Der Bogen (Plural: Bogen oder Bögen), seltener auch verdeutlichend Pfeilbogen genannt, ist eine Abschussvorrichtung für Pfeile. Der Bogenbauer wird Bogner genannt. Seit der ausgehenden Altsteinzeit (30.000–10.000 v. Chr.) beweisen archäologische Funde die Nutzung von Pfeil und Bogen als Jagdwaffe. Seit der späten Jungsteinzeit wurden Pfeil und Bogen auch als Kriegswaffe eingesetzt.Vgl. Felsmalereien in der spanischen Levante Heute dient der Bogen in Europa als Sportgerät beim Bogenschießen, in einigen Ländern der Bogenjagd und dem Bogenfischen. Als Kinderspielzeug werden Pfeil und Bogen auch als Flitze- oder Flitzbogen bezeichnet.

Aufbau und Funktionsprinzip mini|hochkant=1.5|Aufbau eines Recurve-Bogens (Take Down) Ein Bogen besteht stets aus einem elastischen, stabähnlichen Gegenstand, dem eigentlichen Bogen, dessen Enden durch eine Schnur, die Bogensehne, verbunden werden. Traditionelle Bögen wurden aus Holz, Horn und Tiersehnen gefertigt; ein hochwertiger Kompositbogen erforderte einen aufwändigen mehrmonatigen Herstellungsprozess. Moderne Bögen bestehen meist aus Holz-, glasfaserverstärkten (GFK) oder kohlenstofffaserverstärkten (CFK) Kunststoffkomposita.

Komponenten Der Bogen selbst kann in fünf Abschnitte gegliedert werden: ein meist starres Mittelteil, das als Griff für den Bogenschützen dient (Griffstück), zwei daran anschließende flexible Wurfarme und die beiden abschließenden Bogenenden, die Tips oder Nocken, an denen die Bogensehne befestigt wird. Beim Einhängen der Bogensehne, dem Spannen des Bogens, müssen die Wurfarme gekrümmt werden, dies sorgt für die Vorspannung des Bogens. Beim Ausziehen der Bogensehne (Auszug), werden die Wurfarme stärker gekrümmt und speichern Energie. Diese sorgt beim Loslassen, dem Lösen der Sehne (des Pfeiles), für die Beschleunigung des aufgelegten Pfeils. Das Prinzip ist dem einer Blattfeder mit anfangs degressiver und in weitem Auszug zunehmend progressiver Federkennlinie vergleichbar. Ein Bogen ist ein Leistungswandler: die beim Auszug langsam aufgewandte und in dem Bogen gespeicherte Zugarbeit des Schützen wird beim Lösen in kürzester Zeit in eine schnelle Wurfarmbewegung umgewandelt und auf den Pfeil übertragen. Deshalb darf ein ausgezogener Bogen niemals ohne Pfeil gelöst werden (Leerschuss) – es besteht Bruch- und Verletzungsgefahr! Die komplette gespeicherte Energie entlädt sich mangels Pfeilmasse als trägem Gegengewicht fast augenblicklich ausschließlich im Bogenmaterial. Einzig noch abführende und bremsende Wirkung haben die trägen Massen der beschleunigten Sehne und Wurfarme selbst. Der Bogen kann explosionsartig in mehrere Teile zersplittern.

Weil ein Pfeil nicht wie ein Geschoss durch explosive Treibmittel beschleunigt wird, sondern durch die Wurfarme, schießt ein Bogen nicht – ein Bogen „wirft“.

Zuggewicht, Auszugslänge und Haltegewicht

Das Zuggewicht ist das Gewicht, das man bei einem fixierten Bogen an die Sehne hängen muss, um eine bestimmte Auszugslänge zu erreichen. Hersteller geben das Zuggewicht meist für die Standardauszugslänge von 28 Zoll (~ 71 cm) an, bei speziell für den Kunden gebauten Bögen (Custombogen) für dessen Auszugslänge. Es wird aus historischen Gründen überwiegend in englischen Pfund angegeben (1 # ≈ 0,454 kg). Eine typische Kennwertangabe auf einem Wurfarm lautet daher beispielsweise: 66″ 46# @ 28″ (gesprochen: „66 Zoll Bogenlänge, 46 lbs (engl. Pfund) Zuggewicht bei 28 Zoll Auszug“). Die Kennwerte eines Bogens sind üblicherweise auf der dem Schützen zugewandten Seite, dem Bauch des Bogens in Nähe des Griffes angegeben, bei handgefertigten Bögen handschriftlich zusammen mit der Signatur des Bogenbauers. Das maximal mögliche Zuggewicht eines Bogens wird maßgeblich durch die Steifheit der Wurfarme im Verhältnis zur Bogenlänge vorgegeben. Es kann mehr als 100 Pfund betragen, was einer Kraft von 444 N entspricht. mini|Auszugsdiagramm Bogen (Waffe) Die Auszugslänge ist eine standardisiert gemessene Länge vom tiefsten Punkt des Griffstückes bis zum Nockpunkt an der Sehne im Ankerpunkt des Schützen bei ausgezogenem Bogen, plus 1  Zoll. Der Additionswert stellt näherungsweise Vergleichbarkeit mit einer alten Definition her, welche bis Vorderkante Bogen in Höhe der Pfeilauflage misst. Jeder Schütze hat eine individuelle Auszugslänge.

