mini|Die Gebetshalle (haiden) des Yasukuni-Schreins, an der Vorderseite hängt das Nationale und Kaiserliche Siegel Japans mini|Im Zentrum Tokios gelegene Gesamtanlage des Yasukuni-Schreins, fotografiert vom 27-geschossigen Wolkenkratzer Boissonade Tower auf dem Ichigaya-Campus der Hōsei-Universität Der Yasukuni-Schrein (, Shinjitai: , Yasukuni-jinja; „Schrein des friedlichen Landes“) ist ein Shintō-Schrein im Stadtbezirk Chiyoda, Tokio in Japan. Hier wird der gefallenen Militärangehörigen gedacht, die während und seit der Meiji-Restauration von 1868 auf der Seite der kaiserlichen Armeen ihr Leben ließen, einschließlich der in den Tokioter Prozessen verurteilten 14 Kriegsverbrecher. Er ist hoch umstritten, da neben Millionen Kriegstoten gleichzeitig die verurteilten Kriegsverbrecher Japans offiziell im Schrein geehrt werden. Auch der Gefallenen aller Nationen, einschließlich der Kriegsgegner, wird in den Hallen des Schreins gedacht.

Er gehört zu den Chokusaisha, weswegen zweimal im Jahr besondere Abgesandte des Tennō zu den zwei wichtigsten Festen dorthin gesandt werden.

Geschichte mini|Tōkyō Shōkonsha um 1873 mini|hochkant|Der Yasukuni-Schrein am Jahrestag des Kriegsendes in Ostasien, dem 15. August (2003) Der Yasukuni-Schrein war 1869 unter dem Namen Tōkyō Shōkonsha (Tokioter Schrein zum Herbeirufen der Totengeister, shōkonsha wurden allgemein Schreine zur Verehrung von Kriegstoten genannt) im Stadtbezirk Chiyoda (unmittelbar nördlich des Kaiserpalastes) der neuen Hauptstadt Tokio gegründet worden, wo er noch heute steht. Im Schrein sollte aller Kriegsgefallenen als kami und „Heldenseelen“ (, eirei) gedacht werden, die auf der kaiserlichen Seite in den Restaurations-Wirren (wie dem Boshin-Krieg) gekämpft hatten. Dies wurde später auch auf die Toten aus anderen Konflikten erweitert, wie der japanischen Strafexpedition nach Taiwan (Mai–Dezember 1874). 1879 bestimmte ihn der Tennō zum Bekkaku kanpeisha (Reichsschrein der Sonderklasse) und gab ihm den Namen Yasukuni, basierend auf der Textstelle waga motte kuni o yasunzuru nari (jap. für ) aus dem chinesischen Geschichtswerk Zuozhuan mit der Bedeutung „ich tat es, um das Land zu befrieden“.

Gleichzeitig wurde er – ungewöhnlich für das damalige Schrein-System – direkt der gemeinsamen Verwaltung durch das Innen-, Heeres- und Marineministerium unterstellt. Ab dem Russisch-Japanischen Krieg 1904 wurde im Fall einer Kriegserklärung diese rituell den Toten am Yasukuni-Schrein verlesen. Ebenso wurde der Friedensschluss rituell den Geistern in einer offiziellen Staatsfeierlichkeit vorgetragen. Der Schrein diente als Kulisse militärischer Massenveranstaltungen, wie dem siegreichen Einmarsch nach dem Krieg gegen Russland oder dem 1907 eingeführten Tag des Heeres am 30. April 1934 führte der General Araki Sadao die traditionellen japanischen Schwerter für Offiziere wieder ein, welche im Zuge der Meiji-Restauration 1879 verboten wurden. Hierzu ließ er auf Kosten der Armee eine Schwertschmiede am Yasukuni-Schrein einrichten, welche bis Kriegsende 1945 rund 8.000 Schwerter produzierte.Andrew J. Drea: Japan’s Imperial Army. Lawrence, 2009, S. 50, S. 122–123, S. 176 (englisch).

Aufgrund der in der Nachkriegsverfassung verfügten Trennung von Staat und Religion im Rahmen der Abschaffung des Staats-Shintō musste der Schrein entweder säkularisiert oder aus staatlicher Trägerschaft entlassen werden. Er entschied sich für Letzteres und hat heute einen Status als unabhängige religiöse Körperschaft (, dokuritsu shūkyō hōjin). Die in populärer Literatur oft und auch bis 2010 auf der Website des Schreins wiederholte Anekdote, der Jesuit Bruno Bitter habe durch seine Fürsprache bei General MacArthur den Schrein nach dem Krieg vor dem Abriss bewahrt, ist heute widerlegt.Mullins (2010), S. 90ff (). Der immer wieder von konservativen Kreisen erhobenen Forderung, den Yasukuni-Schrein zur nationalen Gedenkstätte zu erheben, steht bislang noch die japanische Verfassung entgegen. Trotzdem wird er jedes Jahr von etwa sechs Millionen Japanern besucht, vornehmlich von Hinterbliebenen, den einflussreichen Veteranenverbänden, aber auch von nationalistischen Vereinigungen.

