mini|Pfarrkirche St. Martin mit Friedhof mini|Blick zum Chor Die Kirche St. Martin ist eine römisch-katholische Pfarrkirche in Unterkirchberg, einem Teilort der Gemeinde Illerkirchberg im östlichen Alb-Donau-Kreis. Sie gehört zum Dekanat Ehingen-Ulm in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Die im Jahr 1517 erbaute Kirche ist dem Heiligen Martin von Tours geweiht; das Patronatsfest wird daher am 11. November gefeiert.
Lage Die Martinskirche steht weithin sichtbar in exponierter Lage auf einem Hügel im Nordosten des Ortes. Der Hügel fällt nach Osten hin steil zur Iller ab. Die Kirche ist über zwei Treppenaufgänge von Osten und von Westen her erreichbar; außerdem führt eine Straße zur Kirche. Um das Kirchengebäude angeordnet ist der Friedhof. Zum Kirchengelände gehören außer der 1987 erbauten Aussegnungshalle auch die ehemalige Leichenhalle aus dem Jahr 1954 sowie ein Kriegerdenkmal zum Andenken an die Gefallenen der beiden Weltkriege.
Der Friedhof ist im Norden, Osten und Süden mit einer Mauer umgeben, die teilweise in Backsteinbauweise ausgeführt ist.
Geschichte mini|„Gründungsstein“ aus dem Jahr 1517 Bereits im Jahr 1194 gehörte ein Vorgängerbau der Martinskirche zum Kloster Wiblingen.
Mit dem Bau der heutigen Kirche wurde im Jahr 1517 unter dem Wiblinger Abt Georg Hacker, der aus Unterkirchberg stammte und dort zuvor 13 Jahre lang Pfarrer gewesen war, begonnen. Ein Gründungsstein aus Kalkstein mit der nicht mehr vollständig lesbaren Inschrift „1517 im März ist diese Kirch angefangen“ war ursprünglich in der westlichen Giebelwand der Kirche eingemauert, wurde jedoch 1913 bei Erweiterungsarbeiten in die nördliche Friedhofsmauer am Durchgang zum Treppenaufgang eingelassen. Im Jahr 2016 wurde dieser „Gründungsstein“ in den Vorraum der Kirche beim Westeingang versetzt und wird seither dort mit einem Erläuterungstext präsentiert.
Der Kirchenneubau wurde im gotischen Baustil noch ohne Kirchturm errichtet. Im Jahr 1552 wurde das von Soldaten stark verwüstete Gebäude wiederhergestellt. Wesentliche Änderungen erfolgten auf Veranlassung des Paters Antonius Weickmann 1731 bei einer umfassenden Restaurierung des Innenraumes. Im Zuge dieser Maßnahmen wurde auch die alte Holzdecke durch eine aus Gips ersetzt, die dann mit Deckenmalereien und Stuckarbeiten ausgeschmückt wurde.
Auf Veranlassung von Pater Meinradus Hamberger wurde im Jahr 1784 auf der Südseite des Gebäudes ein Kirchturm angebaut. Bis dahin waren die Kirchenglocken in einem gesonderten (nicht erhaltenen) Glockenhaus untergebracht, das etwa 30 Schritte von der Kirche entfernt stand.
Unter Pfarrer Amandus Storr musste die Kirche im Jahr 1800 nach einem Überfall französischer Soldaten erneut Instand gesetzt werden; sie erhielt ein neues Pflaster, es wurden neue Beichtstühle aufgestellt und Altäre ausgetauscht. Im Zeitraum zwischen 1799 und 1818 wurden zahlreiche Ölgemälde neu angeschafft.
Die letzte bauliche Veränderung erfolgte 1913 durch einen Anbau auf der Westseite, durch den der Kirchenraum vergrößert und eine Empore eingebaut werden konnte. Als bei diesen Arbeiten die westliche Wand des Gebäudes durchbrochen werden musste, wurde der Gründungsstein aus dem Jahr 1517 freigelegt. Zur Abstützung der Überdachung des neuen Eingangsbereiches wurden mehrere Säulen errichtet. Die bauliche Entwicklung lässt sich heute – auch aufgrund der unterschiedlichen Farbgebung der Dächer – deutlich am äußeren Erscheinungsbild der Kirche ablesen.
In den Jahren 2014 und 2015 erfolgte eine umfassende Innen- und Außenrenovierung der Kirche.
Baubeschreibung mini|Kreuzigungsgruppe im Chor Die Martinskirche ist eine einschiffige Saalkirche mit freitragender Decke. Das Gebäude wurde in Ost-West-Richtung gebaut, der Chor ist geostet. Das Kirchenschiff trägt ein hohes steiles Satteldach, während der Chor und der moderne Anbau im Westen niedriger sind.
