Die kroatisch-österreichischen Beziehungen haben ihren Ursprung im Kontext der Habsburgermonarchie. Bis zum 18. Jahrhundert waren die Beziehungen durch die gemeinsame Gefahr durch das Osmanische Reich geprägt. Nach dem Zerfall der Habsburgermonarchie 1918 wurde Kroatien in das neugegründete Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen integriert. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren die Beziehungen vor allem durch kroatische Flüchtlingsbewegungen nach Österreich geprägt. Erst nach dem Zerfall Jugoslawiens ab 1992 und der damit einhergehenden Unabhängigkeit Kroatiens konnten sich die Beziehungen auch politisch verbessern. Der EU-Beitritt Kroatiens 2013 war ein weiterer Meilenstein der österreichisch-kroatischen Beziehungen. Heute zeichnet eine starke wirtschaftliche Verflechtung die Beziehung der beiden Länder aus.

Geschichte

Vorgeschichte (bis 1992) Die politische Beziehungsgeschichte zwischen Kroatien und Österreich ist eng mit der Habsburgermonarchie verwoben. Bereits 1102 trat das bisher unabhängige Königreich Kroatien durch die pacta converta in Personalunion mit dem Königreich Ungarn, deren König Koloman von nun an auch König von Kroatien war.

Bis zum Ende des 15. Jahrhunderts hatten die Osmanen große Teile des Balkans erobert und Ungarn war viel zu sehr mit innenpolitischen Querelen beschäftigt, als dass es sich mit der Türkenabwehr hätten beschäftigen können. So kam es 1526 zur Schlacht von Mohács, im Zuge derer das ungarisch-kroatische Heer vernichtend geschlagen wurde. Die Habsburger standen in dynastischer Verbindung mit den Jagiellonen, weshalb Ferdinand I. Anspruch auf Böhmen und Ungarn hatte, aber weil die Habsburger zu dieser Zeit militärisch nicht stark genug waren, ihren gesamten Herrschaftsanspruch durchzusetzen, kam es zur Dreiteilung Ungarns, bei der Ferdinand I. nur einen schmalen Streifen im Westen beherrschen konnte. Dazu zählte auch „Restkroatien“, denn die kroatischen Stände hatten Ferdinand als König von Kroatien anerkannt, der im Gegenzug die Verteidigungsleistung gegen die Türken übernehmen sollte. Dieser Verpflichtung kam er nach, indem er auf kroatischem Gebiet die windische und die kroatische Grenze errichten ließ, den Ausgangspunkt der späteren Militärgrenze, einem Verteidigungsnetz aus Burgen, Schlössern, Blockhäusern und befestigten Ortschaften. miniatur|Einteilung Österreich-Ungarns. Kroatien und Slawonien werden zusammengefasst In dieser Zeit, also dem 15. und 16. Jahrhundert, kam es auch zur ersten größeren Migrationsbewegung zwischen Kroatien und Österreich. Eine Wirtschaftskrise am Übergang zur Frühen Neuzeit, zahlreiche Epidemien und die Eroberungszüge der Osmanen schufen die Voraussetzung dafür, dass sich zwischen 20.000 und 60.000 Kroaten in den Grenzgebieten der heutigen Staaten Österreich, Ungarn und der Slowakei ansiedelten. Kerngebiet des damaligen Siedlungsgebietes war das heutige Burgenland und der östliche Teil Niederösterreichs.

Die folgende Zeit war aus kroatisch-österreichischer Sicht vor allem von zwei Streitthemen geprägt: Erstens das Verhältnis zwischen Kroatien und Ungarn im Hinblick auf die kroatische Autonomie und zweitens das Land Dalmatien im Kontext des Dreieinigen Königreiches Kroatien, Slawonien und Dalmatien.

Die Frage nach der Autonomie Kroatiens innerhalb des ungarischen Herrschaftsgefüges speiste sich aus drei Argumenten: Erstens verwies man auf die pacta converta, die aus kroatischer Sicht freiwillig zustande kam, woraus das Dogma des ununterbrochenen kroatischen Staatsrechts abgeleitet wurde. Zweitens argumentiere man mit der Pragmatischen Sanktion, die der kroatische Landtag schon 1713 anerkannt hatte. Dieser Beschluss wurde von Kaiser Karl VI. nicht sanktioniert, da – aus nicht-kroatischer Sicht – dem Landtag ein derartiger Beschluss nicht zustand. Der Kaiser nahm erst den ungarischen Beschluss von 1723 an, in dem das mit Ungarn verbundene Königreich Kroatien ausdrücklich eingeschlossen war. Ein dritter Punkt war der Ungarisch-Kroatische Ausgleich von 1868. In der kroatischen Textversion war die Rede von einem Königreichen Ungarn und Kroatien, in der ungarischen Fassung war jedoch ein gemeinsames Grundgesetz vorgesehen, Kroatien war aus dieser Sicht nur ein ungarisches Nebenland mit bestimmten, festgelegten Autonomierechten.

