzeichnet. Zunftkrug aus 1619 und Zunfttruhe mit Bruderschaftsbuch und anderen Dokumenten aus 1846 sind erhalten. Gemäß einer amtlichen Zuschreibung der Zünfte aus 1851 fiel auf jedes vierte Haus ein Hafnermeister.Schöbel et al.: Kunstdenkmäler, S. 618. Aufgrund der hohen Bedeutung dieses Handwerks findet sich auf dem Wappen dominant ein Keramikkrug, regional bekannt als Stoober Plutzer.

1895 wurde die Esterházysche Tonwarenfabrik errichtet, seit 1893 gab es eine Tongewerbefachschule. 1903 bestand das Dorf aus 220 Häusern, wovon in 27 die Hafnerei betrieben wurde. In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg war Stoob durch eine Tonwarenfabrik und eine Tongewerbefachschule ein Zentrum des Hafnergewerbes.

Mehrere Töpferbetriebe sowie die 1956 gegründete30 Jahre Landesfachschule für Keramik und Ofenbau Stoob, Burgenland. Landesfachschule für Keramik und Ofenbau, Stoob 1987, Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund., 1959 als Neubau initiierte Landesberufsschule für KeramikBgld LGBl 6/1960 (nunmehr: Landesfachschule für Keramik und Ofenbau Stoob), die einzige dieser Art in Österreich, heben die ungebrochene Bedeutung dieses Handwerks für die Marktgemeinde hervor. Darüber hinaus werden für Interessierte Töpferkurse angeboten.

2022 erfolgte unter der Leiterin Anita Wolf ein Neubau des Schulgebäudes und eine Modernisierung der Lehrpläne der „Fachschule für Fliese, Keramik und Ofenbau“ (Ceramico Campus) die über Kurse auch Erwachsenenbildung betreibt. Ein 100-Betten-Internat des Landes ist angeschlossen.

An derselben Adresse sitzen die Ceramico Burgenland GmbH, gegründet Dezember 2021, mit Produktion, Prüfstelle und Technikum, sowie der Ceramico Fliesenverband, ein Dienstleister für Hersteller und Sachverständige.

Wirtschaftssektoren Von 1999 bis 2010 reduzierte sich die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe im Haupterwerb um die Hälfte, die der Betriebe im Nebenerwerb um zwei Drittel. Im Produktionssektor arbeiten beinahe zwei Drittel der Firmen im Baugewerbe, drei Viertel der Mitarbeiter dieses Sektors sind jedoch mit der Herstellung von Waren beschäftigt. Der größte Arbeitgeber ist Stand 2011 der Dienstleistungssektor, hier vor allem der Handel. WirtschaftssektorAnzahl BetriebeErwerbstätige 2)2011200120112001Land- und Forstwirtschaft 1)1632107Produktion3830396466Dienstleistung9678475462

1) Betriebe mit Fläche in den Jahren 2010 und 1999, 2) Erwerbstätige am Arbeitsort

Pendler Von den 696 Erwerbstätigen, die in Stoob wohnen, arbeiten 213 in der Gemeinde und 483 Personen pendeln aus. Von anderen Gemeinden pendeln 668 Menschen zur Arbeit nach Stoob (Stand 2011).

Bildung In Stoob gibt es einen Kindergarten. Die Volksschule bietet Englisch als verbindliche Übung ab der ersten Klasse an. 1925 wurde die Hauptschule Stoob errichtet.Ladislaus Böhm: 30 Jahre Hauptschule Stoob. Hauptschule, Stoob 1955, Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund.

Dieses Gebäude wird heute als Wohngebäude genutzt.

1972 begann der Neubau der Hauptschule an einem neuen Standort, der 1975 eröffnet wurde und bis heute als Sammelschule mehrerer Gemeinden dient.

Ab dem Schuljahr 2009/2010 wird diese als Neue Mittelschule mit den Schwerpunkten Berufsorientierung, Sprachen und Neue Lernkultur geführt. Das neue Schulgelände beherbergt heute auch die Volksschule und den Kindergarten.Volksschule Stoob

Politik Gemeinderat

mini|Gemeindeamt StoobBis 1938 Evangelische Schule — siehe: Christus-Kirche.

Der Gemeinderat umfasst aufgrund der Anzahl der Wahlberechtigten insgesamt 19 Mitglieder. + Ergebnisse der Gemeinderatswahlen seit 1997 Partei 2022 2017Land Burgenland: Wahlergebnis Stoob 2017 (abgerufen am 2. Jänner 2018) 2012Land Burgenland: Wahlergebnis Stoob 2012 (abgerufen am 2. Jänner 2018) 2007Land Burgenland: Wahlergebnis Stoob 2007 (abgerufen am 2. Jänner 2018) 2002Land Burgenland: Wahlergebnis Stoob 2002 (abgerufen am 2. Jänner 2018) 1997Sti.%M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. Sti. % M. SPÖ74578,5015 703 68,99 13 662 64,46 12 647 66,16 13 547 57,58 11 519 60,63 12 ÖVP19320,344 257 25,22 5 365 35,54 7 318 32,52 6 384 40,42 8 240 28,04 5KLART111,160nicht kandidiertnicht kandidiertnicht kandidiertnicht kandidiertnicht kandidiert FPÖnicht kandidiert 59 5,79 1 nicht kandidiert nicht kandidiert 19 2,00 0 97 11,33 2 FBLnicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert 13 1,33 0 nicht kandidiert nicht kandidiert Wahlberechtigte1267 1247 1241 1196 1138 1077 Wahlbeteiligung78,06 86,45 % 87,35 % 86,20 % 89,02 % 89,04 %

Gemeindevorstand Neben Bürgermeister Bruno Stutzenstein (SPÖ) und Vizebürgermeister Daniel Sommer (SPÖ) gehören weiters die geschäftsführenden Gemeinderäte Dietmar Hollweck (SPÖ), Bettina Koller (SPÖ) und Josef Stibi (ÖVP) dem Gemeindevorstand an. Zur Gemeindekassierin wurde Bettina Koller (SPÖ) und zum Umweltgemeinderat Dietmar Hollweck (SPÖ) gewählt.

