Die Kasernenstraße (in alten Dokumenten Casernenstraße geschrieben) ist eine breite mehrspurige und verkehrsreiche Einbahnstraße im Zentrum von Düsseldorf, die von Nord nach Süd verläuft und die in fast ihrer gesamten Länge ein Teil der Grenze zwischen den Stadtteilen Carlstadt und Stadtmitte ist. Lediglich der nordwestliche kleine Bereich ab der Wallstraße bis Flinger Straße gehört zur Grenze mit dem Stadtteil Altstadt.

Name und Lage Der Name der Straße bezieht sich auf den Zugang zu den Kasernen, die bis Anfang des 20. Jahrhunderts in diesen Bereich der Stadt südlich der Benrather Straße lagen. Die Straße beginnt im Norden an der Flinger Straße und endet im Süden am Graf-Adolf-Platz. Die westliche Straßenseite gehört überwiegend zur Carlstadt und die östliche zur Stadtmitte. Auf Vorschlag der Stadtverwaltung Ende 1930 wurde die Straße vorübergehend von 1931 bis Anfang 1933 Friedrich-Ebert-Straße genannt.In: Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf. 1930, Nr. 46, S. 430.In. Adressbuch für Düsseldorf Stadt und Umgebung. 3. Teil. 1932, S. 208.

Infrastruktur Der erste Bereich der Kasernenstraße ab Flinger Straße bis zur Wallstraße ist ein Fußgängerbereich. Ab der Kreuzung mit der Wallstraße ist die Straße überwiegend als zweispurige Verkehrsstraße mit einem einfachen Schienenbereich für den bis Anfang 2016 hier verlaufenden Straßenbahnverkehr ausgeführt. Teilweise ist sowohl ein einseitiger Parkstreifen für Pkw wie auch eine zusätzliche Spur für Fahrräder neben den beidseitigen Fußgängerbereichen derzeit vorhanden. Ab Kreuzung mit der Carl-Theodor-Straße bis Einmündung in den Graf-Adolf-Platz hat die Kasernenstraße drei Pkw-Spuren und eine Fahrradspur. Der ursprünglichen Baumbestand, der Ende des 19. Jahrhunderts angelegt wurde, ist nicht mehr vorhanden.In: Bericht über den Stand und die Verwaltung der Gemeindeangelegenheiten der Stadt Düsseldorf. Zeitraum: 1. April 1881 bis 31. März 1882. S. 117.

An der Kasernenstraße liegen etwas Gastronomie, das Luisen-Gymnasium, das Verwaltungsgericht (im Stahlhof), große Verwaltungsgebäude für die Stadtverwaltung (Gebäude Nr. 6) und diverse Finanzniederlassungen und Banken wie Merck Finck Privatbankiers (Gebäude Nr. 15), Commerzbank (Gebäude Nr. 28), Bank Julius Bär (Gebäude Nr. 40) sowie die Hauptverwaltungen der Targobank (Logo Citibank im Dachbereich vom Gebäude Nr. 10 erst 2017 von Citibank auf Targobank geändert) und der Kreis-Sparkasse Düsseldorf (Gebäude Nr. 69 und 69a) sowie die Hauptniederlassung der AOK in Düsseldorf (Gebäude Nr. 61, 63 und 36). Weiterhin liegen besonders im Bereich zwischen Flinger Straße und Benrather Straße neben dem Kaufhaus Carsch-Haus diverse Geschäfte, die jedoch weniger auf den täglichen Verbrauch ausgerichtet sind, sondern mehr den langfristigen und speziellen Bedarf abdecken.Die angeführten derzeitigen Gebäudenummern sind nur teilweise noch identisch mit den alten. Durch die häufige Zusammenlegung der ursprünglich kleineren Grundstücke zu größeren hat sich die Nummerierung zum Teil deutlich verändert. Im Bereich des westlichen Bürgersteiges vor dem Hochhaus der Commerzbank zwischen Benrather Straße und Bastionstraße liegt ein Zugang der U-Bahn-Linien U71, U72, U73 und U83. Der zugehörige barrierefreie Zugang über einen Aufzug ist gegenüber auf dem östlichen Bürgersteig angelegt.

