Wulkaprodersdorf (, ) ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Burgenland im Bezirk Eisenstadt-Umgebung in Österreich und zählt zum Siedlungsgebiet der burgenlandkroatischen Volksgruppe.
Geografie Lage Die Gemeinde liegt im nördlichen Burgenland nahe der Landeshauptstadt Eisenstadt.
Wulkaprodersdorf liegt in der Wulkaebene, die im Norden vom Leithagebirge, im Westen vom Rosaliengebirge und im Osten vom Ödenburger Gebirge begrenzt wird.
Seinen Namen hat das Dorf vom Fluss Wulka, der im Rosaliengebirge entspringt, sich in Wulkaprodersdorf mit dem Sulzbach und dem Hirmerbach vereinigt und südlich der Hauptstraße den Ort durchfließt. Als wichtigster Zufluss mündet die Wulka in den Neusiedler See.
Die höchste Erhebung (Föllig) erreicht eine Höhe von 243 m und bietet sogar einen Blick zum Neusiedler See. Der tiefste Punkt (Pieler Mühle) beträgt 162 m. Die Gesamtfläche von Wulkaprodersdorf umfasst 12,22 km.
Gemeindegliederung Wulkaprodersdorf ist der einzige Ort in der Gemeinde.
Nachbargemeinden
Klima Die günstige klimatische Zone ermöglicht der Bevölkerung von Wulkaprodersdorf eine Vielzahl von Anbaumöglichkeiten. Besonders bekannt ist der Ort durch den Weinbau. Aufgrund der klimatischen, geologischen und geographischen Bedingungen ist es möglich, zahlreiche Rebsorten anzubauen.
Geschichte Das Gebiet um Wulkaprodersdorf war bereits zur Jungsteinzeit (5.000 v. Chr.) besiedelt. Vor Christi Geburt war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg.
Später unter den Römern lag das heutige Wulkaprodersdorf dann in der Provinz Pannonia. Durch die günstige verkehrsgeographische Lage ist Wulkaprodersdorf ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt. Zur Römerzeit (Chr. Geb.- 400 n. Chr.) lag der Ort an einer wichtigen Landstraße (Vicinalstraße). An mehreren Stellen im Gemeindegebiet lagen römische Gutshöfe, ein römischer Friedhof lag beim Bahnhof, wo beim Bahnbau 1879/80 viele römische Gräber zerstört wurden.
Wulkaprodersdorf wurde erstmals im Jahre 1252 urkundlich erwähnt. Die Türkenkriege von 1529 und 1532 trafen den Ort so schwer, dass eine Nachbesiedlung mit Kroaten vorgenommen werden musste. Bereits um 1530 ließen sich die ersten Kroaten in Wulkaprodersdorf nieder. Ab diesem Zeitpunkt gab es eine permanente Zunahme von kroatischen Ansiedlern.
mini|links|Wulkaprodersdorf (Mitte unten) um 1873 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme) Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Vulkapordány verwendet werden. Obwohl „Vulkapordany“ historisch und staatsrechtlich zu Ungarn gehörte, war die Bevölkerung sprachlich und wirtschaftlich nach Österreich hin orientiert.
Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).
Als eine der ersten Gemeinden im nördlichen Burgenland hatte Wulkaprodersdorf elektrischen Strom zur Verfügung. Nach Eisenstadt und Bad Sauerbrunn konnte man in der Gemeinde einige Häuser mit Elektrizität versorgen. Durch den Bau einer Turbine beim Fluss Wulka konnte man so den Strom erzeugen. So war es auch 1921 möglich ein Freiluftkino zu betreiben.
In der Zwischenkriegszeit und auch während des Ersten Weltkrieges war die wirtschaftliche Lage der Gemeinde sehr schlecht. In der Folge begann sich das Leben im Dorf nur langsam wieder zu normalisieren. Die wichtigsten Projekte waren die Errichtung der Wasserleitung und der Bau der Kanalisation.
