Als Freikorps oder Freiwilligenkorps (von ; aus ) wurden bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts paramilitärische Einheiten unabhängig von ihrer nationalen Herkunft benannt. Im deutschen Sprachraum wurden erstmals im 18. Jahrhundert unter der Bezeichnung „Freikorps“ Frei-Regimenter aus einheimischen Freiwilligen, gegnerischen Überläufern, Deserteuren und Straffälligen aufgestellt. Die unkonventionell uniformierten Truppen dienten als Infanterie und Kavallerie, seltener als Artillerie. Teils nur in Kompaniestärke, teils bis zu mehrere tausend Mann stark, existierten auch aus verschiedenen Waffengattungen zusammengesetzte gemischte Verbände bzw. Legionen. Das preußische Freikorps von Kleist umfasste Infanterie, Jäger, Dragoner und Husaren. Die französischen Volontaires de Saxe vereinten Ulanen und Dragoner.

Geschichte Im 18. Jahrhundert Eine erste Hochphase erlebten die Freiformationen im Österreichischen Erbfolgekrieg und vor allem im Siebenjährigen Krieg, als Frankreich und Preußen, aber auch der Habsburgermonarchie an einer Ausweitung des Kleinen Krieges und einer Schonung der regulären Regimenter gelegen war. Auch im letzten Kabinettskrieg, dem Bayerischen Erbfolgekrieg, wurden 1778 Frei-Formationen errichtet. Vor allem Deutsche, Ungarn, Polen, Litauer und Südslawen, aber auch Türken, Tataren und Kosaken waren bei sämtlichen Kriegsparteien als vermeintlich von Natur aus erprobte Kämpfer geschätzt. Die Herkunft vieler Soldaten lässt sich heute nicht mehr zweifelsfrei entschlüsseln, da die ethnische Herkunft in den Regimentslisten oft ungenau beschrieben wurde. Slawen wurden oft als „Ungarn“ oder „Kroaten“ bezeichnet, moslemische Rekruten (Albaner, Bosnier, Tataren) als „Türken“.

Für Preußen waren die Panduren und Kroaten durchaus Vorbild für die Organisation derartiger Freitruppen. Friedrich II. schuf vor allem zwischen 1756 und 1758 14 Frei-Infanterie-Einheiten, die für diejenigen attraktiv sein sollten, die zwar Lust am militärischen „Abenteuer“ hatten, aber von militärischem Drill frei sein wollten. Hiervon unterschieden werden die erst ab 1759 für die letzten Kriegsjahre gebildeten „Frei-Corps“, die ebenfalls unabhängig operierten und durch überraschende Angriffe den Feind störten. Im Gegensatz zur Frei-Infanterie bestanden sie aus mehreren Waffengattungen (etwa Infanterie, Husaren, Dragoner, Jäger) und wurden gemeinsam eingesetzt. Sie wurden vielfach zur Abwehr der Panduren Maria Theresias eingesetzt. Im Zeitalter der Lineartaktik hatten sich leichte Truppen für Vorposten-, Sicherungs- und Aufklärungsaufgaben erforderlich gemacht. Im Laufe des Krieges wurden mehrere solcher Freicorps aufgestellt, insgesamt acht: Frei-Corps Trümbach (Voluntaires de Prusse) (F I) Frei-Corps Kleist (F II) Frei-Dragoner Glasenapp (F III) Frei-Corps Schony (F IV) Frei-Corps Gschray (F V) Frei-Husaren Bauer (F VI) Légion Britannique (F V – vom Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg) Volontaires Auxiliaires (F VI).Hintergrund, Aufstellung und Nummerierung nach Bleckwenn 1986 Bd. IV: 82ff.

Da sie mit Ausnahmen als undiszipliniert und wenig kampfstark galten, wurden sie für nachrangige Wach- und Garnisonsdienste verwendet. Im sogenannten Kleinen Krieg störten Freikorps in Guerillaaktionen die Nachschublinien des Gegners. Im Fall der Gefangennahme liefen ihre Angehörigen Gefahr, als irreguläre Kämpfer getötet zu werden. In Preußen wurden die Freikorps, die Friedrich II. als „Geschmeiß“ verachtete, aufgelöst. Ihre Soldaten hatten keinen Anspruch auf Pensions- oder Invalidengelder.

