Der Landkreis Aschaffenburg () liegt im äußersten Nordwesten des bayerischen Regierungsbezirks Unterfranken in der Region Bayerischer Untermain. Er ist der bevölkerungsreichste Landkreis in Unterfranken und nach Ansbach der bevölkerungsreichste in Franken. Der Verwaltungssitz ist Aschaffenburg, das als kreisfreie Stadt nicht Teil des Landkreises ist.
Geographie Lage Das Kreisgebiet umfasst im Westen die Mainniederung, im Norden den Kahlgrund und reicht im Osten bis in die Höhenlagen des Spessarts. Im Rohrbrunner Forst hat der Landkreis Anteil am Geiersberg (), dem höchsten Spessartgipfel. Über 200 km² des Kreisgebietes sind gemeindefreie Forstgebiete. Der Main bildet teilweise die Grenze zu Hessen. Zwei Gemeinden im Südwesten liegen links und westlich des Mains, Stockstadt und Großostheim. Hier hat der Landkreis einen kleinen Anteil am nordöstlichen Rand des Odenwaldes. In der Gemarkung Wenigumstadt erreicht der Odenwald eine Höhe von 280 Meter. An der Einmündung der Kahl in den Main liegt auf einer Höhe von etwa 102 Meter der niedrigste Punkt des Landkreises und des gesamten Freistaats. Südlich davon befindet sich im Karlsteiner Ortsteil Großwelzheim der westlichste Punkt von Bayern.
Nachbarkreise Der Landkreis grenzt im Uhrzeigersinn im Westen beginnend an die Landkreise Darmstadt-Dieburg, Offenbach, die kreisfreie Stadt Hanau sowie den Main-Kinzig-Kreis (alle in Hessen), an die Landkreise Main-Spessart und Miltenberg sowie an die kreisfreie Stadt Aschaffenburg (alle in Bayern).
Geschichte Herrschaftsgericht und Landgerichte Das Gebiet des heutigen Landkreises Aschaffenburg gehörte vor 1800 überwiegend zum Erzstift Mainz, erst 1814 bzw. 1816 kam es an Bayern. Mit Verfügung vom 1. Oktober 1814 wurden die Landgerichte zweiter Klasse Aschaffenburg, Kaltenberg und Rothenbuch sowie das Herrschaftsgericht erster Klasse des Grafen von Schönborn zu Krombach errichtet. 1815 wurde Aschaffenburg eine kreisunmittelbare Stadt. Mit Verfügung vom 1. November 1816 entstand das Landgericht Alzenau, nachdem dieses vormals hessische Amt an Bayern gekommen war. Nach den Entschließungen vom 30. Juni 1828 sowie vom 8. und 14. Januar 1829 wurde das Landgericht Kaltenberg aufgelöst und sein Gebiet auf die Landgerichte Aschaffenburg und Alzenau und das Herrschaftsgericht Krombach aufgeteilt. Alle Gerichtsbezirke gehörten zum Untermainkreis bzw. ab 1838 zum Regierungsbezirk Unterfranken und Aschaffenburg. Am 4. Juni 1848 wurde das Herrschaftsgericht Krombach aufgehoben. 1858 das Landgericht Schöllkrippen gebildet.
Bezirksämter mini|links|Verwaltungsgebiet des Bezirksamtes Aschaffenburg und die kreisunmittelbare Stadt Aschaffenburg um 1875 Das Bezirksamt Aschaffenburg wurde im Jahr 1862 durch den Zusammenschluss der Landgerichte älterer Ordnung Aschaffenburg und Rothenbuch gebildet. Ebenso wurden die Landgerichte Alzenau und Schöllkrippen zum Bezirksamt Alzenau zusammengefasst.
Anlässlich der Reform des Zuschnitts der bayerischen Bezirksämter trat das Bezirksamt Aschaffenburg am 1. Januar 1880 die Gemeinden Habichsthal, Krommenthal, Neuhütten, Rothenbuch und Wiesthal an das Bezirksamt Lohr am Main ab.