Das Haltegewicht bezeichnet die Kraft, die benötigt wird, um den Bogen gezogen zu halten. Die Bezeichnung ist üblich, wenn auch physikalisch nicht korrekt. Es handelt sich hier nicht um das Gewicht einer Masse, sondern um die Kraft, die dem Zug der Sehne entgegenwirkt.

Die tatsächlich zum Ziehen des Bogens benötigte Kraft steigt bei Lang- und Recurvebögen mit der Auszugslänge an, bis beim Vollauszug das Zuggewicht erreicht wird; das Haltegewicht entspricht stets dem Zuggewicht. Bei Compoundbögen ist die tatsächlich benötigte Zugkraft hingegen konstant, es wird aber im Gegenzug bei Vollauszug nur ein Bruchteil (üblicherweise 10 bis 20 Prozent) des Zuggewichts benötigt, um den Bogen im Vollauszug zu halten.

Beim Ziehen des Bogens über die angegebene Auszugslänge hinaus steigt das Zuggewicht und somit der Kraftaufwand rapide an, es kommt zum sogenannten Stacking. Die kontrollierte Kraftdosierung und damit die Kontrolle über eine konstante Pfeilgeschwindigkeit – und mit dieser wiederum die Treffsicherheit – nehmen ab. Es besteht Bogenbruch- und Verletzungsgefahr. Bei modernen Sportbögen signalisiert ein Klicker dem Schützen das Erreichen einer speziellen Zuglänge und damit das Erreichen seines Ankerpunktes.

Grundformen

Die gängigste Form des Bogens ist der Rechtshandbogen. Dies bedeutet, dass der Schütze den Bogen mit der linken Hand hält (Bogenhand links) und die Bogensehne mit der rechten Hand auszieht (Zughand rechts). Man bezeichnet den Schützen auch als Rechtshandschützen. Bei einem Linkshandbogen bzw. Linkshandschützen kehren sich die Verhältnisse um. Die Wahl des Bogens wird aber keineswegs nur durch die Händigkeit des Schützen bestimmt, sondern auch durch dessen Augendominanz. Die Sehne mit dem Pfeil wird zu dem dominanten Auge geführt, weil dieses das Zielen übernimmt.

Bogentypen und Einsatzbereiche mini|Primitivbogen aus einem Stück Holz mini|Unterschiedliche Tips an Primitiv-BögenEs existiert kein einzelnes, allgemeingültiges Klassifikationssystem für Bögen. Bogentypen können anhand verschiedener Eigenschaften wie dem verwendeten Material, der Auszugslänge, der Form des Bogens und ähnlichem beschrieben werden.

Recurvebogen Dieser Bogentyp besteht aus einem starren Mittelteil und zwei elastischen Wurfarmen. Diese sind im entspannten Zustand von der Seite des Schützen weggebogen. Im gespannten, aber nicht ausgezogenen Zustand ist die Biegung der Wurfarme immer noch so stark, dass die Sehne einige Zentimeter an den Wurfarmen anliegt. Meistens sind die Wurfarme abnehmbar (Take Down) und werden bei Bedarf mit Schrauben am Mittelteil befestigt. Es gibt aber auch einteilige Recurvebögen. Der Vorteil der zerlegbaren Bögen besteht neben den kleineren Transportmaßen auch darin, dass ein schweres Mittelstück aus Metall oder Kunststoff zur Stabilisierung des Bogens beim Abschuss beiträgt.Dwight R. Schuh: Bowhunting Equipment & Skills, Verlag Creative Publishing Int'l, 1997, ISBN 1-61060-306-0, S. 28. Durch den Einsatz verschiedener Wurfarme lassen sich Zuggewicht und andere Eigenschaften des Bogens verändern. Defekte Wurfarme können ausgewechselt werden.

