Das Ökumenische Domgymnasium Magdeburg ist ein christliches Gymnasium in freier Trägerschaft in Magdeburg. Besonders ist die Belegungspflicht von Religion, dreier Fremdsprachen sowie von Digitalkunde in den Klassen 7 und 8.

Geschichte Es gibt zahlreiche bedeutende Absolventen dieser Schule. Martin Luther war Schüler der Domschule Magdeburg, einer Vorgängereinrichtung des Domgymnasiums.Friedrich Wiggert: Ueber Martin Luthers Schülerleben zu Magdeburg und den dortigen Verein der Brüder vom gemeinsamen Leben im Thal des h. Hieronymus, auch Trulbrüder (Nulbrüder, Lulharden) genannt. In: Programm des Königlichen Domgymnasiums zu Magdeburg (1839). Magdeburg 1839 ()

Mittelalter Die Geschichte des Domgymnasium reicht bis ins frühe Mittelalter zurück. Otto I. gründete im Jahr 937, ein Jahr nach seiner Krönung, in Magdeburg das Moritzkloster zu Ehren des heiligen Mauritius, dem auch eine Klosterschule angegliedert war. Im Jahr 968 wurde die Klosterschule umgewandelt in eine Domschule.

Neuzeit Um das Jahr 1530 herum wurde der Unterrichtsbetrieb der Magdeburger Domschule eingestellt, da die katholisch geprägte Domschule unter der Reformation der Konkurrenz neugegründeter Schulen unterlag. Es erfolgte eine Neugründung im Jahr 1676Die Wiederbegründung der Domschule im Jahr 1675 auf domgymnasium-magdeburg.de, abgerufen am 27. Februar 2024. anlässlich der Jahrhundertfeier des ersten evangelischen Gottesdienstes am Magdeburger Dom vorerst als Elementarschule mit einer Klasse, die in den folgenden Jahren stetig wuchs und erweitert wurde, bis sie 1680 bereits vier Klassen zählte.

Im Jahr 1810 verfügte die Regierung des Königreichs Westphalen die Auflösung des Domkapitels und zog dessen Vermögen ein. Dem Engagement des damaligen Rektors Gottfried Funk ist es zu verdanken, dass Schulräumlichkeiten und Lehrerwohnungen der Domschule erhalten blieben. Zu den Lehrerwohnungen gehörte auch das Gebäude Kreuzgangstraße 5. Nachfolger von Gottfried Funk wurde 1814 Johann Andreas Matthias. Im selben Jahr wurde die Domschule vom preußischen Staat übernommen. mini|Neues Gebäude Anfang der 1890er Jahre Ab 1822 wurde die Domschule zunächst umbenannt in Domgymnasium, später in Königliches Domgymnasium zu Magdeburg.Schulnachrichten von Ostern 1895 bis Ostern 1896. Magdeburg, 1896 1841 wurde die Schülerschaft erstmals in neun Klassen (Sexta bis Oberprima) eingeteilt und einige Jahre später zusätzlich der Turnunterricht eingeführt.Karl Funk: Antrittsworte des neuen Directors. In: Programm des königlichen Domgymnasiums zu Magdeburg, S. 49–53. Magdeburg 1839 () Am 17. Oktober 1881 bezog das Domgymnasium erstmals das neu errichtete Schulgebäude in der damaligen Augustastraße 5 (heute: Hegelstraße).

Erste Hälfte des 20. Jahrhunderts 1901 wurde dem Domgymnasium ein Reformgymnasium mit Französisch als erster Fremdsprache und später beginnendem Lateinunterricht angegliedert und die Schulfahne eingeweiht. Nach Ende des Ersten Weltkriegs bzw. der Monarchie wurde 1919 der Name erneut geändert in Staatliches Domgymnasium zu Magdeburg.

1928 wurden das Staatliche Domgymnasium Magdeburg und das Pädagogium zum Kloster Unser Lieben Frauen zusammengelegt und hießen fortan Vereinigtes Dom- und Klostergymnasium Magdeburg. Das bis dahin angeschlossene Reformgymnasium wurde im gleichen Zeitraum schrittweise abgebaut.