Im Jahr 1901 wurde die Stadt Aschaffenburg zu Lasten des Bezirksamtes vergrößert: am 1. März um die Gemeinde Leider und am 1. Juli um die Gemeinde Damm.
Landkreise Am 1. Januar 1939 wurde wie überall im Deutschen Reich die Bezeichnung Landkreis eingeführt. So wurden aus den Bezirksämtern die Landkreise Alzenau i.UFr. und Aschaffenburg.
Landkreis Aschaffenburg Am 1. April 1939 trat der Landkreis die Gemeinde Schweinheim an die kreisfreie Stadt Aschaffenburg ab.
Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Juli 1972 die Landkreise Aschaffenburg und Alzenau in Unterfranken sowie die Gemeinde Rothenbuch aus dem ehemaligen Landkreis Lohr am Main und die Gemeinden Pflaumheim und Wenigumstadt aus dem ebenfalls aufgelösten Landkreis Obernburg zum neuen Landkreis Aschaffenburg vereinigt. Aschaffenburg blieb eine kreisfreie Stadt und wurde Sitz des neuen Landkreises.
Am 1. April 1975 trat der Landkreis die Gemeinde Gailbach an die kreisfreie Stadt Aschaffenburg ab, am 1. Mai 1978 folgte Obernau.
Am 1. Juli 1976 trat der Landkreis Main-Spessart die Gemeinde Wiesen an den Landkreis Aschaffenburg ab.
Einwohnerentwicklung rechts|mini|350x350px|Bevölkerungspyramide für den Kreis Aschaffenburg (Datenquelle: Zensus 2011 Datenbank Zensus 2011, Kreis Aschaffenburg, Alter und Geschlecht.)
Von 1988 bis 2008 wuchs der Landkreis um knapp 19.000 Einwohner bzw. um rund 12 %. Seit 2005 ist die Tendenz nach einem Höchststand von rd. 175.500 Einwohnern rückläufig. Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl des Landkreises von 154.828 auf 174.208 um 19.380 Einwohner bzw. um 12,5 %. Die höchsten Zuwächse verzeichneten Gemeinden im Umland von Aschaffenburg, während im Osten des Landkreises im Spessart einige Gemeinden auch deutliche Verluste hatten. Die nachfolgenden Zahlen beziehen sich auf den Gebietsstand vom 25. Mai 1987.
Bevölkerungsentwicklung Jahr 1840 1900 1939 1950 1961 1970 1987 1991 1995 2000 2005 2010 2015 20202025 Einwohner 46.113 52.069 79.835 102.706 116.777 140.733 152.367 163.830 170.565 173.915 174.974 172.667 173.695 174.658170.945
Politik Kreistag Das Ergebnis der Kreistagswahl am 15. März 2026 ist in den Diagrammen dargestellt:Landkreis Aschaffenburg, Kreistagswahl 2026, Ergebnis, abgerufen am 1. April 2026
Parteien und Wählergemeinschaften2026 2020 2014 2008* 2002 1996 % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze CSU Christlich-Soziale Union in Bayern 39,4 27 39,7 28 47,5 34 47,8 35 51,2 37 49,3 35 AfD AfD Bayern 14,5 10 6,4 4 – – – – – – – – Grüne Grüne Bayern 12,9 9 17,9 13 11,4 8 9,1 6 6,3 4 9,5 6 SPD SPD Bayern 12,5 9 13,4 9 21,6 15 22,1 16 24,1 17 26,3 19 FW Freie Wähler Bayern 11,4 8 14,6 10 12,9 9 12,3 8 11,1 8 11,0 8 Linke Die Linke Bayern 3,9 3 1,4 1 – – – – – – – – FDP FDP Bayern 3,2 2 3,9 3 3,4 2 4,1 3 3,6 2 2,3 1 NM Neue Mitte 2,3 2 2,6 2 3,1 2 1,9 1 1,7 1 – – REP Die Republikaner – – – – – – 2,5 1 2,1 1 1,7 1 gesamt 100,1 70 99,9 70 99,9 70 99,8 70 100,1 70 100,1 70 Wahlbeteiligung 66,2 % 61,0 % 54,9 % 62,8 % 63,2 % 68,3 %
* Constanze Roth, ehemalige Sprecherin der Grünen Jugend Bayern, trat kurz nach der Wahl bei der Grünen Jugend aus und wechselte zu den Jungen Liberalen. Sie nahm ihr Mandat in die FDP-Fraktion mit.https://www.main-echo.de/regional/stadt-kreis-aschaffenburg/erste-sitzung-erster-wortwechsel-art-367063 Die Fraktionsstärke bei den Grünen änderte sich dadurch von 6 auf 5, während sie bei der FDP von 3 auf 4 anwuchs.