Der zweite Streitpunkt zwischen Österreich und Kroatien war Dalmatien, das einst Bestandteil des Dreieinigen Königreiches Kroatien, Slawonien und Dalmatien war. Mit dem Frieden von Campoformio 1797 fiel Dalmatien an Österreich, die Wiener Regierung weigerte sich allerdings, das neu gewonnene Land an Kroatien anzugliedern. Die Wiedervereinigung war Streitthema bis zum Ende der Monarchie. Für zusätzliche Spannungen sorgte die Vernachlässigung Dalmatiens, wo erst 1908 erste Modernisierungsprozesse einsetzten, nachdem es über 100 Jahre wirtschaftlich nicht ausreichend berücksichtigt wurde. miniatur|Das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen nach dem Zerfall der Donaumonarchie Der Anfang des 20. Jahrhunderts war im Kontext des generellen Nationalitätenkampfes geprägt von der südslawischen Frage, die sich schnell zum Problem für den habsburgischen Vielvölkerstaat entwickeln sollte. Im Sinne des Jugoslawismus kam es zu der Idee einer Vereinigung von Slowenen, Kroaten und Serben in einem Staat. Es überrascht daher nicht, dass das von südslawischen, aus Österreich-Ungarn emigrierten Politikern gegründete Südslawische Komitee und die Exilregierung des Königreiches Serbien in der Erklärung von Korfu von 1917 die Errichtung eines gemeinsamen Staates der Serben, Kroaten und Slowenen proklamierten. Damit bzw. mit dem Ende des Ersten Weltkrieges endete auch die Geschichte Kroatiens als Teil der Donaumonarchie.

Ab 1918 war Kroatien Teil des Königreichs Jugoslawien, welches bis 1941 bestand und dann von Deutschland und Italien besetzt und aufgelöst wurde. Kroatien wurde zum Unabhängigen Staat Kroatien, wobei es de facto ein Protektorat des Deutschen Reiches war und somit wiederum in engem politischen und wirtschaftlichen Kontakt mit der „Ostmark“, also dem an Deutschland angegliederten Österreich stand.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Kroatien Teil der Föderativen Volksrepublik Jugoslawien und ab 1963 Teil der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien. Im Zuge der Gastarbeiterbewegung ab 1966 kamen bis 1971 mehr als 93.000 jugoslawische Arbeitskräfte nach Österreich und auch wenn keine Statistiken für kroatische Gastarbeiter vorliegen, kann man davon ausgehen, dass der Anteil beträchtlich war. Die bisher letzte größere Migrationsbewegung von Kroatien nach Österreich ereignete sich im Zuge des Jugoslawienkrieges zwischen 1991 und 1995. Feindseligkeiten gab es bereits in den 1980er-Jahren, als Serbien mehr und mehr die Vormachtstellung in Jugoslawien beanspruchte. 1989 konstituierten sich – vom System geduldet – in Kroatien und Slowenien Parteien, 1990 kam die nationalistische HDZ, die „Kroatische demokratische Gemeinschaft“ unter Franjo Tuđman in Kroatien an die Macht. Die Konflikte erreichten 1991 ihren Höhepunkt, denn während Kroatien und Slowenien die Umwandlung Jugoslawiens in eine „Konföderation unabhängiger Staaten“ vorschlugen, setzte der serbische Präsident Slobodan Milošević auf die Dominanz Serbiens. Die Weigerung des serbischen Vertreters im Staatspräsidium, den Vorsitz an den kroatischen Vertreter abzugeben, gab dann den Anlass zur Unabhängigkeitserklärung von Slowenien und Kroatien am 25. Juni 1991. Zwar war es schon vorher zu kleineren Kampfhandlungen gekommen, so intensivierte sich der Kroatienkrieg nach der Unabhängigkeitserklärung massiv. Laut UNHCR kamen dabei etwa 13.000 Flüchtlinge aus Kroatien nach Österreich, wobei die meisten davon bereits 1992 wieder nach Hause zurückkehrten.miniatur|207x207px|Alois Mock kümmerte sich um die Anerkennung der Staaten Kroatien und SlowenienSeit dem Zerfall von Jugoslawien haben sich die politischen Beziehungen zwischen Österreich und Kroatien nicht nur verbessert, sondern auch intensiviert. Maßgeblich dafür verantwortlich war der ehemalige österreichische Außenminister Alois Mock. Das überaus positive Bild Mocks in Kroatien ergibt sich vor allem aus seinem Einsatz für die Unabhängigkeit Kroatiens und die humanitäre Hilfe, die Österreich unter seiner Schirmherrschaft im Jugoslawienkrieg leistete.