Die Machtergreifung der Nationalsozialisten brachte 1933 deutliche Einschnitte für das deutsche Schulwesen. Im Gegensatz zu allen anderen höheren Schulen Magdeburgs durfte das Dom- und Klostergymnasium jedoch weiterhin den Titel „Gymnasium“ im offiziellen Namen führen. Auch wenn verallgemeinernde Aussagen über die Gemeinschaft der hohen Anzahl an Schüler und/oder der Lehrerschaft nicht möglich sind und zudem auch kaum (noch) Belege existieren, muss von sowohl Anpassung an das nationalsozialistische Regime als auch Widerstand ausgegangen werden: Den überlieferten Schriftstücken im Landeshauptarchiv Magdeburg ist beispielsweise zu entnehmen, dass 1933 ein Lehrer in der Schule ein Bild von Adolf Hitler abgehängt hatte und dass „die marxistisch-kommunistische Einstellung“ eines weiteren Lehrers im öffentlichen Diskurs stand.Landeshauptarchiv Magdeburg, Rep. C 23 Domgymnasium Magdeburg. Nr. 21, fol. 21. Gleichzeitig wurde 1937 dem Domprediger vom Oberstudiendirektor – mit Verweis auf eine Trennung von Kirche und Staat sowie den Status einer nationalsozialistischen Staatsschule – untersagt, eine bis dahin regelmäßig stattfindende schulische Abendmahlsfeier durchzuführen.Landeshauptarchiv Magdeburg, Rep. C 23 Domgymnasium Magdeburg. Nr. 23, fol. 97–98. Der Kriegsausbruch im Jahr 1939 führte schließlich zu einem fast vollständigen Erliegen des Schulunterrichts durch Freiwilligenmeldungen in der Schülerschaft, während die 6. bis 8. Klassen als Luftwaffenhelferklassen fungierten. Im Jahr 1945 wurden die Lehrerbibliothek mit 25.000 Bänden und das Dach der Aula bei Luftangriffen zerstört.

Nach Kriegsende wurden die Schulklassen der Bismarckschule in das Domgymnasium integriert. Es wurden jedoch lediglich die Schulklassen 9 bis 12 fortgesetzt und Russisch als Pflichtfach eingeführt. Die Schule unterlag fortan dem Reglement der Sowjetischen Militäradministration und wurde 1950 auf politischen Druck umbenannt in „Humboldt-Oberschule“.

Humboldtschule Die Schule wurde 1949 in Humboldtschule, später in Humboldtschule EOS, umbenannt und ist bis 1972 zweimal umgezogen. Die Schule war eine von neun Schulen der DDR, die altsprachlichen Griechisch-Unterricht anboten (Schulen mit Lateinunterricht gab es wesentlich mehr).Das waren DDR-weit diese neun Erweiterten Oberschulen: Heinrich-Schliemann-Schule in Berlin, Humboldt-Schule in Potsdam, Kreuzschule in Dresden, Thomasschule zu Leipzig, Gerhart-Hauptmann-Schule in Zwickau, Ernst-Abbe-Schule in Eisenach, Latina August-Hermann-Francke in Halle, Humboldt-Schule in Magdeburg und Herder-Schule in Rostock. – , S. 8, abgerufen am 21. Juni 2016.

Nach der Friedlichen Revolution in der DDR 1989 erfolgte die Umbenennung in Humboldt-Gymnasium. Seit 1997 war das Humboldt-Gymnasium Europaschule. 2008 wurde das Humboldtgymnasium geschlossen.

Ökumenisches Domgymnasium Das Domgymnasium wurde 1991 als Ökumenisches Gymnasium von einer Elterninitiative unter Mitwirkung der Bremer Pädagogin Erika Opelt-Stoevesandt privat neu gegründet und 1993 in Ökumenisches Domgymnasium (ÖDG) umbenannt. Im Jahr 2000 konnte das Domgymnasium in das ursprüngliche Gebäude in der Hegelstraße 5 zurückziehen. In diesem Jahr erhielt es auch eine Röver-Orgel (II/15), die 1900 entstand und nach Stationen in Halberstadt (ab 1900), im Magdeburger Dom (ab 1904) und im Mädchengymnasium Lüneburg (ab 1908) vom Orgelbauer Hüfken restauriert wurde. Das Ökumenische Domgymnasium ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft der christlich orientierten Schulen in freier Trägerschaft im Land Sachsen-Anhalt. 2006 bekam das Ökumenische Domgymnasium von Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz den Status einer Europaschule verliehen.

Im Denkmalverzeichnis des Landes Sachsen-Anhalt ist die Schule unter der Erfassungsnummer 094 82704 als Baudenkmal verzeichnet.Kleine Anfrage und Antwort Olaf Meister (Bündnis 90/Die Grünen), Prof. Dr. Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen), Kultusministerium 19. 03. 2015 Drucksache 6/3905 (KA 6/8670) Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt, Seite 2583

I Hauptwerk C–f3 Bordun 16′ Principal 8′ Hohlflöte 8′ Zartgedackt 8′ Gambe 8′ Octave 4′ Mixtur II ′ + 2′ II Manual C–f3 Gedackt 8′ Salicional 8′ Aeoline 8′ Voix céleste 8′ Flauto dolce 4′ Pedal C–d1 Subbass 16′ Offenbass 8′ Gedacktbass 8′ Koppeln: I/I Super, II/I, I/P, II/P Spielhilfen: 5 feste Kombinationen (p, mf, f, ff, Tutti) Calcantenzug

Fremdsprachen Die Schule verfügt über ein besonders umfangreiches Fremdsprachenangebot: Englisch, Französisch, Spanisch, Russisch und Latein.Fachbereiche domgymnasium-magdeburg.de, abgerufen am 3. Juni 2025