Bezirksamtmänner (bis 1938) und Landräte (ab 1939) 1909–1919 Johann von Pokrzwnicki 1919–1931 Jakob Groß 1931–1938 Karl Reuter 1939–1945 Edwin Joerges
Seit 1945 stellte die CSU ununterbrochen den Landrat. 1945–1947: Hanns Seidel (CSU) 1947–1952: Alfons Goppel (CSU) 1952–30. Juni 1972: Josef Kerpes (CSU) 1. Juli 1972–30. April 2002: Roland Eller (CSU) 1. Mai 2002–30. April 2020: Ulrich Reuter (CSU) seit 1. Mai 2020: Alexander Legler (CSU) Bei der Kommunalwahl 2020 wurde Alexander Legler (CSU) erstmalig mit 58,3 Prozent der gültigen Stimmen zum Landrat gewählt. Er löste damit Ulrich Reuter (CSU) ab, der nicht mehr kandidierte.
Bei der Kommunalwahl 2026 wurde Alexander Legler (CSU) mit 63,4 Prozent der gültigen Stimmen im Amt bestätigt. Auf Simon Dümig (SPD), Erstunterlegener, entfielen 17,0 Prozent der gültigen Stimmen.
Wappen
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Straßenverkehr Durch den Landkreis verlaufen die Bundesautobahnen A 3 und A 45 sowie die Bundesstraßen B 8 und B 26.
Schienenverkehr Die Bayerischen Staatseisenbahnen führen seit 1854 von Würzburg die Strecke über den Spessart nach Aschaffenburg, von dort bauten sie die Strecke bis zur Landesgrenze bei Kahl weiter. Dieser Abschnitt wurde zusammen mit der anschließenden Strecke nach Frankfurt von der Frankfurt-Hanauer Eisenbahn-Gesellschaft betrieben (siehe Bahnstrecke Frankfurt Süd–Aschaffenburg). 1858 nahm die HLB auch den Betrieb von Aschaffenburg zur hessischen Residenzstadt Darmstadt auf.
Die Bayerischen Staatseisenbahnen nahmen ab Aschaffenburg folgende Nebenbahnen in Betrieb:
1876 über Obernburg-Elsenfeld nach Miltenberg. Am 10. Januar 1910 wurde vom Bahnhof Obernburg-Elsenfeld eine Bahnstrecke nach Heimbuchenthal in den Spessart eröffnet, die ab dem Bahnhof Wintersbach bis zum Endbahnhof Heimbuchenthal ca. 3 km im Bereich des Kreisgebietes verlief. Ab 1911/12 ging die Strecke Aschaffenburg–Höchst in Betrieb.
Eine besondere Bedeutung für den Altkreis Alzenau besitzt die 1898 erbaute Strecke Kahl–Schöllkrippen der damaligen Kahlgrund-Eisenbahn AG, die heute von der Westfrankenbahn betrieben wird. Alle Züge fahren seit 1997/98 nach Hanau Hauptbahnhof und schließen dort an die S-Bahn Rhein-Main an.
