mini|Luftaufnahme des Hagermarscher Ortsteils Hagermarsch (von Nordwesten) mini|Alte Schule in Hagermarsch

Hagermarsch ist die bevölkerungsmäßig kleinste Gemeinde in der Samtgemeinde Hage im Landkreis Aurich in Ostfriesland. Die Gemeinde hat  Einwohner, die sich auf vier Ortsteile verteilen. Sie erstreckt sich dabei auf einer Fläche von 22,32 Quadratkilometern.

Name Die erste urkundliche Erwähnung des Gemeindenamens lässt sich für 1719 in der Schreibweise Hager Marsch nachweisen. Die heutige Schreibung ist für 1787 belegt.Ortschronisten der Ostfriesischen Landschaft: Hagermarsch, Samtgemeinde Hage, Landkreis Aurich

Geologie Die Gemeinde Hagermarsch liegt fast vollständig in der ehemaligen Hilgenrieder Bucht (auch Hagermarscher Bucht genannt), deren Ausläufer, die Hilgenriede und die Wichter Ee, bis ins 8. Jahrhundert tief in das Norderland hineinragten und im Hager Geestrücken ihre natürliche Begrenzung fanden.Hans-Gerd Coldewey: (online auf der Homepage der SPD Hage); eingesehen am 1. März 2015. Das Gemeindegebiet ist von der sogenannten Jungmarsch geprägt und verfügt über „frische junge Böden mit noch hohem Kalkgehalt.“ In ihrer Qualität entsprechen sie durchaus den besten Lössböden und eignen sich in besonderer Weise zum Ackerbau.Karl-Ernst Behre: Ostfriesland. Die Geschichte seiner Landschaft und ihrer Besiedlung. Wilhelmshaven 2014, ISBN 978-3-941929-09-8, S. 34.

Lage und Verkehrsanbindung Die nördliche Grenze der Gemeinde Hagermarsch, die auf einer durchschnittlichen Höhe von 1,5 m über Meeresniveau (NN)Ostfriesische Landschaft: Hagermarsch, Samtgemeinde Hage, Landkreis Aurich liegt, bildet die Nordseeküste. Ihr vorgelagert ist hier das Ostende der Insel Norderney. Im Osten grenzt Hagermarsch an Nessmersiel, ein Ortsteil der Gemeinde Dornum. Die Südgrenze teilt sich die Gemeinde mit Hage und Lütetsburg, die Westgrenze mit Ostermarsch, einem Ortsteil der Stadt Norden.

Die Landstraße 5 verbindet Hagermarsch mit der Stadt Norden und den Sielorten Nessmer- und Dornumersiel. Sie wird im Ortsteil Theener von der Kreisstraße 213 gekreuzt. Diese führt in nördlicher Richtung nach Hilgenriedersiel und südlich auf die Kreisstraße 210, die Hage, den Hauptsitz der Samtgemeinde, mit Nesse verbindet.

Der Verkehrsverbund Ems-Jade (VEJ) bietet eine Reihe von Buslinien, die Hagermarsch mit den umliegenden Orten verbinden.Verkehrsverbund Ems-Jade: Liniennetz, abgerufen am 29. April 2019. So führen zum Beispiel die VEJ-Buslinie 414 nach Norden und Hage, die VEJ-Linie 413 nach Dornumersiel und die Linien 314 und 319 nach Dornum. Die nächsten Bahnhöfe befinden sich in Norden. In Hage existiert eine Haltestelle der Museumseisenbahn Küstenbahn Ostfriesland, die in bestimmten Saisonzeiten zwischen Norden und Dornum verkehrt.Internetauftritt der Küstenbahn Ostfriesland; eingesehen am 23. Februar 2015. Schiffsverbindungen zu den Inseln gibt es in Norddeich (Juist und Norderney) sowie Nessmersiel (Baltrum).

Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet besteht aus den Ortsteilen Hagermarsch, Hilgenriedersiel, Theener und Junkersrott. Während die drei erstgenannten Ortschaften bereits vor der Gebietsreform in Niedersachsen eine Gemeinde bildeten,Siehe dazu Karl Leiner: Panorama Landkreis Norden. Norden 1972, S. 169f. war Junkersrott bis zur Reform 1972 eine selbständige Gemeinde.

Geschichte Die Gemeinde Hagermarsch liegt größtenteils innerhalb der historischen Hilgenrieder Bucht. Die früheste urkundliche Erwähnung ist auf das Jahr 1719 datiert. Damals wird der Ort als in der Hager Marsch genannt. Der Ortsnamens ist eine Zusammensetzung bestehend aus dem Siedlungsnamen Hage und der Landform Marsch zu erkennen. Seit 1787 ist die heutige Schreibweise geläufig.Arend Remmers: Von Aaltukerei bis Zwischenmooren. Die Siedlungsnamen zwischen Dollart und Jade, Leer 2004, S. 90

Die Besiedelung des Ortes dürfte aber bereits früher begonnen haben. So gibt es um das kleine frühmittelalterliche Gräberfeld Süderhaus einige Gehöftwurten, von denen aber bis dato keine Funde bekannt sind, so dass eine Datierung des Siedlungsbeginns schwierig ist.