Im internationalen Bogensport ist der olympische Recurvebogen mit technischen Hilfsmitteln ausgestattet wie Visier, Stabilisatoren und Klicker. Demgegenüber kommt der sogenannte Blankbogen ohne diese Hilfsmittel aus. Der Recurvebogen ist die im Bogensport am weitesten verbreitete Bogenart und die einzige, die bei den Olympischen Spielen zugelassen ist.

Primitivbogen Ein Primitivbogen (traditioneller Bogen; Englisch: selfbow) ist in seiner ursprünglichen Form aus einem Stück Holz gefertigt, ohne dass ein Schussfenster (Englisch: shelf) und ein Griffbereich ausgeformt werden. Der Primitivbogen besitzt keine Pfeilauflage, der Pfeil wird über die Bogenhand aufgelegt.

„Primitivbogen“ als Bogenklasse im heutigen traditionellen Bogensport bedeutet vor allem, dass nur Bogen zugelassen sind, die ausschließlich aus natürlichen (d. h. vorindustriellen) Materialien bestehen. Daher können Backing und Griffleder vorhanden sein, sofern sie aus Naturmaterialien bestehen.

Auch die Bogensehne muss aus Naturmaterialien (Flachs, Leinen, Sehne, Leder, Haut etc.) gefertigt sein. Sie wird in den Tips eingehängt.

In Europa verwendete Hölzer sind z. B. Eibe, Esche, Ahorn und Robinie.

Langbogen mini|Moderner Langbogen

Zwischen dem Primitivbogen und dem Langbogen bestehen fließende Übergänge. Ein Langbogen kann ein Holzbogen (Selfbow) ohne Schussfenster sein. Moderne Langbogen bestehen meist aus laminierten Holzstreifen oder mit auf- oder eingelegten Kunststoffen. Dabei kommen vor allem Glasfaserlaminate für den Belag der Bauch- und Rückenseite zum Einsatz sowie Kohlenstofffasern als Schichtlaminat.

Im traditionellen Bogenbau wird zwischen Langbogen englischer und amerikanischer Bauart unterschieden. Englische Langbögen des Mary-Rose-Typus sind traditionell aus Eibenholz gefertigt und haben einen tiefen D-förmigen Bogenarmquerschnitt ohne Griffband. Die späteren viktorianischen englischen Langbogen haben über die gesamte Länge einen linsenförmigen Querschnitt und einen runden Griff, meist mit einer Lederwicklung. Man spricht dabei von einem Stabbogen. Amerikanische Langbogen besitzen flache Wurfarme mit meist eher rechteckigem Wurfarmquerschnitt und einem der Hand stärker angepassten Griff. Letztere werden auch Flachbogen genannt.

Im Wettkampfformat des Deutschen Schützenbundes müssen Langbögen für Frauen mindestens 150 cm, für Männer mindestens 160 cm lang sein.

Reflexbogen mini|Recurve mini|Wurfarmenden von Recurvebogen Reflex (lat. für )Aussprache: recurve steht für das Hauptmerkmal dieses Bogentyps, die zurückgebogene Form der Wurfarme, die im entspannten Zustand vom Schützen wegweisen.Der Brockhaus multimedial 2010, Artikel Bogen: „Der zusammengesetzte Bogen ist in der Regel so konstruiert, dass sich die Bogenenden (auch als bezeichnet) im entspannten Zustand zum Ziel hin krümmen (Reflexbogen).“ Der Reflexbogen speichert in den Wurfarmen mehr Energie und hat daher einen höheren Wirkungsgrad als der Flach- und Langbogen. Die anliegende Sehne dämpft außerdem den Handschock nach dem Schuss. Während beim Langbogen die Bogensehne frei schwingt, liegt sie beim Reflexbogen auf den zurückgebogenen (Reflex) Wurfarmenden auf. Durch die Streckung der Sehne beim Abschuss wird ein Teil der Schwingungen vom Bogen absorbiert. Durch die Kompositbauweise – die bei Reflexbogen die Regel darstellt (siehe Kompositbogen) – kann dieser weiter ausgezogen werden als ein Lang- oder Flachbogen und hat dabei dennoch einen weicheren Auszug. Die starke Vorspannung der Wurfarme erfordert allerdings auch eine wesentlich größere Belastbarkeit des Materials. Der Begriff Reflexbogen wird vor allem in historischen Betrachtungen in Abgrenzung zu einfacheren Bogenarten verwendet. Der Begriff Recurvebogen ist weitgehend gleichbedeutend und die Bezeichnungen der heute im Bogensport üblichen Bögen.Volker Alles (Hrsg.): Reflexbogen. Geschichte und Herstellung. Angelika Hörnig, Ludwigshafen 2009, S. 10–25.