Im Kontext der humanitären Hilfe waren es Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz, die Caritas, das österreichische Hilfswerk, der Malteser Hospitaldienst und CARE, die die Hilfslieferungen bewerkstelligten, wobei sich auch die österreichischen Bundesländer an den Hilfslieferungen beteiligten. Alois Mock stellte seinerseits mit dem Apparat des Außenministeriums die notwendige Koordinierung und Unterstützung sicher. Die österreichischen Botschaften wurden angewiesen, slowenischen und kroatischen Staatsbürgern in dringenden Fällen humanitäre Hilfe zu leisten. Als spektakulär kann dabei die Evakuierung von 850 Frauen und Kindern aus den Kampfgebieten in Vukovar und Vinkovci gelten, die im Dezember 1991 nach Österreich gebracht wurden. Auch was die Unabhängigkeit Kroatiens anging profilierte sich Mock. So „internationalisierte“ er den Konflikt im Rahmen der EG, der KSZE und der Vereinten Nationen durch den (erfolglosen) Vorstoß der Einrichtung eines Weisenrats für die Jugoslawienkrise. Darüber hinaus sprach er sich im Sommer 1991 vor dem Nationalrat für die Anerkennung eines unabhängigen Sloweniens und Kroatiens aus. Er erhoffte sich, dass mit der Anerkennung der beiden Staaten eine Anrufung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen möglich werden würde, die bisher von der jugoslawischen Zentralregierung abgelehnt wurde. Tatsächlich bewirkte Mock am 25. September 1991 eine Sondersitzung des Sicherheitsrates, im Zuge derer ein Waffenembargo für Jugoslawien verabschiedet wurde.

Politische Geschichte (ab 1992) Durch den Druck auf den Nationalrat gelang es dem österreichischen Außenminister darüber hinaus, einen einstimmigen Beschluss zur Anerkennung von Slowenien und Kroatien zu erwirken, die offizielle Anerkennung erfolgte 15. Jänner 1992. Auch wenn dieser Beschluss schlussendlich gefasst wurde, herrschte innerhalb der Regierung hinsichtlich der Unabhängigkeitsfrage große Uneinigkeit. Der Riss verlief innerhalb der großen Koalition: So verurteilte der damalige sozialdemokratische Bundeskanzler Franz Vranitzky den – wie er es nannte – Alleingang Mocks und glaubte bis zuletzt an die Einheit Jugoslawiens.

Bereits im Zuge des Paneuropa-Picknicks hatte Otto von Habsburg angemerkt, dass Slowenien und Kroatien ihr Selbstbestimmungsrecht erhalten müssten. Bei seinem ersten offiziellen Besuch in den unabhängigen Staaten Slowenien und Kroatien am 18. Jänner 1992 wurde Alois Mock frenetisch bejubelt. Wenig überraschend ist es daher, dass auch die Friedensverhandlungen zur Beilegung der Kampfhandlungen zwischen Bosnien und Kroatien in Wien stattfanden. Doch auch im Bosnienkonflikt wurde Alois Mock aktiv: So war er maßgeblich daran beteiligt, dass das „Washingtoner Abkommen zur Gründung der Bosnisch-Kroatischen Föderation in Bosnien und Herzegowina“ ratifiziert wurde, das den Kroatisch-bosniakischen Krieg beendete. Der Casus Belli war die Unabhängigkeitsbestrebung der Kroatischen Republik Herceg-Bosna. Unterzeichnet wurde das Friedensabkommen vom bosnischen Ministerpräsidenten Haris Silajdžić, dem Vertreter der bosnischen Kroaten Krešimir Zubak und dem kroatischen Außenminister Mate Granić.mini|Mitgliedsstaaten der Zentraleuropäischen Verteidigungskooperation (CEDC) 2010 wurde die Zentraleuropäische Verteidigungskooperation gegründet. Es handelt sich um eine Kooperation der mitteleuropäischen Staaten Österreich, Kroatien, Slowenien, Slowakei, Ungarn und Tschechien in sicherheitspolitischen Fragen. Diese Kooperation kam in der Flüchtlingskrise ab 2015, beziehungsweise deren Bewältigung, zum Tragen.