Schwerte ist eine mittlere kreisangehörige Stadt an der Schwelle vom Ruhrgebiet zum Sauerland im Kreis Unna, in Nordrhein-Westfalen, Deutschland.
Geographie Geographische Lage Schwerte liegt südöstlich von Dortmund an der Ruhr und gehört zum östlichen Ruhrgebiet. Die beiden südlich der Ruhr gelegenen Stadtteile Ergste und Villigst grenzen an Iserlohn und Hagen. Der weitgehend bewaldete Höhenzug im Norden des Stadtgebietes wird als Ardeygebirge bezeichnet. Die Stadtgrenze zwischen Schwerte und Dortmund verläuft hier im Schwerter Wald mit dem Ausflugslokal Freischütz, einem ehemaligen Forsthaus. Im Osten des Stadtgebiets liegt unweit der seit dem Jahr 2001 unter Denkmalschutz stehenden Kreinberg-Siedlung der kleine Gehrenbach-Stausee. Der Kreinberg und der Gehrenbach-Stausee grenzen in Schwerte-Ost an das ehemalige Eisenbahnausbesserungswerk, in dem bis in die späten 1980er-Jahre gearbeitet wurde. Der östlichste Stadtteil Schwertes ist Geisecke. Ganz im Westen liegt Westhofen, von wo aus es nur wenige Kilometer bis zum Ruhrstausee Hengsteysee sind.
Klima Der mittlere Jahresniederschlag lag im Zeitraum 1961–1990 bei 871 mm und war damit eher hoch, da er in das obere Drittel der in Deutschland erfassten Werte fiel. An 74 % der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes wurden niedrigere Werte registriert. Der trockenste Monat war dabei der Februar, die meisten Niederschläge fielen im Juli. Im Juli fiel durchschnittlich 1,7 mal so viel Niederschlag wie im Februar. Die Niederschläge variierten mäßig. An 52 % der Messstationen wurden niedrigere jahreszeitliche Schwankungen registriert.
mini|Niederschlagsdiagramm
Stadtgliederung Das heutige Stadtgebiet von Schwerte wurde 1975 durch die kommunale Gebietsreform aus den Städten Schwerte und Westhofen sowie den Gemeinden Ergste, Geisecke, Villigst und Wandhofen gebildet. Auch Teile der Nachbargemeinden Holzen und Lichtendorf kamen zu Schwerte. Außerdem gibt es die Wohnlagen Schwerte-Ost, Gänsewinkel und Schwerterheide.
Geschichte Frühgeschichte In Wandhofen haben Archäologen über 2.000 Jahre alte Spuren einer Siedlung der Eisenzeit entdeckt. Neben einem Hausgrundriss kam auch eine ungewöhnliche Grube zum Vorschein, in der vermutlich Nahrung gegart wurde. Es ist der erste derartige Fund in Westfalen.Landschaftsverband Westfalen-Lippe: LWL-Archäologen finden über 2.000 Jahre alte Siedlung in Schwerte, 21. Juli 2017, abgerufen am 6. Dezember 2025 mini|Niemeyersche Karte, 1790
Mittelalter Im Jahr 962 wurde Schwerte erstmals von Engelbert, Abt der Abtei Werden, als Suerte erwähnt. 1096 wurde die Bauerschaft Ergste als Argeste in einer Urkunde genannt. Seit Ende des 12. Jahrhunderts gehörte Schwerte zum Territorium der Grafen von Altena-Isenberg. Nach dem Totschlag des Kölner Erzbischofs Engelbert II. von Berg im November 1226, für den Graf Friedrich II. von Altena-Isenberg verantwortlich war, erhielten die Grafen von der Mark aus dem Hause Altena-Berg große Teile des Isenberger Besitzes; 1226 und 1230 wurde das damalige Dorf gebrandschatzt. Die ältesten Zeugnisse über den Reichshof Westhofen stammen aus dem Jahr 1248.
Im Vergleich und Friedensvertrag zwischen Graf Adolf I. von der Mark und Graf Dietrich von Altena-Isenberg fiel Schwerte 1243 endgültig an die Grafschaft Mark. 120 Jahre später wurden erstmals ein Richter und ein Bürgermeister in Schwerte erwähnt. Graf Dietrich I. von der Mark gewährte Schwerte 1391 das Münzrecht, 1397 das volle Stadtrecht. Das Privileg zur Erweiterung der Befestigungsgräben und zur Erhebung von Wegegeld an den Stadttoren folgte 1406. 1419 trat die Stadt dem Hansebund bei. Als eine Beistadt der Hanse, wie zahlreiche andere westfälische Orte, hatte man kein Mitspracherecht, konnte aber von den Handelsprivilegien profitieren. 1420 wurde sie vollständig eingeäschert, 1424 durch Erzbischof Dietrich von Köln und Graf Gerhard von der Mark vergeblich belagert. 1458 gab es ein großes Hochwasser, bei dem die Ruhr bis zum Markt stand.
