Die beiden Nachbarstaaten Österreich und Slowenien führen gegenwärtig als Mitglieder der EU sehr intensive wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen. Österreich (unter Außenminister Alois Mock) zählte neben Deutschland zu den vehementesten internationalen Verfechtern der Unabhängigkeit Sloweniens 1991. Nach der Unabhängigkeit Sloweniens 1991 wurden zwischen Österreich und der vormaligen Föderativen Volksrepublik Jugoslawien vereinbarte Abkommen teilweise übernommen und weitere Vereinbarungen unterzeichnet. Die beiden Staaten verbindet eine lange Geschichte von Gemeinsamkeiten (z. B. als Teil der Habsburgermonarchie) und Auseinandersetzungen (z. B. Grenze, Minderheitenrechte). mini|hochkant|Grenzstein am Annahüttensattel
Geschichte
Vor der Unabhängigkeit Sloweniens 1991
Die slowenisch-österreichischen Beziehungen sind durch eine über Jahrhunderte zurückreichende Geschichte geprägt. Im 14. Jahrhundert fielen große Teile des heutigen Slowenien (seit Rudolf IV.) an die Herrschaft der Habsburger. Deren Herrschaft in diesen Gebieten wurde erst mit dem Erlöschen der Dynastie der Sanneck in der Grafschaft Cilli/Celje im Jahr 1456 dauerhaft. Durch Heiratspolitik hatten die Grafen von Cilli/Celje ihren Einflussbereich in wenigen Generationen über große Teile Sloweniens und Teile Kroatiens ausgedehnt. Symbolisch ist das Wappen der Grafschaft Cilli/Celje heute durch davon übernommene drei goldene Sterne auf blauem Grund im slowenischen Wappen repräsentiert.
Mit Ausnahme einer kurzen Unterbrechung während der napoleonischen Kriege war das Gebiet des heutigen Slowenien somit bis zum Ende des Ersten Weltkriegs 1918 Teil der sogenannten österreichischen Erblande der Habsburger. Ab Mitte des 15. Jahrhunderts wurden zunehmend Bücher (z. B. Übersetzung der Bibel) in slowenischer Sprache gedruckt und eine erste slowenische Grammatik verfasst. Das ausgehende 15. und das 16. Jahrhundert waren von der Offensive der Osmanen, von Aufständen der bäuerlichen Bevölkerung sowie von Reformation und schließlich Gegenreformation geprägt.
Insbesondere seit der Zeit der napoleonischen Kriege kam es im Verlauf des 19. Jahrhunderts zu einem zunehmenden Erstarken (wie auch in anderen Regionen Zentraleuropas) des slowenischen Nationalismus. Die unter Napoleon geschaffenen Illyrischen Provinzen stellten auch nach der Rückeroberung dieser Gebiete durch die Habsburgermonarchie einen wichtigen Bezugsrahmen für nationalistische slowenische Ideen einer territorialen Organisation der südslawischen Bevölkerungen dar. Ab 1848 erstarkte die Forderung nach einer Vereinigung der von Slowenen bewohnten Gebiete zunehmend. Vorherrschend war dabei die Vorstellung eines „Vereinten Slowenien“ im Rahmen einer föderalisierten Habsburgermonarchie.
Die slowenischsprachige Bevölkerung war eine der kleinsten nationalen Sprachgruppen in der Habsburgermonarchie und administrativ auf sechs österreichische Länder aufgeteilt: Krain, Steiermark, Kärnten, Görz-Gradisca, Triest und Istrien. Im Herzogtum Krain war der Anteil der slowenischsprachigen Bevölkerung am höchsten (1910: 94 %). Auch im Land Görz-Gradisca zählte sich eine Mehrheit der Bevölkerung zur Bevölkerungsgruppe der Slowenen. In den übrigen Ländern Steiermark, Görz-Gradisca, Triest, Istrien und Kärnten stellte die slowenische Sprachgruppe eine Minderheiten gegenüber der italienisch- bzw. deutschsprachigen Mehrheit dar. Politisch waren die Slowenen auf allen Ebenen und in allen Ländern außer dem Herzogtum Krain im Verhältnis zu ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung unterrepräsentiert, wobei die Position der Slowenen in Kärnten am schlechtesten war. Die politische Repräsentation der Slowenen verbesserte sich erst nach Abschaffung des Kurienwahlsystems und der Einführung des allgemeinen Wahlrechts für Männer im Jahr 1907. Auf höheren diplomatischen Ebenen und im hohen Staatsdienst gab es bis 1917 keine slowenischen Repräsentanten. Der erste und einzige slowenische Minister in der Habsburgermonarchie war Ivan Žolger in den Jahren 1917–1918.