Geschichte Bis 1799 mini|Der Exerzierplatz mit seinen abbruchreifen „Kasernements“, zwischen Kasernenstraße und der Königsallee mit ihren Baumreihen (vor 1893) Das gesamte Gebiet, in dem die Kasernenstraße liegt, war bis Anfang des 18. Jahrhunderts Gelände im Südosten der Stadt vor den dortigen Befestigungsanlagen. Bereits um 1700 unter Kurfürst Jan Wellem wurden die ersten Planungen erstellt das Stadtgebiet im Südosten zu erweitern und dort modernere Befestigungsanlagen zu errichten. Diese „Extension“ genannte Erweiterung lag südlich der bestehenden Stadtmauer mit der Flinger-Bastion und sollte sich deutlich über den späteren Graf-Adolf-Platz hinaus erstrecken. 1702 wurden die ersten Kasernen auf dem Gebiet errichtet. Da sowohl die finanziellen Mittel für eine größere Stadterweiterung fehlten, wurden um 1710 nur mit ersten und begrenzten Arbeiten begonnen.In: Zeitschrift des Düsseldorfer Geschichtsverein. 1883, Nr. 6, S. 136. Allerdings wurden im beabsichtigten Erweiterungsgebiet erste Baumaßnahmen durchgeführt und bis 1709 ein neues Kranken- und Armen-Hospital, Hubertus-Hospital genannt, in diesem Bereich errichtet. Das Hospital lag südlich der aktuellen Benrather Straße vor der Stadtmauer und den zugehörigen Schutzgewässern. Der Zugang zu diesem neuen Areal erfolgte über eine Brücke, die im östlichen Bereich der heutigen Grabenstraße lag. Der Weg, der nach Mitte des 18. Jahrhunderts zu einer Straße ausgebaut wurde, verlief von der Brücke nach Südwesten und direkt vorbei an der Westseite von Hospital mit Kirche und den etwas später errichteten Kasernen. Im Plan der Stadt von 1796 ist der Beginn des damaligen Weges „doppelt punktiert“ eingezeichnet, der von der Grabenstraße, Ecke an der späteren Breite Straße nach Südwesten zur Benrather Straße, aktuell Ecke Kasernenstraße, verlief.In: Adressbuch für die Stadtgemeinde Düsseldorf. 3. Teil. 1929, S. 186.Im Adressbuch von 1929 wird für den Ausbau des Weges zu einer Straße als Datum 1784 angeführt (S. 186). Dieses Datum kann nur richtig sein, wenn der aktuelle nördliche Verlauf der Kasernenstraße bis zur Benrather Straße erst nach 1788 und Schließung des jüdischen Friedhofs angelegt wurde. Da die Brücke über den Wassergraben weiter östlich lag, muss der Weg zuerst für seinen nördlichen Bereich auch entsprechend weiter östlich begonnen haben.

mini|hochkant|Stadtgebiet nach Anlegung der Carlstadt 1796

Die nach Errichtung der ersten Kasernen zunächst „Soldatenbrückchen“ genannte Brücke wurde später zum „Stadtbrückchen“. Aktuell wird als Stadtbrückchen der unbebaute Bereich bezeichnet, der vor dem westlichen Endgebäude an der Heinrich-Heine-Allee an der Wallstraße im Bereich des Wilhelm-Marx-Hauses liegt. Eine mit dem Hospital errichtete Kapelle wurde bis 1735 zur Stadtkirche St. Anna erweitert.Düsseldorfer Geschichtsverein. In: Kohtz: Geschichte der militärischen Verhältnisse der Stadt Düsseldorf. 1888, 3. Band, S. 428.

Erst unter Kurfürst Karl Philipp wurden von 1733 bis 1742 die erforderlichen neuen verstärkten Außenbauwerke mit Bastionen und Ravelins angelegt. Das Gelände innerhalb dieser Schutzbauten war aber gegenüber der ersten Planungen um zwei Drittel verkleinert worden. Gleichzeitig wurden ab Mitte der 1730er Jahre die ersten Kasernenbauten, einfache Gebäude mit zwei Geschosse, für die Infanterie errichtet und 1738 an den Inspekteur des Militärs übergeben.Hugo Weidenhaupt. In: Düsseldorf Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert. 1990, Düsseldorf, Band 2, Verlag Schwann, S. 56/7. Die am südlichen Ende der Kasernenstraße errichtete Bastion St. Paulus gehörte zu den neuen Schutzbauten mit vorgelagerten Wasserkanälen, die das neue Gebiet im Osten und Süden umgaben.

Wegen der immer stärkeren Nutzung des Militärgeländes wurde 1770 das Hubertus-Hospital an der Kasernenstraße geschlossen und in ein neu errichtetes Gebäude in der neuen Südstadt verlegt. Die ehemaligen Stiftsgebäude wurden 1772 vom Militär übernommen und sowohl als Kaserne wie auch das bisherige Gasthof-Hospital als Militär-Hospital genutzt.In: Zeitschrift des Düsseldorfer Geschichtsverein. 1883, Nr. 1 S. 7. Neben der Infanterie waren auch berittene Truppen stationiert. Hierfür notwendige Pferdeställe wurden Ende der 1770er Jahre im Bereich der ehemaligen Stiftsgebäude zusätzlich angelegt.In: Zeitschrift des Düsseldorfer Geschichtsverein. 1883, Nr. 1 S. 12.

