Der Ford Fiesta ’76 wurde ab Mai 1976 gebaut und ist die erste Baureihe des bis Juli 2023 produzierten Kleinwagens Ford Fiesta. Das Fahrzeug war eine Neuentwicklung und der erste kompakte Kleinwagen von Ford. Nach dem Ford P4, dem Ford P6 und dem in Europa nicht angebotenen Ford Corcel war der Fiesta der vierte Ford mit Frontantrieb.

Modellgeschichte Da die Verantwortlichen bei Ford Ende der 1960er-Jahre eine Lücke in der bestehenden Modellpalette sahen, begannen sie mit der Entwicklung eines modernen Kleinwagens unter dem Projektnamen Bobcat. Aussagen über die in die Entwicklung investierte Summe bewegen sich zwischen 112 Millionen und zwei Milliarden DM.Der Kleinwagen, den Henry Ford II persönlich abnickte. In: welt.de, abgerufen am 11. September 2020. Nach heutiger Kaufkraft und inflationsbereinigt entspricht dies etwa Millionen bis Milliarden Euro. Es sei die größte Investition gewesen, die Ford bis dahin jemals für ein Fahrzeugmodell aufgebracht habe.Mit Frontantrieb und Vollheckkarosserie. In: Kraftfahrzeugtechnik 7/1977, S. 218–219.

Zur Produktion des Kleinwagens begann Ford 1974 in Almussafes in der Provinz Valencia mit dem Bau einer neuen Produktionsstätte auf rund 2,7 Millionen Quadratmetern, wo ab Mai 1976 die Produktion des neuen Ford Fiesta aufgenommen wurde. Bereits 1975 wählte Henry Ford II persönlich den Namen Fiesta wegen der Alliteration mit dem Firmennamen Ford und der neuen Verbindung zu Spanien.

Fast alle Konkurrenten außer Opel hatten im Segment des Fiesta schon ein Modell im Angebot: der VW-Konzern den Audi 50 und den fast baugleichen VW Polo I, Fiat den 127, Renault den Renault 5 und PSA den Peugeot 104; hinzu kamen unter anderem japanische Modelle wie der Datsun Cherry. Opel baute zu dieser Zeit kein so kleines Fahrzeug. Das kleinste Modell war die vom Opel Kadett C (1973–1979) abgeleitete Schräghecklimousine Kadett City, denn der Opel Corsa kam erst Ende 1982 auf den Markt. Die erste Ölkrise (1973/74) hatte zu deutlich gestiegenen Kraftstoffpreisen geführt, weshalb die Nachfrage nach Kleinwagen in den 1970er-Jahren hoch war.

Der Fiesta wurde ab dem 11. Mai 1976 als fünfsitzige Limousine mit drei Türen und Schrägheck oder als Kleinlieferwagen gebaut. Die verschiedenen Varianten waren mit 1,0-, 1,1-, 1,3- und 1,6-Liter-Ottomotoren und Vierganggetriebe erhältlich. Die angetriebenen Vorderräder des Fiesta waren einzeln an MacPherson-Federbeinen und Querlenkern aufgehängt; die starre Hinterachse führten zwei Längslenker, ein Panhardstab und die Stoßdämpfer, die das Bremsreaktionsmoment aufnahmen. Als Vorläufer des späteren XR2 mit 1,6 Litern und 62 kW gilt der Fiesta Super S mit wahlweise 1,1- oder 1,3-Liter-Motor. Er nahm auch das Design der Seitenstreifen vorweg (Baujahre 1980 bis 1981). Aus der Motorsportabteilung gab es überdies noch im gleichen Zeitraum den Fiesta X mit 1,1-Liter-Motor und 51,5 kW; die Basis war der Fiesta Ghia. Der Fiesta X hatte die spätere Karosseriezeichnung des XR2, nur ohne Seitendekor.