Am 23. November 2015 explodierte ein Sprengsatz im Bereich der öffentlichen Toiletten innerhalb des Schreins, wobei niemand verletzt wurde. Ein Südkoreaner wurde im Zusammenhang mit der Tat verhaftet.

Eingeschreinte kami Es sind keine Toten im Schrein selbst beerdigt. Friedhöfe gelten im Shintō gemeinhin als unreine und daher zu meidende Orte. Besondere Bedeutung kommt dabei dem Mitama-Matsuri am 13. Juli zu ihren Ehren zu, an dem 5.000 Laternen angezündet und religiöse Tänze aufgeführt werden. Ein weiteres Fest ist das Shūki-kōrei-sai vom 18. bis 21. Oktober zur Tröstung der Seelen der Gefallenen.

Der für den Kaiser Gefallenen wird als kami im Honden (Haupthalle) des Yasukuni-Schrein gedacht. Diese sind namentlich in einem Seelenregister aufgeführt, das folgende Anzahlen liefert: Kampfgeschehen Jahr eingeschreinte kami Boshin-Krieg / Restaurationswirren 1868–1869 7.751 Japanische Strafexpedition nach Taiwan 1874 1.130 Satsuma-Rebellion 1877 6.971 Erster Japanisch-Chinesischer Krieg 1894–1895 13.619 Boxeraufstand 1901 1.256 Russisch-Japanischer Krieg 1904–1905 88.429 Erster Weltkrieg und Sibirische Intervention 1914–1922 4.850 Jinan-Zwischenfall 1928 185 Besetzung der Mandschurei 1931 17.176 Zweiter Japanisch-Chinesischer Krieg 1937–1945 191.250 Zweiter Weltkrieg 1941–1945 2.133.915 Gesamt: 2.466.532

Der in Opposition zum Kaiser Gefallenen bzw. Kriegstoten allgemein unabhängig von deren Nationalität wird wiederum kollektiv im Chinreisha als kami gedacht.

Gelände Der Haupteingang zum Vorgelände des Schreins wird durch das stählerne 1. Torii (, dai-ichi torii), auch Großes Torii (, ōtorii) genannt, markiert. Im Laufe der Zeit durch die Witterung beschädigt, musste das ursprüngliche Torii von 1943 entfernt werden. Das heutige wurde 1974 errichtet und ist mit seinen 25 m das höchste Japans.

mini|Irei no Izumi Danach folgt der Irei no Izumi () – der „Brunnen zur Beruhigung der Seelen“ – und eine Bronzestatue von Ōmura Masujirō (, Ōmura Masujirō dōzō), der als Begründer der modernen Kaiserlich Japanischen Armee angesehen wird und sich sehr für den Yasukuni-Schrein einsetzte. Zur Zeit ihrer Errichtung 1893 war sie Japans erste Statue westlichen Stils. Links von der Statue befindet sich das 1932 errichtete Ishi Torii (, dt. „Stein-Torii“).

Danach folgt das 2. Torii (, dai-ni torii). Dieses wurde 1887 errichtet und ist das größte Bronze-Torii Japans.

Links davon ist das Ōtemizusha (), ein überdachter Brunnen, in dem man sich vor Betreten des eigentlichen Schreingeländes durch Hände- und Mundwaschen rituell reinigt. Das Gebäude wurde dem Schrein 1940 von in den USA lebenden Japanern gespendet und wiegt durch die Verwendung von Granit 18 Tonnen.

Das Hauptgelände des Schreins wird durch das Shimmon (, dt. „Kami-Tor“, „Göttertor“) betreten. Dieses wurde 1934 fertiggestellt und besteht aus Zypressenholz, dessen beide Türen durch zwei 1,5 m im Durchmesser betragende Chrysanthemen-Wappen verziert sind. 1994 wurden am Tor Restaurierungsarbeiten getätigt. Weiter geradeaus befindet sich das Chūmon Torii (, dt. „Mitteltor-Torii“) als 3. Torii des Schreins. Dieses wurde 2006 mit Zypressenholz aus Saitama neu errichtet.

Durch dieses erreicht man die Haiden () – die „Gebetshalle“ – in der die Schreinbesucher ihren Respekt erweisen und Geld spenden können. Die Haiden wurde 1901 errichtet und das Dach 1989 renoviert. Das Hauptgebäude des gesamten Schreinkomplexes ist die dahinterliegende Honden (, dt. „Haupthalle“), in der die verehrten kami eingeschreint sind. Das Gebäude wurde 1872 errichtet. 1986 wurde mit der Renovierung begonnen, die 1989 abgeschlossen wurde. Hinter dem Honden befindet sich die Reijibo Hōanden () in der sich die Register mit den Namen aller im Schrein Verehrten befinden. Das Gebäude wurde 1972 errichtet.