In Frankreich existierten viele Corps bis 1776 fort. Dann wurden sie als Jäger-Schwadronen den regulären Dragoner-Regimentern angegliedert. Österreich rekrutierte während der Französischen Revolutionskriege diverse Freikorps slawischer Herkunft. Das Österreichisch-Steirische Freikorps Wurmser kämpfte im Elsass. Der Kampfwert der sechs Wiener Freikorps (rund 37.000 Infanteristen und Kavalleristen) war dagegen gering. Einen Sonderfall stellten die Grenzregimenter aus Kroaten und Serben dar, die dauerhaft an der österreichisch-osmanischen Grenze standen.

Während des bayrischen Erbfolgekrieges wurden auf preußischer Seite noch einmal vier Freikorps aufgestellt, die nach ihren jeweiligen Führern benannt waren: Hordt, Schlichten, Münster und Pollitz.

Zur Zeit der napoleonischen Kriege in Deutschland (1806–1815) Freikorps im modernen Sinne entstanden in Deutschland im Laufe der Napoleonischen Kriege. Sie kämpften weniger zum Broterwerb als vielmehr aus patriotischen Motiven. Im Preußisch-Französischen Krieg bildeten sich nach den verlorenen Schlachten bei Jena und Auerstedt im Rücken der bis nach Ostpreußen vordringenden Franzosen preußische Freikorps, unter denen die von Ferdinand von Schill, Eugen von Hirschfeld und Reinhold von Krockow die bedeutendsten waren. Nachdem Napoleon I. die deutschen Staaten entweder erobert oder zur Kollaboration gezwungen hatten, kam es 1809 zur Erhebung Österreichs. Zu dessen aktiven Unterstützern im übrigen Deutschland wurden Freischaren von Wilhelm von Dörnbergs, erneut von Schill und die Schwarze Schar unter Friedrich Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg-Oels. Im Befreiungskrieg von 1813/14 trat das Lützowsche Freikorps hervor. Zu den Freikorps gesellten sich vielfach national eingestellte Bürger und Studenten. Hierzu wollte Friedrich Ludwig Jahn die Turner als Guerilla-Kämpfer (die kurz zuvor in Spanien im Kampf gegen Napoleon erfunden worden waren) ausbilden, um sie den Freikorps zuzuführen.Arnd Krüger: Sport und Politik. Vom Turnvater Jahn zum Staatsamateur. Fackelträger, Hannover 1975.

Tatsächlich aber wurden die Freikorps gemäß den schon länger bekannten Strategien und Taktiken des Kleinen Krieges eingesetzt und vor allem in der Phase von 1813 in enger Koordination mit regulären militärischen Verbänden und nicht etwa als un- oder selbstorganisierte Guerilla. Sie banden überlegene Kräfte der napoleonischen Koalition durch Ablenkungsmanöver, unterbrachen Boten- und Nachschubverbindungen und riefen im Spätjahr 1813 gelegentlich Aufstände gegen die französischen Autoritäten hervor. Die Rekrutierungspraxis zielte auf die zuvor vom Militärdienst ausgenommenen Teile des Bürgertum, die – auch als Folge der Französischen Revolution – dem klassischn, streng formalisierten Militärdienst reservier gegenüber standen. Für diese waren die vermeintlich ungezwungeneren Abläufe der Freikorps attraktiv und sie waren finanziell in der Lage, ihre Ausrüstung selbst zu beschaffen.Martin Rink: Der »Volkskrieg« 1813. Zwischen großer Schlacht und Nebenkriegsschauplätzen. In: Die Völkerschlacht bei Leipzig, Beiträge zur Militärgeschichte Band 77, 2017, S. 151, 160.

In der Folgezeit entfalteten die Freikorps der napoleonischen Zeit eine besondere Wirkung in der deutschen Erinnerungskultur. Sie wurden in der Literatur und der bildenden Kunst als die einzelnen deutschen Staaten übergreifende, vermeintlich spontan und unabhängig von fürstlichen Anweisungen formierte Freiheitskämpfer konstruiert und dienten auch als Identifikationspunkt der sich nun etablierenden Wehrpflicht. Besonders wurde diese Nachwirkung deutlich in der Herführung der späteren deutschen Wappenfarben Schwarz-Rot-Gold von der Uniformfarbe des Lütowschen Freikorps.