Der Fiesta war auch als Kleinlieferwagen erhältlich. Der Zweisitzer war ohne Rücksitzbank ausgeführt, hatte eine ebene Ladefläche mit 1,12 m² Grundfläche und eine maximale Zuladung von 310 kg. Anstatt der hinteren Seitenscheiben hatte der Fiesta Bleche, die in vielen Ländern Voraussetzung für die unter anderem steuerlich günstige Lkw-Zulassung waren. Eine Abtrennung des Laderaums zu den Insassen mit einem Gitter oder einem Netz fehlte.

Von 1977 bis 1980 wurde der Fiesta ’76 auch auf dem US-amerikanischen Markt angeboten. Die US-Version, die in Köln gebaut wurde, unterschied sich durch Energie absorbierende Stoßfänger, seitliche Begrenzungsleuchten, runde Scheinwerfer und eine in Europa nicht erhältliche optionale Klimaanlage. Alle US-Modelle hatten den stärkeren 1,6-Liter-Kentmotor (ausgestattet mit einem Katalysator und Sekundärluftpumpe für niedrigere Emissionen). Auf dem US-Markt ersetzte der Ford Escort im Jahr 1981 den Fiesta.

Modellpflege Im August 1981 wurde eine Modellpflege vorgenommen, bei der zahlreiche technische Details geändert wurden. Äußerliches Unterscheidungsmerkmal waren die neuen, größeren Stoßfänger mit Kunststoffecken. Das Modell wurde zum Teil auch als Fiesta ’82 bezeichnet. Nach der Modellpflege wurde auch der Fiesta XR2 als Topmodell der Baureihe vorgestellt. Mit einem Kent-Motor mit 1,6 Litern Hubraum, der 62 kW (84 PS) leistet, ist er etwas unter dem Escort XR3 mit dem neuen CVH-Motor mit 71 kW (97 PS) angesiedelt. Zur Serienausstattung des XR2 gehören Leichtmetallfelgen, Niederquerschnittsreifen, Radhausverbreiterungen und Seitenschweller aus Kunststoff, Sportsitze,Ford Fiesta; Verkaufsprospekt 20313; Ford-Werke Köln ein Drehzahlmesser und eine Digitaluhr mit Stoppfunktion.

Ausstattungslinien Grundmodell Fiesta L Fiesta GL Fiesta Ghia Fiesta S Fiesta XR2

Sondermodelle Fiesta 1100X Fiesta Avus Fiesta Bravo Fiesta Festival I & II

Außenfarben Uni-Lacktöne: Diamant-Weiß Schwarz1982–1983 Riviera-Blau1976–1978 Nordic-Blau1978–1981 Baltik-Blau1982 Mittel-Blau1983 Mitternachts-Blau1976–1981 Hell-Grau1983 Eis-Grau1982–1983 Tauben-Grau1979–1981 Hell-Grau/Grün1983 Calypso-Grün1976–1978 Java-Grün1978–1979 Pinien-Grün1982–1983 Jasmin-Gelb1982 Prärie-Gelb1979–81 Sonnen-Rot1979–1983 Venezia-Rot1976–1979 Kardinal-Rot1982–1983 Sienna-Braun1982 Terracotta-Braun1978–1981 Rio-Braun1982–1983 Dunkel-Braun1983 Sierra-Beige1976–1978 Cordoba-Beige1978–1979 Sand-Beige1982–1983 Toscana-Beige1976–1978

Signalfarben: Signal-Gelb1976–1979 Signal-Orange1976–1978 Signal-Rot1978–1979

Intensiv-Metallic-Farben: Strato-Silber Graphit-Grau1981–1982 Inka-Gold1976–1978 Solar-Gold1979–1981 Champagner-Gold1981–1983 Antik-Bronze1979–1981 Jupiter-Rot1976–1978 Imperial-Rot1981–1983 Gletscher-Blau1981–1982 Arctic-Blau1979–1981 Cosmos-Blau1976–1979 See-Blau1981–1983 Kristall-Grün1979–1982 Nova-Grün1979–1981 Tannen-Grün1979–1981 Jade-Grün1981–1982