Im Bereich der ehemaligen Hilgenriederbucht sollen im Jahre 884 in der Schlacht bei Norditi (auch Schlacht von Nordendi oder Schlacht an der Hilgenrieder Bucht) ein friesisches Heer unter Erzbischof Rimbert von Bremen-Hamburg und ein Heer dänischer Wikinger aufeinandergetroffen sein. Die Friesen siegten, was den vollständigen Rückzug der Wikinger aus Ostfriesland zur Folge hatte.

Im Ortsteil Hilgenriedersiel ist seit 1576 ein Siel nachgewiesen. 1925 wurde es wegen mangelnder Vorflut geschlossen. Heute erinnert ein Denkmal an das historische Siel. Hilgenriedersiel war bis 1873 für die Überfahrt und den Verkehr mit der Nordseeinsel Norderney bedeutsam. Danach verlagerte sich der Inselverkehr auf den Hafen von Norddeich. Von privaten Spediteuren wurde der Hilgenrieder Wattweg allerdings noch bis 1949 genutzt.

Im Jahre 1871 wird eine Ziegelei in Hagermarsch genannt, 1930 eine Hagermarscher Landstraße.Arend Remmers: Von Aaltukerei bis Zwischenmooren. Die Siedlungsnamen zwischen Dollart und Jade, Leer 2004, S. 90

Während des Zweiten Weltkrieges richteten die Nationalsozialisten in der Hagermarsch ein Kriegsgefangenenlager ein. Es bestand aus einer Holzbaracke, in der 25 bis 30 französische Kriegsgefangene inhaftiert waren. Seit 1971 ist Hagermarsch Teil der Samtgemeinde Hage.

Religion Der weitaus überwiegende Teil der Einwohner Hagermarschs gehört der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers an. Eingepfarrt sind sie nach Hage; das für sie zuständige Gotteshaus ist die dortige St. Ansgari-Kirche.Karl Leiner: Panorama Landkreis Norden. Norden 1972, S. 169;203 Die römisch-katholischen Christen gehören zur Pfarreiengemeinschaft St. Ludgerus mit Sitz in Norden. Sie verfügt in Hage über die Filialkirche St. Wiho an der Bahnhofsstraße.Homepage der Pfarreiengemeinschaft St. Ludgerus: St. Wiho Hage; eingesehen am 1. März 2015. Freikirchler (zum Beispiel Baptisten, Mennoniten und Pfingstler) finden im nahe gelegenen Norden die jeweiligen Gemeindezentren.

Politik Gemeinderat Der Rat der Gemeinde Hagermarsch besteht aus 7 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für die Mitgliedsgemeinde einer Samtgemeinde mit einer Einwohnerzahl bis zu 500 Einwohnern.Niedersächsisches Kommunalverfassungsgesetz (NKomVG) in der Fassung vom 1. November 2011; § 46 – Zahl der Abgeordneten, abgerufen am 17. August 2024. Die sieben Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2026 und endet am 31. Oktober 2031.

Die letzte Kommunalwahl vom 3. September 2026 ergab das folgende Ergebnis:

Partei Anteilige Stimmen Anzahl Sitze Freie Wählergemeinschaft (FWG) 61,53 % 4 CDU 38,47 % 1

Der CDU stehen nach der Wahl drei Ratssitze zu, von denen sie nur zwei besetzen kann, so dass der Rat künftig sechs Mitglieder hat.

Die Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl 2026 lag mit 68,2 % über dem niedersächsischen Landesdurchschnitt von 64,6 %.

Die Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl 2021 lag mit 63,79 % ebenfalls über dem niedersächsischen Durchschnitt von 57,1 %. Zum Vergleich – die Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl 2016 lag mit 65,24 % deutlich über dem niedersächsischen Durchschnitt von 55,5 %.hna.de: Kommunalwahlen: Alle Infos, alle Ergebnisse, abgerufen am 31. Dezember 2016. Bei der vorherigen Kommunalwahl vom 10. September 2006 lag die Wahlbeteiligung bei 64,77 %.Gemeinde Hagermarsch – Gesamtergebnis Gemeinderatswahl 2011, abgerufen am 31. Dezember 2016.

Bürgermeister Der Gemeinderat wählte das Gemeinderatsmitglied Richard Gloger (Freie Wählergemeinschaft (FWG)) zum ehrenamtlichen Bürgermeister für die aktuelle Wahlperiode., abgerufen am 22. Januar 2017

Wappen

Literatur Johann Haddinga, Martin Stromann: Luftkurort Hage. Mit den Ortschaften Blandorf-Wichte, Berum, Berumbur, Hagermarsch, Halbemond, Lütetsburg. Norden 2002, ISBN 3-928327-55-0. Karl Leiner: Panorama Landkreis Norden. Norden 1972, S. 167–170 (Hagermarsch), S. 201–204.

Weblinks

Beschreibung von Hagermarsch in der Historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft Luftkurort Hage Ausgleichsarbeiten für Küstenschutzmaßnahmen an der Leybucht mit umfangreichen Deichverstärkungs- und Neubaumaßnahmen Alte Fotos aus Hagermarsch, Hilgenriedersiel, Dornum, Dornumergrode und Dornumersiel

Einzelnachweise Gemeinde Hagermarsch – Gesamtergebnis Gemeinderatswahl 2021, abgerufen am 15. September 2021.

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