Von slowenischer Seite gab es insbesondere Forderungen nach der Besetzung von Ämtern im politischen und administrativen Bereich sowie nach slowenischer Unterrichtssprache im Bildungssystem. Zu einer diplomatischen Krise kam es im sogenannte Schulstreit von Celje/Cilli 1895, in dem die Forderung nach slowenischsprachigen Parallelklassen im Gymnasium von Celje/Cilli einen Konflikt auslösten, der schließlich zum Zerfall der Regierung Windisch-Grätz führte.
Mit dem Zerfall der Habsburgermonarchie am Ende des Ersten Weltkrieges entstanden zwei neue Staaten, die den politischen Rahmen der slowenisch-österreichischen Beziehungen bildeten. Einerseits wurde am 12. November 1918 die Republik Deutsch-Österreich ausgerufen. Andererseits wurde am 1. Dezember 1918 durch den Nationalrat der Slowenen, Kroaten und Serben die Loslösung von Österreich-Ungarn und der Zusammenschluss im Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (bis 1929) (ab 1929–1941 Königreich Jugoslawien) beschlossen.
In den Jahren 1918 bis 1920 kam es zu Auseinandersetzungen um die Grenzziehung im südlichen Kärnten zwischen der deutschösterreichischen Republik und dem SHS-Staat. Der sogenannte Kärntner Abwehrkampf stellt noch heute einen bedeutenden Identifikationspunkt deutschnationaler Bewegungen, insbesondere in Kärnten, dar. Der Friedensvertrag von St. Germain sah schließlich eine Volksabstimmung in den südlichen Gebieten Kärntens vor, die am 10. Oktober 1920 durchgeführt wurde und mit dessen Ergebnis die Grenze an den Karawanken festgelegt wurde. Die Grenzziehung zwischen Slowenien und Österreich im Süden Kärntens und der Steiermark sowie die Lage der Minderheiten auf beiden Seiten der Grenze waren auch in den folgenden Jahren und Jahrzehnten von Ängsten und Auseinandersetzungen geprägt.
„In den 1920er Jahren stand in den Beziehungen zwischen Jugoslawien und Österreich die Minderheitenfrage im Vordergrund“. Die nationalistische Grundausrichtungen in beiden Staaten führte nach 1919 für die jeweiligen Minderheiten zu schwierigen Situationen und Einbußen ihrer Rechte. In Slowenien kam die deutschsprachige Minderheit durch eine Politik der Slowenisierung unter Druck, was viele zur Auswanderung bewog. Auch auf der österreichischen Seite verschlechterte sich die Situation der slowenischsprachigen Minderheit in Kärnten und der Steiermark. Dabei kam es auch immer wieder zu antislowenischen Aktivitäten, v. a. durch den Kärntner Heimatdienst (bis 1924, dann Kärntner Heimatbund).
In den Jahren nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurden zwischen der Republik Deutsch-Österreich und den Nachfolgestaaten der Monarchie – so auch dem SHS-Staat – verschiedene Abkommen geschlossen, welche die neuen Beziehungen regeln und zu Übereinkommen über das Erbe der Habsburgermonarchie führen sollten. Unter anderem wurde dabei beispielsweise auch ein Archivabkommen abgeschlossen, wobei von Slowenien beispielsweise die Übergabe der Urkunden von Celje/Cilli angestrebt wurde.