Technik mini|250px|Nach vorne öffnende Motorhaube bei einem Fiesta 1,3 Supersport Karosserie Die erste Baureihe des Ford Fiesta war fünfsitzig, als dreitürige Schräghecklimousine und als zweisitziger Kleinlieferwagen ohne hintere Seitenfenster lieferbar. Die selbsttragende Karosserie besteht aus Stahlblech. Ihre Form wurde von Tom Tjaarda gestaltet. Bei den ersten beiden Baureihen des Fiesta öffnet sich die Motorhauben nach vorne. Diese Lösung wurde in erster Linie verwendet, um am Windlauf (vor der Windschutzscheibe) den Platz für die Scharniere einzusparen. Im Gegensatz zur dritten Baureihe hat der Fiesta ’76 keinen zusätzlichen Seitenaufprallschutz. Ein PVC-Unterbodenschutz in den Radhäusern, Hohlraumschutz in den Türen und Seitenschwellern, Steinschlagschutz außen am Frontblech, an den Seitenschwellern, den Radlaufkanten und im unteren Bereich der Türen sowie Wachs am kompletten Bodenblech verzögern das Rosten der Karosserie.

Fahrwerk mini|links|hochkant|MacPherson-Federbein, wie es im Fiesta verwendet wird An der Vorderachse sind zweiteilige Querlenker mit Zugstreben und MacPherson-Federbeinen eingebaut. Die Zahnstangenlenkung ist mit einer Sicherheitslenksäule kombiniert, eine Servounterstützung war jedoch weder als Serien- noch als Wunschausstattung verfügbar.

Die starre Hinterachse wird an Längslenkern, einem Panhardstab und den Stoßdämpfern geführt und mit Schraubenfedern gefedert. Die Stoßdämpfer sind anders als üblich an zwei Punkten mit dem Achsrohr verbunden, um die Bremsreaktionskräfte aufzunehmen und die Achse am Verdrehen zu hindern.Jörnsen Reimpell: Fahrwerktechnik 1, Würzburg 1978, ISBN 3-8023-0505-1, S. 313 f. Anders als Dämpferbeine sind sie in seitlicher Richtung schwenkbar, um wechselseitiges Einfedern zu ermöglichen.

Der XR2 ist tiefergelegt und mit einem speziell abgestimmten Fahrwerk sowie einem Stabilisator an der Hinterachse ausgestattet. Beim XR2 besteht der Panhardstab aus vollem Rundmaterial statt aus einem Stahlblechprofil.

Bremssystem Alle Fiesta ’76 sind mit einem diagonal geteilten Zweikreis-Bremssystem sowie ausstattungsabhängig mit einem pneumatischen Bremskraftverstärker ausgerüstet. An der Vorderachse gibt es Scheibenbremsen mit schwimmend gelagerten Bremssätteln, beim XR2 sind die Scheiben innenbelüftet. An der Hinterachse sind Trommelbremsen eingebaut, auf die auch die Feststellbremse wirkt.

Antrieb Alle Motoren und Getriebe des Fiesta sind quer eingebaut und treiben die Vorderräder über Gleichlaufkugelgelenkwellen an. Bei den Motoren handelte es sich um keine gänzlichen Neuentwicklungen. Sie basierten auf den bekannten Valencia- und Kentmotoren mit OHV-Ventilsteuerung und Grausguss-Zylinderkopf mit Querstromspülung. Allerdings wurde am 1100er Motor die Bohrung verringert und der Hub verlängert, um eine kürzere Einbaulänge des nun quer montierten Motors zu erreichen. Außerdem war die Kurbelwelle nur dreifach gelagert. Um später dann auch die größeren 1,3- und 1,6-l-Motoren quer einbauen zu können, wurde die Kurbelwelle gekürzt und ein anderer Stirndeckel verwendet. Die Vierganggetriebe vom Typ BC sind mechanisch betätigte Schaltgetriebe mit einer ebenfalls mechanisch betätigten Kupplung.