Neuzeit 1565 wurde das Schwerter Schichtwesen erstmals beurkundet, eine Art organisierte Nachbarschaftshilfe für jeweils einen abgegrenzten Bereich innerhalb der Stadt. Den einzelnen Schichten standen Schichtmeister vor, die über ihre Arbeit Rechenschaft in den Schichtbüchern ablegten. Das älteste zu Beginn des 21. Jahrhunderts erhaltene Schichtbuch (Schicht 8) stammt aus dem Jahr 1715.
Nach dem Tod des letzten Grafen von der Mark fiel Schwerte 1609 an das Kurfürstentum Brandenburg, das später im Königreich Preußen aufging. 1620 und 1636 wütete die Pest, 1688 starb mehr als Hälfte der Einwohner an der Roten Ruhr. Die Leineweberzunft bildete sich 1652. Ihr gehörten zu dieser Zeit 68 Meister an, die dieses Handwerk vor Ort ausübten. Feuersbrünste trafen die Stadt 1659, 1663 und 1669. 1673 und 1679 brandschatzten die Franzosen die Stadt.
1701 erließ die Stadt eine eigene Schulordnung. Der Arzt und Pfarrer Friedrich Bährens führte 1799 die erste Pockenschutzimpfung in Schwerte durch. Wegen Brandgefahr wurde es 1818 verboten, Häuser mit Stroh- und Schindeldächern zu errichten.
Der Chemiker Friedrich Theodor Fleitmann errichtete 1869 eine Nickelhütte, in der 1871 die ersten reichsdeutschen Nickelmünzen geprägt wurden. 1877 erfand Fleitmann ein Verfahren, Nickel zu verformen und zu schweißen. Die Schwerter Nickelhütte blieb bis zum Ersten Weltkrieg die modernste ihrer Art. Sie wurde 1902 in VDN umbenannt.
Am 3. und 4. April 1920 wurde die Stadt beim Kapp-Putsch von der Roten Ruhrarmee besetzt. Der Landkreis Hörde wurde 1929 aufgelöst, die Stadt Schwerte und das Amt Westhofen gingen an den Kreis Iserlohn über.
Die nationalsozialistische Machtübernahme 1933 wurde in Schwerte mit einem Fackelzug gefeiert. In der Reichspogromnacht am 9. November 1938 wurde die Synagoge verwüstet.
mini|Schwerte mini|Kriegerdenkmal in Ergste Im Juni 1940 fielen die ersten Brandbomben auf Schwerte; der Bahnhof war 1940/41 eines der Hauptangriffsziele des britischen Bomber Command im Ruhrgebiet. mini|hochkant|Fachwerkhaus in der Schwerter Altstadt mit Markierung des Hochwassers von 1943 Die Bombardierung und Zerstörung der Staumauer der Möhnetalsperre durch britische Bomber im Jahr 1943 forderte mehr als 1600 Todesopfer, als sich eine gewaltige Flutwelle durch das Ruhrtal ergoss und ein bislang nicht wieder erreichtes Hochwasser auslöste.
Am 31. Mai 1944 folgte der bis dahin schwerste Luftangriff auf Schwerte, als US-amerikanische Bomber den Verschiebebahnhof bombardierten. Über 217 Menschen fanden dabei den Tod. Im November und Dezember 1944 planten die 8. US-Luftflotte und das britische Bomber Command mehrere schwere Luftangriffe auf die Bahnanlagen von Schwerte. Sie wurden wegen der ungünstigen Flugwetterlage jedoch vor dem Start abgesagt.
Am 28. Februar und 10. März 1945 griffen 75 bzw. 116 US-amerikanische Bomber den Verschiebebahnhof in Schwerte an. Vor allem das Bombardement am 10. März verursachte große Zerstörungen im städtischen Weichbild, unter den beschädigten Gebäuden war auch das mittelalterliche Stadtweinhaus. Der im Ruhrtal gelegene Rangierbahnhof in Geisecke wurde am 14. März 1945 durch einen Verband von 24 P-47-Jagdbombern im Tiefflug angegriffen und dabei so schwer beschädigt, dass der Betrieb lahmgelegt war. Am 20. März folgte ein Luftangriff durch 170 zweimotorige Mittelstreckenbomber der taktischen 9. US-Luftflotte und am 23. März 1945 von 137 viermotorigen B-17-Bombern der strategischen 8. US-Luftflotte auf das Bahngelände in Geisecke. Die US-amerikanischen Luftangriffe auf die Bahnanlagen in Schwerte und Geisecke führten zu schweren Zerstörungen und mindestens 70 Toten, darunter auch ausländische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene.