Mit dem sogenannten Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland 1938 verschlechterte sich die Lage für die slowenischen Minderheiten im Süden Österreichs. Mit dem Überfall Deutschlands auf das Königreich Jugoslawien 1941 verschärfte sich die Situation schließlich weiter. Das slowenische Gebiet wurde in drei administrative Zonen zwischen dem faschistischen Italien, dem nationalsozialistischen Deutschland sowie Ungarn geteilt. Von den Nationalsozialisten wurde eine gewaltsame Germanisierungspolitik verfolgt, die sich u. a. in Morden, im Verbot der slowenischen Sprache, in Deportationen und Ansiedlungen Deutscher manifestierte. Im Süden Österreichs hatte dies für die slowenischsprachige Minderheit zur Folge, dass alle ihre Organisationen verboten wurden und ab 1942 viele Kärntner Slowenen in Konzentrationslager deportiert und zu Zwangsarbeit gezwungen wurden. Ab 1942 organisierten sich in Südkärnten bis zu 10.000 überwiegend slowenischsprachige Partisanen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus.
Nach der Kapitulation NS-Deutschlands 1945 wurden die Grenzen zwischen den nun entstandenen Staaten Republik Österreich und der Föderativen Volksrepublik Jugoslawien wieder nach der Grenzziehung von 1920 hergestellt. Zunächst stellte Jugoslawien nach 1945 territoriale Ansprüche an südliche Gebiete Kärntens und der Steiermark. Die Beziehungen Österreichs mit Slowenien sind nach 1945 vor allem im Rahmen der Beziehungen mit der Föderativen Republik Jugoslawien zu betrachten. Die Teilrepublik Slowenien spielte in den jugoslawisch-österreichischen Beziehungen eine wichtige Rolle, da sie als einzige der jugoslawischen Republiken an Österreich grenzte. 1955 wurde das jugoslawische Konsulat eingerichtet, 1960 das österreichische Generalkonsulat in Ljubljana eröffnet. In den Folgejahren wurden zahlreiche Abkommen geschlossen, die den Grenzverkehr sowie den wirtschaftlichen (u. a. Tourismus) und kulturellen Austausch betrafen. Eine zentrale Rolle spielte in den diplomatischen Beziehungen beider Staaten weiterhin die Minderheitenfrage. 1955 wurden die Minderheitenrechte der slowenischsprachigen Bevölkerung in Kärnten mit dem Artikel 7 im Staatsvertrag festgeschrieben. Durch die Sozialistische Föderale Republik Jugoslawien wurde Österreich für mangelnde Umsetzung der Minderheitenrechte kritisiert. Wiederholt kam es auch zu diplomatischen Krisen zwischen beiden Staaten. Ein Höhepunkt dieser diplomatischen Krisen wurde durch den sogenannten Kärntner Ortstafelsturm ausgelöst, was zu Demonstrationen in Slowenien und angespannten diplomatischen Korrespondenzen führte. Auch die Diskussion um die Aufarbeitung des Umgangs Jugoslawiens mit der deutschen Minderheit in Slowenien nach 1945 ist bis heute ein kontroversiell diskutiertes Thema.
Seit dem Ende der 1970er-Jahre und in den 1980er-Jahren nahmen grenzüberschreitende Kooperationen zu. 1978 wurde die Arbeitsgemeinschaft Alpe Adria gegründet, deren Mitglieder unter anderem die Teilrepublik Slowenien und die österreichischen Bundesländer Burgenland, Kärnten, Oberösterreich und Steiermark waren. Zudem bildete sich auch eine bedeutende grenzüberschreitende zivilgesellschaftliche Friedensbewegung.
Österreichisch-slowenische Beziehungen nach der Unabhängigkeit Sloweniens 1991
Am 25. Juni 1991 beschloss das slowenische Parlament die Unabhängigkeitserklärung, die am 8. Oktober 1991 in Kraft trat. Slowenien trat 1992 den Vereinten Nationen bei. Mit Rückendeckung der EG-Länder, die Slowenien und Kroatien zum selben Zeitpunkt als unabhängige Staaten anerkannten, erkannte Österreich Slowenien nach langem innenpolitischen Ringen am 15. Jänner 1992 an. Am 15. Jänner 1992 wurde aus dem Generalkonsulat in Ljubljana eine österreichische Botschaft.