Gemischaufbereitung und Zündung Den Ford Fiesta ’76 gibt es ausschließlich mit Vergasermotoren. Bei den 1,0- und 1,1-Liter-Motoren sind es Einfachvergaser von Ford, der 1,3 und XR2 haben Registervergaser von Weber.

Alle Ottomotoren sind mit einem herkömmlichen Zündverteiler von Bosch oder Lucas ausgerüstet, die bei den 1,0; 1,1- und 1,3-Liter-Motoren noch mit einem Unterbrecherkontakt arbeiten. Der XR2 sowie die 1,3-Liter-Motoren ab August 1981 sind mit kontaktlosen Zündanlagen mit externem Zündsteuergerät ausgestattet.

Elektrische Anlage und Beleuchtung Die elektrische Anlage des Fiesta arbeitet mit 12-Volt, je nach Motorisierung sind Drehstromlichtmaschinen mit 28, 35, 45 oder 55 Ampere eingebaut. Die Hauptscheinwerfer waren anfangs mit Bilux-Leuchtmitteln ausgerüstet, April 1977 stellte Ford schrittweise auf Typ H4-Halogenlampen um, ab Mai 1981 wurden alle Fiesta mit Leuchtmitteln dieses Typs ausgerüstet, die optionalen runden Zusatzscheinwerfer immer mit Typ H1.

Technische Daten 1.0 (LC)1.0 (HC)1.11.3XR2(ab 1981)Motor: 4-Zylinder-Reihenmotor (Viertakt)Motortyp: Valencia KentMotorkennbuchstabe: TKA, TKW TLA GLA, GLW J3E L3EHubraum: 957 cm³ 1117 cm³ 1297 cm³ 1596 cm³Bohrung × Hub: 74 × 55,7 mm 74 × 65 mm 81 × 63 mm 81 × 77,6 mmLeistungbei 1/min: 29–33 kW(40–45 PS)5500 33 kW(45 PS)6000 37–39 kW(50–53 PS)5700 49 kW(66 PS)5600 62 kW(84 PS)5500Max. Drehmomentbei 1/min: 64 Nm2700 65 Nm3300 80 Nm3000 94 Nm3250 124 Nm2800Verdichtung: 8,3 : 1 9,0 : 1 9,2 : 1 9,0 : 1Gemischaufbereitung: 1 Ford VV-Fallstromvergaser 1 Weber Register-FallstromvergaserVentilsteuerung: OHV(Steuerkette, Nockenwelle im Motorblock, mechanische Ventilstößel, Stoßstangen, Kipphebel, hängende Ventile)Kühlung: WasserkühlungGetriebe: 4-Gang-GetriebeRadaufhängung vorn: MacPherson-Federbeine, Zugstreben, SchraubenfedernRadaufhängung hinten: Starrachse, Längslenker, in eine Richtung radführende Dämpfer, Panhardstab, SchraubenfedernKarosserie: Stahlblech, selbsttragendSpurweite vorn/hinten: 1334/1320 mmXR2: 1350/1337 mmRadstand:; 2288 mmLänge: 3565–3718 mmLeergewicht: 730–865 kgHöchstgeschwindigkeit: 132 km/h 139 km/h 147 km/h 158 km/h 170 km/hBeschleunigung0–100 km/h: 21,5 s 19 s 17 s 13,5 s 10,1 sVerbrauch inLiter/100 Kilometer: 5,2–7,1 N 5,2–7,1 S 4,8–6,8 S 5,8–8,5 S 6,5–10,0 S

Motorsport

mini|Ford Fiesta „Spiess“, Bj. 1978, 1297 cm, im historischen Rennsport (2021) Ab 1982 wurde der Ford Fiesta Ladies-Cup auf baugleichen und nahezu serienmäßigen Fiesta XR2 ausgetragen. Der Markenpokal war die erste Rennserie nur für Frauen.