Der Haupteingang der Kirche liegt im Westen. Durch einen kleinen Vorraum, der auch als Windfang dient, gelangt man direkt in das Kirchenschiff. Über dem Eingangsbereich befindet sich die Empore mit der Orgel, sowie Gemälden und einem großen hölzernen Kruzifix. An der Brüstung der Empore sind 13 Reliefs mit Darstellungen von Jesus Christus und den zwölf Aposteln zu sehen. Zwischen den beiden Aufgängen zur Empore liegt ein Wandelgang.
Durch eine Öffnung mit einem Rundbogen ist das Kirchenschiff mit dem Chor verbunden, der mit einem Dreiachtelschluss ausgebildet ist. Vom Chor aus gelangt man in die Sakristei. Auf der linken Seite des Rundbogens befindet sich der Marienaltar mit einer Strahlenkranzmadonna, auf der rechten Seite der Josefsaltar. Beide Altäre werden optisch durch dieselbe hellgrüne Hintergrundfarbe betont, die auch die Deckengemälde umgibt, während die Seitenwände der Kirche in der Farbe Weiß gehalten sind.
Das Kirchenschiff und die Empore enthalten rund 500 Sitzplätze.
Der viereckige Kirchturm ist 26 Meter hoch und überragt die Kirche nur um wenige Meter.
Innenausstattung Die Innenausstattung der Martinskirche ist nach der aktuellen Renovierung schlicht und modern. Von dem barockisierten Zustand des 18. Jahrhunderts zeugen noch die Deckengemälde, der Régence-Stuck mit dem Klosterwappen, die Kreuzigungsgruppe im Chor und die Gemälde des Weißenhorner Malers Konrad Huber.
Deckengemälde mini|hochkant|Ausschnitt aus dem zentralen Deckengemälde Aufnahme Mariens in den Himmel des Rottweiler Malers Jakob Christoph Achert Die Deckengemälde schuf im Jahr 1731 der Rottweiler Maler Jakob Christoph Achert.
Direkt über dem Chorbogen sind drei Wappen als zusammenhängende Gruppe dargestellt. Die Mohrin mit Mitra stammt aus dem Wappen der Fugger von Kirchberg und Weißenhorn. Der Vogel Strauß mit einem Hufeisen im Schnabel ist das Wappentier des Kirchenerbauers Georg Hacker, Abt des Klosters Wiblingen. Das Doppelkreuz ist das Wappen des Klosters Wiblingen.
Das zentrale Deckengemälde im Kirchenschiff ist Maria gewidmet. Es stellt die Aufnahme Mariens in den Himmel dar. Auf einer Wolke getragen schwebt Maria zum Himmel. Um dieses Hauptbild gruppieren sich sechs weitere Gemälde mit Heiligendarstellungen: Über dem Mittelgang, vor der Empore: Benedikt von Nursia. Über dem Mittelgang, vor dem Chorbogen: Martinus als Bischof Auf der Südseite, bei der Empore: Itha von Toggenburg Auf der Südseite, beim Chor: Franz von Sales Auf der Nordseite, bei der Empore: Katharina von Alexandria Auf der Nordseite, beim Chor: Johannes Nepomuk
Im Chor befinden sich zwei weitere Deckengemälde. Das größere von ihnen stellt die Anbetung des Eucharistischen Sakraments durch die zur Zeit der Entstehung des Gemäldes bekannten Kontinente Europa, Afrika, Amerika und Asien dar. Das kleinere Bild ist eine Darstellung Gott Vaters.
Statuen mini|hochkant|Bischof Martin von Tours, der Namenspatron der Kirche Die Kreuzigungsgruppe im Chorraum entstand um 1700. Die Christusfigur selbst war jedoch so stark beschädigt, dass sie 1952/1953 ausgetauscht wurde. Die jetzige Figur ist eine Kopie des Christus der Friedhofskapelle in Söflingen.
Die Marienstatue am Marienaltar links des Chorbogens wurde 1729 in der Holzbildhauerwerkstätte Hops in Mietingen hergestellt.Ulrike Kern: In: Hohenzollerische Heimat, 36. Jg., Nr. 1, März 1986, S. 7, hohenzollerischer-geschichtsverein.de, abgerufen am 1. November 2017 (PDF-Datei) Sie wurde später mit einem Strahlenkranz verstärkt.
Die Josefsfigur am Josefsaltar rechts des Chorbogens stammt aus neuerer Zeit. Die Statue des heiligen Antonius (an der südlichen Wand des Kirchenschiffs) entstand um 1750. Sie wurde ebenso wie die Figur des heiligen Martin mit Bischofsstab (auch an der südlichen Wand) und des heiligen Benedikt (an der nördlichen Wand) in der Holzbildhauerwerkstatt des Klosters Wiblingen angefertigt.