Am 6. April 1944 wurde in Schwerte ein Außenkommando des Konzentrationslagers Buchenwald eingerichtet. Das Lager lag neben dem 1922 eröffneten, für die Instandsetzung von Lokomotiven wichtigen Eisenbahnausbesserungswerk. Die Baracken des Lagers waren durch einen Elektrozaun und ständig besetzte Wachtürme gesichert. Die Häftlinge gelangten durch einen Durchbruch in der Werksmauer in das Eisenbahnausbesserungswerk, wo sie vorwiegend für gefährliche und kräftezehrende Arbeiten eingesetzt wurden. Im Januar 1945 wurde das Außenkommando in Schwerte aufgelöst, bis dahin befanden sich bis zu 700 Häftlinge im Lager. Etwa 200 Häftliche wurden nach der Auflösung nach Buchenwald verlegt. Im Januar 2015 entschied der Rat der Stadt trotz Kritik, u. a. von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, auf dem Gelände des Außenkommandos des KZ Buchenwald in einer nach Kriegsende gebauten Baracke 21 Asylbewerber unterzubringen.Gelände auf ehemaliger KZ-Außenstelle: Schwerte hält an Flüchtlingsunterkunft fest. Spiegel Online, 16. Januar 2015, abgerufen am 19. Juli 2015.
Am 12. April 1945 eroberten US-amerikanische Truppen die Stadt Schwerte; Anfang Juni desselben Jahres übernahmen die Briten die Militärregierung.
Im Zuge der kommunalen Neuordnung, die am 1. Januar 1975 in Kraft trat, wurden die alte Stadt Schwerte/Ruhr und die Stadt Westhofen bis auf den Ortsteil Buchholz sowie die Gemeinden Ergste, Geisecke, Villigst und Wandhofen und Teile der Gemeinden Holzen und Lichtendorf zur neuen Stadt Schwerte zusammengeschlossen. Schwerte wurde außerdem aus dem Kreis Iserlohn ausgegliedert und dem Kreis Unna zugeschlagen.
Das erste erfolgreiche Bürgerbegehren im Land Nordrhein-Westfalen wandte sich gegen die von der Stadt 1993 beschlossene Schließung des Elsebades. Es ebnete 1994 den Weg zur Wiedereröffnung des Bades als Bürgerbad Elsetal (1998).
1997 feierte Schwerte sein 600-jähriges Stadtjubiläum. Sechs Jahre später war die Stadt (wieder) Mitglied der Westfälischen Hanse. Am 11. Juni 2006 stand der erste Bürgerentscheid Schwertes mit der Frage „Erhalt des Freizeit-Allwetterbades mit allen seinen Wasserflächen“ zur Abstimmung. Eine Mehrheit lehnte den Baderhalt ab. Allerdings wurde der Bürgerentscheid wegen zu geringer Wahlbeteiligung abgewiesen.
Wegen finanzieller Schieflage wurde der städtische Haushalt im Mai 2008 nicht vom zuständigen Kreis Unna genehmigt. Die Folge war ein rigoroses Sparprogramm mit einem Nothaushalt. Im Februar 2009 beschloss der Rat der Stadt Schwerte, das seit Jahren defizitäre Freizeit-Allwetterbad zu schließen. Dieser Entscheidung ging ein jahrelanger Streit quer durch alle Parteien der Stadt voraus. Das Bad wurde am 30. Dezember 2009 geschlossen.Mitarbeiter bereiten sich auf den Abschied vor, ruhrnachrichten.de, abgerufen am 4. Januar 2010 (archivierte Version auf archive.org vom 6. April 2010)
Seit April 2012 darf Schwerte den Namenszusatz „Hansestadt an der Ruhr“ tragen, dies steht seit dem 26. Juni 2012 auf allen Ortseingangsschildern.Neue Ortsschilder: Ministerium stimmt zu. Ruhrnachrichten.de, abgerufen am 14. Juli 2012 (archivierte Version auf archive.org vom 21. August 2014). In Lüneburg wurde Schwerte am 30. Juni 2012 als 100. deutsche Stadt in den Internationalen Hansebund aufgenommen.Neues Schwerter Ortsschild glänzte beim Festzug zum Hansetag. Ruhrnachrichten.de, abgerufen am 14. Juli 2012.
Bauliche Entwicklung 1359: Engelbert Sobbe, Burgmann zu Schwerte, stiftet das Hospital zum Heiligen Geist. 1508: Die St.-Viktor-Kirche wird um den gotischen Hochchor erweitert, der Goldene Altar wird 1523 aufgestellt. 1547: Der Grundstein für den Bau des Alten Rathauses wird gelegt, in dem seit 1933 das Ruhrtalmuseum untergebracht ist. 1796: Erstmals wird der jüdische Friedhof am Nordwall erwähnt. 1801: In der Stadt wird ein Kornmarkt eingerichtet. 1811: Alle Verbindungsstraßen zwischen dem Markt und den Stadttoren sind gepflastert. 1853: Die Sparkasse zu Schwerte wird gegründet. 1867: Schwerte erhält einen Bahnanschluss (Strecke: Hagen–Unna). 1872: Schicht 11 wird gegründet (erste Neugründung außerhalb der alten Stadtmauern) 1914: Das Neue Rathaus wird fertiggestellt.