Während des Zweiten Weltkrieges wurden viele Männer für den Krieg einberufen. Nicht nur der Verlust von einigen jungen Männern im Ort wurde beklagt, sondern auch die Arbeitskräfte für die landwirtschaftlichen Betriebe blieben aus. Fast jedes zweite Haus lebte von der Landwirtschaft. Somit forderte man 1940 Kriegsgefangene, die dann in den Betrieben arbeiten mussten. In Wulkaprodersdorf lebten viele Familien, deren Muttersprache kroatisch war. Es wird überliefert, dass es während der Kriegszeit offiziell nicht verboten war die kroatische Sprache zu verwenden, doch der Gebrauch konnte üble Folgen haben. Durch den Krieg wurde die Gemeinde immer wieder in Mitleidenschaft gezogen, weil man 1944 einen Teil der Flugzeugwerke aus Wiener Neustadt nach Wulkaprodersdorf verlegte.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges sprach sich die Bevölkerung in einer geheimen Abstimmung mehrheitlich für ein autonomes Deutschwestungarn aus.
Heute ist Wulkaprodersdorf Sitz des Wasserverbandes Wulkatal. Um vor allem die junge Bevölkerung von einer Abwanderung abzuhalten, wurden neue Wohnhausanlagen geschaffen.
Im Zuge der Feierlichkeiten für das 700-jährige Bestehen wurde der Gemeinde Wulkaprodersdorf am 21. Juni 1992 das Recht zur Führung der Bezeichnung „Marktgemeinde“ verliehen.
Bevölkerungsentwicklung
Der Bevölkerungshöchststand wurde 2021 mit 1973 Menschen erreicht. 2025 waren es wegen der negativen Geburtenbilanz um 9 weniger als im Vorjahr.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Pfarrhof Wulkaprodersdorf mini|hochkant=0.7|Kapelle zur Schmerzhaften Muttergottes
Pfarrkirche Wulkaprodersdorf: Die Kirche ist aus der Zeit des frühen Barock und wurde 1642 geweiht. Der Turm wurde 1801 erbaut. Marienkapelle: errichtet 1779 Cholerakapelle: errichtet 1831 Dreifaltigkeitssäule: aus dem Jahr 1725
Wirtschaft und Infrastruktur Pendler Von den 914 Erwerbstätigen, die in Wulkaprodersdorf wohnen, arbeiten 188 im Ort und 726 pendeln in andere Gemeinden. Von anderen Gemeinden pendeln 345 Personen zur Arbeit nach Wulkaprodersdorf (Stand 2011).
Eisenbahn Wulkaprodersdorf ist ein Eisenbahnknotenpunkt im Burgenland. Hier trifft die von den ÖBB betriebene Pannoniabahn von Parndorf auf die Raaberbahn Sopron–Ebenfurth. Auf diesen Strecken bestehen Verbindungen nach Wien, Eisenstadt, Sopron und Bratislava (über Wien).
Die ungarisch-österreichische Raaberbahn hat in Wulkaprodersdorf ihren österreichischen Hauptsitz. Von der Betriebsleitzentrale Wulkaprodersdorf steuert die Raaberbahn die Strecke Sopron–Ebenfurth und Neusiedl am See–Pamhagen fern.
Bildung In Wulkaprodersdorf gibt es einen Kindergarten und eine Volksschule. Politik Gemeinderat Der Gemeinderat hat 21 Mitglieder.
Gemeinderatswahlen im Burgenland 1997: SPÖ 11, ÖVP 6, UDW 2. (19) Gemeinderatswahlen im Burgenland 2002: SPÖ 11, ÖVP 7, UDW 3. (21) Gemeinderatswahlen im Burgenland 2007: SPÖ 11, ÖVP 6, UDW 4. (21) Gemeinderatswahlen im Burgenland 2012: SPÖ 9, ÖVP 7, UDW 5. (21) Gemeinderatswahlen im Burgenland 2017: ÖVP 10, SPÖ 7, UDW 4. (21) Gemeinderatswahlen im Burgenland 2022: ÖVP 12, SPÖ 9. (21)
Bürgermeister
1984–1991 Hermann Fister (SPÖ) Beleg fehlt 2001 bis 2012 Hans Haller (SPÖ) seit 2012 Friedrich Zarits (ÖVP)
Persönlichkeiten Stefan Dobrovich (1904–1995), Landwirt und Politiker (ÖVP) Matthias Semeliker (1910–1986), römisch-katholischer Pfarrer, 1943–1945 im KZ Dachau Hermann Fister (1938–2006), österreichischer Politiker (SPÖ) Ägidius Zsifkovics (* 1963), römisch-katholischer Geistlicher, Bischof von Eisenstadt
Weblinks
Offizielle Gemeindehomepage
Einzelnachweise
Kategorie:Kroatischsprachige Gemeinde im Burgenland
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