Auf der Empore befindet sich ein großes hölzernes Kruzifix aus der Werkstatt des Mietinger Holzbildhauers Johannes Hops, das im Jahr 1731 entstand.
Ölgemälde Die Mehrzahl der Gemälde, die an den Wänden des Chorraums, im Kirchenschiff und auf der Empore hängen, stammen von dem Weißenhorner Maler Konrad Huber. Sie wurden zwischen 1799 und 1818 zur Zeit von Pfarrer Amandus Storr gemalt. Es handelt sich unter anderem um Darstellungen von Mariä Verkündigung, des Martyriums des heiligen Sebastian oder des Letzten Abendmahls.
Rechts und links im Kirchenschiff hängen 14 Ölgemälde mit Darstellungen der Kreuzwegstationen. Die von Martin Dreyer gemalten Bilder entstanden im Jahr 1786 und waren eine Stiftung von Rosalia Ketzer, einer Unterkirchberger Bürgerin.
Kirchenbänke Die Wangen der aus dunklem Holz gefertigten Kirchenbänke sind mit kunstvoll geschnitzten Ornamenten verziert.
Prinzipalien Der metallene Tabernakel stammt aus den 1950er-Jahren. Auf ihm sind vier Tiere als Symbole christlicher Glaubensinhalte dargestellt. Der Phönix steht für Tod und Auferstehung, der Pelikan für den Opfertod Christi, der Hirsch für den Gott suchenden Menschen und das Lamm für das Opfertier Lamm Gottes.
Der Altar, der Ambo und der Taufstein sind in einheitlichem Erscheinungsbild aus hellem Stein gefertigt worden.
Außenausstattung mini|hochkant|Gedenktafel für Pfarrer Georg Geisenhof (1819–1861) Steinrelief In der Wand über dem Haupteingang der Kirche befindet sich ein großes Steinrelief. Darauf abgebildet ist der heilige Antonius, der das „Antoniusbrot“ an die Armen verteilt. Das Relief wurde 1913/1914 im Zuge des Westanbaus an die bestehende Kirche angebracht. Es wurde der Kirche vom damaligen Dekan Franz gestiftet, nachdem dieser bei einer Lotterie mit einem ihm aufgedrängten Los den Hauptgewinn erhalten hatte.
Gedenktafeln An der Nordmauer der Kirche, ebenfalls am Westanbau, erinnert eine in das Mauerwerk eingelassene Steintafel an den Pfarrer Georg Geisenhof, von 1819 bis 1861 in Unterkirchberg wirkte. In der Südmauer der Kirche ist eine weitere Erinnerungstafel eingemauert, zum Gedenken an den Unterkirchberger Architekten Michael Bischof, der als einziger Unterkirchberger Soldat im Deutsch-Französischen Krieg 1870 in der Schlacht bei Champigny ums Leben kam.
Turmuhr Die alte Turmuhr der Martinskirche erhielt am 22. Oktober 1827 eine neue Uhrentafel. Die Firma Hörz, ein damals in Ulm ansässiger Fachbetrieb für Turmuhren und Läutemaschinen baute 1930 eine neue elektrische Turmuhr der Größe 5 vom Typ C ein. Das von der alten Uhr stammende Ziffernblatt hatte einen Durchmesser von 1,40 Metern. Die Hörz-Uhr wurde im April 1966 gegen eine vollelektrische Uhr ausgetauscht.
Kirchturmfigur In der Südwand des Kirchturms befindet sich ein paar Meter über der Eingangstür in einer kleinen Nische ein steinernes Relief mit dem Motiv des Guten Hirten.
Orgel mini|Die Reiser-Orgel auf der Empore mini|Detail der Orgel (Nordseite) Bereits im Jahr 1767 wird in einer örtlichen Chronik eine neue Orgel in der Martinskirche erwähnt, die ihren Platz zunächst über der Sakristei hatte und später auf die Empore versetzt wurde. Dieses Instrument hatte folgende sieben Register: Principal, Kopal, Flöte, Quint, Octav, Mixtur und Subbass. Im Jahr 1820 wurde es repariert und neu gestimmt, und Joseph Koetteler aus Donauwörth fertigte eine neue Klaviatur für diese Orgel an. Im November 1841 wurde sie als „ziemlich schadhaft“ für 50 Gulden nach Großschafhausen bei Schwendi verkauft.
Am 9. März 1842 wurde ein Vertrag über den Neubau einer Orgel mit dem Orgelbauer Franz Sales Hechinger abgeschlossen, der ein Jahr später im März 1843 das fertige Instrument lieferte. Es kostete 558 Gulden und hatte gemäß Vertrag folgende acht Register: Principal, Octav, Coppel, Flöte, Viola, Jubel-Flöte, Octavbass und Subbass.
Die Hechinger-Orgel wurde um 1900 nochmals durch ein anderes Instrument mit grundtönigem Klang ersetzt.