Bürgermeister Bürgermeister ist seit 2002 Bruno Stutzenstein (SPÖ). Bei der Bürgermeisterdirektwahl am 1. Oktober 2017 wurde er mit 71,65 % in seinem Amt bestätigt. Seine Mitbewerber Josef Stibi (ÖVP) und Martin Perl (FPÖ) erhielten 23,47 % bzw. 4,89 %. Aufgrund des großen Vorsprungs der SPÖ stellt diese mit Daniel Sommer auch den Vizebürgermeister.Marktgemeinde Stoob: Gemeinderat (abgerufen am 3. Jänner 2018)

Bei der Wahl 2022 wurde Bruno Stutzenstein mit 87,76 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt.

Chronik der Dorfrichter und Bürgermeister von bis DorfrichterMarktgemeinde Stoob: Richter bzw. Bürgermeister (abgerufen am 25. Jänner 2017) 1558 Egidius Varga 1715 Michael Glazer 1726 1728 Adam Pällisch 1736 1745 Georg Hassler 1737 1761 Jakob Nagy sen. und jun. 1751 1753 Matthias Rauchmann 1754 Paul Glazer 1762 1775 Paul Stix 1766 1769 Paul Wohlmutz 1771 Martin Kern 1772 1773 Matthias Kerstner 1781 Martin Kath 1798 1800 Josef Grabner 1802 Matthias Köppl 1807 1816 Paul Kath von bis Dorfrichter 1808 Josef Reßler 1847 Michael Paur 1848 Andreas Pinter 1852 Johann Gnadlinger 1861 1862 Johann Thumberger 1870 Johann Schrödl 1866 1886 Paul Tremmel 1889 Stefan Grabner 1890 1894 Johann Reingruber 1894 1899 Michael Stoiber 1900 Josef Koth 1903 1908 Josef Schrödl 1909 1912 Josef Kallinger 1912 1919 Michael Horvath 1920 1921 Josef Stibi von bis Bürgermeister 1921 1927 Josef Koth 1927 1931 Johann Reingruber 1931 1935 Regierungskommissär Knoll (Nachdem sich die Gemeinde beim Ausbau der ersten Hauptschule finanziell übernommen hatte und zahlungsunfähig war) 1935 1938 Stefan Grabner (Dieser bürgte mit einem Teil seines eigenen Vermögens für die Gemeinde und machte diese wieder unabhängig) 1938 1945 Paul Fasching 1945 Karl Stoiber (Er beherrschte als ehemaliger Kriegsgefangener des Ersten Weltkriegs die russische Sprache) 1945 1950 Karl Schrödl 1950 1967 Karl Wohmuth 1967 1979 Franz Kallinger 1979 1982 Michael Sommer 1982 2002 Rudolf Taschner seit 2002 Bruno Stutzenstein (SPÖ)

Wappen 60px Blasonierung: „Ein Tonkrug (regionalsprachlich: Plutzer) und darüber zwei Sonnen, jeweils in Gold auf rotem Schild.“

Das Wappen wurde im Zuge der Ernennung zur Marktgemeinde verliehen (1979)

Das Wappen soll als Sinnbild für Energie (Brennen des Tones) und einer blühenden Wirtschaft verstanden werden.Marktgemeinde Stoob: Wappen (abgerufen am 3. Jänner 2018) Rot und Gold sind auch die Landesfarben des klimatisch sehr sonnigen Burgenlands.

Persönlichkeiten Johann Wohlmuth (1865–1942), Maurer- und Zimmermeister, Politiker Heinz Kapaun (1929–2008), Politiker

Sehenswürdigkeiten

Literatur Ladislaus Finta (Hrsg.): Festschrift anlässlich des 750-Jahr-Jubiläums und der Erhebung zur Marktgemeinde. 19. Mai bis 27. Mai 1979. Marktgemeinde Stoob, Gemeindeamt Stoob, Stoob 1979.Katalogzettel Österreichische Nationalbibliothek Ladislaus Finta (Hrsg.): 1925–1985. 60 Jahre Hauptschule Stoob. Ein Bericht über die Jahre 1975/76 – 1984/85, hrsg. mit Unterstützung des Elternvereines. Dir[ektion] der Hauptschule Stoob, Stoob 1985.Katalogzettel Österreichische Nationalbibliothek Judith Schöbel, Petra Schröck, Ulrike Steiner: Die Kunstdenkmäler des politischen Bezirkes Oberpullendorf. Österreichische Kunsttopographie, Band 56. Berger, Horn 2005, ISBN 3-85028-402-6.

Film Formen und Figuren – Das Töpferdorf Stoob. Dokumentarfilm, Österreich, 2013, 24:54 Min., Buch und Regie: Walter Reiss, Produktion: ORF, Landesstudio Burgenland, Reihe: Erlebnis Österreich, Erstsendung: 14. April 2013 bei ORF 2, Inhaltsangabe von ORF.

Weblinks

Landesfachschule für Keramik und Ofenbau

Einzelnachweise

Kategorie:Katastralgemeinde im Bezirk Oberpullendorf