Von den 95 km des Gesamtnetzes sind im Kreisgebiet für den Personenverkehr 18 km stillgelegt worden:
1968: Obernburg-Elsenfeld – Heimbuchenthal (16,8 km Gesamtlänge, davon 3 km im Landkreis) 1974: Aschaffenburg Süd – Höchst/Odenwald (15 km)
Schifffahrt Durch den Landkreis verläuft der Main, der als Bundeswasserstraße ausgebaut ist und von Kleinostheim bis Kahl am Main die Landkreisgrenze und die Grenze zu Hessen bildet.
Wirtschaft Ansässige Unternehmen (Auswahl) f.a.n. frankenstolz Basler Fashion Penta Chemikalien Hyundai World Rally Team Leybold Optics Nukem Technologies, Alzenau Mindjet, Alzenau
Banken Im Landkreis gibt es noch eine selbständige Bank.
Raiffeisenbank Waldaschaff-Heigenbrücken eG
Des Weiteren haben diese Banken Zweigstellen im Landkreis: Sparkasse Aschaffenburg-Alzenau Frankfurter Volksbank Unicredit Bank
Bildung Schulen Im Landkreis Aschaffenburg befinden sich 35 Grundschulen, 15 Mittelschulen, vier Realschulen und drei Förderzentren. Die beiden Gymnasien des Landkreises sind das Spessart-Gymnasium Alzenau und das Hanns-Seidel-Gymnasium in Hösbach. Letzteres ist Teil des Schulzentrums Hösbach, zusammen mit der Astrid-Lindgren-Grundschule, der Mittelschule, der Staatlichen Realschule, der Dr. Albert-Liebmann-Schule für Sprachförderung und der Pestalozzischule für Lernförderung. Weitere Bildungseinrichtungen sind drei Volkshochschulen mit Sitz in Alzenau, Aschaffenburg und Mömbris sowie sieben kommunale und zahlreiche weitere Musikschulen.
Bibliotheken In den Gemeinden des Landkreises gibt es insgesamt 42 Bibliotheken, deren zentrale Institution das Bibliothekszentrum in Hösbach ist.
Gemarkungen
Im Landkreis gibt es 87 Gemarkungen, neun davon sind gemeindeübergreifend.
Gemeinden
(Einwohnerzahlen vom ) Stadt Alzenau ()
Märkte Goldbach () Großostheim () Hösbach () Mömbris () Schöllkrippen () Stockstadt a.Main ()
Gemeindefreie Gebiete (197,56 km², unbewohnt) Forst Hain im Spessart (21,10 km²) Heinrichsthaler Forst (26,76 km²) Rohrbrunner Forst (39,05 km²) Rothenbucher Forst (34,89 km²) Sailaufer Forst (14,36 km²) Schöllkrippener Forst (18,09 km²) Waldaschaffer Forst (23,12 km²) Wiesener Forst (20,19 km²)Weitere Gemeinden Bessenbach () Blankenbach () Dammbach () Geiselbach () Glattbach () Haibach () Heigenbrücken () Heimbuchenthal () Heinrichsthal () Johannesberg () Kahl a.Main () Karlstein a.Main () Kleinkahl () Kleinostheim () Krombach () Laufach () Mainaschaff () Mespelbrunn () Rothenbuch () Sailauf () Sommerkahl () Waldaschaff () Weibersbrunn () Westerngrund () Wiesen ()Verwaltungsgemeinschaften Heigenbrücken mit den Mitgliedsgemeinden Heigenbrücken und Heinrichsthal Mespelbrunn mit den Mitgliedsgemeinden Dammbach, Heimbuchenthal und Mespelbrunn Schöllkrippen mit den Mitgliedsgemeinden Blankenbach, Kleinkahl, Krombach, Schöllkrippen (Markt), Sommerkahl, Westerngrund und Wiesen
Gemeinden des Landkreises vor der Gebietsreform 1971/78 Vor der Gebietsreform hatte der Landkreis Aschaffenburg 32 Gemeinden (siehe Liste unten). (Die Gemeinden, die es heute noch gibt, sind fett geschrieben):