Die im Nordwesten der Benrather Straße liegenden Grundstücke Kasernenstraße Nr. 17 und 19 gehörten der jüdischen Gemeinde. Dieser wurde am 21. August 1790 erlaubt ein auf diesem Areal vorhandenes größeres Gebäude zu einer Synagoge umzubauen. Der Umbau zur Alten Synagoge erfolgte bis vor Ende 1791. Da eine für den Betrieb der Synagoge beantragte „Sicherheitsurkunde“ erst am 19. Juni 1792 ausgestellt wurde, konnte die Einweihung erst 1792 erfolgen.Düsseldorfer Geschichtsverein. In: Festschrift zum 600jährigen Jubiläum. Kapitel: Geschichte der jüdischen Gemeinde Düsseldorfs. 1888, Verlag C.Kraus, S. [259 + 260]242 + 243.

Nördlich der Kreuzung Benrather Straße/Kasernenstraße im aktuellen östlichen Häuserbereich um Grundstück Nr. 14 lag bis Ende des 18. Jahrhunderts der älteste stadtnahe jüdische Friedhof. 1780 wurde die jüdische Gemeinde aufgefordert diesen Friedhof aufzuheben. Nach jüdischen Glauben mussten die vorhandenen Gräber auf einen neuen Friedhof umgebettet werden. Der Gemeinde wurde erlaubt erst zeitnah zur zukünftigen urbanen Erschließung des Geländes an der Kasernenstraße die Gräber zu verlegen. Erst 1788 erhielt die Gemeinde das beantragte neue Gelände für einen neuen Friedhof an der Bongardstraße im späteren Stadtteil Pempelfort.Krauss/Beiträge zur Geschichte des Niederrheins. In: Jahrbuch des Düsseldorfer Geschichtsvereins. Kapitel: Geschichte der jüdischen Gemeinde. 1888, 3. Band, S. 246. Zum Zeitpunkt des Straßenausbaus waren offensichtlich noch nicht alle Gräber rechtzeitig verlegt und wurden überbaut. Bei Kanalbauarbeiten auf der Kasernenstraße 1884 südlich der Kreuzung mit der Grabenstraße wurde ein jüdischer Grabstein mit dem Todesdatum 1774 ausgegraben. Auch bei Straßenbauarbeiten für die U-Bahn fand man 2009 in diesem Straßenbereich noch ein Skelett.Krauss/Beiträge zur Geschichte des Niederrheins. In: Jahrbuch des Düsseldorfer Geschichtsvereins. Kapitel: Geschichte der jüdischen Gemeinde. 1888, 3. Band, S. 247.Eine Skizze, die in dem angeführten Bericht zur „Geschichte der jüdischen Gemeinde“ enthalten ist, zeigt als Lage des jüdischen Friedhof das aktuelle Gebiet nordöstlich der Benrather Straße mit einer unteren südwestlich verlaufende Ausbuchtung. Diese Ausbuchtung gehörte zum späteren Straßenverlauf der Kasernenstraße.

1800 bis 1900 Eine verstärkte urbane Erschließung des Geländes an der Kasernenstraße begann Anfang des 19. Jahrhunderts als der nördliche Bereich der Carlstadt bereits angelegt worden war und die inneren Verteidigungsanlagen südlich der Wallstraße eingeebnet waren. Nach der Niederlegung der Stadtmauer und der Auffüllung der Wassergräben in diesem Bereich von Altstadt und Carlstadt wurde die Kasernenstraße etwas nach Norden bis zur Wallstraße verlängert.Bis zum Zweiten Weltkrieg standen ab der Einmündung der Kasernenstraße in die Wallstraße auf deren nördliche Straßenseite Gebäude und versperrten den Durchgang zur Flinger Straße. Diese Situation ist im Adressbuch der Stadtgemeinde Düsseldorf und die Landgemeinden mit dem Stadtplan von 1908 deutlich erkennbar. (Nachweis: 1908, S. -.) Bereits um 1800 erstreckte sich das Grundstück vom Gebäude Carlsplatz Nr. 18 bis an die Kasernenstraße.H. Ferber: Historische Wanderung durch die alte Stadt Düsseldorf. Herausgegeben vom Düsseldorfer Geschichtsverein. Verlag C. Kraus, 1889, Teil II, S. 94. Nach 1802 wurden auch die Reste der Bastion St. Paulus, die vor dem südlichen Ende der Kasernenstraße lagen, eingeebnet. Wie die „Gemeinde Charte“ der Stadt Düsseldorf von 1830 zeigt, erstreckten sich aber bis zu diesem Zeitpunkt sowohl Stadtgraben wie auch Reste der Schutzgewässer bis zum südlichen Ende der Kasernenstraße und versperrten dort den Zugang zu den Gebieten südlich der Stadt.Hugo Weidenhaupt. In: Düsseldorf Geschichte von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert. 1990, Düsseldorf, Band 2, Verlag Schwann, S. 367. Aus einem Adressbuch von 1842/3 ist ersichtlich, dass bereits zu diesem Zeitpunkt die Grundstücke an der Kasernenstraße mit dem Kasernengelände auch ab der Höhe Benratherstraße fast vollständig bebaut waren.In: Adress-Buch für den Regierungsbezirk Düsseldorf. I. Kreis Düsseldorf. 1842/3, S. - bis 54.