Andau () ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Neusiedl am See im Burgenland in Österreich.
Geografie Andau ist der einzige Ort in der Gemeinde. Er liegt am nordwestlichen Rand der Pannonischen Tiefebene. Die Ortschaft selbst befindet sich auf 119 Meter Seehöhe. Im Gemeindegebiet gibt es aber auf auch einen Teich, welcher im Zuge von flächendeckendem Airborne Laserscanning als niedrigster Punkt Österreichs ermittelt wurde.Geografische Mittelpunkte von Österreich und den Bundesländern. In: www.ppete.de Durch das günstige Klima und die zahlreichen Sonnentage wird das Gebiet um Andau landwirtschaftlich vielseitig genutzt. Das Areal der Marktgemeinde gehört auch zum Nationalpark Neusiedlersee-Seewinkel.
Nachbargemeinden:
Klima
Geschichte Andau wird 1487 als Zantho erstmals urkundlich erwähnt. Diese Form geht auf das ungarische Wort szántó („Acker“) zurück; die Siedlung wurde also nach ihrer Lage an einem Acker benannt und die Gegend war ursprünglich von Ungarn besiedelt. Wie dies auch bei ursprünglich slawischen Ortsnamen in Ostösterreich zwischen 800 und 1200 üblich war, hatte man den ungarischen Anlaut /s/ zunächst als [ts] ins Deutsche übernommen. Später wurde dieser Anlaut mit der bei Ortsnamen häufigen mittelhochdeutschen Präposition ze identifiziert, wodurch als vermeintlich eigentlicher Name nur noch Andau übrig blieb. Auf denselben Ursprung geht auch der Name der burgenländischen Gemeinde Antau zurück.
Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).
Im Zuge des Ungarischen Volksaufstandes im Jahr 1956 flohen über 180.000 Menschen aus Ungarn in westliche Staaten. Eine der letzten Möglichkeit dazu war die Brücke von Andau über den Einser-Kanal, über die mehr als 70.000 Flüchtlinge nach Österreich gelangten. 1956 wurde die Brücke von sowjetischen Truppen gesprengt, 1996 aber wieder aufgebaut und erinnert daher heute an diese Zeit.
Mit der Brücke von Andau beschäftigt sich auch ein Film (Der Bockerer III) mit Karl Merkatz in der Hauptrolle.
Marktgemeinde ist Andau seit 1991 (durch VO 85).
Im Jahr 2018 wurde in Andau der österreichische Rekordwert von 127 Sommertagen registriert (bisheriger Rekordwert waren 120 Sommertage in Leibnitz 2003).
Bevölkerungsentwicklung
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Die Pfarrkirche Andau in ihrer eigenwilligen Architektur
Pfarrkirche Andau; 1747 als Kapellenbau errichtet und mehrfach erweitert Dreifaltigkeitssäule an der Straße nach Tadten; errichtet um 1920 mit der (schwer entzifferbaren) Inschrift: Errichtet 1920 von der Witwe […] Unger, geborene Clara Lang zum Andenken an ihre von dem Kriege 1914 vergebens [zurück] erwarteten Kinder. Friedhofskapelle; laut Inschrift 1896 erbaut
Wirtschaft und Infrastruktur Im Juli 2010 wurde bekannt, dass das Tochterunternehmen des burgenländischen Stromversorgers Burgenländische Elektrizitätswirtschafts Aktiengesellschaft („BEWAG“), die Austrian Wind Power („AWP“) bis 2013 im Gebiet von Andau und Halbturn den Windpark Andau/Halbturn mit insgesamt 93 Windkraftanlagen mit einer Höhe von bis zu 186 Metern zu errichten plant.Kurier vom 26. Juli 2010: (abgerufen am 26. Juli 2010) Bereits unmittelbar nach Bekanntwerden des Vorhabens gab es erste Proteste wegen der Anzahl und Höhe der Anlagen. Nachdem die Baugenehmigung Ende 2010 erteilt wurde, befindet sich der Windpark mit nun insgesamt 79 Windkraftanlagen seit August 2014 in Betrieb.Halbturn & Andau: 79 neue Windräder. In: ORF, 4. Mai 2012. Abgerufen am 5. Mai 2012. Betrieben wird der Windpark von der Energie Burgenland Windkraft, einem Tochterunternehmen der Energie Burgenland. Mit einer installierten Leistung von 237 MW ist der Windpark Andau/Halbturn nach Daten des Windverbandes EWEA der drittgrößte Onshore-Windpark Europas.Ökonems.at: Europas drittgrößter Windpark entsteht im Burgenland (abgerufen am 27. November 2017)
Politik mini|Gemeindeamt der Marktgemeinde Andau Gemeinderat Der Gemeinderat umfasst aufgrund der Einwohnerzahl 23 Sitze.
Gemeinderatswahlen im Burgenland 1997: SPÖ 15, ÖVP 7, FPÖ 1. Gemeinderatswahlen im Burgenland 2002: SPÖ 15, ÖVP 7, FPÖ 1. Gemeinderatswahlen im Burgenland 2007: SPÖ 13, ÖVP 9, FPÖ 1. Gemeinderatswahlen im Burgenland 2012: SPÖ 13, ÖVP 9, FPÖ 1. Gemeinderatswahlen im Burgenland 2017: ÖVP 11, SPÖ 10, FPÖ 2. Gemeinderatswahlen im Burgenland 2022: SPÖ 14, ÖVP 8, FPÖ 1.
Bürgermeister
1963–1992 Josef Peck (SPÖ) 1992–2012 Matthias Gelbmann (SPÖ) 2012–2022 Andreas Peck (ÖVP) seit 2022 Philipp Pelzer (SPÖ)
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Gemeinde
Jenny Groß (1863–1904), Schauspielerin Thomas Reeh (1875–1949), Landwirt und Politiker Josef Peck (1925–1997), Landwirt, Fassbinder und Politiker, von 1963 bis 1992 Bürgermeister von Andau Josef Schmall (1925–2003), Jurist und Politiker Johann Schwarz (* 1933), Landwirt und Politiker Franz Gyolcs (* 1960), Künstler Mit der Gemeinde verbundene Persönlichkeiten
Udo Huber (* 1955), Radiomoderator, lebt seit 2008 in Andau. Artikel vom 5. Juni 2018, abgerufen am 23. Juni 2018.derStandard.at: Die andere Titeljagd von Mr. Hitparade. Artikel vom 21. Juli 2013, abgerufen am 23. Juni 2018.
Bilderbogen von Andau
Literatur Gemeinde Andau (Hrsg.): Chronik der Marktgemeinde Andau. Andau 1992 Michael Hess: Mythos „Brücke von Andau“. In: Pia Bayer (Red.): Vom Traum zum Trauma: der Ungarnaufstand 1956. Amt der Burgenländischen Landesregierung, Abt. 7 – Landesmuseum, Eisenstadt 2006, ISBN 3-85405-159-X, S. 46–54 Abschnitt „Die Partnergemeinden“ in „TÜPL Bruckneudorf – 150 Jahre Brucker Lager“ von Petra Weiß, Hrsg. Stadtgemeinde Bruck an der Leitha, April 2017, S. 418/419
Weblinks
Offizielle Website der Marktgemeinde Andau
Einzelnachweise
Kategorie:Weinbaugemeinde im Burgenland Kategorie:Katastralgemeinde im Bezirk Neusiedl am See
Kategorie:Ersterwähnung 1487