Bekannte Schüler des Domgymnasiums Geordnet nach Geburtsjahr Martin Luther (1483–1546), Theologe und Reformator Georg Philipp Telemann (1681–1767), Komponist Bernhard Kühns (1682–1729/30), Pädagoge und Theologe Ludwig Martin Kahle (1712–1775), Rechtswissenschaftler und Philosoph Johann Matthias von Bernuth (1716–1797), Kammerdirektor des Kriegs- und Domänenrats in Kleve Jakob von Bernuth (1729–1797), Kriegs- und Domänenrat in Hamm Johann Friedrich Gottlieb Goldhagen (1742–1788), Professor für Medizin und Naturgeschichte an der Universität Halle Heinrich Philipp Goldhagen (1746–1826), Jurist und Kriminaldirektor Johann Georg Christoph Neide (1756–1836), Pädagoge und evangelischer Theologe Wilhelm Anton von Klewiz (1760–1838), Politiker Johann Karl Simon Morgenstern (1770–1852), Professor für Ästhetik, Eloquenz und Altphilologie Joseph Emil Nürnberger (1779–1848), Postbeamter, Mathematiker, Astronom und Schriftsteller Friedrich Albert Immanuel Mellin (1796–1859), Architekt Carl Friedrich Koch (1802–1871), Geheimer Regierungs- und Medizinalrat in Merseburg Karl Scheele (1810–1871), evangelischer Theologe und Lehrer Hermann Gruson (1821–1895), Unternehmer Friedrich Bötticher (1826–1895), Oberbürgermeister von Magdeburg Mehmed Ali Pascha (Karl Detroit, 1827–1878), in Magdeburg geborener türkisch-osmanischer Generalstabschef Albert Fischer (1829–1896), Theologe, Hymnologe Richard Voigtel (1829–1902), Kölner Dombaumeister Rudolf Ernst Wolf (1831–1910), Unternehmer Ernst Hundt der Ältere (1832–1906), Pfarrer in der Altmark Hugo Holstein (1834–1904), Philologe, 1864–1875 Lehrer Werner Fritze (1836–1925), Unternehmer, Kommunalpolitiker August Wilhelm Martin Treplin (1840–1917), evangelischer Theologe und Propst der Propstei Rendsburg Walther Brecht (1841–1909), Jurist, Direktor der Lübeck-Büchener Eisenbahngesellschaft Richard Aßmann (1845–1918), Meteorologe Friedrich Funk (1847–1897), Oberbürgermeister von Dessau, Anhaltischer Landtagsabgeordneter Richard Werth (1850–1918), Gynäkologe Ernst Schwartzkopff (1852–1904), Architekt Friedrich Wilhelm Franz Meyer (1856–1934), Mathematiker Friedrich Robert Emanuel Baensch (1857–1928), Verleger, Druckereibetreiber und Kommerzienrat Johannes Gloël (1857–1891), evangelischer Geistlicher und Erlanger Hochschullehrer Johannes Baensch-Drugulin (1858–1945), Druckereibesitzer, Vorsitzender des Deutschen Buchdruckervereins Robert Philippson (1858–1942), Klassischer Philologe Johannes Schlaf (1862–1941), Dramatiker Gustav Breddin (1864–1909), Schulleiter und Entomologe Friedrich Schrader (1865–1922), Journalist, Islamwissenschaftler Paul F. Linke (1876–1955), Philosoph Gyula Grosz (1878–1959), Arzt Erich Kreutz (1884–1943), Verwaltungsjurist, Oberbürgermeister von Cottbus und Brandenburg (Havel) Georg Bessell (1891–1976), Gymnasiallehrer und Historiker in Bremerhaven und Bremen Heinrich Germer (1900–1952), Kommunalpolitiker Otto Riemer (1902–1977), Musikhistoriker, -schriftsteller und -kritiker Gerhard Wachter (1929–2004), Generalleutnant der Bundeswehr Günter Bust (1930–2005), Musikpädagoge und Komponist Dieter P. Meier-Lenz (1930–2015), Autor, Lyriker und Herausgeber Bernhard Servatius (1932–2025), Jurist Wilhelm Thal (1933–2019), Mediziner und Hochschullehrer Eberhard Jüngel (1934–2021), Theologe

Bekannte Lehrer des Domgymnasiums Ernst Nöldechen († 1894), Professor Gustav Rebling (1821–1902), Gesangslehrer Johannes Wilhelm Boysen (1834–1870), Dichter, Lehrer von 1863 bis 1866 Hugo Holstein (1834–1904), Philologe (s. o.) Gustav Holzmüller (1844–1914), Mathematiker Daniel Decourdemanche (1910–1942), Austauschlehrer 1930, französischer Schriftsteller

Bekannte Rektoren des Domgymnasiums

Johann Georg Lohmeyer († 1680), Rektor von 1675–1680 Christian Müller (1666–1746), Rektor von 1694–1740 Johann Gottlieb Immermann (1707–1777), Rektor von 1740–1753 Johann Eustachius Goldhagen (1701–1772), Rektor 1753–1772 Gottfried Benedict Funk (1734–1814), Rektor 1772–1814 Johann Andreas Matthias (1761–1837), Rektor 1814–1837