Vor dem Chūmon befindet sich ein Weg zur linken, der zum Südtor (, minami-mon) führt. Davor führt ein Pfad dem Haiden und Honden entlang, an dessen Ende abgelegen der Motomiya () und der Chinreisha (, dt. „Schrein zur Befriedung der Seelen“) erreicht werden. Der Motomiya wurde in den 1860ern ursprünglich im Geheimen von Kaisertreuen in Kyōto zur Verehrung der Gefallenen während der frühen Meiji-Restauration errichtet und war somit der geistige Vorläufer des Yasukuni-Schreins. 1931 wurde er schließlich nach Tokio auf das Gelände des Yasukuni-Schreins verlegt und bekam seinen heutigen Namen Motomiya – „Ursprungsschrein“. Der Chinreisha wurde 1965 errichtet. In ihm befinden sich zwei za (, „(Kami-)Sitze“): einer für diejenigen Japaner die im Boshin-Krieg bzw. den Restaurationswirren gegen die kaiserlichen Truppen kämpften und der andere für die Gefallenen aller anderen Nationen, ebenfalls einschließlich der Kriegsgegner. Der Schrein ist aufgrund seiner versteckten Lage vergleichsweise unbekannt und zudem seit 1975 nicht mehr für die Allgemeinheit zugänglich. Allerdings werden den darin Eingeschreinten zweimal am Tag Opfergaben gebracht.

mini|Nō-Theater-Bühne Links vom Shimmon befinden sich der Saikan () zur rituellen Reinigung der Priester und das Schreinamt (, shamusho). Direkt rechts vom Shimmon befindet sich ein Taubenverschlag für weiße Tauben (, shirohato kyūsha), der die 300 weißen Tauben des Schreins beherbergt, und eine Nō-Theater-Bühne (, nōgakudō). Die Bühne wurde 1881 im Shiba-Park errichtet und 1903 in den Schrein umverlegt. Die Bühne liegt auch links am Anfang eines vom Nordtor (, kita-mon) ausgehenden Wegs, während sich rechts das Museum Yūshūkan () befindet.

Dem Weg weiter gefolgt befindet sich links am Vorplatz des Haiden die 2004 errichtete Sanshūden (, dt. „Versammlungshalle“) und dann rechts am Honden angrenzend die Tōchakuden (, dt. „Empfangshalle“). Rechts vom Weg befindet sich ein großer Platz. An der Wegseite befindet sich eine Statuenzeile mit 3 Tierstatuen: die 1982 errichtete „Statue zur Befriedung der Seelen der auf dem Schlachtfeld gefallenen Pferde“ (, sembotsuma ireizō), der 1982 errichtete „Turm der Taubenseelen“ (, kyūkontō) namens Hato to Chikyūgi (, dt. „Taube und Globus“) zur Verehrung der im Krieg eingesetzten Brieftauben und die März 1992 errichtete „Statue zur Beruhigung der Seelen der Armeehunde“ (, gunken ireizō) eines Deutschen Schäferhundes. Auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes befinden sich eine 1974 errichtete „Statue der Mütter“ (, haha no zō), die eine Kriegswitwe mit drei Kindern zeigt, eine 1999 errichtete „Statue der tapferen Tokkō-Krieger [d. h. Kamikaze-Piloten]“ (, tokkō yūshi no zō) und ein 2005 errichtetes Monument zu Ehren von Radhabinod Pal (, Pāru-hakase kenshōbi, dt. „Dr.-Pal-Würdigungsgedenkstein“), der als indischer Vertreter bei den Tokioter Prozessen bei allen Angeklagten für Freispruch plädierte, da er die Prozesse als Siegerjustiz ansah.

Das Yasukuni Kaikō Bunko () ist das Archiv des Yasukuni-Schreins. Es wurde am 7. Oktober 1999 eröffnet und enthält 100.000 Bände mit Material zu den Todesumständen der im Schrein Verehrten. Das Archiv ist für die Allgemeinheit offen.

Am Shōkon Saitei (), einem Platz zur Anrufung der Seelen der Verstorbenen vorbei am Ende des Weges, befindet sich der Shinchi Teien () – der Ziergarten des heiligen Teichs –, der in der frühen Meiji-Zeit angelegt und 1999 restauriert wurde, und an diesem die drei Teehäuser Senshintei (, dt. „Pavillon des gereinigten Herzens“), Seisentei (, dt. „Pavillon der friedlichen Quelle“) und Kōuntei (, dt. „Pavillon der treibenden Wolken“). Am äußersten rechten Ende des Schreins befindet sich ein Sumō-Ring (, Sumō-ba) mit kostenlosem Eintritt. Dieser wurde 1869 anlässlich eines Sumō-Wettkampfs während des Einweihungsfestes des Yasukuni-Schreins errichtet. Jedes Jahr zum Frühlingsturnier finden hier Wettkämpfe mit Yokozuna statt.

Museum Yūshūkan mini|Yūshūkan mini|Im Museum des Schreins ausgestellte Mitsubishi Zero, Modell 52 (A6M5)