Kunstpfeifer sind Menschen, die eine möglichst komplexe Melodie in verschiedenen Tonlagen ohne technische Hilfsmittel pfeifen können. Bis ins 19. Jahrhundert wurden in einigen Regionen Europas als Kunstpfeifer Musikanten bezeichnet, die von einer Stadt angestellt und in einer Zunft organisiert waren. In gleicher Bedeutung wurden die Begriffe Stadtpfeifer, Stadtmusikus und Stadtmusikant verwandt. – In Friedrich Schillers Schauspiel Kabale und Liebe wird im Personenverzeichnis eine der Personen als „Miller, Stadtmusikant, oder wie man sie an einigen Orten nennt, Kunstpfeifer“ beschrieben.

Details Kunstpfeifer waren in der Zeit der Brüder Schrammel sehr beliebt. Diese traten in den Wiener Varietés, Cabarets und Volksbühnen auf. Ihr Pfeifen erinnerte an Vogelgesang. Der bekannteste Kunstpfeifer Wiens trat mit den Brüdern Josef Schrammel und Johann Schrammel unter dem Namen Baron Jean (eig. Johann Tranquillini (1855–1895)) auf.musiklexikon.ac.at: Baron Jean, abgerufen am 13. November 2017. Sein bürgerlicher Beruf war Fiaker. Er trat auch vor Kronprinz Rudolf auf.

In Deutschland war Guido Gialdini in den Jahren von 1900 bis 1933 ein populärer Kunstpfeifer, in den 1940er-Jahren war Ilse Werner eine sehr bekannte Kunstpfeiferin. Auch der belgische Sänger, Gitarrist und Parodist Bobbejaan (auch „Bobby Jaan“) war ein bekannter Kunstpfeifer. Als Folge eines chirurgischen Eingriffs verlor er seine virtuose Begabung.

Lips von Lipstrill ist im Jahr 2005 verstorben, Hans Hofmann (* 1946) hat sich auf Jazz und Klassik spezialisiert. Der 1987 geborene Nikolaus Habjan ist momentan der jüngste Kunstpfeifer Österreichs. Sein Spezialgebiet ist die Opernliteratur.

Von einem nicht so geschickten Kunstpfeifer erzählt Loriots Der Kunstpfeifer.

Terminologie Die Internationale Philharmonische Gesellschaft für Pfeifkunst unterscheidet die Pfeifkunst vom Kunstpfeifen und ordnet das Kunstpfeifen technisch der Familie der Flöte zu. Internationale Philharmonische Gesellschaft für Pfeifkunst – Terminologie. Aufgerufen am 25. September 2011.

International Whistlers Convention und World Whistlers Convention Von 1973 bis 2013 fand eine Internationale Weltmeisterschaft im Kunstpfeifen unter dem Namen World Whistlers Convention statt. Sie wurde jährlich in North Carolina durchgeführt. 2016 wurde a) der Name zu World Whistlers Convention geändert, b) der Zyklus auf zweijährig gewechselt und c) das Austragungsland (Japan). Der Holländer Geert Chatrou hat die Meisterschaft drei Mal gewonnen und sitzt inzwischen in der Jury dieser Veranstaltung., reportagen.sueddeutsche.de vom 15. August 2016 (abgerufen am 13. November 2017, 5. Januar 2021) 2020 fiel die World Whistlers Convention aufgrund der Covid-19-Pandemie aus.

Bekannte Kunstpfeifer

Siehe auch Handflöte

Literatur

Curt Sachs: Die Stadtpfeiferei. In: Musikgeschichte der Stadt Berlin bis zum Jahre 1800: Stadtpfeifer, Kantoren und Organisten an den Kirchen städtischen Patronats, nebst Beiträgen zur allgemeinen Musikgeschichte Berlins. Gebrüder Paetel, Berlin 1908, S. 22ff, online.

Weblinks MP3-Audiodatei: Georg Tramer pfeift Die Csárdásfürstin (Ausschnitt), aufgenommen 1902. Das Wienerlied und seine wichtigsten Erscheinungsformen vom Bänkelsang bis zu den Schrammeln

Einzelnachweise

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