Zwischen 1815 und 1871 Auch in der Folgezeit wurden mit unterschiedlichem Erfolg Freikorps aufgestellt.

Während der Märzunruhen 1848 wurden in München Studentenfreikorps aufgestellt.

Im Schleswig-Holsteinischen Krieg von 1848 zeichneten sich die Freikorps von der Tann, Zastrow und andere aus.

In Mexiko bildeten die Franzosen 1864 so genannte Contreguerrillas unter dem ehemaligen preußischen Husarenoffizier Milson. In Italien bildete Garibaldi seine berühmten Freischaren, unter ihnen besonders den „Zug der Tausend“, der 1860 auf Sizilien landete.

Bereits vor dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 entwickelten sich in Frankreich Freikorps, die sich Franc-tireurs nannten.

Nach dem Ersten Weltkrieg (1918–1923) mini|Angehörige der Marine-Brigade Ehrhardt während des Kapp-Putsches mini|Werbeanzeige vom 1. April 1919 in Berliner Illustrirte Zeitung mini|links|Reichswehrminister Noske besichtigt das Freikorps Hülsen in Berlin im Januar 1919 mini|links|Die Garde-Kavallerie-Schützen-Division zieht nach Zerschlagung der Münchner Räterepublik in die Stadt ein mini|Plakat der Deutschen Schutzdivision (1919) mini|Jahrestag-Feier des Freikorps Lützow in Zossen 1920 mini|Fahnen-Zeremonie des ehemaligen Freikorps Brüssow, 1934 in Berlin. Unter den Teilnehmern sind mehrere Mitglieder der Sturmabteilung in Uniform

Als im Herbst 1918 die aussichtslose Lage des Deutschen Reichs im Ersten Weltkrieg offensichtlich wurde und die Regierung unter Reichskanzler Max von Baden sich um die Aufnahme von Waffenstillstandsverhandlungen bemühte, kam es, beginnend mit dem Kieler Matrosenaufstand, zu Meutereien, die sich zu revolutionären Aufständen wandelten. Am 9. November 1918 verkündete Reichskanzler Max von Baden eigenmächtig die Abdankung Kaiser Wilhelms II. und übergab die Regierungsgewalt an den Sozialdemokraten Friedrich Ebert. Am selben Tag rief der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann die deutsche Republik aus; zwei Stunden später rief Karl Liebknecht, der Führer des kommunistischen Spartakusbundes, die sozialistische Republik aus, die sich an Sowjetrussland orientieren sollte. Scheidemann und Ebert wünschten den Neuaufbau Deutschlands auf demokratisch-parlamentarischer Grundlage und bildeten mit der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands den Rat der Volksbeauftragten als Übergangsregierung, die bis zu allgemeinen Wahlen herrschen sollte.

Da der von Friedrich Ebert geführte Rat der Volksbeauftragten über keine militärischen Machtmittel verfügte, verband er sich mit der noch bestehenden Obersten Heeresleitung und wollte mit den zurückzuführenden Fronttruppen die Lage stabilisieren. Allerdings lösten sich die meisten der zurückgeführten Truppen in der Heimat schnell auf, teilweise unter dem Einfluss revolutionärer Kräfte. Man ging daher dazu über, aus den zurückgeführten Divisionen bis auf die Kader alle Soldaten zu entlassen und sie mit Freiwilligen aufzufüllen. Daneben wurde von meist jüngeren Frontoffizieren, aber auch von Privaten, die Aufstellung von Truppenverbänden aus ehemaligen Soldaten und ungedienten Freiwilligen vorangetrieben. Diese Verbände wurden Freikorps genannt.

Diese Freikorps bekämpften im Auftrag des Rates der Volksbeauftragten und der Reichsregierung die linksradikalen Aufstände und sicherten die Grenzen im Osten des Deutschen Reiches. Sie kämpften 1919 auch im Baltikum mit zeitweiliger Unterstützung Großbritanniens gegen vordringende sowjetrussische Truppen sowie gegen die zuvor mit den Deutschen verbündeten Esten und Letten. Von April bis Mai 1919 waren die Freikorps auch maßgeblich an der besonders blutigen Niederschlagung der Münchner Räterepublik beteiligt.